2020 Fuku Info

Archiv aus dem Jahr 2020 in umgekehrter Chronologie. Das heißt: Das aktuellste folgt zuerst.          

 (Zu den aktuellen Nachrichten)

 

29.09.2020

AKW Ikata, Brand im Reaktorblock 3

Im Reaktorblock 3 am AKW Ikata, Präfektur Ehime ist heute Nachmittag gegen 15:00 Uhr ein Feuer ausgebrochen. Als die Feuerwehr eintraf, hatten die Arbeiter den Brand jedoch schon mittels Feuerlöscher selber gelöscht. Laut den betreibenden Shikoku Elektrizitätswerken sei auch keine Radioaktivität ausgetreten. Der Brand, der durch Funkenflug bei Schweißarbeiten ausgebrochen war, befand sich außerhalb des Kontrollbereiches.

Der Reaktor 3 ist seit Dezember 2019 wegen Routinewartung und per Gerichtsurteil von Januar 2020 vom Netz (antiatom-fuku berichtete). Zurzeit werden dort auch bauliche Nachbesserungen für den Terrorschutz durchgeführt, die Anlass für die Schweißarbeiten gewesen sind.

 

AKW Ikata, Brennelemente sollen in die USA verschifft werden

Wie die betreibenden Shikoku Elektrizitätswerke gestern bekannt gaben, sollen 42 unbenutzte Brennelemente, die im stillgelegten Reaktorblock 1 lagern, in die USA verschifft werden. Das ist bisher landesweit das erste Mal, dass Brennelemente ein AKW unbenutzt wieder verlassen. Laut den betreibenden Shikoku Elektrizitätswerken und der Regierung geschehe das im Rahmen der Stilllegung des Reaktors. Der Reaktor 2 wurde ebenfalls schon stillgelegt und im Reaktor 3 können diese nicht verwendet werden.

Die Verschiffung soll zwischen Oktober und Dezember stattfinden. Der detaillierte Zeitplan wird jedoch aus Sicherheitsgründen nicht bekannt gegeben.  

 

24.09.2020

Radioaktives Wasser am AKW Fukushima – Generalversammlung der IAEA

Bei der fünftägigen Generalversammlung der IAEA und Vertretern aus 172 Ländern, die am Montag begann, kam auch das hochradioaktive Wasser, das am AKW Fukushima Daiichi in großen Tanks auf dem Gelände lagert, zur Sprache.

Am AKW Fukushima Daiichi lagern 1.230.000 Tonnen hochradioaktives, vor allem tritiumbelastetes Wasser in großen Tanks, das bereits mehrfach für die Kühlung der drei Kernschmelzen verwendet worden ist und nun nicht mehr „gereinigt“ werden kann.

Um das Problem „zu lösen“, plant die japanische Regierung schon seit längerer Zeit das besagte Wasser ins Meer zu verklappen, bzw. in die Atmosphäre zu verdampfen (antiatom-fuku berichtete).

Darüber zeigt sich vor allen die südkoreanische Regierung besorgt, die nicht zu Unrecht eine große Umweltkatastrophe mit weitreichenden gesundheitlichen Folgen befürchtet. So fordert die südkoreanische Regierung auch mehr Details zu den Plänen der japanischen Regierung. „Es würden alle wichtigen Informationen der IAEA und der internationalen Gemeinschaft mitgeteilt“, so ein Vertreter der japanischen Regierung. „Man halte die IAEA bei den laufenden Stilllegungsarbeiten des AKWs Fukushima Daiichi stets auf dem aktuellen Stand“, so der Regierungsvertreter weiter. „Auch wolle man mit Korea im direkten Dialog stehen“. Davon lässt sich die südkoreanische Regierung jedoch nicht so wirklich überzeugen, hofft aber, dass das keine leeren Versprechungen sind. Des Weiteren stellt Südkorea auch Forderungen an die IAEA: „Es ist dringend notwendig, nicht nur die Angemessenheit der Methode gründlich zu überprüfen, sondern auch das Ausmaß, in wie weit die Umwelt mittel- bis langfristig geschädigt wird. Diese dürfe nicht nur in Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Politikern und der IAEA geschehen, sondern muss auch in Abstimmung mit der internationalen Gemeinschaft erfolgen“.

 

20.09.2020

AKW Fukushima, hochradioaktives Wasser wird erneut gefiltert

Der Betreiber Tepco will das hochradioaktive Wasser, das in großen Tanks am havarierten AKW Fukushima Daiichi lagert, erneut filtern, um die Radioaktivität zu senken. Zurzeit lagern dort etwa 1.230.000 Tonnen hochradioaktives Wasser, das bereits mehrfach für die Kühlung der geschmolzenen Brennelemente der Reaktoren 1 bis 3 verwendet und „gereinigt“ wurde, aber nun als Atommüll keine weitere Verwertbarkeit mehr findet. 70% des Wassers, also 820.000 Tonnen weisen eine so hohe Radioaktivität auf, dass die festgelegten Grenzwerte im Falle einer Verklappung ins Meer deutlich überschritten würden. Dieses Wasser wird nun, in der Hoffnung noch weitere radioaktive Partikel entfernen zu können, erneut gefiltert. Diese Maßnahme soll bis Januar 2021 andauern. Dann will Tepco das Ergebnis bewerten. Eine Entscheidung bezüglich Verklappung ins Meer, bzw. die Verdampfung in die Atmosphäre wird dann durch die Regierung getroffen.

Bereits im vergangenen Februar hatte das „kleine Komitee“, eine Arbeitsgruppe innerhalb der Regierung, die sich mit dem „Wasserproblem“ befasst, schon befunden, dass die Verklappung, bzw. Verdampfung die einzige und auch wirtschaftlichste „Lösung“ sei (antiatom-fuku berichtete).

Die Filteranlage „ALPS“ ist in der Lage 63 radioaktive Partikel herauszufiltern. Das Tritium hingegen bleibt jedoch weiterhin ein ungelöstes Problem. Der Löwenanteil des hochradioaktiven Wassers, das auf dem Gelände lagert, besteht nämlich aus Tritium!

 

19.09.2020

Klage gegen das AKW Ōi – Urteil Anfang Dezember erwartet

Gegen den Weiterbetrieb der Reaktoren 3 und 4 am AKW Ōi, Präfektur Fukui hat eine Bürgerinitiative eine Klage beim Amtsgericht Osaka eingereicht. Grund der Klage ist das Vorhandensein dreier seismisch aktiver Verwerfungen auf dem AKW-Gelände, so dass im Falle eines Erdbebens ein sicherer Weiterbetrieb beider Reaktoren nicht gewährleistet werden kann. Somit stehe vor allem auch die Regierung in der Pflicht, zum Schutze der lokalen Bevölkerung, für eine Gefahrenabwendung zu sorgen, indem man den Kansai Elektrizitätswerken den Weiterbetrieb beider Reaktoren nämlich untersagen müsste. Die Regierung hingegen sieht jedoch keinen Handlungsbedarf und erwartet, dass die Klage abgewiesen wird. Die Verhandlung ist für den 04.12.2020 angesetzt.

Bereits 2014 wurde der Weiterbetrieb beider Reaktoren durch das Amtsgericht Fukui untersagt. Die Gründe waren dieselben. Allerdings wurde das Urteil 2018 durch das Landgericht Nagoya kassiert, so dass beide Reaktoren wieder ans Netz durften (antiatom-fuku berichtete).

 

16.09.2020

Mit Genkai 3, ein weiterer Reaktor bald vom Netz

Der Reaktor 3 am AKW Genkai, Präfektur Fukui wird am kommenden Freitag, den 18.09.2020 zwecks jährlicher Revision heruntergefahren. Diese soll bis Ende November/Anfang Dezember andauern. Bei Reaktor 3 handelt es sich um einen DWR aus dem Jahr 1994, der neben „normalen“ Uranbrennelementen auch mit plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen betrieben wird.

Somit wären dann nur noch 3 von 9 Reaktoren noch am Netz, die seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima wieder in Betrieb waren. Grund dafür sind Gerichtsurteile, Versäumnisse bei der Nachbesserung des Terrorschutzes, sowie technische Schäden, die bei der laufenden Revision entdeckt worden sind (antiatom-fuku berichtete).

Die regionale und landesweite Energieversorgung kann durch den Rückgang des Atomstroms jedoch weiterhin ohne Probleme gewährleistet werden.

 

Wiederinbetriebnahme zweier Altreaktoren verschiebt sich auf 2021

Die Wiederinbetriebnahme der von der Atomaufsichtsbehörde NRA für eine Laufzeitverlängerung freigegebenen Altreaktoren Mihama 3 und Takahama 1 verzögert sich aufgrund von technischen Problemen und nötigen Nachbesserungen, die noch erbracht werden müssen. Laut den betreibenden Kansai Elektrizitätswerken soll Mihama 3 frühestens im Januar 2021 und Takahama 1 im März 2021 hochgefahren werden. Ursprünglichen Planungen zufolge sollten nämlich beide Reaktoren noch im Herbst dieses Jahres ans Netz gehen.

 

12.09.2020

Mittelstarkes Erdbeben in der Tohoku-Region

In der Tohoku-Region, Nordjapan hat sich heute um 11:44 Uhr (japanische Ortszeit) ein Erdbeben der Stärke 4,0 auf der Richter-Skala mit der Einstufung M 6,1 ereignet. Das Epizentrum lag in 40 km Tiefe im Meer, vor der Küste der Präfektur Miyagi. Eine Tsunamiwarnung wurde nicht herausgegeben, es folgten jedoch noch zahlreiche weitere Nachbeben.

Nicht weit vom Epizentrum entfernt befinden sich die AKWs Onagawa (nördlich), Fukushima Daiichi und Daini (südlich vom Epizentrum). Laut den betreibenden Elektrizitätswerken habe es dort jedoch keinen Störfall durch das Erdbeben gegeben. In der Wiederaufbereitungsanlage und Atommülllager Rokkasho habe es ebenfalls keinen Zwischenfall gegeben, so die betreibenden Nihon Genen (JNFL).

 

09.09.2020

AKW Ōi, Reaktor 3, defekte Rohre im Primärkreislauf gefunden

Am AKW Ōi, Präfektur Fukui wurden im Reaktorblock 3, der sich zurzeit in der jährlichen Revision befindet, Defekte an den Rohren des Primärkreislaufes gefunden. Hier bei handelt es sich um Schäden auf der Innenseite der Rohre, die laut den betreibenden Kansai Elektrizitätswerken durch Alterung des Materials entstanden sind. Da die Wände der Rohre, so die Kansai Elektrizitätswerke, eine Dicke von 14mm aufweisen, und die gesetzlich vorgeschriebene Mindeststärke bei 8,2mm liegt, würden die Defekte keine Probleme im regulären Betriebsablauf darstellen, so dass die Rohre auch nicht ausgetauscht werden müssen. 

Bei Reaktor 3 handelt es sich um einen Druckwasserreaktor (DWR) aus dem Jahr 1991. Die bisher gefundenen Defekte an den Innenwänden der Rohre weisen jedoch schon eine Tiefe von 4,6mm auf. Diese defekten Rohre verbinden im Primärkreislauf den Reaktordruckbehälter mit den Dampferzeugern, stehen also im ständigen Kontakt mit dem hochradioaktiven heißen Wasser.

Die Defekte wurden bei einer Ultraschallinspektion entdeckt. Weitere Ultraschallinspektionen werden zurzeit noch durchgeführt.

Somit verschiebt sich die für Ende dieses Monats geplante Wiederinbetriebnahme bis Ende Oktober oder später.

 

07.09.2020

AKW Fukushima, Analysen zum Unfallhergang: mehrere Wasserstoffexplosionen in Reaktorblock 3 vermutet

Neusten Analysen der Atomaufsichtsbehörde NRA zufolge, haben sich im März 2011 im Zuge der Reaktorkatastrophe von Fukushima, im Reaktorblock 3 mehrere statt wie bisher angenommen „nur“ eine Wasserstoffexplosion ereignet. Die Reaktorgebäude 1 und 3 wurden damals durch die Wasserstoffexplosion stark, bzw. sehr stark beschädigt, insbesondere die Dächer. Nach Auswertung der Untersuchungsdaten und Videoaufnahmen aus dem Inneren der Gebäude, lässt die Art der Beschädigung an Wänden und Gebäudedach auf eine einzige Wasserstoffexplosion in Block 1, jedoch mehrere Explosionen in Block 3 schließen. So wurden im Block 3 sowohl im 4. als auch im 5. Stockwerk Beschädigungen festgestellt, die typisch für eine Explosion sind.

Diese Erkenntnisse teilte die NRA am 03.09.2020 bei einer Konferenz mit. Anhand dieser Daten will die NRA die „Sicherheit“ für andere AKWs verbessern.

 

30.08.2020

Ishinomaki, Petition gegen das AKW Onagawa überreicht

7 Vertreter mehrere Bürgerinitiativen aus der Umgebung des AKWs Onagawa, Präfektur Miyagi haben Ende dieser Woche dem Vorsitzenden des Stadtrats der Stadt Ishinomaki eine Petition mit 8470 Unterschriften gegen die Wiederinbetriebnahme des Reaktors 2 überreicht. Begründet werden die Forderungen mit der Besorgnis vieler Bürger bezüglich der Sicherheit des AKWs, die auch die Umsetzbarkeit der Katastrophenschutz- und Evakuierungspläne für den Fall einer radiologischen Notfallsituation infrage stellen. „Man werde die Angelegenheit noch einmal sorgfältig überprüfen“, so der Stadtratvorsitzende Shunichi Omori.  

Bisher dauern die von der Atomaufsichtsbehörde geforderten Nachbesserungen am Reaktor 2 jedoch noch an, so dass die ursprünglich für den vergangenen April geplante Wiederinbetriebnahme schon mehrfach verschoben worden ist. Laut den betreibenden Tohoku Elektrizitätswerken soll dies nun Anfang 2022 der Fall sein.

Neben der Präfekturverwaltung müssen auch die einzelnen Gemeinden der Wiederinbetriebnahme eines Reaktors zustimmen.  

 

29.08.2020

Ministerpräsident Abe (LDP) kündigt seinen Rücktritt an

Am gestrigen Freitag kündigte der amtierende Ministerpräsident Shinzo Abe (LDP) seinen baldigen Rücktritt an. „Die Nachfolge“ werde noch geklärt, so Abe auf einer Pressekonferenz, die am gestrigen Freitag stattfand. Als Begründung nannte er gesundheitliche Gründe. Unabhängigen Beobachtern zufolge ist dies jedoch eher die Flucht nach vorne bei geringer Aussicht auf eine weitere Amtszeit als Ministerpräsident.

Denn nicht nur die Vorgehensweise zu Beginn der Corona-Kriese, sondern auch der „Abe no Mix“ mit „lockerer Geldpolitik“, wo Abe den wirtschaftlichen Aufschwung für Japan vollmundig versprach, der bis heute jedoch nicht eingetreten ist, brachte Abe sehr viel Kritik ein. So auch Abes Energiepolitik, bei der er direkt nach Amtsantritt 2012 den von der Vorgängerregierung beschlossene Atomausstieg rückgängig gemacht hatte. Zu dem hält Abe, trotz großer Kritik aus der Bevölkerung, weiter an der Atomenergie fest und versuchte möglichst viele Reaktoren wieder hochfahren zu lassen, wobei er sogar Neubauprojekte für AKWs vorantreibt.

Bei fehlenden Alternativen unter den Oppositionsparteien gegenüber der großen Regierungspartei LDP, die im ganzen Land gut aufgestellt ist, sehen viele Japaner, trotz ihrer Kritik an der gegenwärtigen Regierung LDP/Komeito keine Alternative für einen Politikwechsel, so dass die Nichtwählerquote stets recht hoch ist. Denn die Oppositionsparteien sind im Vergleich zur LDP eher klein oder zersplittert.

2013, als Japan den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2020 erhielt, propagierte Abe noch, das bezüglich des 2011 havarierten AKWs Fukushima Daiichi „alles unter Kontrolle sei“. Eine glatte Lüge, die in der Öffentlichkeit auch direkt für Zündstoff sorgte. Was er jedoch nicht öffentlich propagierte, sondern nur an den Betreiber Tepco richtete, war die Anordnung, „das während der Olympischen Spiele keine gefährlichen Arbeiten am AKW Fukushima Daiichi durchgeführt werden dürfen“.

Und im Rahmen der sogenannten Wiederaufbauarbeiten in der von der Dreifachkatastrophe zerstörten Tohoku-Region, trieb Abe die „Revitalisierung“ verstrahlter Evakuierungsgebiete voran, indem er u.a. das Wohngeld für Strahlenflüchtlinge strich, und diese somit quasi dazu nötigte, in ihre radioaktiv kontaminierte Heimat, die nach einer Flächendekontamination wieder „freigegeben“ worden ist, zurückzukehren.

Die Folgen der Reaktorkatastrophe werden durch die Abe-Regierung stets kein geredet, und die Olympischen Spiele 2020, dessen Austragung teilweise auch in der Präfektur Fukushima geplant war, sollten der Welt zeigen, dass in Fukushima „wieder alles in Ordnung sei“. Auch die ersten Etappen des olympischen Fackellaufes führten durch die ehemalige Sperrzone, nahe am havariertem AKW Fukushima Daiichi vorbei.

Jegliche Proteste wurden ignoriert und der Fackellauf begonnen. Dann kam aber die Coronapandemie, die nun der Regierung einen dicken Strich durch die Rechnung machte, so dass der Fackellauf Ende März abgebrochen und die Olympischen Spiele, die im vergangenen Juli beginnen sollten, abgesagt, bzw. auf 2021 verschoben worden sind.

Dabei wurde die Coronapandemie von der Abe-Regierung, wie so vieles erst einmal klein geredet, da man die vielversprechenden Olympischen Spiele auf keinen Fall absagen wollte. Angeblich gab es Ende März kaum Coronafälle in Japan, die Dunkelziffer jedoch bereits in die Höhe geschossen. Es wurde „vorsichtshalber“ einfach kaum getestet, um die Coronazahlen klein zu halten, und somit das Großprojekt Olympia 2020 nicht zu gefährden. Auch dieser Schuss ging jedoch nach hinten los.

Ab 2014 begann Abe alles daran zu setzen, den Artikel 9 (Antikriegsgesetz) in der pazifischen Verfassung zu Gunsten aktiver Militäreinsätze abzuändern, was der Regierung ebenfalls viel Kritik einbrachte.

Wer nun Abes Nachfolger wird, und ob es einen politischen Kurswechsel geben wird, bleibt abzuwarten, da die potentiellen Kandidaten ebenfalls der LDP, bzw. enge verbündete von Abe sind.  

 

24.08.2020

Kansai E`Werke drängen auf Wiederinbetriebnahme zweier Altreaktoren

Die Kansai Elektrizitätswerke wollen so rasch wie möglich die beiden Altreaktoren Mihama 3 und Takahama 1 (beide Präfektur Fukui) wieder hochfahren.

Takahama 1 ist seit Januar 2011 und Mihama 3 seit Mai 2011 vom Netz.

Der Termin für die Wiederinbetriebnahme wurde jedoch schon drei Mal verschoben, da noch ein paar Mängel bei der Nachrüstung beider Reaktoren behoben werden mussten. Nun soll Mihama 3 im Januar 2021 und Takahama 1 im März 2021 wieder hochgefahren werden.

Die Atomaufsichtsbehörde NRA hatte bereits 2016, unter der Voraussetzung, dass beide Reaktoren entsprechend der gesetzlichen Anforderungen nachgerüstet werden, eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre erteilt. Daraus ergibt sich für beide Reaktoren eine Gesamtlaufzeit von jeweils 60 Jahren!

Allerdings ist fraglich, ob die Wiederinbetriebnahme beider Reaktoren überhaupt genehmigt wird, da die zuständigen Behörden nämlich aufgrund eines Skandals mit Bestechungsgeldern, der vor 2 bis 3 Monaten aufgedeckt worden ist (antiatom-fuku berichtete), sehr misstrauisch gegenüber der betreibenden Kansai Elektrizitätswerke sind. Zudem müssen noch die von der Atomaufsichtsbehörde NRA geforderten Nachbesserungen in Sachen Terrorschutzes vor Ablauf der gesetzten Frist erbracht werden. Das bedeutet für Reaktor 1 am AKW Takahama bis Juni 2021 und für Mihama 3 bis Oktober 2021. Sollte es bis dahin nicht erfolgen, müssen beide Reaktoren sofort wieder vom Netz; vorausgesetzt die durfte überhaupt hochgefahren werden.

 

16.08.2020

Japan, nahezu kein Import mehr von Uran

Auch in Japan stagniert die Atomindustrie. Denn wie die aktuelle Handelsstatistik zeigt, wurde 2019 zum ersten Mal seit etwa 50 Jahren, also seit Beginn der Uranimporte in den 60ern nahezu kein angereichertes Uran, bzw. Natururan mehr importiert. Das Uran wird für die Herstellung von Brennelementen für die AKWs benötigt.

Grund für den Importstopp ist die zum Erliegen gekommene Brennelementherstellung seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 und der gegenwärtig deutlich geringere Bedarf, da nun landesweit, also seitdem auch strengere Sicherheitsvorgaben für die AKWs gelten, „nur“ wenige Reaktoren wieder in Betrieb sind (Zurzeit 4 von ehemals 54 kommerziell genutzten Reaktoren, siehe AKW-Status).

Da Japan quasi über keine Uranvorkommen verfügt, wird es nicht nur in bereits angereicherter Form, sondern auch, um den Anreicherungsgrad selber bestimmen zu können, als Natururan importiert.

 

12.08.2020

AKW Fukushima, hohe Radioaktivität im gefilterten Wasser

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi kam es diese Woche zu technischen Problemen im Bereich der Filteranlagen für hochradioaktives Wasser. Um das hochradioaktive Abwasser aus der Reaktorkühlung „wiederverwerten“ zu können, werden, soweit es möglich ist, die radioaktiven Partikel herausgefiltert, das Wasser gesammelt und dann der Reaktorkühlung wieder zugeführt. Denn es lassen sich nicht alle radioaktive Partikel herausfiltern. Vor allem das Tritium stellt ein großes Problem dar.

Im jetzigen Fall wurden in den Sammeltanks für gefiltertes Wasser abweichend hohe Radioaktivitätswerte gemessen, was auf einen technischen Defekt der Filteranlagen schließen ließ. Normalerweise wird die Radioaktivität des gebrauchten Wassers durch die Partikelfilterung um das 20fache gesenkt. Stattdessen übersteigt nun die Radioaktivität des „gereinigten“ Wassers die Strahlenobergrenze um das 113fache! Die Filteranlagen sollen nun überprüft und der Fehler behoben werden.

 

08.08.2020

AKW Ikata, Reaktor 3 bleibt weiterhin vom Netz

Der Reaktor 3 am AKW Ikata, Präfektur Ehime, der seit Ende Dezember 2020 wegen der jährlichen Routinewartung heruntergefahren worden ist, muss weiterhin vom Netz bleiben. Ursprünglich sollten die Arbeiten im vergangenen März beendet und der Reaktor wieder hochgefahren werden. Allerdings waren einerseits innerhalb kurzer Zeit mehrere Pannen während der Wartungsarbeiten aufgetreten (antiatom-fuku berichtete), so dass die Atomaufsichtsbehörde NRA eine Aufklärung seitens der betreibenden Shikoku Elektrizitätswerke forderte und andererseits der Weiterbetrieb per Gericht vorerst untersagt worden (OLG Hiroshima). Grund für das Urteil ist das Vorhandensein seismisch aktiver geologische Verwerfungen auf dem AKW-Gelände und die aktiven Vulkane in der Umgebung (antiatom-fuku berichtete).

Ende dieser Woche legten die Shikoku Elektrizitätswerke den von den lokalen Behörden geforderten Bericht zu den Zwischenfällen, die sich im Januar ereigneten vor, die daraufhin die Wiederaufnahme der seit Ende Januar ruhenden Wartungsarbeiten genehmigten.

Allerdings läuft im März 2021 aber auch die Frist für die Erbringung der von der NRA geforderten Terrorschutzmaßnahmen ab, die nach Informationen der Shikoku Elektrizitätswerke jedoch nicht eingehalten werden kann, da die laufenden Nachbesserungsarbeiten, entgegen ursprünglicher Planung noch bis voraussichtlich Anfang 2022 andauern werden. Somit verschiebt sich auch die Wiederinbetriebnahme des Reaktors 3 auf unbestimmte Zeit.

 

06.08.2020

75 Jahre Hiroshima und Nagasaki, Gedenken an die Atombombenopfer

Heute und am 06. Und am kommenden Sonntag den 09. August jähren sich die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki zum 75. Male. Gegen Ende des 2. Weltkriegs warfen die USA im August 1945 eine Atombombe „Little Boy“ über Hiroshima, und eine weitere Atombombe „Fat Man“ über Nagasaki ab.

Über 100.000 Leute, die sich im direkten Umkreis, im sogenannten Hypozentrum befanden, starben sofort. Sie verbrannten auf der Stelle zu Asche. Beide Städte waren binnen weniger Sekunden komplett ausgelöscht. Übrig blieben, wenn auch stark beschädigt, ein paar wenige robuste Gebäude, wie z.B. das Institut zur Förderung der Industrie in der Präfektur Hiroshima, der heutige Atombombendom.

Mehrere Hundertausende starben kurz nach den beiden Abwürfen, bzw. in den nachfolgenden Jahren an den Folgen der radioaktiven Strahlung. Bis heute leiden immer noch Betroffene, bzw. dessen Nachkommen an den Spätfolgen der Verstrahlung, so dass die genauen Opferzahlen nicht genau beziffert werden können.

Im Gedenken an die Atombombenopfer finden heute und am kommenden Wochenende in Hiroshima, Nagasaki, landesweit und auch auf internationaler Ebene Gedenkfeiern statt, die entsprechend der jeweiligen Corona-Maßnahmen angepasst sind.

In der Stadt Hiroshima warnt Bürgermeister Kasumi Matsui in Anbetracht eines erneuten Wettrüstens weltweit vor den nuklearen Gefahren.

Zum Thema siehe auch den Dokumentationsfilm „Count-down in ein neues Zeitalter: Hiroshima“ auf Arte, Dauer: 90 Minuten. (Achtung, dieser ist nur bis einschließlich 10.08.2020 verfügbar!)

 

30.07.2020

AKW Fukushima, Kernschmelzen: aktive Kühlung weiter nötig?

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi soll im Laufe des kommenden Monats die Wassereinspeisung zur Kühlung der geschmolzenen Brennelemente in den Reaktoren 1 bis 3 für 3 bis 5 Tage testweise unterbrochen werden, um das Temperaturverhalten der drei Kernschmelzen zu beobachten. Der Test dient der Entscheidung, ob die aktive Kühlung nach über 9 Jahren weiterhin fortgesetzt werden muss. Vor etwa einem Jahr wurde die Kühlwasserzufuhr schon einmal bis zu 48 Stunden unterbrochen. Allerding stieg damals die Temperatur der Kernschmelzen wieder an, so dass die aktive Kühlung fortgesetzt werden musste.

 

27.07.2020

Hochradioaktives Wasser - Proteste gegen die Verklappung ins Meer

In Fukushima Stadt protestierten am Wochenende Umweltaktivisten und Kernkraftgegner gegen die geplante Verklappung des hochradioaktiven Wassers, das in großen Tanks auf dem Gelände am havarierten AKW Fukushima Daiichi lagert. Derzeit führt die Regierung in der Präfektur Fukushima Kampagnen durch, um die lokale Bevölkerung von der angeblichen Harmlosigkeit einer Verklappung des hochradioaktiven Wassers zu „überzeugen“. Umweltverbände, Fischereigenossenschaften, sowie einige Lokalpolitiker lehnen diese Pläne jedoch weiterhin strikt ab und warnen eindringlich vor einer Umweltkatastrophe mit enormen gesundheitlichen Folgen, wenn das hochradioaktive Wasser ins Meer verklappt, bzw. in die Atmosphäre verdampft wird.

Auf dem AKW-Gelände lagern zurzeit 1.200.000 Tonnen hochradioaktives Wasser, vor allem Tritium („überschweres Wasser“). Hierbei handelt es sich um „Abwasser“, das für die Kühlung der geschmolzenen Brennelemente verwendet und schon mehrfach über die Filteranlagen „gereinigt“ und wiederverwertet worden ist; also hochradioaktiver Atommüll!

Da die Kapazität der Tanks jedoch nur noch bis zum Sommer 2022 reicht, sind Regierung, inklusive der Atomaufsichtsbehörde NRA und Betreiber Tepco sehr stark um eine schnelle „Lösung“ bemüht. Hierbei wurde die Verdampfung in die Atmosphäre und die Verklappung ins Meer, unter der Behauptung, dass der Verdünnungseffekt „ausreichend“ sei schon mehrfach als kostengünstige „Lösung“ angepriesen (antiatom-fuku berichtete). Dazu will die Regierung im Herbst eine endgültige Entscheidung treffen.  

 

19.07.2020

AKW Onagawa, „drohende“ Stilllegung, wegen Verzug bei Nachrüstung

Aufgrund weiter Probleme bei der Nachrüstung von Reaktorblock 2 (SWR) am AKW Onagawa, Präfektur Miyagi, wurde der Termin für die geplante Wiederinbetriebnahme bereits mehrfach mehrfach verschoben. Der Reaktor wurde im vergangenen Februar von der Atomaufsichtsbehörde NRA unter der Voraussetzung, dass die noch geforderten Nachbesserungen erfolgen, für die Wiederinbetriebnahme defacto schon freigegeben. Und die betreibenden Tohoku Elektrizitätswerke wollten den Reaktor im vergangenen April eigentlich auch schon wieder hochgefahren haben (antiatom-fuku berichtete). Allerding kommt es immer wieder zu weiteren Problemen in sicherheitstechnischer Hinsicht, auch bezüglich des Terrorschutzes, so dass die Nachbesserungsarbeiten noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden. Dem entsprechend verzögert sich die geplante Wiederinbetriebnahme des Reaktors, die nun für Anfang 2022 geplant ist.

Sollten die Nachbesserungen innerhalb der nächsten 5 Jahre, also seit Erteilung der NRA-Freigabe im Februar 2020 nicht erbracht werden, wird der Reaktor zwangsstillgelegt.

Das AKW Onagawa ist jedoch kein Einzelfall. Denn auch am AKW Tokai 2 (SWR), das ebenfalls von der NRA unter Vorbehalt freigegeben worden ist, zieht sich die Nachrüstung in die Länge. Sollten die Arbeiten bis Oktober 2023 nicht erfolgreich abgeschlossen sein, „droht“ auch hier eine Stilllegung des Reaktors.

Am AKW Kashiwazaki Kariwa werden die Baupläne für die Nachbesserungen der Reaktoren 6 und 7 von der NRA noch überprüft. Allerdings sind da die Aussichten auf eine Freigabe zur Wiederinbetriebnahme eher gering.

 

17.07.2020

Trotz Proteste der Anwohner, Verbrennung radioaktiver Abfälle in Kürze

In Kürze sollen in drei städtischen Müllverbrennungsanlagen in der Präfektur Miyagi, Nordostjapan „schwach“ radioaktiver Abfall aus dem havariertem AKW Fukushima Daiichi verbrannt werden. Dazu zählen radioaktive Abfälle, die die gesetzlich festgelegte Obergrenze von 8000 Bq/kg nicht überschreiten. Somit „darf“ dieser Atommüll, wie bereist in mehreren Städten schon praktiziert, „ganz normal“ mit dem Hausmüll der Anwohner verbrannt werden. Dabei soll die maximale tägliche Menge des radioaktiven Abfalls entsprechend der Verbrennungskapazität der jeweiligen Anlage angepasst werden, so dass in Furukawa maximal 3,5t, in Iwadeyama 0,6t und in Wakuyacho 2,17t radioaktiver Abfall pro Tag verbrannt werden soll. Umweltverbände stehen dem Vorhaben wegen der Freisetzung radioaktiver Partikel jedoch seher kritisch gegenüber. Anwohner der betroffenen Ortschaften haben bereits vor dem Amtsgericht Sendai (Nord), Präfektur Miyagi geklagt und Proteste gegen die Verbrennung der radioaktiven Abfälle veranstaltet.

 

15.07.2020

AKW Fukushima, Korrosion an Filteranlage

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi wurden an einer der beiden Filteranlagen für Grundwasser Leckagen festgestellt, die durch Korrosion entstanden sind. Über die beiden Filteranlagen wird das von der Bergseite kommende und bereits radioaktiv kontaminierte Grundwasser, dass über mehrere Bohrlöcher auf dem AKW-Gelände abgepumpt , gesammelt, gefiltert und dann über einen Bypass ins Meer geleitet, ohne dass es die hochradioaktiv verseuchten Reaktorkellerräume durchspült und dann ins Meer gelangen würde.  

Die korrodierte Filteranlage, die jetzt außer Betrieb ist, soll laut dem Betreiber Tepco repariert, bzw. ersetzt werden. Bereit im Mai wurden schon mehrere Korrosionslöcher im Inneren der Anlage entdeckt. Die zweite Filteranlage hingegen weist jedoch keinerlei Schäden auf, was darauf zurückzuführen ist, dass die hierin verbauten Metallteile qualitativ deutlich besser und somit weniger korrosionsanfällig sind.

 

08.07.2020

Gouverneurswahlen: Satoshi Mitazono, Versprechen nicht einhalten, aber wiedergewählt werden wollen

In der Präfektur Kagoshima, auf der südlichen Haupinsel Kyushu, finden am 25.07.2020 Gouverneurswahlen statt, bei der auch der amtierende Präfekturgouverneur und LDP-Politiker Satoshi Mitazono (62), in der Hoffnung auf Wiederwahl, neben 6 weiteren Kandidaten antritt.

Eines der Hautthemen im Wahlkampf, der bereits voll in Gang ist, ist das in der Präfektur Kagoshima befindliche AKW Sendai, dessen beiden Reaktoren 2024, bzw. 2025 die gesetzlich festgelegte Maximallaufzeit von 40 Jahren erreichen werden. Hier streben die betreibenden Kyushu Elektrizitätswerke eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre an, die bei den Behörden zwar noch nicht beantragt wurde, jedoch in der lokalen Bevölkerung schon große Proteste auslöst.

Präfekturgouverneur Mitazono hingegen hält sich aber „aus gutem Grund“ mit seiner Meinung diskret zurück. Denn bei der Gouverneurswahl im Juli 2016, die Mitazono gewann, propagierte er im Wahlkampf lautstark für die endgültige Abschaltung des AKWs Sendai zu sorgen, wenn die Erdbebengefahr und die Gefahren durch die nahegelegenen Vulkane „zu groß“ sind, was ihm sehr viele Stimmen einbrachte.

Kurz nach den Wahlen, ordnete er sogar eine „außerordentliche“ Überprüfung der geologischen Gegebenheiten am AKW Sendai an und hatte, je nach Ergebnis, insbesondere in Anbetracht der vorausgegangenen Erdbebenserie von Kumamoto, mit einer sofortigen Stilllegung beider Reaktoren „gedroht“. Die geologische Überprüfung wurde laut Mitazono durch 12 „unabhängige“ Experten durchgeführt. Das Ergebnis wurde für „in Ordnung“ befunden, so dass beide Reaktoren nach Beendigung der Revision, die im Herbst 2016 lief, „ohne Probleme“ zur Wiederinbetriebnahme freigegeben worden sind.

Allerdings hatten, wie sich später herausstellte, einige der „unabhängigen“ Experten in der Vergangenheit Förder- und Spendengelder von der Atomlobby erhalten, worüber Mitazono bestens Bescheid wusste und nun in Erklärungsnot geraten war (antiatom-fuku berichtete mehrfach darüber).  

 

04.07.2020

AKW Takahama, Präfekturgouverneur misstrauisch gegenüber Kansai E`Werke

Am AKW Takahama, Präfektur Fukui werden nach Angaben der betreibenden Kansai Elektrizitätswerke die von der Atomaufsichtsbehörde NRA geforderte Nachrüstung der Altreaktoren 1 und 2, beides DWR aus dem Jahr 1971, bzw. 1972 im kommenden September abgeschlossen sein. Beide Reaktoren wurden von der NRA bereits für „sicher“ befunden und erhielten unter Voraussetzung, dass eine technische Nachrüstung entsprechend den gesetzlichen Sicherheitsanforderungen erfolgt, eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre (antiatom-fuku berichtete).

Nach Beendigung der Maßnahmen wollen die Kansai Elektrizitätswerke beide Reaktoren so rasch möglich wieder in Betrieb nehmen. Allerdings steht der Präfekturgouverneur Tatsuji Sugimoto einer Wiederinbetriebnahme der beiden Altreaktoren eher kritisch gegenüber, so dass diese möglichweise erst gar nicht, bzw. nicht zum erhofften Zeitpunkt erfolgen wird.

Einer der Gründe für das Misstrauen gegenüber den Kansai Elektrizitätswerken, insbesondere gegenüber der Führungsspitze sind verschiedene Skandale, die mit Bestechungsgeldern einhergingen, jedoch vor kurzem aufgedeckt worden sind.

Dem nach müssten, so der Präfekturgouverneur Sugimoto, erst einmal grundlegende Veränderungen bei den Kansai Elektrizitätswerken, insbesondere mit einem personellen Austausch in der Firmenspitze erfolgen, bevor überhaupt eine Entscheidung in puncto Wiederinbetriebnahme beider Reaktoren getroffen werden könne, zumal zurzeit auch noch einige Schadensersatzklagen gegen die Kansai Elektrizitätswerke laufen.

 

27.06.2020

AKW Fukushima, radioaktives Wasser – Entscheidung wird weiter vertagt

Bezüglich der Frage, was mit dem hochradioaktiven Abwasser passieren soll, das in großen Tanks auf dem Gelände des havarierten AKWs Fukushima Daiichi lagert, wurde die für diesen Sommer angesetzte Konferenz nun in den Herbst verschoben. In dieser Konferenz wollten Regierung, Atomaufsichtsbehörde NRA, Lokalpolitiker und der Stromkonzern Tepco, der das AKW Fukushima Daiichi zu verantworten hat, nach langen Zögern nun eine endgültige Entscheidung treffen, wie mit dem hochradioaktiven Abwasser weiter umgegangen werden soll. Als Grund für die Verschiebung wurde dieses Mal die bestehende Coronakrise benannt.

Nach Wünschen der Regierung, NRA und Tepco soll das besagte Abwasser, ins Meer verklappt, bzw. in die Atmosphäre verdampft werden. Auch wenn diese Maßnahmen schon sehr lange geplant gewesen sind, wurde eine verbindliche Entscheidung immer wieder hinausgeschoben (antiatom-fuku berichtete mehrfach darüber).

Laut den Befürwortern sei das hochradioaktive, vor allem mit Tritium belastete Wasser nach einer „ausreichenden“ Verdünnung im Meer nicht mehr gefährlich für die Umwelt und Gesundheit.

Auf dem Gelände lagern zurzeit 1.200.000 Tonnen hochradioaktives Wasser, vor allem Tritium („überschweres Wasser“) in knapp 1000 großen Tanks. Die Kapazität der Tanks reiche jedoch nur noch bis zum Sommer 2022, so dass eine „Lösung“ gefunden werden müsse.

Neben der endgültigen Entscheidung zur Verklappung ins Meer und der Verdampfung in die Atmosphäre will sich die Arbeitsgruppe im Herbst darüber beraten, wie man am besten die Gespräche mit den Anwohnern führen soll, um deren Akzeptanz für die angestrebte „Entsorgung“ des hochradioaktiven Wassers zu erhöhen. Während einige Lokalpolitiker und die Industrieverbände die Verklappung als eine „realistische“ Option sehen, lehnen Fischer, Fischereigenossenschaften, lokale Bürger und Umweltverbände diese Pläne aus gutem Grunde weiterhin strikt ab.

 

24.06.2020

AKW Fukushima, Reaktor 1, Robotermission in Kürze

Der Reaktor 1 am havarierten AKW Fukushima Daiichi wird zurzeit für eine erneute Robotermission vorbereitet, der der Zustand des Kernbrennstoffes, der durch den Boden des Druckbehälters geschmolzen und auf den Boden des Sicherheitsbehälters gelangt ist, weiter erkundet werden soll. Dazu sollen auch Sedimentproben gesammelt und untersucht werden. Diese Daten werden benötigt, um die Bergung der Kernschmelze zu planen.

Für diese Mission wird noch ein Rohr installiert, worüber der ferngesteuerte Tauchroboter, der mit einem Steuerkabel verbunden ist, in den Sicherheitsbehälter geleitet werden soll. Dort soll er im Kühlwasser, also direkt unterhalb des Druckbehälters die gewünschten Daten (Videoaufnahmen, Strahlenmessung) und Proben des geschmolzenen Brennmaterials sammeln.

Der Reaktorblock 1, wo sich im März 2011 ebenfalls eine Kernschmelze ereignete, wurde durch die Wasserstoffexplosion stark beschädigt.

 

18.06.2020

AKW Fukushima, Abklingbecken Reaktor 2 mit Drohne erkundet

In den vergangenen Tagen wurde das Abklingbecken im Reaktorblock 2 am havarierten AKW Fukushima Daiichi mittels Drohne und ferngesteuerter Unterwasserkamera inspiziert, und lieferten nun erste Einblicke seit Beginn der Reaktorkatastrophe von März 2011.

Das mit Trümmerteilen bedeckte Abklingbecken liegt im Obergeschoss des von der Wasserstoffexplosion beschädigten Reaktorblocks.

Alle 615 Brennelemente, die sich im Abklingbecken befinden sind laut dem Betreiber Tepco unbeschädigt, so dass die zwischen 2022 und 2024 geplante Bergung keine Probleme bereiten dürfte.

 

14.06.2020

AKW Tsuruga, mögliche Konsequenzen nach Datenfälschung

Bei einer Pressekonferenz, die in dieser Woche mit der Atomaufsichtsbehörde NRA stattfand, wurden die widersprüchlichen Dokumente zu den geologischen Daten des Reaktors 2 am AKW Tsuruga, Präfektur Fukui zur Sprache gebracht.

Hier hatte die betreibende Atomenergiefirma JAPC, die für die beantragte Genehmigung benötigten geologischen Daten verfälscht, was im vergangenen Februar jedoch aufgeflogen ist (antiatom-fuku berichtete). Denn direkt unterhalb von Reaktor 2 verläuft eine geologische Verwerfung, die mit sehr großer Wahrscheinlichkeit seismisch aktiv ist. Nicht nur die unabhängigen, sondern auch die Experten der NRA sind sich da ziemlich sicher. Nur die betreibende JAPC, die die geologischen Daten zu Gunsten der erhofften Genehmigung entsprechend „angepasst“ hatte, versucht nun mit allen Mitteln die seismische Aktivität, die nämlich schon bald das sichere Aus für den Reaktor 2 bedeuten könnte, zu „widerlegen“.

Der Chef der NRA, Toyoshi Fuketa zeigt sich über diese Dokumentenfälschung sichtlich empört, was er bei der Konferenz auch zu Sprache brachte. „Unter diesen Gegebenheiten wäre es absolut unverantwortlich die Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme für den Reaktor 2 zu erteilen“, so Fuketa. Er stellt jedoch in Aussicht, dass die geologischen Überprüfungen seitens der NRA fortgesetzt werden könnten. „Über die weitere Vorgehensweise in dieser Angelegenheit müsse man sich jedoch noch beraten“, so Fuketa weiter, „und es müsse aber auch damit gerechnet werden, dass im „schlimmsten Fall“ keine Freigabe für den Reaktor 2 erteilt wird“. Dies hätte dann defacto die endgültige Stilllegung des Reaktors zufolge.

Schon in früherer Zeit gab es am AKW Tsuruga deutliche Hinweise auf seismische Aktivität. So wurden 2008 gleich zwei seismisch aktive Verwerfungen entdeckt, die aber aus Sorge vor einer Zwangsstilllegung bis 2012 verschwiegen worden sind.

 

10.06.2020

AKW Fukushima, noch keine Lösung für verkeilte Brennelemente

Am havariertem AKW Fukushima Daiichi wurden bisher 52 ungebrauchte und 88 gebrauchte Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktor 3 geborgen und in das ebenerdige Zusatzabklingbecken transportiert. Unter den 426 restlichen Brennelementen sind jedoch bei einigen die Griffe verformt, so dass diese ineinander verkeilt und somit nicht angehoben werden können. (antiatom-fuku berichtete) Für dieses Problem konnte der Betreiber Tepco jedoch noch keine Lösung finden.

 

04.06.2020

AKW Fukushima – Analysen zu den Kernschmelzen

Nach Plänen des Betreibers Tepco, sollen die drei Kernschmelzen der Reaktoren 1 bis 3 am havarierten AKW Fukushima Daiichi im nächsten Jahr geborgen werden. Dazu laufen bereits Untersuchungen zum Zustand der geschmolzenen Brennelemente. Der erhobenen Daten werden benötigt, um die Bergung der Kernschmelzen planen zu können. So erfolgte 2018 im Reaktorblock 2 eine Robotermission, die Bilder aus dem Inneren des Reaktorsicherheitsbehälter, und zwar unterhalb des Druckbehälters lieferte, wo der durchgeschmolzene Kernbrennstoff wie Lava herausgelaufen ist (antiatom-fuku berichtete). Der geschmolzene Kernbrennstoff, der unter der laufenden Wasserkühlung „ausgehärtet“ ist, stellt sich als Klumpen und Sediment dar. Die damals entnommenen Proben wurden durch die Atomenergiebehörde bereits untersucht. Teilweise ist die radioaktive Strahlung aber so extrem hoch, dass die Elektronik der ferngesteuerten Roboter versagt, so dass viele Missionen in der Vergangenheit auch missglückt sind.

Der geschmolzene Kernbrennstoff beinhaltet jedoch nicht „nur“ das Uran, bzw. die plutoniumhaltigen MOX-Anteile (Reaktor 3), sondern auch weitere Metalle (Hüllrohre, Reaktorteile, Bor der Steuerstäbe etc.), also chemische Mischungen, die für die Bergung mitberücksichtigt werden müssen. Das Gesamtgewicht der drei Kernschmelzen wird auf etwa 800 bis 900 Tonnen geschätzt, wovon „nur“ ein Drittel aus dem eigentlichen „Kernbrennstoff“ besteht.

Mit diesem Thema beschäftigen sich Wissenschaftler, die bei abgelaufenen Atomunfällen das Verhalten der Kernschmelzen erforschen und dazu die Daten von Fukushima mit Three Mile Island (TMI) vergleichen. Hierbei zeigt sich, dass sich die Beschaffenheit der Kernschmelzen beider AKWs sehr stark unterscheiden. Im Falle von TMI sei der Anteil an Nichtkernbrennstoffen höher gewesen als in Fukushima vermutet.

Anhand dieser Analysen befürchten die Experten nun, dass sich die Bergung der Kernschmelzen in Fukushima problematischer gestalten könnte, als in TMI.

 

01.06.2020

AKW Fukushima Daini, Tepco beantragt den Rückbau

Nach dem das nur 12 km südlich vom havarierten AKW Fukushima Daiichi gelegene AKW Fukushima Daini im Juli 2019 offiziell stillgelegt worden ist (antiatom-fuku berichtete), hat der Betreiber Tepco nun die Genehmigung für den Rückbau der Anlage bei der Atomaufsichtsbehörde NRA eingereicht. Hierzu wurde auch der Fahrplan für den Rückbau, der laut Tepco voraussichtlich 44 Jahre in Anspruch nehmen wird, vorgelegt.

Demnach sollen die Brennelemente innerhalb der nächsten 22 Jahre entnommen und extern zwischengelagert, bzw. wiederaufbereitet werden. Die beim Rückbau anfallende Menge an radioaktiv kontaminiertem Bauschutt, Reaktorteilen, sowie weitere Materialien wird laut Tepco auf etwa 50.000t geschätzt.

Der Termin für den Beginn des Rückbaus steht jedoch noch nicht fest. Darüber will Tepco erst entscheiden, wenn der vorgelegte Fahrplan für den Rückbau durch die NRA genehmigt worden ist. Die NRA will diesen jedoch erst einmal auf seine Umsetzbarkeit überprüfen.

Das AKW Fukushima Daini, bestehend aus 4 SWR, war beim großen Tohoku-Erdbeben im März 2011 noch einigermaßen glimpflich davongekommen, da die ausgefallene Stromversorgung rasch wiederhergestellt und somit eine Mehrfachkernschmelze abgewendet werden konnte. Auch hier wurde das Gelände durch den Tsunami überflutet.

Bis Mitte 2018 wollte der Betreiber Tepco die Anlage, die seit der Notabschaltung von März 2011 stillstand, trotz Bedenken verschiedener Behörden und ungeachtet der massiven Proteste aus der lokalen Bevölkerung wieder in Betrieb nahmen.

 

27.05.2020

AKW Fukushima, defekte Brennelemente bereiten Probleme

Bei der Bergung der Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktor 3 am havarierten AKW Fukushima Daiichi, bereiten einige defekte Exemplare nun Probleme. Bei diesen Brennelementen sind nämlich die Haltegriffe so stark verformt, so dass der Greifer des ferngesteuerten Entnahmekrans diese nur deutlich erschwert, bzw. erst gar nicht greifen und anheben kann.

Im Rahmen eines in den vergangenen Tagen durchgeführten Testlaufes wurden an 11 von 16 Brennelementen mit verformten Griffen überprüft, ob sich diese anheben lassen. Davon konnten drei mit dem Entnahmekran nicht gegriffen, geschweige denn angehoben werden.

Die Bergungsarbeiten der insgesamt 514 laufen mit Unterbrechungen seit April 2019.

Der Reaktorblock 3 wurde bei der Atomkatastrophe von 2011 durch eine Wasserstoffexplosion stark zerstört. Für die Entnahme der Brennelemente und Räumung der Trümmerteile aus dem Abklingbecken wurde vor circa zwei Jahren eine Schutzhülle und eine ferngesteuerter Entnahmekran installiert (antiatom-fuku berichtete).

 

20.05.2020

Versäumte Nachbesserung Terrorschutz, weiterer Reaktor vom Netz

Der Reaktor 2 am AKW Sendai, Präfektur Kagoshima wurde heute zwecks Nachbesserungsarbeiten in Sachen Terrorschutz heruntergefahren. Da die Arbeiten voraussichtlich 8 Monate andauern werden, wird die jährliche Routinewartung, die eigentlich erst im Februar 2021 fällig wäre, dem entsprechend vorgezogen.

Der Termin für die Terrorschutznachbesserung gemäß gesetzlicher Vorgabe wurde von der Atomaufsichtsbehörde NRA festgelegt, nachdem die betreibenden Kyushu Elektrizitätswerke, wie auch die anderen atomkraftbetreibenden Stromkonzerne die Frist zur Erbringung der Nachbesserungen, einfach haben verstreichen lassen (antiatom-fuku berichtete).

Der Reaktor 1 ist bereits seit Mitte März aus dem selben Grund vom Netz. Zurzeit sind noch 5 von 9 Reaktoren am Netz (siehe AKW-Status).

 

16.05.2020

AKW Fukushima: Gebäude im sehr schlechten Zustand, teilweise sogar einsturzgefährdet

Nach mehr als 9 Jahre seit Beginn der Reaktorkatastrophe am AKW Fukushima Daiichi, befinden sich die Gebäude mittlerweile in einem sehr schlechten Zustand. Das Gebäude von Reaktor 4, das Turbinenhaus von Reaktorblock 2, sowie ein Atommüllzwischenlager im Bereich der Reaktoren 1 und 2 sind sogar akut einsturzgefährdet. Dies ergaben statische Untersuchungen, die der Betreiber Tepco der Atomaufsichtsbehörde NRA auf einer kürzlich abgehaltenen Konferenz vorstellte. Vor allem in den Gebäuden, wo sich zu Beginn der Reaktorkatastrophe eine Wasserstoffexplosion ereignet hatte, ist das Mauerwerk mittlerweile sehr brüchig, so dass ein mittleres Erdbeben schon ausreichen könnte, um die Gebäude zum Einsturz zu bringen.

Das durch eine Explosion beschädigte Abklingbecken von Reaktorblock 4, das zu über 90% ausgelastet war, wurde 2013 schon mit einer massiven Stahlkonstruktion, das auch für die dringend erforderliche Entnahme der Brennelemente diente, abgestützt, da sich das Gebäude nämlich schon zur Seite neigte (antiatom-fuku berichtete mehrfach darüber). Auch der 120 Meter hohe Schornstein der Reaktoren 1 und 2 wurde, um einen Einsturz vorzubeugen bis zur Hälft zurückgebaut. Die Arbeiten wurden vor zwei Wochen abgeschlossen (antiatom-fuku berichtete).

Da der schlechte Zustand der Anlage nicht nur allgemein, sondern vor allem für die anwesenden Arbeiter eine große Gefahr darstellt, wolle man nun bis Ende Mai über entsprechende Schutzmaßnahmen beraten.

Außerdem wurde auch festgestellt, dass über 10% der technischen Hilfsmittel, wie Messsensoren, die den Austritt radioaktiver Stoffe/Flüssigkeiten, insbesondere an den Lagertanks für hochradioaktives Abwasser überwachen sollen, nicht ordnungsgemäß funktionierten. Hier werden mögliche Leckagen nicht erkannt, so dass hochradioaktives Wasser unbemerkt auslaufen könnte.

 

06.05.2020

AKW Fukushima, Reaktor 2 – Erkundung des Abklingbeckens ab Juni

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi soll ab Mitte Juni das Abklingbecken von Reaktorblock 2 mittels Drohne inspiziert werden. Bisher hat man sich dort seit der Reaktorkatastrophe noch keinen Einblick verschaffen können.

Im Reaktorbock 2, dessen Außenmauern bei der Reaktorhavarie noch relativ unbeschädigt geblieben sind, hatte sich, wie auch in den Reaktoren 1 und 3 eine Kernschmelze ereignet, so dass auch dort noch weiterhin eine hohe radioaktive Strahlung herrscht.

Bei der Drohnenmission sollen die Brennelemente, 615 Stück, auf mögliche Schäden überprüft werden und ob Trümmerteile im Abklingbecken liegen, die die Bergung behindern könnten. Diese Daten werden zur Vorbereitung der Bergung benötigt, die dann zwischen 2022 und 2024 beginnen soll. Die Bergung aller Brennelemente aus den Abklingbecken der Reaktoren 1 bis 6 soll dann bis 2031 abgeschlossen sein.  

 

04.05.2020

AKW Onagawa, Wiederinbetriebnahme von Reaktor 2 nicht vor 2022

Die von der Atomaufsichtsbehörde NRA geforderten Nachbesserungen für den  Reaktorblock 2 am AKW Onagawa, Präfektur Miyagi, ziehen sich weiter in die Länge, so dass der Termin für die Wiederinbetriebnahme, wie die betreibenden Tohoku Elektrizitätswerke Ende vergangener Woche mitteilten, erneut verschoben werden musste. Demnach wird eine Wiederinbetriebnahme nicht vor 2022 „möglich“ sein. Somit liegt die angestrebte Wiederinbetriebnahme des Reaktors, der bereits im Februar durch die NRA für „sicher“ befunden und unter der Voraussetzung, dass noch bestimmten Nachbesserungen erfolgen, freigegeben worden ist, nun zwei Jahre hinter dem Zeitplan. Ursprünglich wollten die Tohoku Elektrizitätswerke den Reaktor Anfang dieses Jahres schon wieder hochfahren (antiatom-fuku berichtete). Die Kosten für die Nachrüstung, die sich bereits auf etwa 2,9 Mrd. Euro belaufen, sollen laut dem Betreiber jedoch nicht weiter ansteigen.

 

01.05.2020

AKW Fukushima, Teilrückbau des Schornsteins abgeschlossen

Der ehemals 120 Meter hohe Schornstein der Reaktorblöcke 1 und 2 am havarierten AKW Fukushima Daiichi wurde, wie der Betreiber Tepco nun am 29.04.2020 mitteilte, bis zur Hälfte zurückgebaut. Diese Arbeiten, die wegen der hohen radioaktiven Kontamination im Inneren des Schornsteins komplett ferngesteuert erfolgen mussten, waren dringend nötig, da der Schornstein aufgrund von Korrosionen und Brüchen des Haltegerüstes akut einsturzgefährdet gewesen ist (antiatom-fuku berichtete).  Abschließend wurde die Öffnung des verbliebenen Restschornsteins mit einem Deckel verschossen, damit kein Regenwasser eindringt. Denn dadurch könnten andernfalls reichlich radioaktive Partikel, die im Inneren des Schornsteins anhaften ins Grundwasser gespült werden.

 

Fukushima-Region, größeres Erdbeben mit Tsunami befürchtet

Wie eine Expertengruppe des Kabinettsbüros am 21.04.2020 mitteilte, ist die Wahrscheinlichkeit eines erneuten größeren Erdbebens mit Tsunami sehr wahrscheinlich. Laut den Berechnungen würde der Tsunami im Küstenbereich am AKW Fukushima Daiichi eine Höhe von 13,70 erreichen.

Hier hatten die Geologen vermehrt seismische Aktivität im Bereich des Kurilengrabens festgestellt, wonach ein starkes Erdbeben mit Tsunami in der o.g. Höhe prognostiziert worden ist.

Der sich im Bau befindliche Damm des AKWs wurde jedoch nur mit einer Höhe von 11 Metern vorgesehen. Die Festlegung dieser Höhe beruht auf frühere Prognosen, wonach mit einem Tsunami von „nur“ 10,30 Metern zu rechnen gewesen sei.

Der Betreiber Tepco wolle dies jedoch nun überdenken und die Höhe des Damms entsprechend den neuen Prognosen anpassen. Vermutungen unabhängiger Experten zufolge, wurde die Höhe des Damms wahrscheinlich aus Kostengründen (Baumaterial) so knapp bemessen.

27.04.2020

AKW Takahama, Reaktor 3 – weitere defekte Röhren im Dampferzeuger

Nach dem bereits im März am AKW Takahama, Präfektur Fukui im Reaktor 3 einige Risse in den Röhren eines Dampferzeugers gefunden worden sind und die Wiederinbetriebnahme deswegen um einen Monat verschoben worden ist (antiatom-fuku berichtete), wurden nun an einem weiteren Dampferzeuger ebenfalls zahlreiche Risse an den Röhren entdeckt. Der dritte Dampferzeuger weise laut den betreibenden Kansai Elektrizitätswerken wohl keine Defekte auf.

Der Reaktor 3, der sich seit Anfang Januar in der jährlichen Revision befindet, sollte ursprünglich Anfang dieses Monats wieder hochgefahren werden. Dieses wurde dann aufgrund der gefundenen Risse auf Mai, und nun, da der Reaktor im August zwecks Nachbesserung im Terrorschutz eh wieder vom Netz muss, auf Dezember verschoben.

Hier hatten die Kansai Elektrizitätswerke, wie auch einige andere atomkraftbetreibenden Stromkonzerne die Frist für die gesetzlich geforderte Nachbesserung in Sachen Terrorschutz einfach verstreichen lassen, so dass die Atomaufsichtsbehörde NRA für jeden betroffenen Reaktor einen Termin für die Nachbesserung (Dauer mehrere Monate) festlegte, der nun wahrgenommen werden muss.

Im Falle von Reaktor 3 würde sich eine Wiederinbetriebnahme im Mai, bzw. später nicht lohnen, da der Reaktor im August, also zum festgelegten Termin für die Nachbesserung zum Terrorschutz eh wieder vom Netz muss. So haben sich die Kansai Elektrizitätswerke nun dazu entschieden, den Reaktor erst nach der Reparatur der defekten Röhren der beiden Dampferzeuger und Erfüllung der Terrorschutznachbesserung wieder hochzufahren.   

 

24.04.2020

Fukushima, Arbeiter durch fehlerhafte Atemmaske radioaktiv kontaminiert

Im Fall vom 13.04.2020, wo sich ein Arbeiter (20), der für ein Subunternehmen am havariertem AKW Fukushima Daiichi tätig ist, radioaktive Partikel über die Atemwege inkorporiert hatte (antiatom-fuku berichtete), hat sich nun herausgestellt, dass das Atemventil seiner Vollmaske defekt war und somit radioaktive Partikel in die Atemwege gelangt sind. Hier handelt es sich ganz klar um einen Herstellerfehler. Ersten Vermutungen seitens des Betreibers Tepco zufolge habe sich der Arbeiter, wie schon zwei weitere Arbeiter zuvor, beim Ablegen der Vollmaske durch Berührung der Nase kontaminiert, so dass radioaktive Partikel in die Atemwege gelangt sind. Dies teilte Tepco Mitte dieser Woche mit. Auch wiesen 18 weitere Masken des selben Typs den selben Fehler auf, so dass alle Masken, insgesamt 740 Stück sofort aus dem Verkehr gezogen worden sind.

 

21.04.2020

AKW Tomari, erneute geologische Untersuchungen durch die NRA

Auf dem Gelände des AKWs Tomari, Präfektur Hokkaido will die Atomaufsichtsbehörde NRA noch in diesem Jahr erneut geologische Untersuchungen durchführen, um aussagekräftige Daten bezüglich einer möglicherweise vorhandenen seismischen Aktivität zu erheben. Dies beschloss die NRA Ende vergangener Woche auf ihrer regelmäßigen Konferenz in Tokyo. Grund der erneuten geologischen Untersuchungen ist die fehlende Plausibilität der von den betreibenden Hokkaido Elektrizitätswerken erhobenen Daten, wo nach eine seismische Aktivität unterhalb des AKWs nach eigenen Angaben widerlegt worden sein soll. Unabhängigen Experten zufolge sei jedoch sehr wohl eine seismische Aktivität vorhanden. Dem entsprechend zieht sich auch die NRA-Sicherheitsüberprüfung, die bereits seit 2013 andauert in die Länge. Und nach Aussagen der NRA ist es auch noch weiterhin völlig unklar, ob und wann das AKW Tomari für „sicher“ befunden und zur Wiederinbetriebnahme freigegeben kann oder nicht.

 

Umfrage zum AKW Onagawa – über 60% gegen Wiederinbetriebnahme

Nach einer aktuellen Umfrage der Kahoku online, die in der Präfektur Miyagi durchgeführt worden ist, sprechen sich 61% der Befragte gegen eine Wiederinbetriebnahme des sich in derselben Präfektur befindlichen AKWs Onagawa aus. 36% der Befragten würden eine Wiederinbetriebnahme befürworten.

Der Reaktor 2 am AKW Onagawa, ein SWR aus dem Jahr 1995 wurde bereits im Februar durch die Atomaufsichtsbehörde NRA für „sicher“ befunden (antiatom-fuku berichtete). Es müssen „lediglich“ noch ein paar Nachbesserungen, z.B. die Erarbeitung eines funktionierenden Katastrophenplan für den Fall einer nuklearen Notfallsituation erfolgen, dann kann die Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme bei der Präfekturverwaltung beantragt werden. Eine Wiederinbetriebnahme des Reaktors wird für 2021 angestrebt. 

 

16.04.2020

AKW Fukushima -Arbeiter mit Radioaktivität kontaminiert

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi kam es bereits am 13.04.2020 zu einem Zwischenfall, wobei ein Arbeiter (20) eines Subunternehmers radioaktive Partikel inkorporiert hat. Der Arbeiter, der für die Dekontaminierung des gebrauchten hochradioaktiven Kühlwassers tätig ist, hatte sich nach Beendigung seiner Schicht beim Ablegen der Vollmaske und Schutzkleidung mit radioaktiven Partikeln im Bereich der Nase kontaminiert. Diese sein dann über die Atemwege in den Körper gelangt. Laut dem Betreiber Tepco habe die inkorporierte Dosis angeblich keine gesundheitlichen Auswirkungen für den betroffenen Arbeiter.

Dies ist nun der dritte Fall seit Februar, wo sich ein Arbeiter beim Ablegen der Schutzkleidung mit radioaktiven Partikeln kontaminiert hat.

 

13.04.2020

AKW Fukushima: weiterhin keine Klarheit im Umgang mit dem hochradioaktiven Abwasser

Im bestehenden Streit um das hochradioaktive Wasser, das in großen Tanks auf dem Gelände des havarierten AKWs Fukushima Daiichi lagert, ist weiterhin keine Einigung, bzw. brauchbare Lösung in Sicht.

Auf dem AKW-Gelände lagern zurzeit etwa 1.200.000 t hochradioaktives, vor allen tritiumhaltiges Wasser aus der Reaktorkühlung (dreifache Kernschmelze!), das über die Filteranlage ALPS nicht mehr „gereinigt“ und „wiederverwertet“ werden kann. Hierbei handelt es sich um hochradioaktiven Atommüll!

Die Radioaktivitätsdosis des gelagerten Wassers auf dem Gelände liegt um mehr als das 400fache höher, als die Dosis, die vor der Reaktorkatastrophe, also im regulären Leistungsbetrieb des AKWs pro Jahr ins Meer abgegeben worden ist. Hinzu kommt noch eine sehr hohe Konzentration an radioaktiven Stoffen, die sich im Erdreich, bzw. im Grundwasser und in den Reaktorkellerräumen befindet.  

Laut dem Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) und dem Betreiber Tepco würden die Tanks, etwa. 980 Stück an der Zahl, bald an ihre Kapazitätsgrenze stoßen (antiatom-fuku berichtete) und auch generell den Rückbau der Anlage erheblich behindern.

Zu dem sein die Lagerungskosten sehr hoch, so das METI, und die Verklappung ins Meer eine kostengünstige und leicht durchzuführende „Lösung“.

Die unter den Experten, sowie Umweltverbänden sehr stark umstrittene Verklappung ins Meer, bzw. Verdampfung in die Atmosphäre wurde in der Vergangenheit schon öfter diskutiert (antiatom-fuku berichtete mehrfach darüber). Die sogenannte „kostengünstige schnelle Lösung“ für das „Wasserproblem“ ist jedoch nicht ohne Grund heftig umstritten, zumal der Verdünnungseffekt, entgegen den Behauptungen der Befürworter, absolut nicht ausreichend, und die radioaktiven Stoffe, vor allem die großen Mengen an Tritium durch die Verdünnung nicht verschwunden sind.

Laut der Fischereigenossenschaft würde die Fangquote, die 2019 eh schon nur bei 14% im Vergleich zum Zeitpunkt vor der Reaktorkatastrophe lag, noch weiter einbrechen, und die wirtschaftlichen Folgen für die ohnehin schon angeschlagene Präfektur Fukushima noch weiter verschlechtern.   

Das METI will sich wieder einmal mit den Interessengruppen beraten, bevor es über die Entsorgung der Angelegenheit entscheidet.

 

05.04.2020

Wochenrückblick Rückbau am AKW Fukushima

Die Entnahme der Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktorblock 3 am havarierten AKW Fukushima Daiichi wurden seit dieser Woche wegen Wartungsarbeiten am Entnahmekran unterbrochen. Nach Beendigung der Wartungsarbeiten im Juni sollen dann die restlichen Brennelemente geborgen werden.

Der ehemals 120 Meter hohe Schornstein der Reaktorblöcke 1 und 2 wurde bereits auf 78 Meter rückgebaut. Die soll, da er von innen hochradioaktiv kontaminiert und wegen Korrosion akut einsturzgefährdet gewesen ist, auf die Hälfte, also auf 60 Meter rückgebaut werden. Die Rückbauarbeiten der restlichen 18 Meter dauern noch voraussichtlich bis Anfang Mai.

Die gesamten Rückbauarbeiten müssen aufgrund der hohen Radioaktivität unter größter Vorsicht erfolgen und werden über einen ferngesteuerten Kran mit speziellen „Schneidegerät“ durchgeführt.

 

30.03.2020

AKW Onagawa, Arbeiter bei Reaktorwartung radioaktiv kontaminiert

Am AKW Onagawa, Präfektur Miyagi, gelangten bereits am vergangenen Donnerstag bei einem Arbeiter (50), der für ein Subunternehmen im Reaktorblock 2 tätig ist, trotz der Schutzkleidung radioaktive Partikel auf die Haut, als er Ventile am Reaktor gereinigt hatte. Die Kontamination wurde dann beim Verlassen des Kontrollbereiches festgestellt. Als der Arbeiter am Folgetag einer Ganzkörperradioaktivitätsmessung (WBC) unterzogen wurde, wurde auch eine Inkorporation radioaktiver Partikel mit einer Dosis von 0,5 mSv festgestellt.

Laut den betreibenden Tohoku Elektrizitätswerken sei solch ein Zwischenfall bisher noch nie da gewesen. Die inkorporierte Dosis stelle angeblich auch keine gesundheitliche Gefahr dar, so der Betreiber.

Der Reaktor 2, ein SWR aus dem Jahr 1995, der sich seit November 2010 im Langzeitstillstand befindet, wurde im vergangenen Monat von der Atomaufsichtsbehörde NRA nach Beendigung der Sicherheitsüberprüfung für „sicher“ befunden und zur Wiederinbetriebnahme freigegeben (antiatom-fuku berichtete). Es sind lediglich noch ein paar kleinere Nachbesserungen und Wartungsarbeiten zu verrichten, die Freigabe durch die lokalen Behörden und der Präfekturverwaltung einzuholen. Nach Plänen der Tohoku Elektrizitätswerke soll der Reaktor dann 2021 wieder ans Netz gehen.  

 

26.03.2020

Nach Verschiebung der Olympischen Spiele wegen Corona – Fackellauf durch radioaktive Gebiete jedoch weiterhin angestrebt.   

Wie deutsche und japanische Medien bereits am 24.03.2020 berichteten, wurden die olympischen Spiele Tokyo 2020 auf 2021 verschoben (siehe Bericht der DW online). Auch der olympische Fackellauf, der heute am Sportzentrum J-Village, 20 km südlich vom havarierten AKW Fukushima Daiichi starten sollte, wurde auf den kommenden Sommer verschoben. Als Grund, was auch absolut nachvollziehbar und schon überfällig gewesen ist, wurde die weltweite Corona-Pandemie angeführt. Die radiologische Situation hingegen, vor allem im Umfeld der Reaktorruine, bleibt bei den Entscheidungsträgern IOC und japanische Regierung jedoch völlig außen vor.  

So soll der Fackellauf weiterhin, wie geplant, über drei Streckenabschnitte durch radioaktiv kontaminierte Gebiete führen. Das „wieder instand gesetzte“ J-Village diente über mehrere Jahre als Stützpunkt für die AKW-Arbeiter und Atommüllzwischenlager (antiatom-fuku berichtete).

Hierzu haben Insider Radioaktivitätsmessungen entlang der Strecke durchgeführt, Bodenproben analysiert und hohe Cäsiumwerte gemessen, die nämlich alles andere als „bedenkenlos“ sind. Siehe dazu folgendes Video (12 Min., englischer Untertitel).

Das Olympische Feuer als solches hingegen soll aller Voraussicht nach in der Präfektur Fukushima „ausgestellt“ werden, und hatte am Ankunftstag schon zahllose Zuschauer, angelockt, was in Zeiten der Corona-Pandemie jedoch eher verantwortungslos ist. Außerdem vermuten unabhängige Beobachter, dass das „ausgestellte“ Olympische Feuer „nach Corona“ weitere Schaulustige, bzw. Touristen in die Präfektur Fukushima locken soll, um das Gefühl zu geben, dass Fukushima wieder „sicher“ sei.  

 

25.03.2020

Wochenrückblick: AKW Fukushima weiter im Rückbau

Am havariertem AKW Fukushima Daiichi, sollen bald auch die zuleitenden Rohre des Abluftschornsteins der beiden Reaktoren 1 und 2, der sich zurzeit im Rückbau befindet, entfernt werden. Aktuellen Untersuchungen zufolge, weisen diese jedoch eine hohe radioaktive Strahlung von 4 Sv/h und mehr auf! Über diese Rohre wurde im März 2011 zwecks Druckentlastung (Venting) der havarierenden Reaktoren hochradioaktive Luft aus dem Reaktordruckbehälter zum Schornstein geleitet und in die Atmosphäre entlassen.

Hier wird nun über die Vorgehensweise beim Rückbau, der Ende des Jahres beginnen soll, beraten.

Die Bergung der Kernschmelzen der Reaktoren 1 bis 3 ist für 2024 vorgesehen. Weitere Erkundungsarbeiten zur Datensammlung sind für 2021 vorgesehen.

Aus dem Abklingbecken von Reaktor 3 wurden bereits 105 von 566 Brennelementen entnommen und in das Zusatzabklingbecken, das sich auf dem Gelände befindet transportiert (Stand: 13.03.2020). Diese Arbeiten sollen bis März 2021 abgeschlossen sein.

 

21.03.2020

Olympische Spiele Tokyo 2020, Coronavirus – Druck wächst auf IOC

Wegen der immer weiter sich ausbreitenden Corona-Pandemie wächst der Druck auf die japanische Regierung und das IOC, die bisher, entgegen aller Empfehlungen von Gesundheitsexperten, unter keinen Umständen die olympischen Spiele absagen, bzw. verschieben wollen.

So zeigen sich international auch immer mehr Sportler, die bereits für die Olympischen Spiele vorgesehen sind, und dessen Sportverbände verunsichert in Anbetracht der gegenwärtigen Situation.

Schon „vor Corona“ hatten unabhängige Experten dringend davon abgeraten, die Olympischen Spiele in Tokyo, vor allem in der Präfektur Fukushima, wo ein Teil der Spiele ausgetragen werden soll, abzusehen. Der Grund dafür war bis Dato jedoch „nur“ die radiologische Situation in der Präfektur Fukushima. So sollen nämlich Teile der Spiele in Fukushima Stadt und Umgebung stattfinden, wo aufgrund der Reaktorkatastrophe von 2011 noch zahlreiche radioaktive Hotspots vorhanden sind. Der olympische Fackellauf, der am kommenden Donnerstag starten soll, führt sogar durch die ehemalige Sperrzone rund um das havarierte AKW Fukushima Daiichi (antiatom-fuku berichtete).

Mit der teilweisen Austragung der Olympischen Spiele und den Beginn des Fackellaufes in der Präfektur Fukushima wollte die japanische Regierung um Ministerpräsident Shinzo Abe der Welt „Normalität“ in Fukushima vorspiegeln, den Eindruck erwecken, dass die Reaktorkatastrophe nun „behoben“ sei und der Wiederaufbau gut vorangeschritten ist. Allerdings wird es jetzt immer wahrscheinlicher, das „Corona“ Abe einen dicken Strich durch die Rechnung machen könnte, zumal auch die japanische Bevölkerung immer skeptischer gegenüber den Plänen der Regierung und des IOC wird, die die Olympischen Spiele trotz „Corona“ um jeden Preis durchführen wollen.

Auch in Anbetracht, dass die Kosten für die Olympischen Spiele schon sieben Mal höher ausgefallen sind als zuvor berechnet, würde sich Abe gegenüber der Bevölkerung noch unglaubwürdiger machen.

Allerdings führen nur die wenigsten der kritischen Stimmen, die dafür plädieren die Olympischen Spiele Tokyo/Fukushima 2020 abzusagen, die radiologische Situation als Begründung für das Aussetzen der Spiele an. Die immer noch gefährlich erhöhte Radioaktivität in Teilen der Präfektur Fukushima wird sogar, auch von deutschen Behörden, eher verharmlost, so dass „nur“ die Corona-Pandemie als alleiniges Ausschlusskriterium infrage kommt.

 

16.03.2020

AKW Sendai, Reaktor 1 wegen Nachbesserung im Terrorschutz vom Netz

Heute wurde der Reaktor 1 am AKW Sendai, Präfektur Kagoshima, wie von der Atomaufsichtsbehörde NRA angeordnet, heruntergefahren. Grund dafür ist die Durchführung der von der NRA geforderten Nachbesserungen bezüglich des Terrorschutzes, die von den betreibenden Kyushu Elektrizitätswerken jedoch nie erbracht worden sind und nun nachgeholt werden müssen.

Hier hatten die Kyushu Elektrizitätswerke, wie auch die anderen betroffenen Stromkonzerne einfach die Frist verstreichen lassen, ohne die gesetzlich geforderten Nachbesserungen zu erbringen. In Anbetracht dessen griff die NRA nun im vergangenen Sommer zu drastischen Maßnahmen, womit die Betreiber jedoch absolut nicht gerechnet hatten (antiatom-fuku berichtete). Die neuen Fristen für die Erbringung der Nachbesserungen an den jeweiligen Reaktoren wurden durch die NRA verbindlich terminiert. Bei Nichteinhaltung droht die NRA mit Betriebsverbot.

Neben den Nachbesserungsarbeiten wird nun auch die jährliche Routinewartung des Reaktors 1 am AKW Sendai, die eigentlich erst in November fällig wäre, vorgezogen. Laut den Kyushu Elektrizitätswerken dauern die Arbeiten etwa 9 Monate, so dass der Reaktor Mitte Dezember wieder hochgefahren werden kann.

Der Reaktor 2, wo man ebenfalls hat die Frist verstreichen lassen, wird am 20.05.2020 heruntergefahren. Auch am AKW Takahama, Präfektur Fukui haben die betreibenden Kansai Elektrizitätswerke die Frist einfach verstreichen lassen, so dass auch hier an beide Reaktoren die Nachbesserung für den Terrorschutz nachgeholt werden muss. Demnach soll der Reaktor 3 am 02.08. und der Reaktor 4 am 07.10.2020 zwecks Nachbesserung vom Netz.  

 

14.03.2020

Futaba, Bahnstrecke nahe am AKW Fukushima wieder in Betrieb

Am heutigen Samstag wurde das in der ehemaligen Sperrzone gelegene letzte Teilstück der Joban-Bahnlinie für den regulären Betrieb wieder freigegeben. Das besagte Teilstück der Bahnstrecke, also vom Bahnhof Tomioka bis Namie, führt in nur 1,5 km Entfernung am havarierten AKW Fukushima Daiichi vorbei! Der Evakuierungsbefehl für Futaba, wo heute der erste Zug nach 9 Jahren seit Beginn der Reaktorkatastrophe feierlich im neu errichteten Bahnhof empfangen worden ist, wurde bereits Anfang des Monats aufgehoben. Laut den lokalen Behörden und der betreibenden Japan Rail (JR) sei die Wiederinbetriebnahme der Streckenabschnitte, die durch die ehemalige 20-Sperrzone führen bedenkenlos vertretbar, da diese Gebiete nach einer Flächendekontamination von der Regierung wieder freigegeben worden sind. Umweltexperten, sowie viele lokale Bürger stehen dem jedoch eher kritisch gegenüber, da unabhängige Messungen weiterhin erhöhte Strahlenwerte, bzw. regelrechte Hotspots mit recht hoher Radioaktivität zeigen. Zudem fährt die Bahn sehr nahe (1,5 km) am havarierten AKW Fukushima Daiichi vorbei, das in Vorbeifahren sogar gut zu sehen ist.  Die beiden wiedererschlossenen Bahnhöfe Ono und Futaba liegen jeweils nur ca. 3,6 km vom AKW Fukushima Daiichi entfernt.

 

11.03.2020

Nordostjapan, die große Dreifachkatastrophe – neun Jahre danach

Das große Tohoku-Erdbeben mit Reaktorkatastrophe am AKW Fukushima Daiichi jährt sich heute zum 9. Male. Damals ereignete sich um 14:46 Uhr das große Erdbeben in Nordostjapan, ein nachfolgender Tsunami und die Reaktorkatastrophe mit dreifacher Kernschmelze am AKW Fukushima Daiichi. Das Erdbeben, das eine Stärke von 9,0 auf der Richter-Skala aufwies, war das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Der Tsunami überflutete eine Fläche von 470 km². Mehr als 260 küstennahe Ortschaften wurden zerstört. Nahezu 20.000 Leute kamen durch den Tsunami ums Leben. Mehr als eine halbe Millionen Menschen wurden evakuiert, bzw. flüchteten „freiwillig“. Häuser, die nach dem Erdbeben und Tsunami noch intakt geblieben schienen, mussten aufgrund der radioaktiven Verseuchung verlassen werden. Hunderttausende verloren ihre Heimat. Um das havarierte AKW Fukushima Daiichi herum entstanden Geisterdörfer, die für mehrere Jahrzehnte (eigentlich) nicht mehr bewohnbar sind. Diese Gebiete, die auf Anordnung der Regierung „revitalisiert“ werden sollen, werden zwecks Senkung der Radioaktivität, einer Flächendekontamination durch Abtragen der obersten Erdschicht unterzogen.

Etwa 22 Mio. m³ radioaktives Erdreich, lagert in den berüchtigten schwarzen Säcken überall in der Landschaft, in den provisorischen Zwischenlagern, oder wurde schon im Straßen- und Dammbau „wiederverwertet“. 

Es wird weiterhin konsequent versucht, die Leute zur Rückkehr in ihre immer noch radioaktiv belastete Heimat zu bewegen. Ende dieser Woche wird sogar das letzte noch unterbrochene Teilstück der Joban-Bahnlinie wieder befahren, das nahe am havarierten AKW Fukushima Daiichi drei Ortschaften in der ehemaligen Sperrzone miteinander verbindet.  

Die Dekontaminationsmaßnahmen wirken aber nur kurzfristig, da laufend neue radioaktive Partikel mit Wind und Regen herangetragen werden. Alle Flächen außerhalb von Wohngebieten und landwirtschaftlichen Nutzflächen, Wälder etc. wurden nicht dekontaminiert und weisen somit eine deutlich höhere Strahlung als die dekontaminierten Gebiete auf.

Da nicht zu Unrecht gesundheitliche Folgen befürchtet werden, hält sich die Rückkehrbereitschaft in die radioaktiv belastete Heimat, vor allem bei Familien mit Kindern sehr stark in Grenzen. In der Stadt Iitate, die nur 30 km vom havarierten AKW entfernt liegt und sehr stark radioaktiv verseucht worden ist, sind nach der Flächendekontamination bisher „nur“ 10% der ehemaligen etwa 6000 Einwohner zurückgekehrt (Stand: 06/2019).

Zum Gedenken der Opfer der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe finden heute vielerorts in der Tohoku-Region Gedenkfeiern statt, worin auch der Wiederaufbau mit zahllosen Neubauprojekten, vor allem in der Präfektur Fukushima zelebriert werden, wobei die Betroffenen der Atomkatastrophe und die andauernden Folgen in den offiziellen Feiern schon mal gerne außen vor bleiben.  

 

09.03.2020

Umfrage: 86% halten weitere Atomkatastrophen für sehr realistisch

Nach einer repräsentativen landesweiten Umfrage zum Thema „Atomunfälle im Zusammenhang mit Naturkatastrophen, bezugnehmend auf die große Dreifachkatastrophe von März 2011, die das Amt für Statistik am 29.02. und 01.03.2020 durchführte, sind 84% der Befragten fest davon überzeugt, dass sich solch eine Atomkatastrophe wie in Fukushima jederzeit durchaus wiederholen kann. 56% der Befragten glauben nicht, dass sich die „Sicherheit“ an den AKWs seit Fukushima, die sich übermorgen, am 11.März zum 9. Male jährt, gebessert hätte.  

 

08.03.2020

AKW Onagawa, Reaktor 2 – Wiederinbetriebnahme nicht vor 2021

Wie die betreibenden Tohoku Elektrizitätswerke Ende dieser Woche mitteilten, wird der Reaktor 2, ein SWR, der am 26.02.2020 von der Atomaufsichtsbehörde NRA für „sicher“ befunden und freigegeben worden ist (antiatom-fuku berichtete), voraussichtlich erst ab 2021 wieder in Betrieb genommen. Grund dafür sind noch ausstehende Nachbesserungen, die noch erbracht werden müssen, z.B. in Sachen Notfallplan und Evakuierung für den Fall einer nuklearen Notfallsituation. Hier hatte im vergangenen November auch eine Bürgerinitiative vor den Amtsgericht Sendai (Nord) geklagt, die gerichtlich erwirken wollte, dass die Präfekturverwaltung Miyagi keine Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme erteilt.

Die noch ausstehende Genehmigung der Lokalbehörden, sowie der Präfekturverwaltung wird stets unmittelbar vor der geplanten Wiederinbetriebnahme des Reaktors, die noch nicht genau terminiert worden ist, beantragt werden.  

 

04.03.2020

Präfektur Fukushima, Joban-Bahnlinie, radioaktiv kontaminierte Züge

Bei einer Studie der JR-Eisenbahngewerkschaft Mito, die am 29.02.2020 veröffentlicht worden ist, kam heraus, dass Züge der Joban-Bahnlinie mit radioaktiven Staubpartikel belastet sind. Hierzu wurden „Probefahrten“ durch die Sperrzone getätigt, und anschließend die Filter der Getriebekühlung untersucht, wobei eine radioaktive Belastung nachgewiesen worden ist, die 23 Mal höher lag als „normal“. In einer Probe lag der Cäsium137-Wert sogar bei 2350 Bq/kg.

Die Joban-Bahnlinie führt über 300 km von Tokyo in Richtung Norden, über Mito und Iwaki, entlang der Küste, am AKW Fukushima Daini und Daiichi vorbei bis Sendai (Nord), Präfektur Miyagi. Nach der großen Dreifachkatastrophe von März 2011 war die Joban-Bahnlinie an mehreren Stellen unterbrochen, die dann nach und nach wieder instandgesetzt worden sind (antiatom-fuku berichtete). Knapp 21 km der Bahnlinie führen jedoch durch die Sperrzone, vorbei am havarierten AKW Fukushima Daiichi. Nachdem aber der Evakuierungsbefehl in der Sperrzone schrittweise wieder aufgehoben worden ist, soll ab dem 14.03.2020 auch dieser Abschnitt wieder freigegeben werden, so dass die Bahnlinie wieder auf der gesamten Strecke im regulären Tackt befahren wird.

Die JR-Eisenbahngewerkschaft, die der Japan Rail (JR) die Messdaten vorlegte, forderte mehr Sicherheit für die betroffenen Mitarbeiter, vor allem für diejenigen, die in der Wartungshalle mit der Reinigung der betroffenen Züge, Filter etc. betraut sind. Denn hier besteht eine hohe Gefahr von Inkorporation radioaktiver Partikel bei unzureichender Schutzkleidung. Auch die Lokführer, die diese Streckenabschnitte bedienen, sind einer radioaktiven Kontamination ausgesetzt.

 

29.02.2020

Aufhebung des Evakuierungsbefehls für Futaba, Olympia, Fackellaufroute

Der Evakuierungsbefehl für die Stadt Futaba, wie in anderen betroffenen Ortschaften bereits geschehen, wird ab den kommenden Mittwoch komplett aufgehoben. Bisher waren nur eingeschränkt Aufenthalte in Futaba erlaubt. Futaba befindet sich im 20 km-Umkreis, sogar in direkter Nachbarschaft zum havarierten AKW Fukushima Daiichi, und wurde im März 2011 zu Beginn der Reaktorkatastrophe vollständig evakuiert. Auch die Joban-Bahnlinie, die entlang der Küste von Tokyo, Iwaki an den beiden AKWs Fukushima Daini und Daiichi nach Sendai (Nord) führt, war in diesem Bereich unterbrochen.

Nach einer Flächendekontamination zur Senkung der Radioaktivität und den Wiederaufbau durch Erdbeben und Tsunami zerstörter Gebäude, Eröffnung des neuen Rathauses, Supermärkte, soll nun auch die Bahnverbindung wiederhergestellt werden, so dass der neu gestaltete Futaba Bahnhof ab den 14.03.2020 wieder im regulären Takt angefahren werden soll.

Eine fest installierte Strahlenmesssonde am Futaba Bahnhof zeigt einen Wert von 0,14 µSv/h. Vor der Dekontamination, wie von offizieller Seite stolz verkündet wird, lag der Wert bei 5µSv/h und höher.

Die Regierung, die die Rückkehr der ehemaligen Einwohner in ihre verstrahlte Heimat vorantreibt, will die Reaktorkatastrophe rasch vergessen machen, indem man versucht, so schnell wie möglich „Normalität“ in der Präfektur Fukushima walten zu lassen. Unabhängige Experten stehen einer Wiederbesiedelung der dekontaminierten Ortschaften jedoch sehr skeptisch gegenüber, da neben den zahllosen radioaktiven Hotspots, mit Wind und Regen immer wieder neue radioaktive Partikel aus dem havarierten AKW niedergehen und die Strahlung wieder ansteigen lassen.

Für große Empörung bei vielen sorgt auch das Vorhaben der Regierung und der Organisatoren, den olympischen Fackellauf, der ab den 26.03.2020 starten soll, am Sportzentrum J-Village, ebenfalls in der ehemaligen 20 km-Sperrzone starten zu lassen. Dieser führt dann an drei Tagen quer durch die Präfektur Fukushima, mit vielen Abschnitten in der radioaktiv kontaminierten ehemaligen Sperrzone. Dazu sollen auch Teile der Olympischen Spiele, die im kommenden Sommer stattfinden, in der Präfektur Fukushima abgehalten werden.

 

26.02.2020

AKW Onagawa, Freigabe für Reaktor 2 durch Atomaufsicht NRA

Auf einer Konferenz, die heute stattfand, haben die betreibenden Tohoku Elektrizitätswerke von der Atomaufsichtsbehörde NRA den schriftlichen Prüfbericht nach „bestandener“ Sicherheitsüberprüfung und Freigabe für den Reaktor 2, einen SWR am AKW Onagawa, Präfektur Miyagi erhalten. Die Aussicht auf baldige Freigabe wurde den Tohoku Elektrizitätswerken bereits im vergangenen November mündlich zugesichert, sobald die letzten Nachbesserungsarbeiten, wie z.B. Erhöhung der Tsunamimauer beendet worden sind (antiatom-fuku berichtete).  

Während die NRA die Sicherheit des AKWs Onagawa für ausreichend befindet, zeigen sich einige Lokalpolitiker, sowie viele lokale Bürger eher skeptisch, zumal eine Erdbeben- und Tsunamisicherheit, anders als von den Befürwortern behauptet, ja gar nicht gewährleistet werden kann! Auch erscheint der vorhandene Katastrophenschutz- und Evakuierungsplan für den Fall einer radiologischen Notfallsituation eher unzureichend und in die Praxis nicht umsetzbar, so einige Lokalpolitiker.

Das bedeutet, dass die von den Tohoku Elektrizitätswerken angestrebte baldige Wiederinbetriebnahme des Reaktors sich noch auf unbestimmte Zeit verzögern könnte. Denn neben der NRA-Freigabe ist in jedem Falle auch die Genehmigung der umliegenden Gemeinden, sowie der Präfekturverwaltung nötig, dessen Erteilung jedoch noch fraglich ist.  

Reaktor 2 am AKW Onagawa ist nun der 16. Reaktor landesweit und der erste in der von der Dreifachkatastrophe 2011 am stärksten betroffenen Tohoku-Region (Norostjapan), der von der NRA für „sicher“ befunden und freigegeben worden ist. Und er ist nach Tokai 2, Präfektur Ibaraki auch der zweite SWR, der von der NRA freigegeben worden ist. Zuvor wurden „nur“ DWR freigegeben.

Für weitere Informationen zu Reaktor 2 am AKW Onagawa siehe auch AKW-Status und Gefahrenpunkte.  

 

24.02.2020

AKW Ikata, Reaktor 3, Gericht fordert weitere geologische Daten

Die Shikoku Elektrizitätswerke die das AKW Ikata, Präfektur Ehime betreiben, haben am vergangenen Mittwoch am OLG Hiroshima Berufung gegen das Urteil von Mitte Januar eingelegt, das den Weiterbetrieb des Reaktors 3 untersagt hatte (antiatom-fuku berichtete). Begründet wurde das Urteil mit der unzureichenden Erdbebensicherheit und der Nähe zu aktiven Vulkanen.

In der jetzigen Verhandlung, in der noch kein Urteil fiel, ordnete das Gericht eine erneute Überprüfung der Erdbebensicherheit und der Ausbruchgefahr der umliegenden Vulkane an, da nämlich die geologischen Daten, die dem Gericht von den Shikoku Elektrizitätswerken vorgelegt wurden, von den Shikoku Elektrizitätswerken selber erstellt worden sind und somit nicht als objektiv bewertet werden können.

Zudem kam es zu erheblichen Zwischenfällen am AKW Ikata innerhalb kurzer Zeit und einem kompletten Stromausfall (antiatom-fuku berichtete), was möglichweise Einfluss auf das künftige Gerichtsurteil nehmen könnte.

Der Reaktor 3 am AKW Ikata, der sich seit Ende Dezember in der jährlichen Revision befindet, ist, da die Reaktoren 1 und 2 bereits stillgelegt worden sind, der einzige Reaktor, der von den Shikoku Elektrizitätswerken betrieben wird. Dem entsprechend befürchten die Shikoku Elektrizitätswerke nun massive wirtschaftliche Einbußen, wenn sich die für Ende März geplante Wiederinbetriebnahme (Ende der jährlichen Revision) des Reaktors 3 auf unbestimmte Zeit verzögert, bzw. wie im ersten Verfahren bereits angeordnet, endgültig untersagt bleibt.

 

18.02.2020

AKW Takahama, Reaktor 3, defekte Rohrleitungen am Dampferzeuger

An einem der drei Dampferzeuger des Reaktors 3 am AKW Takahama, der sich seit Anfang Januar in Revision befindet, wurden nun Defekte an zwei Rohrleitungen entdeckt. Diese weisen Risse mit einer Länge von 12, bzw. 9 mm auf.

Im laufenden Betrieb des Reaktors zirkuliert über den 9800 Rohrleitungen im Dampferzeuger radioaktives Kühlwasser des Primärkreislaufes. Also Wasser, das im direkten Kontakt mit den Brennelementen im Reaktorkern steht.

Bei der letzten Revision im vergangenen Jahr, wurden im Reaktor 4 ebenfalls Risse in Rohrleitungen der Dampferzeuger entdeckt (antiatom-fuku berichtete).

Beide Reaktoren sind neben „normalen“ Uranbrennelementen auch mit plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen bestückt ist.

 

13.02.2020

Datenfälschung am AKW Tsuruga: NRA droht mit Konsequenzen

In einer Konferenz, die die Atomaufsichtsbehörde NRA am gestrigen Mittwoch abhielt, wurde die dreiste Dokumentenfälschung geologischer Untersuchungsdaten, die die betreibende JAPC für das AKW Tsuruga anfertigte (antiatom-fuku berichtete) erörtert. Hier hatte die JAPC geologische Daten aus dem Jahr 2012, wonach eine geologische Verwerfung, die unterhalb von Reaktor 2 verläuft und auf seismische Aktivität hinwies, in „abgeänderter“ Form dem aktuellen Untersuchungsbericht hinzugefügt, so, als würde es gar keine Hinweise für eine seismische Aktivität geben. Unabhängige geologische Untersuchungen zufolge ist eine seismische Aktivität jedoch sehr wahrscheinlich.

Der geologische Prüfbericht, der mit einer sehr hohen Relevanz in die Sicherheitsbewertung des Reaktors einfließt, wurde von der JAPC kürzlich in o.g. verfälschten Form bei der NRA eingereicht.

Der Chef der NRA, Toyoshi Fukeka verurteilte diese Vorgehensweise jedoch aufs schärfste und kündigte die sofortige Stilllegung des Reaktors an, falls sich die geologische Verwerfung tatsächlich als seismisch aktiv erweist. Dazu kündigte Fuketa auch strafrechtliche Schritte gegen die JAPC an.

08.02.2020

AKW Tsuruga, geologische Daten zu Reaktor 2 vorsätzlich fehlerhaft

In einer Konferenz, die die Atomaufsichtsbehörde NRA am gestrigen Freitag abhielt, wurden die Daten geologischer Untersuchungen, die die betreibende JAPC für den Reaktor 2 am AKW Tsuruga, Präfektur Fukui vorlegte, analysiert. Hierbei kommt die NRA jedoch zu der Feststellung, dass die von der JAPC vorgelegten Daten nicht nur unzureichend, sondern auch noch fehlerhaft sind! Zudem wurden teilweise alte Untersuchungsdaten aus dem Jahr 2012 vorgelegt, die aktuell nicht mehr verwertbar sind. Weitere Ungereimtheiten zeigen sich in der Dokumentation zur Bodenbeschaffenheit des Standortes von Reaktor 2. So wurde im Prüfbericht von 2012 der Untergrund als lehmartig und im aktuellen Bericht als „festeres“ Gestein beschrieben. Auch die geologische Verwerfung, die unterhalb des Reaktors verläuft, sei angeblich nicht seismisch aktiv.

Auf Nachfragen der NRA, die diese Falschangaben aufs schärfte kritisiert, verstrickt sich die JAPC in Widersprüche und ringt nach Erklärungsversuchen.

Bezüglich der seismischen Aktivität der oben beschriebenen geologischen Verwerfung sollen weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Eine seismische Aktivität, die aller Voraussicht nach, eine Stilllegung des Reaktors 2 zufolge hätte, ist aber schon sehr wahrscheinlich.

Der Reaktor 1, ein SWR, wurde 2015 bereits stillgelegt. Für den Reaktor 2, ein DWR, zieht sich die NRA-Sicherheitsüberprüfung schon seit 5 Jahren in die Länge. Hier sind jetzt nicht nur die Aussichten auf Genehmigung sehr gering, sondern auch die Wirtschaftlichkeit muss hier infrage gestellt werden, da der Reaktor 2027 die gesetzlich festgelegte Maximallaufzeit von 40 Jahren erreicht.  

Neben AKW Tsuruga betreibt die JAPC noch den Reaktor 2 am AKW Tokai, Präfektur Ibaraki, der von der NRA defacto schon für „sicher“ befunden worden ist, und nach Beendigung der laufenden Nachrüstung auf Freigabe überprüft werden soll, und der ebenfalls in der NRA-Überprüfung befindliche Forschungsreaktor Joyo, vom Typ „Schneller Brüter“ in der Präfektur Ibaraki.  

Zurzeit hat die die JAPC, die ausschließlich auf die Produktion von Atomstrom setzt, defacto keine Einkünfte, dass nämlich alle Reaktoren, die von ihr betrieben werden, stillstehen.

 

05.02.2020

AKW Fukushima, Reaktorblock 2, nach 9 Jahren weiterhin hohe Strahlung

Im Reaktorgebäude 2 am havarierten AKW Fukushima Daiichi herrscht auch nach fast 9 Jahren seit Beginn der Reaktorkatastrophe von März 2011 weiterhin eine hohe Strahlung. So wurde in einer Robotermission, die am 30.01.2020 durchgeführt worden ist, ein Wert von 680 mSv/h im Obergeschoss des Reaktorgebäudes gemessen. Im Stockwerk direkt oberhalb des Reaktors, lag die am Boden gemessene Strahlung bei 683 mSv/h.

Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden gestern auf einer Konferenz, bestehend aus Fachleuten der Atomaufsichtsbehörde NRA und weiteren Experten analysiert, die folglich zu dem Schluss kamen, dass das Reaktorgebäude 2 weiterhin nicht betreten werden kann.

Der Reaktorblock 2 wurde, wie auch die Blöcke 1 und 3 im März 2011 durch eine Kernschmelze zerstört. Das Gebäude als solches blieb weitgehend unbeschädigt. Im Reaktorblock 3, wo zurzeit schon die Brennelemente aus dem Abklingbecken geborgen werden, fand im Dezember sogar eine Begehung der NRA statt (antiatom-fuku berichtete). Hier ist die Strahlung im Gebäude teilweise deutlich niedriger.  

 

02.02.2020

AKW Ōi, Bürgerklage wurde abgewiesen

Die Klage eines Bürgers aus der Präfektur Kyoto, der per einstweiliger Verfügung einen sofortigen Betriebsstopp der Reaktoren 3 und 4 am AKW Ōi, Präfektur Fukui erwirken wollte, wurde am 30.01.2020 durch das OLG Osaka abgewiesen. Begründet wurde das Urteil damit, „dass man keine absolute Sicherheit beim Betrieb kerntechnischer Anlagen verlangen könne“. Die Erdbebensicherheit sei ebenfalls gewährleistet. „Andernfalls hätte die Atomaufsichtsbehörde NRA das AKW Ōi auch nicht zur Wiederinbetriebnahme freigegeben“, so der zuständige Richter in seinem Urteil.

Bei unabhängigen Experten stößt das Urteil allerdings auf absolutes Unverständnis, da nämlich sehr wohl eine Gefahr durch Erdbeben gegeben ist und im Falle einer Nuklearkatastrophe nicht nur die umliegende Bevölkerung mit den Großstädten Kyoto und Osaka, sondern auch der Biwasee als wichtiges Trinkwasserreservoir bedroht wäre.

 

01.02.2020

AKW Fukushima, hochradioaktives Wasser: Regierung hält weiterhin an Verklappung ins Meer fest

Eine Unterkommission der Regierung, bestehend aus Vertretern des Wirtschafts- und Industrieministeriums (METI) und regierungsnaher Fachleute sind auf ihrer gestrigen Konferenz zu dem Entschluss gekommen, dass die Verklappung ins Meer, bzw. die Verdampfung des hochradioaktiven Wassers, dass auf dem Gelände des havarierten AKWs Fukushima Daiichi lagert, nach vorheriger Verdünnung, eine sehr realistische Option sei. Nach einer „ausreichenden“ Verdünnung, so dass die darin enthaltenen radioaktiven Stoffe die gesetzlich festgelegten Obergrenzen unterschreiten, würde das radioaktiv belastete Wasser keine Gefahr für Umwelt und Gesundheit darstellen, so die Unterkommission.

Auf dem Gelände lagern zurzeit 1.200.000 Tonnen hochradioaktives Wasser, vor allem Tritium („überschweres Wasser“) in knapp 1000 großen Tanks.

Eine endgültige Entscheidung seitens der Regierung soll jedoch erst nach Anhörung lokaler und anderer Interessensgruppen erfolgen.

Fischer, Fischereigenossenschaften, lokale Bürger und Umweltverbände sprechen sich weiterhin strikt gegen diese Pläne aus, da nämlich vor allem durch das Tritium sehr wohl gesundheitliche Gefahren bestehen.  

 

26.01.2020

Stromausfall am AKW Ikata

Am AKW Ikata, Präfektur Ehime ereignete sich gestern Nachmittag gegen 15:40 Uhr ein kompletter Stromausfall. Zu dem sprangen die Notstromaggregate verspätet an. Die Notstromaggregate der bereits stillgelegten Reaktoren 1 und 2 sprangen erst nach 3 Sekunden und des Reaktors 3, der wegen laufender Revision vom Netz ist, erst nach 10 Sekunden an, so dass die Kühlung der Brennelemente kurzzeitig unterbrochen worden ist!

Laut den betreibenden Shikoku Elektrizitätswerken habe jedoch keine Gefahr bestanden. Radioaktivität sei ebenfalls nicht ausgetreten. Nach der Ursache für den plötzlichen Stromausfall werde nun gesucht, so die Shikoku Elektrizitätswerke.

Das ist nun bereits der dritte Zwischenfall innerhalb kurzer Zeit, der sich am AKW Ikata, vor allem in Reaktorblock 3, der bis Dato noch betrieben worden ist, ereignet. Der Weiterbetrieb des Reaktors wurde aber auch aufgrund seismischer Gefahren, die bisher unterschätzt worden sind, Mitte dieses Monats per Gericht untersagt (antiatom-fuku berichtete).

 

22.01.2020

AKW Ikata, Zwischenfall bei Inspektion der Brennelemente

Am AKW Ikata, Reaktor 3, der seit Ende Dezember zwecks jährlicher Revision vom Netz ist, ereignete sich wieder ein Zwischenfall, der in Verbindung mit den Brennelementen steht, die Anfang dieses Monats aus dem Reaktor entnommen und ins Abklingbecken gestellt worden sind. Diese werden nun einer Inspektion unterzogen, wofür jedes einzeln angehoben und begutachtet wird. Dabei ist nun ein Brennelement, das gerade überprüft worden ist und zurück in die Haltevorrichtung des Abklingbeckens gestellt werden sollte, beim absetzen auf die Kante gestoßen. Ein vorausgegangenes Warnsignal wurde wahrscheinlich nicht beachtet.

Wie es zu diesem Zwischenfall kam, der sich bereits am Montag und ca. 14:00 Uhr ereignete, und ob menschliches Versagen als Ursache infrage kommt, werde nun untersucht. Laut den betreibenden Shikoku Elektrizitätswerken sei das Brennelement jedoch nicht beschädigt worden und keine Radioaktivität ausgetreten, so dass keine Gefahr für die anwesenden Arbeiter bestanden habe.

Beim ersten Zwischenfall, der sich Anfang Januar ereignete, ist bei der Entnahme der Brennelemente aus dem Reaktor ein Steuerstab herausgerutscht. Zudem wurde der Weiterbetrieb des Reaktors, der im März wieder hochgefahren werden sollte, in der vergangenen Woche gerichtlich untersagt (antiatom-fuku berichtete). Das Urteil wurde mit den geologischen gefahren begründet.

 

21.01.2020

Tepco, AKW Fukushima: Sediment in Lagertanks verschwiegen

Bezüglich des hochradioaktiven Wassers, das in großen Tanks auf dem Gelände des havarierten AKWs Fukushima Daiichi lagert, fand nun erneut eine Konferenz des Betreibers Tepco mit Regierungsvertretern statt, worin die bisherigen Maßnahmen zusammengefasst und Empfehlungen des Regierungsausschusses erörtert wurden, wie mit dem hochradioaktiven Wasser umgegangen, bzw. wie es „entsorgt“ werden soll. Die Verklappung ins Meer, bzw. die Verdampfung wurde bereits mehrfach diskutiert (antiatom-fuku berichtete).

Das hochradioaktive Wasser der Lagertanks stammt aus der Reaktorkühlung der drei Kernschmelzen, wurde schon mehrfach „gereinigt“ und wiederverwendet, ist aber nun so stark kontaminiert, vor allem mit hochradioaktiven Stoffen belastet, insbesondere Tritium, die sich nicht herausfiltern lassen, so das es in den Tanks zwischengelagert werden muss.

Allerdings hatte Tepco bisher komplett verschwiegen, dass sich am Grund einiger Lagertanks ein schlammiges Sediment abgelagert hat, dass bereist im vergangenen Sommer entdeckt worden ist. Dieses könnte jedoch nun zu einem zusätzlichen Problem werden. Laut Tepco handelt es sich bei diesem Sediment vermutlich um eine Metallverbindung, die durch Chemikalien entstanden ist, die bei der Dekontamination des hochradioaktiven Wassers zugesetzt werden. Wie stark das Sediment jedoch radioaktiv belastet ist, ist bisher noch unbekannt.     

  

18.01.2020

OLG Hiroshima: AKW Ikata, Betriebsverbot für Reaktor 3

Nach einem Gerichtsurteil, dass am gestrigen Freitag am OLG Hiroshima gefällt worden ist, darf der Reaktor 3, der sich zurzeit in der jährlichen Revision befindet, nicht wieder in betrieb genommen werden. Geplante Wiederinbetriebnahme war Ende März. Begründet wird das Urteil mit einer nahe am AKW Ikata verlaufenden seismisch aktiven geologischen Verwerfung und aktiver Vulkane im Umkreis. Zudem waren die bisherigen geologischen Untersuchungen, die seitens der betreibenden Shikoku Elektrizitätswerke und der Atomaufsichtsbehörde NRA durchgeführt worden sind, unzureichend. Diese Fehler, sowie weitere Versäumnisse der NRA, die den Reaktor 3 in Anbetracht mangelnder geologischer Daten gar nicht hätte für „sicher“ befinden und freigeben dürfen, wurden im Urteil ebenfalls zur Sprache gebracht. Der Reaktor 3 wurde im Mai 2015 nach Abschluss der NRA-Sicherheitsüberprüfung für „sicher“ befunden und freigegeben.

Dies ist nun das zweite Gerichtsurteil, das den Weiterbetrieb des Reaktors 3 am AKW Ikata untersagt hat (12/2017, OLG Hiroshima). Das Urteil war jedoch nur befristet und wurde 09/2018 wieder aufgehoben, so dass der Reaktor 3 wieder hochgefahren werden durfte (antiatom-fuku berichtete).  

Im jetzigen Verfahren hatten drei Anwohner gegen das AKW Ikata geklagt. Die Shikoku Elektrizitätswerke wollen jedoch Berufung einlegen.

Das AKW Ikata befindet sich auf einer schmalen Landzunge. Parallel dazu verläuft auch die mittlere tektonische Linie, eine Bruchzone, die über eine Länge von 1000km von Tokyo bis Kyushu zieht.

Weiter Infos zum AKW Ikata und dessen besonderen geologischen Gefahren.

 

17.01.2020

AKW Fukushima, „Eismauer“: Kühlmittel an drei Stellen ausgetreten

In der unterirdischen „Eismauer“, die am havarierten AKW Fukushima Daiichi die Reaktoren 1 bis 4 umschließt, ist, wie der Betreiber Tepco nun mitteilte, an drei Stellen Kühlmittel ausgetreten. Hier waren Verbindungsstücke der Röhren, über die das Kühlmittel zirkuliert undicht geworden.

Erste Hinweise auf Undichtigkeiten im Röhrensystem zeigten sich bereits vor anderthalb Wochen, als Arbeiter ein Absinken des Pegels im Kühlmitteltank der „Eismauer“ bemerkten (antiatom-fuku berichtete).

Die unterirdische „Eismauer“ soll dafür sorgen, dass das hochradioaktive Wasser der Reaktorkühlung darin „eingeschlossen“ bleibt und nicht in die Umwelt gelangt.  

Von den 1,1 Mio. Liter Kühlmittel, das für die „Eismauer“ in Gebrauch ist, sind 20.000 Liter ausgelaufen. Die Leckagen werden zurzeit repariert, solange zirkuliert kein Kühlmittel. Das Erdreich, das unter dem zirkulierenden Kühlmittel auf eine Temperatur von -30°C gehalten wurde, bleibt laut Tepco jedoch noch einige Zeit gefroren, so dass die fehlende Zirkulation des Kühlmittels während der Reparaturarbeiten keine negativen Auswirkungen habe.

 

13.01.2020

AKW Ikata, Zwischenfall beim Brennelementwechsel

Am AKW Ikata, Präfektur Ehime ereignete sich bereits am gestrigen Sonntag ein Zwischenfall im Reaktor 3. Dieser ist seit dem 26.12.2019 zwecks jährlicher Revision von Netz, und es wurde mit der Entnahme der Brennelemente begonnen, damit der Reaktor inspiziert und gewartet werden kann.

Bei der Entnahme der Brennelemente, wurde nun an einem Brennelement, dass gerade aus dem Reaktor entnommen werden sollte, aus Versehen ein Steuerstab herausgezogen, der nun unten heraushing.

Die Steuerstäbe, wovon jedes Brennelement 48 Stück enthält, unterdrücken die Kernspaltung. Werden die Steuerstäbe herausgefahren, kommt die Kernspaltung in Gang, bzw. wird gedrosselt, wenn diese wieder eingefahren werden.

Laut den betreibenden Shikoku Elektrizitätswerken habe durch den Zwischenfall keine Gefahr bestanden, da das Reaktorbecken mit Borsäure befüllt gewesen sei, die ebenfalls die Kernspaltung unterdrückt. Nach der Ursache für den herausragenden steuerstab werden nun gesucht.

Siehe dazu auch die Bilder im Video (32 Sek., japanisch) der TBS

 

11.01.2020

AKW Fukushima, Leckage in der unterirdischen „Eismauer“

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi kam es in der unterirdischen „Eismauer“, die die Kellerräume der Reaktoren 1 bis 4 umschließt, zu einem erheblichen Kühlmittelverlust, so dass die Zirkulation des Kühlmittels unterbrochen worden ist. Bereits am vergangenen Dienstag und Mittwoch bemerkten Mitarbeiter ein deutliches Absinken des Pegels im Kühlmitteltank, was auf eine Leckage in den Röhren des unterirdischen Kühlmittelkreislaufs schließen lässt.

Die sogenannte „Eismauer“, ein Röhrensystem, das den Boden über eine zirkulierende chemische Kühlflüssigkeit bis in 30 Meter Tiefe gefriert, soll verhindern, dass hochradioaktives Wasser der Reaktorkühlung ins Meer gelangt, bzw. verhindern, dass nachlaufendes Grundwasser eindringt.

Die ausgelaufene Kühlmittelmenge wird auf etwa 1600 Liter geschätzt. Laut Tepco würde es einige Monate dauern, bis die „Eismauer“ aufgetaut ist, so dass sie trotz der unterbrochenen Kühlmittelzirkulation weiterhin ihre Wirkung aufrechterhält. Somit bliebe genügend Zeit, um nach der Ursache zu suchen und diese zu beheben, so der Betreiber Tepco.

 

05.01.2020

Futaba: Evakuierungsbefehl wird komplett aufgehoben

Der Evakuierungsbefehl für die Ortschaft Futaba, die sich in direkter Nachbarschaft zum havarierten AKW Fukushima Daiichi befindet, soll ab den kommenden März komplett aufgehoben werden. Bis dahin sind nur eingeschränkt Aufenthalte in Futaba erlaubt (stundenweise, ohne Übernachtung, je nach Gebiet). Zuvor wurde, um die Radioaktivität zu senken, eine Flächendekontamination innerhalb der Wohngebiete durchgeführt, aber nicht in angrenzenden Freiflächen und Wäldern!

In Anbetracht der Nähe zum AKW Fukushima Daiichi, das weiterhin große Mengen Radioaktivität emittiert und somit die Umgebung immer wieder kontaminiert, sind diese Maßnahmen bei vielen Bürgern und unabhängigen Experten weiterhin sehr umstritten. Die Regierung will jedoch, vor allem in Anbetracht der bevorstehenden olympischen Spiele wieder „Normalität“ in der Präfektur Fukushima walten lassen, so dass die Regierung vor ein paar Jahren auch schon die Strahlenbelastungsobergrenze der wiederbesiedelten Evakuierungsgebiete auf 20mSv/a hochgesetzt und für zumutbar befunden hatte.

Die JR Joban-Bahnlinie, die direkt am AKW Fukushima Daiichi vorbeiführt, also quer durch die ehemalige 20-km-Sperrzone, fährt den Futaba Bahnhof ab den 14.03.2020 wieder an. Somit wird das letzte Teilstück der unterbrochenen Bahnlinie wieder in Betrieb genommen, so dass diese von Tokyo über Iwaki bis Sendai (Nord) wieder komplett befahren werden kann. Auch der Bahnhof J-Village, am Sportzentrum J-Village auf der Joban-Linie, der eigens für die olympischen Spiele extra gebaut worden ist, wurde im April 2019 feierlich eröffnet (antiatom-fuku berichtete). Auch dieser liegt nur wenige Kilometer vom havarierten AKW entfernt!  

 

02.01.2020

Tepco, weitere Infos zum Rückbau des AKWs Fukushima Daiichi

Nach einer neuen Ergänzung des Fahrplans für den Rückbau des havarierten AKWs Fukushima Daiichi, die die Regierung und der Betreiber Tepco nun vorstellte, soll das radioaktiv kontaminierte Grund- und Kühlwasser, das Tag für Tag ins Meer gelangt, bis 2025 auf unter 100m³/Tag reduziert werden. Derzeit liegt die Menge bei etwa 150m³/Tag.

Die Bergung aller Brennelemente der Reaktoren 1 bis 6, inklusiver der drei Kernschmelzen soll bis 2031 abgeschlossen sein.

Ein Zwischenlager für den radioaktiv kontaminierten Schutt der Reaktorgebäude soll bis 2028 in Betrieb gehen.

Nachrichten aus dem Jahr 2019