2020 Fuku Info

Archiv aus dem Jahr 2020 in umgekehrter Chronologie. Das heißt: Das aktuellste folgt zuerst.          

 (Zu den aktuellen Nachrichten)

 

16.04.2020

AKW Fukushima -Arbeiter mit Radioaktivität kontaminiert

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi kam es bereits am 13.04.2020 zu einem Zwischenfall, wobei ein Arbeiter (20) eines Subunternehmers radioaktive Partikel inkorporiert hat. Der Arbeiter, der für die Dekontaminierung des gebrauchten hochradioaktiven Kühlwassers tätig ist, hatte sich nach Beendigung seiner Schicht beim Ablegen der Vollmaske und Schutzkleidung mit radioaktiven Partikeln im Bereich der Nase kontaminiert. Diese sein dann über die Atemwege in den Körper gelangt. Laut dem Betreiber Tepco habe die inkorporierte Dosis angeblich keine gesundheitlichen Auswirkungen für den betroffenen Arbeiter.

Dies ist nun der dritte Fall seit Februar, wo sich ein Arbeiter beim Ablegen der Schutzkleidung mit radioaktiven Partikeln kontaminiert hat.

 

13.04.2020

AKW Fukushima: weiterhin keine Klarheit im Umgang mit dem hochradioaktiven Abwasser

Im bestehenden Streit um das hochradioaktive Wasser, das in großen Tanks auf dem Gelände des havarierten AKWs Fukushima Daiichi lagert, ist weiterhin keine Einigung, bzw. brauchbare Lösung in Sicht.

Auf dem AKW-Gelände lagern zurzeit etwa 1.200.000 t hochradioaktives, vor allen tritiumhaltiges Wasser aus der Reaktorkühlung (dreifache Kernschmelze!), das über die Filteranlage ALPS nicht mehr „gereinigt“ und „wiederverwertet“ werden kann. Hierbei handelt es sich um hochradioaktiven Atommüll!

Die Radioaktivitätsdosis des gelagerten Wassers auf dem Gelände liegt um mehr als das 400fache höher, als die Dosis, die vor der Reaktorkatastrophe, also im regulären Leistungsbetrieb des AKWs pro Jahr ins Meer abgegeben worden ist. Hinzu kommt noch eine sehr hohe Konzentration an radioaktiven Stoffen, die sich im Erdreich, bzw. im Grundwasser und in den Reaktorkellerräumen befindet.  

Laut dem Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) und dem Betreiber Tepco würden die Tanks, etwa. 980 Stück an der Zahl, bald an ihre Kapazitätsgrenze stoßen (antiatom-fuku berichtete) und auch generell den Rückbau der Anlage erheblich behindern.

Zu dem sein die Lagerungskosten sehr hoch, so das METI, und die Verklappung ins Meer eine kostengünstige und leicht durchzuführende „Lösung“.

Die unter den Experten, sowie Umweltverbänden sehr stark umstrittene Verklappung ins Meer, bzw. Verdampfung in die Atmosphäre wurde in der Vergangenheit schon öfter diskutiert (antiatom-fuku berichtete mehrfach darüber). Die sogenannte „kostengünstige schnelle Lösung“ für das „Wasserproblem“ ist jedoch nicht ohne Grund heftig umstritten, zumal der Verdünnungseffekt, entgegen den Behauptungen der Befürworter, absolut nicht ausreichend, und die radioaktiven Stoffe, vor allem die großen Mengen an Tritium durch die Verdünnung nicht verschwunden sind.

Laut der Fischereigenossenschaft würde die Fangquote, die 2019 eh schon nur bei 14% im Vergleich zum Zeitpunkt vor der Reaktorkatastrophe lag, noch weiter einbrechen, und die wirtschaftlichen Folgen für die ohnehin schon angeschlagene Präfektur Fukushima noch weiter verschlechtern.   

Das METI will sich wieder einmal mit den Interessengruppen beraten, bevor es über die Entsorgung der Angelegenheit entscheidet.

 

05.04.2020

Wochenrückblick Rückbau am AKW Fukushima

Die Entnahme der Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktorblock 3 am havarierten AKW Fukushima Daiichi wurden seit dieser Woche wegen Wartungsarbeiten am Entnahmekran unterbrochen. Nach Beendigung der Wartungsarbeiten im Juni sollen dann die restlichen Brennelemente geborgen werden.

Der ehemals 120 Meter hohe Schornstein der Reaktorblöcke 1 und 2 wurde bereits auf 78 Meter rückgebaut. Die soll, da er von innen hochradioaktiv kontaminiert und wegen Korrosion akut einsturzgefährdet gewesen ist, auf die Hälfte, also auf 60 Meter rückgebaut werden. Die Rückbauarbeiten der restlichen 18 Meter dauern noch voraussichtlich bis Anfang Mai.

Die gesamten Rückbauarbeiten müssen aufgrund der hohen Radioaktivität unter größter Vorsicht erfolgen und werden über einen ferngesteuerten Kran mit speziellen „Schneidegerät“ durchgeführt.

 

30.03.2020

AKW Onagawa, Arbeiter bei Reaktorwartung radioaktiv kontaminiert

Am AKW Onagawa, Präfektur Miyagi, gelangten bereits am vergangenen Donnerstag bei einem Arbeiter (50), der für ein Subunternehmen im Reaktorblock 2 tätig ist, trotz der Schutzkleidung radioaktive Partikel auf die Haut, als er Ventile am Reaktor gereinigt hatte. Die Kontamination wurde dann beim Verlassen des Kontrollbereiches festgestellt. Als der Arbeiter am Folgetag einer Ganzkörperradioaktivitätsmessung (WBC) unterzogen wurde, wurde auch eine Inkorporation radioaktiver Partikel mit einer Dosis von 0,5 mSv festgestellt.

Laut den betreibenden Tohoku Elektrizitätswerken sei solch ein Zwischenfall bisher noch nie da gewesen. Die inkorporierte Dosis stelle angeblich auch keine gesundheitliche Gefahr dar, so der Betreiber.

Der Reaktor 2, ein SWR aus dem Jahr 1995, der sich seit November 2010 im Langzeitstillstand befindet, wurde im vergangenen Monat von der Atomaufsichtsbehörde NRA nach Beendigung der Sicherheitsüberprüfung für „sicher“ befunden und zur Wiederinbetriebnahme freigegeben (antiatom-fuku berichtete). Es sind lediglich noch ein paar kleinere Nachbesserungen und Wartungsarbeiten zu verrichten, die Freigabe durch die lokalen Behörden und der Präfekturverwaltung einzuholen. Nach Plänen der Tohoku Elektrizitätswerke soll der Reaktor dann 2021 wieder ans Netz gehen.  

 

26.03.2020

Nach Verschiebung der Olympischen Spiele wegen Corona – Fackellauf durch radioaktive Gebiete jedoch weiterhin angestrebt.   

Wie deutsche und japanische Medien bereits am 24.03.2020 berichteten, wurden die olympischen Spiele Tokyo 2020 auf 2021 verschoben (siehe Bericht der DW online). Auch der olympische Fackellauf, der heute am Sportzentrum J-Village, 20 km südlich vom havarierten AKW Fukushima Daiichi starten sollte, wurde auf den kommenden Sommer verschoben. Als Grund, was auch absolut nachvollziehbar und schon überfällig gewesen ist, wurde die weltweite Corona-Pandemie angeführt. Die radiologische Situation hingegen, vor allem im Umfeld der Reaktorruine, bleibt bei den Entscheidungsträgern IOC und japanische Regierung jedoch völlig außen vor.  

So soll der Fackellauf weiterhin, wie geplant, über drei Streckenabschnitte durch radioaktiv kontaminierte Gebiete führen. Das „wieder instand gesetzte“ J-Village diente über mehrere Jahre als Stützpunkt für die AKW-Arbeiter und Atommüllzwischenlager (antiatom-fuku berichtete).

Hierzu haben Insider Radioaktivitätsmessungen entlang der Strecke durchgeführt, Bodenproben analysiert und hohe Cäsiumwerte gemessen, die nämlich alles andere als „bedenkenlos“ sind. Siehe dazu folgendes Video (12 Min., englischer Untertitel).

Das Olympische Feuer als solches hingegen soll aller Voraussicht nach in der Präfektur Fukushima „ausgestellt“ werden, und hatte am Ankunftstag schon zahllose Zuschauer, angelockt, was in Zeiten der Corona-Pandemie jedoch eher verantwortungslos ist. Außerdem vermuten unabhängige Beobachter, dass das „ausgestellte“ Olympische Feuer „nach Corona“ weitere Schaulustige, bzw. Touristen in die Präfektur Fukushima locken soll, um das Gefühl zu geben, dass Fukushima wieder „sicher“ sei.  

 

25.03.2020

Wochenrückblick: AKW Fukushima weiter im Rückbau

Am havariertem AKW Fukushima Daiichi, sollen bald auch die zuleitenden Rohre des Abluftschornsteins der beiden Reaktoren 1 und 2, der sich zurzeit im Rückbau befindet, entfernt werden. Aktuellen Untersuchungen zufolge, weisen diese jedoch eine hohe radioaktive Strahlung von 4 Sv/h und mehr auf! Über diese Rohre wurde im März 2011 zwecks Druckentlastung (Venting) der havarierenden Reaktoren hochradioaktive Luft aus dem Reaktordruckbehälter zum Schornstein geleitet und in die Atmosphäre entlassen.

Hier wird nun über die Vorgehensweise beim Rückbau, der Ende des Jahres beginnen soll, beraten.

Die Bergung der Kernschmelzen der Reaktoren 1 bis 3 ist für 2024 vorgesehen. Weitere Erkundungsarbeiten zur Datensammlung sind für 2021 vorgesehen.

Aus dem Abklingbecken von Reaktor 3 wurden bereits 105 von 566 Brennelementen entnommen und in das Zusatzabklingbecken, das sich auf dem Gelände befindet transportiert (Stand: 13.03.2020). Diese Arbeiten sollen bis März 2021 abgeschlossen sein.

 

21.03.2020

Olympische Spiele Tokyo 2020, Coronavirus – Druck wächst auf IOC

Wegen der immer weiter sich ausbreitenden Corona-Pandemie wächst der Druck auf die japanische Regierung und das IOC, die bisher, entgegen aller Empfehlungen von Gesundheitsexperten, unter keinen Umständen die olympischen Spiele absagen, bzw. verschieben wollen.

So zeigen sich international auch immer mehr Sportler, die bereits für die Olympischen Spiele vorgesehen sind, und dessen Sportverbände verunsichert in Anbetracht der gegenwärtigen Situation.

Schon „vor Corona“ hatten unabhängige Experten dringend davon abgeraten, die Olympischen Spiele in Tokyo, vor allem in der Präfektur Fukushima, wo ein Teil der Spiele ausgetragen werden soll, abzusehen. Der Grund dafür war bis Dato jedoch „nur“ die radiologische Situation in der Präfektur Fukushima. So sollen nämlich Teile der Spiele in Fukushima Stadt und Umgebung stattfinden, wo aufgrund der Reaktorkatastrophe von 2011 noch zahlreiche radioaktive Hotspots vorhanden sind. Der olympische Fackellauf, der am kommenden Donnerstag starten soll, führt sogar durch die ehemalige Sperrzone rund um das havarierte AKW Fukushima Daiichi (antiatom-fuku berichtete).

Mit der teilweisen Austragung der Olympischen Spiele und den Beginn des Fackellaufes in der Präfektur Fukushima wollte die japanische Regierung um Ministerpräsident Shinzo Abe der Welt „Normalität“ in Fukushima vorspiegeln, den Eindruck erwecken, dass die Reaktorkatastrophe nun „behoben“ sei und der Wiederaufbau gut vorangeschritten ist. Allerdings wird es jetzt immer wahrscheinlicher, das „Corona“ Abe einen dicken Strich durch die Rechnung machen könnte, zumal auch die japanische Bevölkerung immer skeptischer gegenüber den Plänen der Regierung und des IOC wird, die die Olympischen Spiele trotz „Corona“ um jeden Preis durchführen wollen.

Auch in Anbetracht, dass die Kosten für die Olympischen Spiele schon sieben Mal höher ausgefallen sind als zuvor berechnet, würde sich Abe gegenüber der Bevölkerung noch unglaubwürdiger machen.

Allerdings führen nur die wenigsten der kritischen Stimmen, die dafür plädieren die Olympischen Spiele Tokyo/Fukushima 2020 abzusagen, die radiologische Situation als Begründung für das Aussetzen der Spiele an. Die immer noch gefährlich erhöhte Radioaktivität in Teilen der Präfektur Fukushima wird sogar, auch von deutschen Behörden, eher verharmlost, so dass „nur“ die Corona-Pandemie als alleiniges Ausschlusskriterium infrage kommt.

 

16.03.2020

AKW Sendai, Reaktor 1 wegen Nachbesserung im Terrorschutz vom Netz

Heute wurde der Reaktor 1 am AKW Sendai, Präfektur Kagoshima, wie von der Atomaufsichtsbehörde NRA angeordnet, heruntergefahren. Grund dafür ist die Durchführung der von der NRA geforderten Nachbesserungen bezüglich des Terrorschutzes, die von den betreibenden Kyushu Elektrizitätswerken jedoch nie erbracht worden sind und nun nachgeholt werden müssen.

Hier hatten die Kyushu Elektrizitätswerke, wie auch die anderen betroffenen Stromkonzerne einfach die Frist verstreichen lassen, ohne die gesetzlich geforderten Nachbesserungen zu erbringen. In Anbetracht dessen griff die NRA nun im vergangenen Sommer zu drastischen Maßnahmen, womit die Betreiber jedoch absolut nicht gerechnet hatten (antiatom-fuku berichtete). Die neuen Fristen für die Erbringung der Nachbesserungen an den jeweiligen Reaktoren wurden durch die NRA verbindlich terminiert. Bei Nichteinhaltung droht die NRA mit Betriebsverbot.

Neben den Nachbesserungsarbeiten wird nun auch die jährliche Routinewartung des Reaktors 1 am AKW Sendai, die eigentlich erst in November fällig wäre, vorgezogen. Laut den Kyushu Elektrizitätswerken dauern die Arbeiten etwa 9 Monate, so dass der Reaktor Mitte Dezember wieder hochgefahren werden kann.

Der Reaktor 2, wo man ebenfalls hat die Frist verstreichen lassen, wird am 20.05.2020 heruntergefahren. Auch am AKW Takahama, Präfektur Fukui haben die betreibenden Kansai Elektrizitätswerke die Frist einfach verstreichen lassen, so dass auch hier an beide Reaktoren die Nachbesserung für den Terrorschutz nachgeholt werden muss. Demnach soll der Reaktor 3 am 02.08. und der Reaktor 4 am 07.10.2020 zwecks Nachbesserung vom Netz.  

 

14.03.2020

Futaba, Bahnstrecke nahe am AKW Fukushima wieder in Betrieb

Am heutigen Samstag wurde das in der ehemaligen Sperrzone gelegene letzte Teilstück der Joban-Bahnlinie für den regulären Betrieb wieder freigegeben. Das besagte Teilstück der Bahnstrecke, also vom Bahnhof Tomioka bis Namie, führt in nur 1,5 km Entfernung am havarierten AKW Fukushima Daiichi vorbei! Der Evakuierungsbefehl für Futaba, wo heute der erste Zug nach 9 Jahren seit Beginn der Reaktorkatastrophe feierlich im neu errichteten Bahnhof empfangen worden ist, wurde bereits Anfang des Monats aufgehoben. Laut den lokalen Behörden und der betreibenden Japan Rail (JR) sei die Wiederinbetriebnahme der Streckenabschnitte, die durch die ehemalige 20-Sperrzone führen bedenkenlos vertretbar, da diese Gebiete nach einer Flächendekontamination von der Regierung wieder freigegeben worden sind. Umweltexperten, sowie viele lokale Bürger stehen dem jedoch eher kritisch gegenüber, da unabhängige Messungen weiterhin erhöhte Strahlenwerte, bzw. regelrechte Hotspots mit recht hoher Radioaktivität zeigen. Zudem fährt die Bahn sehr nahe (1,5 km) am havarierten AKW Fukushima Daiichi vorbei, das in Vorbeifahren sogar gut zu sehen ist.  Die beiden wiedererschlossenen Bahnhöfe Ono und Futaba liegen jeweils nur ca. 3,6 km vom AKW Fukushima Daiichi entfernt.

 

11.03.2020

Nordostjapan, die große Dreifachkatastrophe – neun Jahre danach

Das große Tohoku-Erdbeben mit Reaktorkatastrophe am AKW Fukushima Daiichi jährt sich heute zum 9. Male. Damals ereignete sich um 14:46 Uhr das große Erdbeben in Nordostjapan, ein nachfolgender Tsunami und die Reaktorkatastrophe mit dreifacher Kernschmelze am AKW Fukushima Daiichi. Das Erdbeben, das eine Stärke von 9,0 auf der Richter-Skala aufwies, war das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Der Tsunami überflutete eine Fläche von 470 km². Mehr als 260 küstennahe Ortschaften wurden zerstört. Nahezu 20.000 Leute kamen durch den Tsunami ums Leben. Mehr als eine halbe Millionen Menschen wurden evakuiert, bzw. flüchteten „freiwillig“. Häuser, die nach dem Erdbeben und Tsunami noch intakt geblieben schienen, mussten aufgrund der radioaktiven Verseuchung verlassen werden. Hunderttausende verloren ihre Heimat. Um das havarierte AKW Fukushima Daiichi herum entstanden Geisterdörfer, die für mehrere Jahrzehnte (eigentlich) nicht mehr bewohnbar sind. Diese Gebiete, die auf Anordnung der Regierung „revitalisiert“ werden sollen, werden zwecks Senkung der Radioaktivität, einer Flächendekontamination durch Abtragen der obersten Erdschicht unterzogen.

Etwa 22 Mio. m³ radioaktives Erdreich, lagert in den berüchtigten schwarzen Säcken überall in der Landschaft, in den provisorischen Zwischenlagern, oder wurde schon im Straßen- und Dammbau „wiederverwertet“. 

Es wird weiterhin konsequent versucht, die Leute zur Rückkehr in ihre immer noch radioaktiv belastete Heimat zu bewegen. Ende dieser Woche wird sogar das letzte noch unterbrochene Teilstück der Joban-Bahnlinie wieder befahren, das nahe am havarierten AKW Fukushima Daiichi drei Ortschaften in der ehemaligen Sperrzone miteinander verbindet.  

Die Dekontaminationsmaßnahmen wirken aber nur kurzfristig, da laufend neue radioaktive Partikel mit Wind und Regen herangetragen werden. Alle Flächen außerhalb von Wohngebieten und landwirtschaftlichen Nutzflächen, Wälder etc. wurden nicht dekontaminiert und weisen somit eine deutlich höhere Strahlung als die dekontaminierten Gebiete auf.

Da nicht zu Unrecht gesundheitliche Folgen befürchtet werden, hält sich die Rückkehrbereitschaft in die radioaktiv belastete Heimat, vor allem bei Familien mit Kindern sehr stark in Grenzen. In der Stadt Iitate, die nur 30 km vom havarierten AKW entfernt liegt und sehr stark radioaktiv verseucht worden ist, sind nach der Flächendekontamination bisher „nur“ 10% der ehemaligen etwa 6000 Einwohner zurückgekehrt (Stand: 06/2019).

Zum Gedenken der Opfer der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe finden heute vielerorts in der Tohoku-Region Gedenkfeiern statt, worin auch der Wiederaufbau mit zahllosen Neubauprojekten, vor allem in der Präfektur Fukushima zelebriert werden, wobei die Betroffenen der Atomkatastrophe und die andauernden Folgen in den offiziellen Feiern schon mal gerne außen vor bleiben.  

 

09.03.2020

Umfrage: 86% halten weitere Atomkatastrophen für sehr realistisch

Nach einer repräsentativen landesweiten Umfrage zum Thema „Atomunfälle im Zusammenhang mit Naturkatastrophen, bezugnehmend auf die große Dreifachkatastrophe von März 2011, die das Amt für Statistik am 29.02. und 01.03.2020 durchführte, sind 84% der Befragten fest davon überzeugt, dass sich solch eine Atomkatastrophe wie in Fukushima jederzeit durchaus wiederholen kann. 56% der Befragten glauben nicht, dass sich die „Sicherheit“ an den AKWs seit Fukushima, die sich übermorgen, am 11.März zum 9. Male jährt, gebessert hätte.  

 

08.03.2020

AKW Onagawa, Reaktor 2 – Wiederinbetriebnahme nicht vor 2021

Wie die betreibenden Tohoku Elektrizitätswerke Ende dieser Woche mitteilten, wird der Reaktor 2, ein SWR, der am 26.02.2020 von der Atomaufsichtsbehörde NRA für „sicher“ befunden und freigegeben worden ist (antiatom-fuku berichtete), voraussichtlich erst ab 2021 wieder in Betrieb genommen. Grund dafür sind noch ausstehende Nachbesserungen, die noch erbracht werden müssen, z.B. in Sachen Notfallplan und Evakuierung für den Fall einer nuklearen Notfallsituation. Hier hatte im vergangenen November auch eine Bürgerinitiative vor den Amtsgericht Sendai (Nord) geklagt, die gerichtlich erwirken wollte, dass die Präfekturverwaltung Miyagi keine Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme erteilt.

Die noch ausstehende Genehmigung der Lokalbehörden, sowie der Präfekturverwaltung wird stets unmittelbar vor der geplanten Wiederinbetriebnahme des Reaktors, die noch nicht genau terminiert worden ist, beantragt werden.  

 

04.03.2020

Präfektur Fukushima, Joban-Bahnlinie, radioaktiv kontaminierte Züge

Bei einer Studie der JR-Eisenbahngewerkschaft Mito, die am 29.02.2020 veröffentlicht worden ist, kam heraus, dass Züge der Joban-Bahnlinie mit radioaktiven Staubpartikel belastet sind. Hierzu wurden „Probefahrten“ durch die Sperrzone getätigt, und anschließend die Filter der Getriebekühlung untersucht, wobei eine radioaktive Belastung nachgewiesen worden ist, die 23 Mal höher lag als „normal“. In einer Probe lag der Cäsium137-Wert sogar bei 2350 Bq/kg.

Die Joban-Bahnlinie führt über 300 km von Tokyo in Richtung Norden, über Mito und Iwaki, entlang der Küste, am AKW Fukushima Daini und Daiichi vorbei bis Sendai (Nord), Präfektur Miyagi. Nach der großen Dreifachkatastrophe von März 2011 war die Joban-Bahnlinie an mehreren Stellen unterbrochen, die dann nach und nach wieder instandgesetzt worden sind (antiatom-fuku berichtete). Knapp 21 km der Bahnlinie führen jedoch durch die Sperrzone, vorbei am havarierten AKW Fukushima Daiichi. Nachdem aber der Evakuierungsbefehl in der Sperrzone schrittweise wieder aufgehoben worden ist, soll ab dem 14.03.2020 auch dieser Abschnitt wieder freigegeben werden, so dass die Bahnlinie wieder auf der gesamten Strecke im regulären Tackt befahren wird.

Die JR-Eisenbahngewerkschaft, die der Japan Rail (JR) die Messdaten vorlegte, forderte mehr Sicherheit für die betroffenen Mitarbeiter, vor allem für diejenigen, die in der Wartungshalle mit der Reinigung der betroffenen Züge, Filter etc. betraut sind. Denn hier besteht eine hohe Gefahr von Inkorporation radioaktiver Partikel bei unzureichender Schutzkleidung. Auch die Lokführer, die diese Streckenabschnitte bedienen, sind einer radioaktiven Kontamination ausgesetzt.

 

29.02.2020

Aufhebung des Evakuierungsbefehls für Futaba, Olympia, Fackellaufroute

Der Evakuierungsbefehl für die Stadt Futaba, wie in anderen betroffenen Ortschaften bereits geschehen, wird ab den kommenden Mittwoch komplett aufgehoben. Bisher waren nur eingeschränkt Aufenthalte in Futaba erlaubt. Futaba befindet sich im 20 km-Umkreis, sogar in direkter Nachbarschaft zum havarierten AKW Fukushima Daiichi, und wurde im März 2011 zu Beginn der Reaktorkatastrophe vollständig evakuiert. Auch die Joban-Bahnlinie, die entlang der Küste von Tokyo, Iwaki an den beiden AKWs Fukushima Daini und Daiichi nach Sendai (Nord) führt, war in diesem Bereich unterbrochen.

Nach einer Flächendekontamination zur Senkung der Radioaktivität und den Wiederaufbau durch Erdbeben und Tsunami zerstörter Gebäude, Eröffnung des neuen Rathauses, Supermärkte, soll nun auch die Bahnverbindung wiederhergestellt werden, so dass der neu gestaltete Futaba Bahnhof ab den 14.03.2020 wieder im regulären Takt angefahren werden soll.

Eine fest installierte Strahlenmesssonde am Futaba Bahnhof zeigt einen Wert von 0,14 µSv/h. Vor der Dekontamination, wie von offizieller Seite stolz verkündet wird, lag der Wert bei 5µSv/h und höher.

Die Regierung, die die Rückkehr der ehemaligen Einwohner in ihre verstrahlte Heimat vorantreibt, will die Reaktorkatastrophe rasch vergessen machen, indem man versucht, so schnell wie möglich „Normalität“ in der Präfektur Fukushima walten zu lassen. Unabhängige Experten stehen einer Wiederbesiedelung der dekontaminierten Ortschaften jedoch sehr skeptisch gegenüber, da neben den zahllosen radioaktiven Hotspots, mit Wind und Regen immer wieder neue radioaktive Partikel aus dem havarierten AKW niedergehen und die Strahlung wieder ansteigen lassen.

Für große Empörung bei vielen sorgt auch das Vorhaben der Regierung und der Organisatoren, den olympischen Fackellauf, der ab den 26.03.2020 starten soll, am Sportzentrum J-Village, ebenfalls in der ehemaligen 20 km-Sperrzone starten zu lassen. Dieser führt dann an drei Tagen quer durch die Präfektur Fukushima, mit vielen Abschnitten in der radioaktiv kontaminierten ehemaligen Sperrzone. Dazu sollen auch Teile der Olympischen Spiele, die im kommenden Sommer stattfinden, in der Präfektur Fukushima abgehalten werden.

 

26.02.2020

AKW Onagawa, Freigabe für Reaktor 2 durch Atomaufsicht NRA

Auf einer Konferenz, die heute stattfand, haben die betreibenden Tohoku Elektrizitätswerke von der Atomaufsichtsbehörde NRA den schriftlichen Prüfbericht nach „bestandener“ Sicherheitsüberprüfung und Freigabe für den Reaktor 2, einen SWR am AKW Onagawa, Präfektur Miyagi erhalten. Die Aussicht auf baldige Freigabe wurde den Tohoku Elektrizitätswerken bereits im vergangenen November mündlich zugesichert, sobald die letzten Nachbesserungsarbeiten, wie z.B. Erhöhung der Tsunamimauer beendet worden sind (antiatom-fuku berichtete).  

Während die NRA die Sicherheit des AKWs Onagawa für ausreichend befindet, zeigen sich einige Lokalpolitiker, sowie viele lokale Bürger eher skeptisch, zumal eine Erdbeben- und Tsunamisicherheit, anders als von den Befürwortern behauptet, ja gar nicht gewährleistet werden kann! Auch erscheint der vorhandene Katastrophenschutz- und Evakuierungsplan für den Fall einer radiologischen Notfallsituation eher unzureichend und in die Praxis nicht umsetzbar, so einige Lokalpolitiker.

Das bedeutet, dass die von den Tohoku Elektrizitätswerken angestrebte baldige Wiederinbetriebnahme des Reaktors sich noch auf unbestimmte Zeit verzögern könnte. Denn neben der NRA-Freigabe ist in jedem Falle auch die Genehmigung der umliegenden Gemeinden, sowie der Präfekturverwaltung nötig, dessen Erteilung jedoch noch fraglich ist.  

Reaktor 2 am AKW Onagawa ist nun der 16. Reaktor landesweit und der erste in der von der Dreifachkatastrophe 2011 am stärksten betroffenen Tohoku-Region (Norostjapan), der von der NRA für „sicher“ befunden und freigegeben worden ist. Und er ist nach Tokai 2, Präfektur Ibaraki auch der zweite SWR, der von der NRA freigegeben worden ist. Zuvor wurden „nur“ DWR freigegeben.

Für weitere Informationen zu Reaktor 2 am AKW Onagawa siehe auch AKW-Status und Gefahrenpunkte.  

 

24.02.2020

AKW Ikata, Reaktor 3, Gericht fordert weitere geologische Daten

Die Shikoku Elektrizitätswerke die das AKW Ikata, Präfektur Ehime betreiben, haben am vergangenen Mittwoch am OLG Hiroshima Berufung gegen das Urteil von Mitte Januar eingelegt, das den Weiterbetrieb des Reaktors 3 untersagt hatte (antiatom-fuku berichtete). Begründet wurde das Urteil mit der unzureichenden Erdbebensicherheit und der Nähe zu aktiven Vulkanen.

In der jetzigen Verhandlung, in der noch kein Urteil fiel, ordnete das Gericht eine erneute Überprüfung der Erdbebensicherheit und der Ausbruchgefahr der umliegenden Vulkane an, da nämlich die geologischen Daten, die dem Gericht von den Shikoku Elektrizitätswerken vorgelegt wurden, von den Shikoku Elektrizitätswerken selber erstellt worden sind und somit nicht als objektiv bewertet werden können.

Zudem kam es zu erheblichen Zwischenfällen am AKW Ikata innerhalb kurzer Zeit und einem kompletten Stromausfall (antiatom-fuku berichtete), was möglichweise Einfluss auf das künftige Gerichtsurteil nehmen könnte.

Der Reaktor 3 am AKW Ikata, der sich seit Ende Dezember in der jährlichen Revision befindet, ist, da die Reaktoren 1 und 2 bereits stillgelegt worden sind, der einzige Reaktor, der von den Shikoku Elektrizitätswerken betrieben wird. Dem entsprechend befürchten die Shikoku Elektrizitätswerke nun massive wirtschaftliche Einbußen, wenn sich die für Ende März geplante Wiederinbetriebnahme (Ende der jährlichen Revision) des Reaktors 3 auf unbestimmte Zeit verzögert, bzw. wie im ersten Verfahren bereits angeordnet, endgültig untersagt bleibt.

 

18.02.2020

AKW Takahama, Reaktor 3, defekte Rohrleitungen am Dampferzeuger

An einem der drei Dampferzeuger des Reaktors 3 am AKW Takahama, der sich seit Anfang Januar in Revision befindet, wurden nun Defekte an zwei Rohrleitungen entdeckt. Diese weisen Risse mit einer Länge von 12, bzw. 9 mm auf.

Im laufenden Betrieb des Reaktors zirkuliert über den 9800 Rohrleitungen im Dampferzeuger radioaktives Kühlwasser des Primärkreislaufes. Also Wasser, das im direkten Kontakt mit den Brennelementen im Reaktorkern steht.

Bei der letzten Revision im vergangenen Jahr, wurden im Reaktor 4 ebenfalls Risse in Rohrleitungen der Dampferzeuger entdeckt (antiatom-fuku berichtete).

Beide Reaktoren sind neben „normalen“ Uranbrennelementen auch mit plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen bestückt ist.

 

13.02.2020

Datenfälschung am AKW Tsuruga: NRA droht mit Konsequenzen

In einer Konferenz, die die Atomaufsichtsbehörde NRA am gestrigen Mittwoch abhielt, wurde die dreiste Dokumentenfälschung geologischer Untersuchungsdaten, die die betreibende JAPC für das AKW Tsuruga anfertigte (antiatom-fuku berichtete) erörtert. Hier hatte die JAPC geologische Daten aus dem Jahr 2012, wonach eine geologische Verwerfung, die unterhalb von Reaktor 2 verläuft und auf seismische Aktivität hinwies, in „abgeänderter“ Form dem aktuellen Untersuchungsbericht hinzugefügt, so, als würde es gar keine Hinweise für eine seismische Aktivität geben. Unabhängige geologische Untersuchungen zufolge ist eine seismische Aktivität jedoch sehr wahrscheinlich.

Der geologische Prüfbericht, der mit einer sehr hohen Relevanz in die Sicherheitsbewertung des Reaktors einfließt, wurde von der JAPC kürzlich in o.g. verfälschten Form bei der NRA eingereicht.

Der Chef der NRA, Toyoshi Fukeka verurteilte diese Vorgehensweise jedoch aufs schärfste und kündigte die sofortige Stilllegung des Reaktors an, falls sich die geologische Verwerfung tatsächlich als seismisch aktiv erweist. Dazu kündigte Fuketa auch strafrechtliche Schritte gegen die JAPC an.

08.02.2020

AKW Tsuruga, geologische Daten zu Reaktor 2 vorsätzlich fehlerhaft

In einer Konferenz, die die Atomaufsichtsbehörde NRA am gestrigen Freitag abhielt, wurden die Daten geologischer Untersuchungen, die die betreibende JAPC für den Reaktor 2 am AKW Tsuruga, Präfektur Fukui vorlegte, analysiert. Hierbei kommt die NRA jedoch zu der Feststellung, dass die von der JAPC vorgelegten Daten nicht nur unzureichend, sondern auch noch fehlerhaft sind! Zudem wurden teilweise alte Untersuchungsdaten aus dem Jahr 2012 vorgelegt, die aktuell nicht mehr verwertbar sind. Weitere Ungereimtheiten zeigen sich in der Dokumentation zur Bodenbeschaffenheit des Standortes von Reaktor 2. So wurde im Prüfbericht von 2012 der Untergrund als lehmartig und im aktuellen Bericht als „festeres“ Gestein beschrieben. Auch die geologische Verwerfung, die unterhalb des Reaktors verläuft, sei angeblich nicht seismisch aktiv.

Auf Nachfragen der NRA, die diese Falschangaben aufs schärfte kritisiert, verstrickt sich die JAPC in Widersprüche und ringt nach Erklärungsversuchen.

Bezüglich der seismischen Aktivität der oben beschriebenen geologischen Verwerfung sollen weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Eine seismische Aktivität, die aller Voraussicht nach, eine Stilllegung des Reaktors 2 zufolge hätte, ist aber schon sehr wahrscheinlich.

Der Reaktor 1, ein SWR, wurde 2015 bereits stillgelegt. Für den Reaktor 2, ein DWR, zieht sich die NRA-Sicherheitsüberprüfung schon seit 5 Jahren in die Länge. Hier sind jetzt nicht nur die Aussichten auf Genehmigung sehr gering, sondern auch die Wirtschaftlichkeit muss hier infrage gestellt werden, da der Reaktor 2027 die gesetzlich festgelegte Maximallaufzeit von 40 Jahren erreicht.  

Neben AKW Tsuruga betreibt die JAPC noch den Reaktor 2 am AKW Tokai, Präfektur Ibaraki, der von der NRA defacto schon für „sicher“ befunden worden ist, und nach Beendigung der laufenden Nachrüstung auf Freigabe überprüft werden soll, und der ebenfalls in der NRA-Überprüfung befindliche Forschungsreaktor Joyo, vom Typ „Schneller Brüter“ in der Präfektur Ibaraki.  

Zurzeit hat die die JAPC, die ausschließlich auf die Produktion von Atomstrom setzt, defacto keine Einkünfte, dass nämlich alle Reaktoren, die von ihr betrieben werden, stillstehen.

 

05.02.2020

AKW Fukushima, Reaktorblock 2, nach 9 Jahren weiterhin hohe Strahlung

Im Reaktorgebäude 2 am havarierten AKW Fukushima Daiichi herrscht auch nach fast 9 Jahren seit Beginn der Reaktorkatastrophe von März 2011 weiterhin eine hohe Strahlung. So wurde in einer Robotermission, die am 30.01.2020 durchgeführt worden ist, ein Wert von 680 mSv/h im Obergeschoss des Reaktorgebäudes gemessen. Im Stockwerk direkt oberhalb des Reaktors, lag die am Boden gemessene Strahlung bei 683 mSv/h.

Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden gestern auf einer Konferenz, bestehend aus Fachleuten der Atomaufsichtsbehörde NRA und weiteren Experten analysiert, die folglich zu dem Schluss kamen, dass das Reaktorgebäude 2 weiterhin nicht betreten werden kann.

Der Reaktorblock 2 wurde, wie auch die Blöcke 1 und 3 im März 2011 durch eine Kernschmelze zerstört. Das Gebäude als solches blieb weitgehend unbeschädigt. Im Reaktorblock 3, wo zurzeit schon die Brennelemente aus dem Abklingbecken geborgen werden, fand im Dezember sogar eine Begehung der NRA statt (antiatom-fuku berichtete). Hier ist die Strahlung im Gebäude teilweise deutlich niedriger.  

 

02.02.2020

AKW Ōi, Bürgerklage wurde abgewiesen

Die Klage eines Bürgers aus der Präfektur Kyoto, der per einstweiliger Verfügung einen sofortigen Betriebsstopp der Reaktoren 3 und 4 am AKW Ōi, Präfektur Fukui erwirken wollte, wurde am 30.01.2020 durch das OLG Osaka abgewiesen. Begründet wurde das Urteil damit, „dass man keine absolute Sicherheit beim Betrieb kerntechnischer Anlagen verlangen könne“. Die Erdbebensicherheit sei ebenfalls gewährleistet. „Andernfalls hätte die Atomaufsichtsbehörde NRA das AKW Ōi auch nicht zur Wiederinbetriebnahme freigegeben“, so der zuständige Richter in seinem Urteil.

Bei unabhängigen Experten stößt das Urteil allerdings auf absolutes Unverständnis, da nämlich sehr wohl eine Gefahr durch Erdbeben gegeben ist und im Falle einer Nuklearkatastrophe nicht nur die umliegende Bevölkerung mit den Großstädten Kyoto und Osaka, sondern auch der Biwasee als wichtiges Trinkwasserreservoir bedroht wäre.

 

01.02.2020

AKW Fukushima, hochradioaktives Wasser: Regierung hält weiterhin an Verklappung ins Meer fest

Eine Unterkommission der Regierung, bestehend aus Vertretern des Wirtschafts- und Industrieministeriums (METI) und regierungsnaher Fachleute sind auf ihrer gestrigen Konferenz zu dem Entschluss gekommen, dass die Verklappung ins Meer, bzw. die Verdampfung des hochradioaktiven Wassers, dass auf dem Gelände des havarierten AKWs Fukushima Daiichi lagert, nach vorheriger Verdünnung, eine sehr realistische Option sei. Nach einer „ausreichenden“ Verdünnung, so dass die darin enthaltenen radioaktiven Stoffe die gesetzlich festgelegten Obergrenzen unterschreiten, würde das radioaktiv belastete Wasser keine Gefahr für Umwelt und Gesundheit darstellen, so die Unterkommission.

Auf dem Gelände lagern zurzeit 1.200.000 Tonnen hochradioaktives Wasser, vor allem Tritium („überschweres Wasser“) in knapp 1000 großen Tanks.

Eine endgültige Entscheidung seitens der Regierung soll jedoch erst nach Anhörung lokaler und anderer Interessensgruppen erfolgen.

Fischer, Fischereigenossenschaften, lokale Bürger und Umweltverbände sprechen sich weiterhin strikt gegen diese Pläne aus, da nämlich vor allem durch das Tritium sehr wohl gesundheitliche Gefahren bestehen.  

 

26.01.2020

Stromausfall am AKW Ikata

Am AKW Ikata, Präfektur Ehime ereignete sich gestern Nachmittag gegen 15:40 Uhr ein kompletter Stromausfall. Zu dem sprangen die Notstromaggregate verspätet an. Die Notstromaggregate der bereits stillgelegten Reaktoren 1 und 2 sprangen erst nach 3 Sekunden und des Reaktors 3, der wegen laufender Revision vom Netz ist, erst nach 10 Sekunden an, so dass die Kühlung der Brennelemente kurzzeitig unterbrochen worden ist!

Laut den betreibenden Shikoku Elektrizitätswerken habe jedoch keine Gefahr bestanden. Radioaktivität sei ebenfalls nicht ausgetreten. Nach der Ursache für den plötzlichen Stromausfall werde nun gesucht, so die Shikoku Elektrizitätswerke.

Das ist nun bereits der dritte Zwischenfall innerhalb kurzer Zeit, der sich am AKW Ikata, vor allem in Reaktorblock 3, der bis Dato noch betrieben worden ist, ereignet. Der Weiterbetrieb des Reaktors wurde aber auch aufgrund seismischer Gefahren, die bisher unterschätzt worden sind, Mitte dieses Monats per Gericht untersagt (antiatom-fuku berichtete).

 

22.01.2020

AKW Ikata, Zwischenfall bei Inspektion der Brennelemente

Am AKW Ikata, Reaktor 3, der seit Ende Dezember zwecks jährlicher Revision vom Netz ist, ereignete sich wieder ein Zwischenfall, der in Verbindung mit den Brennelementen steht, die Anfang dieses Monats aus dem Reaktor entnommen und ins Abklingbecken gestellt worden sind. Diese werden nun einer Inspektion unterzogen, wofür jedes einzeln angehoben und begutachtet wird. Dabei ist nun ein Brennelement, das gerade überprüft worden ist und zurück in die Haltevorrichtung des Abklingbeckens gestellt werden sollte, beim absetzen auf die Kante gestoßen. Ein vorausgegangenes Warnsignal wurde wahrscheinlich nicht beachtet.

Wie es zu diesem Zwischenfall kam, der sich bereits am Montag und ca. 14:00 Uhr ereignete, und ob menschliches Versagen als Ursache infrage kommt, werde nun untersucht. Laut den betreibenden Shikoku Elektrizitätswerken sei das Brennelement jedoch nicht beschädigt worden und keine Radioaktivität ausgetreten, so dass keine Gefahr für die anwesenden Arbeiter bestanden habe.

Beim ersten Zwischenfall, der sich Anfang Januar ereignete, ist bei der Entnahme der Brennelemente aus dem Reaktor ein Steuerstab herausgerutscht. Zudem wurde der Weiterbetrieb des Reaktors, der im März wieder hochgefahren werden sollte, in der vergangenen Woche gerichtlich untersagt (antiatom-fuku berichtete). Das Urteil wurde mit den geologischen gefahren begründet.

 

21.01.2020

Tepco, AKW Fukushima: Sediment in Lagertanks verschwiegen

Bezüglich des hochradioaktiven Wassers, das in großen Tanks auf dem Gelände des havarierten AKWs Fukushima Daiichi lagert, fand nun erneut eine Konferenz des Betreibers Tepco mit Regierungsvertretern statt, worin die bisherigen Maßnahmen zusammengefasst und Empfehlungen des Regierungsausschusses erörtert wurden, wie mit dem hochradioaktiven Wasser umgegangen, bzw. wie es „entsorgt“ werden soll. Die Verklappung ins Meer, bzw. die Verdampfung wurde bereits mehrfach diskutiert (antiatom-fuku berichtete).

Das hochradioaktive Wasser der Lagertanks stammt aus der Reaktorkühlung der drei Kernschmelzen, wurde schon mehrfach „gereinigt“ und wiederverwendet, ist aber nun so stark kontaminiert, vor allem mit hochradioaktiven Stoffen belastet, insbesondere Tritium, die sich nicht herausfiltern lassen, so das es in den Tanks zwischengelagert werden muss.

Allerdings hatte Tepco bisher komplett verschwiegen, dass sich am Grund einiger Lagertanks ein schlammiges Sediment abgelagert hat, dass bereist im vergangenen Sommer entdeckt worden ist. Dieses könnte jedoch nun zu einem zusätzlichen Problem werden. Laut Tepco handelt es sich bei diesem Sediment vermutlich um eine Metallverbindung, die durch Chemikalien entstanden ist, die bei der Dekontamination des hochradioaktiven Wassers zugesetzt werden. Wie stark das Sediment jedoch radioaktiv belastet ist, ist bisher noch unbekannt.     

  

18.01.2020

OLG Hiroshima: AKW Ikata, Betriebsverbot für Reaktor 3

Nach einem Gerichtsurteil, dass am gestrigen Freitag am OLG Hiroshima gefällt worden ist, darf der Reaktor 3, der sich zurzeit in der jährlichen Revision befindet, nicht wieder in betrieb genommen werden. Geplante Wiederinbetriebnahme war Ende März. Begründet wird das Urteil mit einer nahe am AKW Ikata verlaufenden seismisch aktiven geologischen Verwerfung und aktiver Vulkane im Umkreis. Zudem waren die bisherigen geologischen Untersuchungen, die seitens der betreibenden Shikoku Elektrizitätswerke und der Atomaufsichtsbehörde NRA durchgeführt worden sind, unzureichend. Diese Fehler, sowie weitere Versäumnisse der NRA, die den Reaktor 3 in Anbetracht mangelnder geologischer Daten gar nicht hätte für „sicher“ befinden und freigeben dürfen, wurden im Urteil ebenfalls zur Sprache gebracht. Der Reaktor 3 wurde im Mai 2015 nach Abschluss der NRA-Sicherheitsüberprüfung für „sicher“ befunden und freigegeben.

Dies ist nun das zweite Gerichtsurteil, das den Weiterbetrieb des Reaktors 3 am AKW Ikata untersagt hat (12/2017, OLG Hiroshima). Das Urteil war jedoch nur befristet und wurde 09/2018 wieder aufgehoben, so dass der Reaktor 3 wieder hochgefahren werden durfte (antiatom-fuku berichtete).  

Im jetzigen Verfahren hatten drei Anwohner gegen das AKW Ikata geklagt. Die Shikoku Elektrizitätswerke wollen jedoch Berufung einlegen.

Das AKW Ikata befindet sich auf einer schmalen Landzunge. Parallel dazu verläuft auch die mittlere tektonische Linie, eine Bruchzone, die über eine Länge von 1000km von Tokyo bis Kyushu zieht.

Weiter Infos zum AKW Ikata und dessen besonderen geologischen Gefahren.

 

17.01.2020

AKW Fukushima, „Eismauer“: Kühlmittel an drei Stellen ausgetreten

In der unterirdischen „Eismauer“, die am havarierten AKW Fukushima Daiichi die Reaktoren 1 bis 4 umschließt, ist, wie der Betreiber Tepco nun mitteilte, an drei Stellen Kühlmittel ausgetreten. Hier waren Verbindungsstücke der Röhren, über die das Kühlmittel zirkuliert undicht geworden.

Erste Hinweise auf Undichtigkeiten im Röhrensystem zeigten sich bereits vor anderthalb Wochen, als Arbeiter ein Absinken des Pegels im Kühlmitteltank der „Eismauer“ bemerkten (antiatom-fuku berichtete).

Die unterirdische „Eismauer“ soll dafür sorgen, dass das hochradioaktive Wasser der Reaktorkühlung darin „eingeschlossen“ bleibt und nicht in die Umwelt gelangt.  

Von den 1,1 Mio. Liter Kühlmittel, das für die „Eismauer“ in Gebrauch ist, sind 20.000 Liter ausgelaufen. Die Leckagen werden zurzeit repariert, solange zirkuliert kein Kühlmittel. Das Erdreich, das unter dem zirkulierenden Kühlmittel auf eine Temperatur von -30°C gehalten wurde, bleibt laut Tepco jedoch noch einige Zeit gefroren, so dass die fehlende Zirkulation des Kühlmittels während der Reparaturarbeiten keine negativen Auswirkungen habe.

 

13.01.2020

AKW Ikata, Zwischenfall beim Brennelementwechsel

Am AKW Ikata, Präfektur Ehime ereignete sich bereits am gestrigen Sonntag ein Zwischenfall im Reaktor 3. Dieser ist seit dem 26.12.2019 zwecks jährlicher Revision von Netz, und es wurde mit der Entnahme der Brennelemente begonnen, damit der Reaktor inspiziert und gewartet werden kann.

Bei der Entnahme der Brennelemente, wurde nun an einem Brennelement, dass gerade aus dem Reaktor entnommen werden sollte, aus Versehen ein Steuerstab herausgezogen, der nun unten heraushing.

Die Steuerstäbe, wovon jedes Brennelement 48 Stück enthält, unterdrücken die Kernspaltung. Werden die Steuerstäbe herausgefahren, kommt die Kernspaltung in Gang, bzw. wird gedrosselt, wenn diese wieder eingefahren werden.

Laut den betreibenden Shikoku Elektrizitätswerken habe durch den Zwischenfall keine Gefahr bestanden, da das Reaktorbecken mit Borsäure befüllt gewesen sei, die ebenfalls die Kernspaltung unterdrückt. Nach der Ursache für den herausragenden steuerstab werden nun gesucht.

Siehe dazu auch die Bilder im Video (32 Sek., japanisch) der TBS

 

11.01.2020

AKW Fukushima, Leckage in der unterirdischen „Eismauer“

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi kam es in der unterirdischen „Eismauer“, die die Kellerräume der Reaktoren 1 bis 4 umschließt, zu einem erheblichen Kühlmittelverlust, so dass die Zirkulation des Kühlmittels unterbrochen worden ist. Bereits am vergangenen Dienstag und Mittwoch bemerkten Mitarbeiter ein deutliches Absinken des Pegels im Kühlmitteltank, was auf eine Leckage in den Röhren des unterirdischen Kühlmittelkreislaufs schließen lässt.

Die sogenannte „Eismauer“, ein Röhrensystem, das den Boden über eine zirkulierende chemische Kühlflüssigkeit bis in 30 Meter Tiefe gefriert, soll verhindern, dass hochradioaktives Wasser der Reaktorkühlung ins Meer gelangt, bzw. verhindern, dass nachlaufendes Grundwasser eindringt.

Die ausgelaufene Kühlmittelmenge wird auf etwa 1600 Liter geschätzt. Laut Tepco würde es einige Monate dauern, bis die „Eismauer“ aufgetaut ist, so dass sie trotz der unterbrochenen Kühlmittelzirkulation weiterhin ihre Wirkung aufrechterhält. Somit bliebe genügend Zeit, um nach der Ursache zu suchen und diese zu beheben, so der Betreiber Tepco.

 

05.01.2020

Futaba: Evakuierungsbefehl wird komplett aufgehoben

Der Evakuierungsbefehl für die Ortschaft Futaba, die sich in direkter Nachbarschaft zum havarierten AKW Fukushima Daiichi befindet, soll ab den kommenden März komplett aufgehoben werden. Bis dahin sind nur eingeschränkt Aufenthalte in Futaba erlaubt (stundenweise, ohne Übernachtung, je nach Gebiet). Zuvor wurde, um die Radioaktivität zu senken, eine Flächendekontamination innerhalb der Wohngebiete durchgeführt, aber nicht in angrenzenden Freiflächen und Wäldern!

In Anbetracht der Nähe zum AKW Fukushima Daiichi, das weiterhin große Mengen Radioaktivität emittiert und somit die Umgebung immer wieder kontaminiert, sind diese Maßnahmen bei vielen Bürgern und unabhängigen Experten weiterhin sehr umstritten. Die Regierung will jedoch, vor allem in Anbetracht der bevorstehenden olympischen Spiele wieder „Normalität“ in der Präfektur Fukushima walten lassen, so dass die Regierung vor ein paar Jahren auch schon die Strahlenbelastungsobergrenze der wiederbesiedelten Evakuierungsgebiete auf 20mSv/a hochgesetzt und für zumutbar befunden hatte.

Die JR Joban-Bahnlinie, die direkt am AKW Fukushima Daiichi vorbeiführt, also quer durch die ehemalige 20-km-Sperrzone, fährt den Futaba Bahnhof ab den 14.03.2020 wieder an. Somit wird das letzte Teilstück der unterbrochenen Bahnlinie wieder in Betrieb genommen, so dass diese von Tokyo über Iwaki bis Sendai (Nord) wieder komplett befahren werden kann. Auch der Bahnhof J-Village, am Sportzentrum J-Village auf der Joban-Linie, der eigens für die olympischen Spiele extra gebaut worden ist, wurde im April 2019 feierlich eröffnet (antiatom-fuku berichtete). Auch dieser liegt nur wenige Kilometer vom havarierten AKW entfernt!  

 

02.01.2020

Tepco, weitere Infos zum Rückbau des AKWs Fukushima Daiichi

Nach einer neuen Ergänzung des Fahrplans für den Rückbau des havarierten AKWs Fukushima Daiichi, die die Regierung und der Betreiber Tepco nun vorstellte, soll das radioaktiv kontaminierte Grund- und Kühlwasser, das Tag für Tag ins Meer gelangt, bis 2025 auf unter 100m³/Tag reduziert werden. Derzeit liegt die Menge bei etwa 150m³/Tag.

Die Bergung aller Brennelemente der Reaktoren 1 bis 6, inklusiver der drei Kernschmelzen soll bis 2031 abgeschlossen sein.

Ein Zwischenlager für den radioaktiv kontaminierten Schutt der Reaktorgebäude soll bis 2028 in Betrieb gehen.

Nachrichten aus dem Jahr 2019