Aktuelles 2016 bis 2018

Berichte „Aktuelles" von 2016 bis 2018:

 

März 2018

7 Jahre nach der Dreifachkatastrophe – Der Zustand in Fukushima

Heute vor 7 Jahren, am 11. März 2011 um 14:46 Uhr wurde der Nordosten Japans von einem verheerenden Erdbeben und einem gewaltigen Tsunami heimgesucht, wodurch auch die Reaktorkatastrophe mit 3 Kernschmelzen am AKW Fukushima Daiichi ausgelöst worden ist. Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Der Tsunami überflutete eine Fläche von 470 km². Mehr als 260 küstennahe Ortschaften wurden zerstört.

In den offiziellen Gedenkfeiern, die vielerorts in Nordostjapan stattfanden, wurden zwar die Opfer der Erdbeben- und Tsunami-katastrophe bedacht, wobei die Folgen der Reaktorkatastrophe allerdings nicht erwähnt worden sind. Anders sah das in den Gedenk- und Demoveranstaltungen der NGOs und Antiatom-Gruppen aus, die das Thema „Fukushima“ in den Fokus stellten. Denn seitens der Regierung wird vor allem in Anbetracht der bevorstehenden Olympiade 2020, die Reaktor-katastrophe weitestgehend nicht thematisiert. Es wird einfach totgeschwiegen . . .

Häuser, Ortschaften, die nach dem Erdbeben und Tsunami noch intakt geblieben schienen, mussten aufgrund der hohen Radioaktivität fluchtartig verlassen werden. Hunderttausende verloren ihre Heimat. 

Die bisher größte Naturkatastrophe in Japans Geschichte forderte rund 15.893 Todesopfer und über 6000 Verletzte. 2554 Leute gelten noch als vermisst. Mehr als eine halbe Million Menschen wurden evakuiert, bzw. flüchteten „freiwillig“. Die radioaktiv verseuchten Gebiete um das AKW Fukushima Daiichi sind auf mehrere Jahrzehnte nicht mehr bewohnbar. Diese Gebiete werden aber, auf Anordnung der Regierung, zwecks Senkung der Radioaktivität, einer Flächendekontamination durch Abtragen der obersten Erdschicht unterzogen. Es wird weiterhin konsequent versucht, die Leute zur Rückkehr in ihre immer noch radioaktiv belastete Heimat zu bewegen. Da durch Wind und Regen immer wieder neue radioaktive Partikel herangetragen werden, hält der Effekt der Flächendekontamination auch nur kurzzeitig an. Alle Flächen, die sich außerhalb von Wohngebieten befinden, landwirtschaftliche Nutzflächen ausgenommen, wurden nicht dekontaminiert und weisen weiterhin eine deutlich erhöhte Strahlung auf.

Da sich die Rückkehrbereitschaft aus Sorge um die Gesundheit, sehr stark in Grenzen hält, lockt die Regierung sogar mit Prämien. Im Ort Iitate, der sehr stark radioaktiv verseucht worden ist, wurde sogar eine ganz neue Schule gebaut, um Familien mit Kinder zurück zu locken. Bisher sind „nur“ etwa 500 der 6000 ehemaligen Einwohner nach Iitate zurückgekehrt. Hierbei handelt es sich eher um ältere Leute, die in ihrem gewohnten Umfeld bleiben wollen. 

Am AKW Fukushima Daiichi

In der direkten Umgebung um das AKW häufen sich schwarze Säcke mit radioaktivem Abfall, der dort unter freien Himmel lagert. Alles radioaktiver Dreck, verursacht durch das AKW Fukushima Daiichi. Drum herum einige Wohnhäuser, die aufgrund der hohen Radioaktivität verlassen werden mussten. Die gesamte Umgebung wurde evakuiert und ist nicht mehr bewohnbar. Weit und breit kein Mensch zu sehen. . . Die Natur liegt in einer winterlich und verwelkten Vegetation dar. 

Direkt hinter dem AKW stehen all die großen Lagertanks mit hochradioaktiv verseuchtem Wasser. Ebenfalls zu sehen die braune Erde einer ausgehobenen Grube, in der radioaktive Dekontaminationsabfälle eingelagert werden sollen.

Am Reaktorgebäude 3 befindet sich auf dem Dach die im vergangenen Februar fertiggestellte halbrunde Schutzhülle und Entnahmevorrichtung für die Bergung der 566 Brennelemente aus dem Abklingbecken. Da die Strahlung im Inneren der Schutzhülle bei 100 bis 700 µSv/h liegt, muss die Bergung der Brennelemente, die im kommenden Herbst beginnen soll, über ferngesteuerte Kräne erfolgen. Eine Aufgabe, die sich aufgrund der Umstände eher schwierig gestalten wird.

Obwohl die Regierung und der Betreiber Tepco genau wissen, was die Reaktorkatastrophe für einen tiefen Einschnitt im Leben der Betroffenen verursacht hat, treiben beide die Wiederinbetriebnahme zweier Reaktoren am AKW Kashiwazaki Kariwa, Präfektur Niigata weiter voran.

Statt sich mit aller Kraft zu bemühen „Fukushima“ vergessen zu machen, und andere AKWs wieder hochzufahren, sollte man lieber die Opfer der Katastrophe unterstützen, ihnen ein normaleres Leben mit Wiedereingliederung in Arbeit und einer zumutbaren Bleibe ermöglichen, und sich auf bestmögliche Schadensbegrenzung und Rückbau der Reaktorruine fokussieren. Denn dort ist nämlich noch einiges im Argen. Seit 2011 läuft kontinuierlich radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer. Das hochradioaktive, vor allem das tritumhaltige Wasser, das in Tanks auf dem Gelände lagert, kann nicht „gereinigt“ werden. Die Atomaufsichtsbehörde NRA empfiehlt die Verklappung ins Meer. Dagegen wehren sich jedoch die Fischer und Umweltverbände. Was also mit dem besagten Wasser passieren soll, steht momentan noch nicht fest. Fest steht, das es verschwinden soll . . . „aus den Augen, aus dem Sinn“.

Laut Schätzungen wird der Rückbau der havarierten Reaktoren mindestens noch 40 Jahre andauern.

 

Januar 2018 

AKWs zwischen Vulkanen und Erdbeben

In Japan sind Vulkane nach Erdbeben und Tsunami die dritte große Gefahr durch Naturereignisse. Alleine in Japan ereignen sich 20% aller Erdbeben weltweit. Dazu ist Japan übersät mit Vulkanen, wovon 265 zurzeit vermehrte Aktivität zeigen1,2,3. Hier und dort kommt es dann auch mal zum Ausbruch, der je nach Stärke erhebliche Gefahren, vor allem für die AKWs mit sich bringen kann. Nach einem Gerichtsurteil,

dass Mitte Dezember 2017 am OLG Hiroshima gefällt worden ist, darf der Reaktor 3 am AKW Ikata, Präfektur Ehime, nach Beendigung der Revision (von Oktober 2017 bis Mitte Januar 2018), vorerst nicht mehr angefahren werden. Begründet wurde das Urteil damit, dass aktive Vulkane in der Umgebung, insbesondere der Berg Aso, Nordkyushu eine zu große Gefahr für das AKW Ikata darstellen würden. 

Der o.g. Reaktor wurde zwar 2016 durch die Atomaufsichts-behörde NRA für „sicher“ befunden und zur Wiederinbetriebnahme freigegeben, allerdings wurden, wie unabhängige Experten belegten, mögliche Gefahren durch Erdbeben und Vulkane von der NRA völlig unterbewertet. Bei der Bewertung wurden sogar Daten der betreibenden Shikoku Elektrizitäts-werke herangezogen! (Kein Einzelfall). Da ist es doch ganz klar, dass die vom Betreiber erhobenen Daten zu Gunsten des AKWs ausgelegt sind. Denn kein Atomkonzern würde sich selber schaden wollen. Also kann doch von Objektivität der Daten keine Rede mehr sein. 

Ein Zustand, der nicht gerade vertrauenserweckend ist! Zumal die NRA den o.g. Reaktor freigab, obwohl er technische Mängel aufwies. Denn im Juni 2016, kurz vor der geplanten Wiederinbetriebnahme, fiel eine defekte Kühlpumpe auf, die erst einmal ausgetauscht werden musste. Auf die Vulkangefahr reagierte die NRA nun mit   

einem Notfallplan, der vorgibt, wie im Falle eines drohenden Vulkanausbruchs mit dem AKW umgegangen werden soll. Er ist in 4 Stufen gegliedert und sieht vor, dass bei Stufe 1 und 2 erhöhte Aufmerksamkeit, bzw. Alarmbereitschaft geboten ist. Bei Stufe 3, also der erhöhten Alarmbereitschaft, ist eine eventuelle Reaktorabschaltung vorzubereiten. Und wenn der Vulkan dann droht auszubrechen, also bei Stufe 4, soll der Reaktor sofort heruntergefahren und die Brenn-elemente entnommen werden. Die „heißen“ Brennelemente auf die Schnelle entnehmen? Und das auch noch gefahrlos? Und was ist mit dem Abklingbecken? Sind da keine „heißen“ Brennelemente drin, die noch aktiv gekühlt werden müssen? Denn das Abklingbecken wäre nämlich auch nicht sicher vor dem Vulkan. 

In Japan gelten etwa 265 Vulkane als aktiv. Die meisten davon befinden sich auf der Hauptinsel Honshu. Davon waren in letzter Zeit die meisten im Süden (Kyushu), wie z.B. der Berg Aso oder Sakurajima aktiv.

Im 150 km-Umkreis des AKWs Sendai, Präfektur Kagoshima (Kyushu) liegen 14 aktive Vulkane, darunter auch der 50 km entfernte Sakurajima4, der 2016 zum letzten Male ausbrach. 2013 spie der Vulkan Asche und Gesteinsbrocken bis in 5 km Höhe. Das AKW Sendai ist zurzeit mit 2 Reaktoren am Netz.  

Zu beachten sind vor allem auch die pyroklastischen Ströme, die den Vulkanausbruch noch gefährlicher machen. Die aus Gesteinsbrocken, Magma und heiße Asche bestehende Masse, die in einer hohen Geschwindigkeit den Berg hinunterdonnert, walzt alles nieder, was sich ihr in den Weg stellt, und stellt somit auch eine Gefahr für die AKWs dar. Die über viele Kilometer umherfliegende heiße Asche mit all ihren Partikeln legt sich überall nieder und richtet Schaden an.  

Und das sind auch keine Ausnahmefälle. Das betrifft nämlich alle AKWs, die für die Wiederinbetriebnahme vorgesehen werden, bzw. schon wieder in Betrieb sind.

So muss man sich doch wieder aufs Neue fragen: „Reicht eine Reaktorkatastrophe, die durch ein Naturereignis verursacht worden ist noch nicht?“ Zahlreiche Vulkanologen warnen jedenfalls, zumal 4 Reaktoren an zwei AKWs schon wieder in Betrieb sind.

Weiterführende Hintergrundinformationen:

1) Vulkane in Japan 

2) Welche Vulkane sind zurzeit aktiv? - Interaktive Weltkarte

3) Erdbeben im Überblick und weitere Hintergrundinformationen speziell für Japan (japanisch)

4) Vulkanaktivitäten in der Nähe von AKWs (Welt, Archiv 2015)

5) AKW-Status

 

Dezember 2017

Japan und der Einfluss der Politik

Während man sich am havarierten AKW Fukushima Daiichi weiterhin um eine Schadensbegrenzung bemüht, wird das Thema „Fukushima“ durch die Politik aktiv verdrängt. Und je weiter man vom Ort des Geschehens entfernt ist, desto mehr gerät „es“, wie die nachfolgende Umfrage zeigt, in Vergessenheit.  

Einerseits weist Japan weiterhin eine starke Anti-AKW-Bewegung auf, die schon einige Wiederinbetriebnahmen von Reaktoren verhindert, bzw. hinausgezögert hat. Auch gegen die Änderung der seit etwa 70 Jahren bestehenden Pazifischen Verfassung (Artikel 9), die nur einem aktiven Militäreinsatz zu Gute käme, wehren sich viele Japaner. Aber dennoch schafft es Ministerpräsident Abe immer wieder die Bevölkerung für sich zu gewinnen, wodurch er in der Politik weiterhin eine sehr stabile Position hat.

   

Umfrage zu den Gefahren durch das AKW Fukushima Daiichi und Lebensmittelimporten aus Japan

Während einige Leute das „radioaktive Problem“ schon komplett verdrängt haben, ist bei anderen Leuten, vor allem im Ausland die Sorge vor weiteren Folgen durch das havarierte AKW Fukushima Daiichi und radioaktiv belasteten Lebensmitteln aus der Präfektur Fukushima, bzw. aus Nordostjapan zum Teil noch recht groß. Dies ergab eine aktuelle Umfrage der Fukushima und Tokyo Universität.  

Demnach befürchten 84% der Südkoreaner weiterhin gesundheitliche und umweltbelastende Folgen durch die radioaktive Belastung. 14% der Befragten halten weitere Folgen aufgrund der Reaktorkatastrophe für sehr gering, und 2% sagen sogar, dass man sich keine Sorgen mehr machen braucht. In China liegen die Zahlen bei 73% (weiterhin besorgt), 21,3% (weniger besorgt) und 5,7% (Thema „Fukushima“ abgehakt).

Während es in Deutschland noch 60% sind, sind es in England nur noch etwa 38%, die weiterhin besorgt sind. 20% in Deutschland und 40% in England meinen hingegen, dass gar keine Folgen mehr zu befürchten sein, und man auch die Lebensmittel wieder bedenkenlos verzehren könne. 

Im Allgemeinen kann man aber schon feststellen, je weiter die Länder von Japan entfernt sind, desto geringer ist auch die Sorge bezüglich der Folgen, die in Verbindung mit der Reaktorkatastrophe von Fukushima stehen.

Bezüglich der Lebensmittel, die aus Japan importiert werden, wissen vor allem in Europa und Amerika nur die wenigsten, dass die Radioaktivitätsmessungen der Lebensmittel aus Japan größtenteils sogar komplett eingestellt worden sind. Viele Leute, auch in Europa haben zwar mal davon gehört, dass die Kontrollmessungen von Lebensmitteln, die Japan exportiert eingestellt worden sind, interessieren sich aber nicht weiter dafür, weil sie davon ausgehen, dass das schon „in Ordnung“ sei.

Auch innerhalb von Japan wurden die Einschränkungen immer mehr zurückgenommen und immer mehr Lebensmittel aus der Präfektur Fukushima gelangen in den Handel. Dies wird sogar von den Behörden vorangetrieben. Dafür gibt es sogar eine offizielle Behörde, nämlich das „Zentrum für Revitalisierung“, mit Sitz in Fukushima City, die für „so etwas“ zuständig ist. (Siehe dazu auch den Artikel „Fukushima-Reportage – Die Umweltjournalistin Yoko Kawasaki berichtet“ (s.u.). 

Und obwohl Japan am meisten betroffen ist, wissen 40% der dort lebenden Leute noch nicht einmal, dass die Kontrollmessungen für Lebensmittel überhaupt aufgehoben worden sind. Etwa 38% wissen darüber Bescheid, und die restlichen 22% haben zumindest mal davon gehört, sich aber nicht weiter dafür interessiert.

 

Maßnahmen zur „Verbesserung“ der AKW-Akzeptanz

Um in Zeiten einer starken Anti-AKW-Bewegung eine bessere Akzeptanz für die Kernenergie zu gewinnen, hat die Regierung bereits im vergangenen April einen finanziellen Zuschuss für alle Städte und Gemeinden, die sich im 30-km-Umkreis eines AKWs befinden, eingeführt. Zuvor erhielten nur die Städte und Gemeinden mit direktem AKW-Standort diesen Zuschuss.

Um in der lokalen Bevölkerung die Akzeptanz eines AKWs zu „verbessern“, bzw. um die Leute besser weichklopfen und abhängiger machen zu können, hat die Regierung diesen Radius nun auf satte 30 km erweitert. Das alles geschah auch ganz still und leise, und auch ganz ohne einer offiziellen Ankündigung!  

 

Mögliche Änderung der Pazifischen Verfassung bis 2020

Ebenfalls still und leise treibt die Regierung, zu Gunsten der Möglichkeit einer aktiven Kriegsführung schon seit einiger Zeit eine Änderung der Pazifischen Verfassung (Änderung des Artikels 9 im Militärgesetz) an. Durch die Änderung erhält Ministerpräsident Shinzo Abe mehr Macht und kann sich somit im ostasiatischen Raum, vor allem gegenüber Nordkorea „besser behaupten“.

Und um mehr militärische „Stärke“ zeigen zu können, hält Japan, trotz fehlender Notwendigkeit, neben der angestrebten Verfassungs- änderung, weiterhin an der Atomkraft fest. – Denn diese werden schließlich für den Bau einer Atombombe benötigt!

Ministerpräsident Abe, der es immer wieder schafft, die Bevölkerung zu beeinflussen, hat zurzeit einen sehr guten Stand in der Politik. Unter diesen Voraussetzungen könnte er es tatsächlich schaffen, die Pazifische Verfassung zu Gunsten einer aktiven Kriegsführung, bis 2020 abzuändern.

 

AKW-Status

Zurzeit laufen in Japan 4 Reaktoren, jeweils 2 am AKW Takahama, Präfektur Fukui und am AKW Sendai, Präfektur Kagoshima. Der Reaktor 3 am AKW Ikata, Präfektur Ehime befindet sich in der Routinewartung und soll ab Januar wieder angefahren werden.

Die Reaktoren 3 und 4 am AKW Genkai, Präfektur Saga und Reaktor 3 und 4 am AKW Ōi, Präfektur Fukui sollten ja bereits im vergangenen Herbst wieder ans Netz genommen werden, stehen aber wegen technischer Nachbesserungen und erneuten Materialprüfungen weiterhin still.  

Der Kobe Stahl-Skandal

Nach dem bereits Mitte Oktober Ungereimtheiten in den Daten der Materialprüfung der zu verarbeitenden Metalle aufgefallen sind, hat der Großkonzern Kobe Stahl nun zugegeben, Produkte mit gefälschten Inspektionsdaten an Kunden weltweit ausgeliefert zu haben. Die Metallprodukte wurden in einer schlechteren Qualität hergestellt, als in den Zertifikaten angegeben worden ist. Diese Metallprodukte werden nämlich nicht nur in Autos, Zügen und Flugzeugen verbaut, sondern auch in Atomkraftwerken!

Davon betroffen sind gleich mehrere AKWs, wovon einige auch schon von der Atomaufsichtsbehörde NRA für „sicher“ befunden und zur Wiederinbetriebnahme freigegeben worden sind. 

Vier der betroffenen Reaktoren (AKW Genkai und AKW Ōi, alles DWR, ursprünglicher Termin war September) sollten sogar Anfang des kommenden Jahres wieder in Betrieb genommen werden. Die Wiederinbetriebnahme verschiebt sich jetzt jedoch noch einmal um 2 weitere Monate, da nun eine Materialprüfung des Reaktorstahls durch die NRA erfolgen soll.

Denn die Reaktoren bestehen, wie nun stark vermutet wird, anders als im Gütezertifikat angegeben, aus einem minderwertigeren Stahl. Somit stellt sich vor allem für SWR berechtigterweise die Frage, ob der Reaktordruckbehälter den laufend hohen Temperaturen, den Innendruck und den Neutronenbeschuss auf Dauer überhaupt Stand hält.

 

Fazit

Bleibt nun abzuwarten, wie sich die Lage 2018 entwickelt. Spannend ist daher auch die Frage, ob die vier besagten Reaktoren tatsächlich wieder angefahren werden dürfen. Es muss jedoch, auch wenn es entgegen aller Vernunft ist, damit gerechnet werden. . .    

Zum Kobe Stahl-Skandal ein Bericht der DW. 

 

August 2017

Hiroshima-Jahrestag – Atomwaffen heute

Der 06. August, der Abwurf der Atombombe „Little Boy“ (Sprengkraft1: 13kt TNT) auf Hiroshima jährt sich nun zum 72. Male. Nur 3 Tage später wird eine weitere Atombombe „Fat man“(Sprengkraft: 21kt TNT) auf Nagasaki abgeworfen.

Die damals schon enorme Zerstörungskraft der „frühzeitlichen“ Atombomben, ist im Vergleich zu den heutigen Kernwaffen sogar noch „relativ gering“ gewesen. Demnach ist nicht auszudenken, wie viel Leben eine „neuzeitliche“ Atombombe flächendeckend auslöschen würde. 1kt = 1000 Tonnen.                  

Die Atombombe, die 1954 auf dem Bikini-Atoll abgeworfen worden ist, hatte eine Sprengkraft von 11000kt (11Megatonnen)! Hierbei wurde auch das japanische Fischerboot „dai go fukuryū-maru“ (Glücklicher Drachen Nr. 5) vom radioaktiven Niederschlag getroffen. Die Besatzungsmitglieder starben in den nächsten Monaten an den Folgen der Verstrahlung. 

In Nordkorea provoziert Machthaber Kim Jong Un weiterhin mit Raketentests und erprobte erst kürzlich wieder eine Interkontinentalrakete, die mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden kann und eine Reichweite bis Amerika hat.

Ebenfalls besorgniserregend sind Wärmebildaufnahmen, die im Zeitraum von September 2016 bis Juni 2017 per Satellit aufgenommen worden sind und laut den US-Behörden auf Aktivitäten in der Atomanlage Yongbyon hinweisen. In der Atomanlage Yongbyon2wird waffenfähiges Plutonium bereitgestellt. 

Auch die übrigen Atommächte wie z.B. Russland, USA und Iran lassen sich nicht unbedingt in die Karten schauen. Und dann sind da noch die Atombomben vom US Militär, die am Fliegerhorst Büchel in der Eifel stationiert sind, also mitten in Deutschland. 

Die verheerenden Folgen von Hiroshima und Nagasaki hielten die Welt nicht davon ab weiterhin, bzw. immer „bessere“ Atombomben zu bauen. Ab den 70ern boomte die Atomkraft so richtig, und die AKWs schossen wie Pilze aus dem Boden. Unter dem Vorwand der Energiegewinnung bei steigendem Stromverbrauch, wurde die Atomkraft, die ursprünglich nur einen militärischen Nutzen hatte, als unerschöpfliche und kostengünstige Energiequelle gepriesen.

Selbst das am stärksten getroffene Japan betrieb zu Spitzenzeiten 54 Reaktoren plus 22 Forschungsreaktoren und verfügt mittlerweile über 48 Tonnen Plutonium, wovon ein Teil in La Hague und Sellafield lagert.

Als Amerika nur ein paar Jahren nach den Atombombenabwürfen die „zivile Nutzung“ der Atomkraft nach Japan brachte3, unterschied man, um die Gehirnwäsche zu perfektionieren, feinsäuberlich zwischen dem „guten“ und dem „bösen“ Atom, also zwischen der zivilen und der militärischen Nutzung der Kernenergie. Parallel dazu forschten US-Wissenschaftler der ABCC4, unter dem Vorwand medizinische Hilfe leisten zu wollen, an den Atombombenopfern von Hiroshima und Nagasaki, um Erkenntnisse über die gesundheitlichen Folgen der Radioaktivität zu erlangen. Die erhobenen Daten wurden strengstens geheim gehalten.

Auch jetzt nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima halten die Lobbyisten der Atomstaaten wieder einmal ihre Hand schützend über die Atomkraft. So auch in Japan, wo mittlerweile die ersten AKWs wieder am Netz sind. 

Auch wenn vieles verharmlost und unter dem Teppich gekehrt worden ist, gibt es für die Atombombenopfer von Hiroshima und Nagasaki zumindest offizielle Gedenkfeiern und Mahnmale. Aber die Folgen von Fukushima, da das ja nun die „friedliche Nutzung“ der Atomkraft betrifft werden komplett vertuscht und klein geredet. Der Unfall soll schnell vergessen werden, um das Image der Atomlobby zu bewahren.  

Denn wer Atomkraft betreibt und dem entsprechend das Material für den Bau einer Atombombe hat, ist mächtig, so das Kalkül der japanischen Regierung unter den Einfluss der USA, die sich vor allen gegen Nordkorea brüsten wollen.

Weiterführende Infos zu:

1) Atombomben, Sprengkraft im Vergleich

2) Nordkorea, Atomanlage Yongbyon

3) Japan, Geschichte der Kernenergie

4) Das ABCC-Experiment

Kleine Zusatzinfo: Türkei, Atomwaffenprogramm

 

November 2016

Kosten für den Super-GAU

Umverteilung der Verantwortung für den Super-GAU – Der Verbraucher zahlt die Zeche

Nach Meinung der Regierung LDP/Komeito liegt die Verantwortung für die Reaktorkatastrophe von Fukushima nicht nur beim Staat und den Atomkonzernen, insbesondere Tepco, sondern auch bei der Allgemeinheit. „Man müsse nun zusammenhalten und die Verantwortung gemeinsam tragen“, so die Einstellung der Regierung. Die Verantwortung oder die Kosten?? Denn mit solchen Argumenten verteidigt die Regierung nämlich nur die Umverteilung der Folgekosten für den Super-GAU auf die Steuerzahler. Und das wirkt sich nicht nur auf die Steuern, sondern auch auf die weiter steigenden Strompreise aus. Der Atomkonzern Tepco, der das havarierte AKW Fukushima Daiichi zu verantworten hat, wird weiterhin kräftig vom Staat, also vom Steuerzahler unterstützt und die noch laufenden Entschädigungszahlungen sollen auch bald eingestellt werden – alles zum Zwecke der Kostenbegrenzung für den Super-GAU; für die Atomlobby versteht sich. Seit April 2016 wurde der Strommarkt liberalisiert, so dass der Verbraucher seinen Stromanbieter selber auswählen kann. Damit aber die großen Stromkonzerne, die Atomkraft betreiben, keine Nachteile „erleiden“, falls zu viele Verbraucher wechseln, werden die neuen Stromanbieter ebenfalls kräftig zur Kasse gebeten. Das heißt die neuen Stromanbieter, die auf erneuerbare Energien setzen und keinen Atomstrom produzieren, sollen den Atomkonzernen mit einer Art Ausgleichszahlung unter die Arme greifen. Sie sollen also, obwohl sie selber keine AKWs betreiben, für den Schaden, den die Atomkonzerne angerichtet haben, mit geradestehen. Die Atomkonzerne erhalten also neben den staatlichen Subventionen jetzt auch noch Ausgleichszahlungen von den Stromfirmen, die auf umweltfreundliche Energiegewinnung setzen. Ja, auch mit solchen Maßnahmen bremst die atomfreundliche Regierung die erneuerbaren Energien weiter aus. 

Seit der Reaktorkatastrophe von 2011 sind mittlerweile mehr als 5½ Jahre vergangen und das AKW Fukushima Daiichi verursacht Tag für Tag nur noch hohe Kosten und Probleme, ohne eine einzige KW/h Strom zu produzieren! Neben den massiven Umweltschäden und den gesundheitlichen Folgen für viele Generationen, hat das AKW Fukushima Daiichi dazu noch einen wirtschaftlichen Totalschaden für die Präfektur Fukushima verursacht, wobei neben den laufenden Kosten das finanzielle Gesamtausmaß noch nicht einmal eingeschätzt werden kann. Und dennoch behaupten die Lobbyisten immer noch, dass die Herstellung von Atomstrom kostengünstiger sei als die erneuerbaren Energien. 

Der personelle Aufwand an einem AKW ist wegen dem Umgang mit nuklearen Brennmaterial und den damit verbundenen Sicherheitsvorschriften viel höher als an anderen Kraftwerken. Es ist dem entsprechend mit höheren Kosten verbunden. Außerdem muss die Anlage sehr gut bewacht werden (kein Zutritt für Unbefugte). Das gebrauchte Brennmaterial, das hochradioaktiv ist, muss über viele Jahre aktiv gekühlt und ständig beaufsichtigt werden. Die anschließende Trockenlagerung ist ebenfalls sehr aufwändig. Hinzu kommen noch alle Bemühungen für ein Endlager, die auch nicht ohne Kosten sind. Das sind alles Kosten, die in den Preis für Atomstrom eigentlich mit einberechnet werden müssten. Die Kosten für den Super-GAU kommen noch dazu. Von daher ist der Atomstrom, entgegen den Behauptungen der Regierung und den Atomkonzernen alles andere als billig! 

Die Präfektur Fukushima, die nun am meisten unter den Folgen der Reaktorkatastrophe zu leiden hat, hat daraus gelernt, sich von der Kernenergie losgesagt und setzt nun voll auf erneuerbare Energien. Da „helfen“ auch keine finanziellen Lockangebote der Atomlobby.

Der Bürgermeister von Fukushima-City Kaoru Kobayashi und der Präfekturgouverneur von Fukushima Masao Uchibori drängen auf eine endgültige Stilllegung der beiden AKWs Fukushima Daiichi und Daini. Denn noch kann der Betreiber Tepco sich noch nicht so richtig von den Reaktoren 5 und 6 am AKW Fukushima Daiichi und den vier Reaktoren am AKW Fukushima Daini trennen. Die Regierung ist diesbezüglich auch nicht konsequent.

Statt aber aus den Folgen zu lernen hält die Regierung weiterhin an der Kernenergie fest, setzt sogar auf den Export der Atomtechnologie und schloss bereits Verträge mit Indien für den Bau neuer Reaktoren. Verhandlungen mit Vietnam hingegen wurden als „ergebnislos“ beendet. Aber nicht etwa aus Vernunft der Vietnamesen, sondern weil sich Vietnam den Bau der Reaktoren nicht leisten kann.

 

Weiterführende Artikel zum Bürgermeister und Präfekturgouverneur der Präfektur Fukushima

Erneuerbare Energien – Deutsche Technologie als Vorbild, 2015: Bürgermeister Kaoru Kobayashi zu Besuch in Deutschland - Ein Bericht der Agentur für erneuerbare Energien

Der Präfekturgouverneur Masao Uchibori wurde im Oktober 2014 gewählt und will die Präfektur Fukushima nicht nur in puncto Energiewende vorantreiben, sondern auch wirtschaftlich mit all seinen Produkten wieder nach vorne bringen; ein Ziel, das jedoch äußerst optimistisch ist, wenn man die Strahlenbelastung der landwirtschaftlichen Flächen und der Küstengewässer bedenkt.  

 

April 2016 

30 Jahre Tschernobyl – Die Situation heute

Auch in Tschernobyl, obwohl das schon 30 Jahre her ist, hält die Katastrophe immer noch an. Vor allem die Bevölkerung in der Ukraine und Weißrussland, wo der meiste Fallout niederging, hat darunter zu leiden.  

Am 26.04.1986 explodierte mitten in der Nacht Reaktor 4 am AKW Tschernobyl. Das misslungene Experiment, was eigentlich die „Sicherheit“ des AKWs „bestätigen“ sollte, ging mit verheerenden Folgen in die Hose und forderte mindestens 120 000 Todesopfer. Etwa 50 Einsatzkräfte, die in den ersten Tagen vor Ort waren, starben ziemlich zügig an den Folgen der Verstrahlung. Etwa 1 Mio. Menschen in der Umgebung leiden unter den Folgen der Radioaktivität.

Etwa 200 000 Menschen wurden evakuiert und die 30-km-Zone ist bis heute unbewohnbar.

Wer sich „gesund“ fühlt, also (noch) nicht unter den Folgen der erhöhten Radioaktivität zu leiden hat, hat die Reaktorkatastrophe bereits verdrängt und interessiert sich auch nicht mehr dafür.  Vor allem die jüngere Generation in der Ukraine hat andere Interessen und befasst sich nicht mehr mit dem Thema „Tschernobyl“. Es bestehen sogar zum Teil erhebliche Wissenslücken.

Ab und zu, zum Jahrestag finden vereinzelnd Gedenkgottesdienste statt, aber ansonsten ist da schon reichlich Gras drüber gewachsen.

Nur bei den Betroffenen, die sehr wohl unter den Folgen der Reaktorkatastrophe zu leiden haben, ist das Thema weiterhin präsent.  Und es ist unklar, wie viele der nachfolgenden Generationen immer noch unter den Folgen der Reaktorkatastrophe, die nun schon 30 Jahre her ist zu leiden haben. Viele erkranken an Krebs, vor allem Schilddrüsenkrebs bei Kindern, sowie an weiteren nichtkanzerogenen Erkrankungen. Es kamen viele Kinder mit Missbildungen zur Welt. Die Lebenserwartung der Ukrainer, sowie in anderen stärker kontaminierten Gebieten ist niedriger als in anderen Ländern.

Die medizinische Behandlung, z.B. in einer Spezialklinik in Minsk muss zum Teil selbst bezahlt werden. Somit sind viele Betroffene und deren Angehörige auf Spenden angewiesen. Für die betroffenen Kinder werden weiterhin Erholungsaufenthalte u.a. in der Schweiz und in Deutschland angeboten, welche ebenfalls aus Spenden finanziert werden. 

Der Fallout ging auch über Europa nieder. In Deutschland ist vor allem der Süden und Teile des Ostens betroffen. Bestimmte Pilze und Wild in Bayern weisen weiterhin eine hohe Strahlenbelastung auf. Selbst die eh schon sehr hoch angesetzte gesetzlich festgelegte Obergrenze von 600 Bq/kg wird da locker überschritten.  In der Ukraine liegt die Obergrenze bei 560 und in Japan sogar „nur“ bei 100 Bq/kg. Und selbst das ist noch viel zu hoch! Laut einer Studie der Wissenschaftlerin Prof. Dr. Elisabeth Cardis wird die Anzahl der bösartigen Schilddrüsenerkrankungen in Europa bis 2065 bei etwa 16000 und für weitere Krebserkrankungen bei 25 000 Fällen liegen. Wie viele Menschen letztendlich im Laufe der Zeit an den Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gestorben sind, ist unklar. Über 600 000 Liquidatoren gingen in das AKW und schmissen den herausgeschleuderten Schutt zurück in den brennenden Reaktor. In Windeseile wurde ein Sarkophag über Reaktor 4 gebaut, der mittlerweile selber strahlt und dazu noch einsturzgefährdet ist. Darunter befinden sich über 200 t hochradioaktives Material. Die neue Schutzhülle ist bereits im Bau und soll dann 100 Jahre halten. Der Bau liegt jedoch hinter dem Zeitplan, soll aber Ende 2017 fertig sein.  

Am AKW Tschernobyl arbeiten 1000 Leute im Schichtdienst, die neben der Beaufsichtigung mit der Kühlung der immer noch heißen Brennelemente aus den anderen Reaktoren beschäftigt sind. Denn das AKW blieb trotz der Reaktorkatastrophe weiterhin in Betrieb. Der letzte Reaktor ging erst 2001 vom Netz!

Die Strahlung im Tschernobyl-Gebiet ist im Durchschnitt 50 – 100 Mal höher als „normal“.

 

Die Ukraine und Japan

Im Strommix der Ukraine liegt der Anteil an Kernenergie bei 47%. 13 Reaktoren sind in Betrieb, 2 in Bau und 6 stillgelegt. Zumindest herrscht aber Baustopp an der AKW-Baustelle. Ein Ausstieg aus der Kernenergie wurde in der Ukraine nie angestrebt – trotz Reaktorkatastrophe im eigenem Lande.  Die noch laufenden Reaktoren sind auch schon sehr marode. Die jüngsten Störfälle, z.B. am AKW Saporischschja sind nicht gerade beruhigend.

Auch in Japan hält die Regierung trotz fehlender Notwendigkeit weiter an der Atomkraft fest. Und wie wir aktuell wieder einmal sehen (Erdbebenserien von Kumamoto, Kyushu), ist Japan ja auch kein besonders sicheres Pflaster für AKWs.

Fazit: Beide Länder haben versucht „ihre“ Reaktorkatastrophe und die Folgen zu verheimlichen. Beide schieben die Verantwortung hin und her und es ist auch keiner zuständig.

Einen Unterschied gibt es jedoch: Wehrend Japan den ganzen Strahlenmüll (Erdreich, Laub usw) im ganzen Land „homogen“ verteilt, hat die Ukraine, um eine flächendeckende Kontamination zu vermeiden, den ganzen Dreck in der 30-km-Sperrzone belassen. Allerdings wurde in der Tschernobyl-Zone fleißig geplündert und die Beute nach außen verkauft. Das sind z.B. Metalle, Steine, weitere Baumaterialien, eben alles, was noch „zu gebrauchen ist“.  

In Japan hingegen wird das Zeug „offiziell“ wiederverwertet. So wird kontaminiertes Erdreich im Straßenbau oder für Dämme verwendet. Die oberste Erdschicht des Dammes besteht jedoch aus nicht kontaminiertem Erdreich – wie beruhigend! Somit soll die Menge der radioaktiv verseuchten Erde reduziert werden.

Beide AKWs Tschernobyl und Fukushima werden weiterhin Unsummen an Geld verschlingen, viel Kraft und die Gesundheit vieler Leute kosten, ohne auch nur eine einzige KW/h Strom zu produzieren.

Paul Koch aus Braunschweig (Asse-Region) angergiert sich seit vielen Jahren für die Opfer der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl und sammelt Berichte in seinem Blog Tschernobyl Erinnerungen

Nachfolgend ein sehr interessanter Beitrag eines Zeitzeugen „Zeitzeugen – Bericht eines Liquidators

30 Jahre nach Tschernobyl: Überblick über die gesundheitlichen Folgen der Atomkatastrophe

Eine sehr informative Zusammenfassung von Frau Dr. A. Claußen (IPPNW)

 

Februar 2016

Wie sicher sind die als „sicher“ deklarierten Reaktoren wirklich?

In Anbetracht jüngster Ereignisse, muss man sich fragen, ob die nach den angeblich strengsten Sicherheitsvorgaben überprüften und von der Atomaufsichtsbehörde NRA zur Wiederinbetriebnahme freigegebenen Reaktoren wirklich technisch einwandfrei sind. 

Nur zu oft wurde schon eine seismisch aktive geologische Verwerfung, die zu nahe an einem Reaktor verlief, als „unbedenklich“ eingestuft. Auch aktive Vulkane in der Nähe von AKWs werden immer wieder klein geredet. 

Das beste Beispiel ist der Vulkan auf Sakurajima (Präfektur Kagoshima, Kyushu in Südjapan), der immer wieder in die Schlagzeilen geriet. Denn nicht weit davon befindet sich das AKW Sendai (nicht zu verwechseln mit Sendai in Nordjapan), was im Herbst 2015 mit zwei Reaktoren wieder ans Netz ging.   

Zurück zum jüngsten Fall: Am AKW Takahama, Präfektur Fukui, ereignete sich am 20.02.2016 ein Vorfall an einem von der NRA freigegebenen Reaktor, der in den nächsten Tagen sogar wieder in Betrieb gehen sollte. In einem Nebengebäude des besagten Reaktors 4 ist radioaktives Wasser ausgelaufen und verteilte sich über den Boden. . . Dieser Reaktor galt als technisch einwandfrei und sicher! Und wurde auch von der Präfekturverwaltung und weiteren Behörden zur Wiederinbetriebnahme freigegeben. Der Reaktor 4 ist neben 153 „herkömmlichen“ mit 4 plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen bestückt. Und schon vor der Wiederinbetriebnahme die ersten Störfälle! „Sehr beruhigend“.

„Natürlich ist das alles kein Problem und man suche ja auch nach der Ursache“.

Für die beiden maroden Altreaktoren 1 und 2 am AKW Takahama haben die betreibenden Kansai Elektrizitätswerke sogar eine Laufzweitverlängerung für weitere 20 Jahre beantragt und die NRA zeigt sich da auch recht zuversichtlich. Die Gesamtlaufzeit würde somit 60 Jahre betragen. Und das sind nicht die einzigen Altreaktoren, für die eine Laufzeitverlängerung beantragt worden ist. Die Reaktoren 6 und 7 am AKW Kashiwazaki Kariwa, Präfektur Niigata werden zur Zeit prioritär überprüft. Der Betreiber ist Tepco, der auch das havarierte AKW Fukushima dai ichi zu verantworten hat! Ja, alles nur für den Profit.

Da nimmt die ohnehin atomfreundliche LDP/Komeito-Regierung auch schon mal ganz gerne Rücksicht, unterstützt den maroden Konzern tatkräftig und die Strahlenopfer bleiben auf der Strecke. Sie sollen sogar zurück in die verstrahlten Gebiete, als sei alles wieder gut. Die Entschädigungszahlungen werden 2017 gestoppt und der Schilddrüsenkrebs bei Kindern liegt jetzt schon bei 167 Fällen. Vor der Reaktorkatastrophe lag die Quote nahezu bei Null!

Das AKW Takahama, was ursprünglich aufgrund sicherheitsrelevanter Mängel per Gericht verboten worden ist, durfte nun doch in Betrieb gehen, weil das Urteil im vergangenen Dezember nämlich gekippt worden ist. 

Auch das AKW Ikata, Präfektur Ehime darf mit Reaktor 3, der ebenfalls mit MOX bestückt werden soll, im Frühling wieder ans Netz gehen.  

Denn wie problematisch und folgenreich die Kernenergie ist, zeigt sich immer wieder. Auch 5 Jahre nach der Reaktorkatastrophe ist die Lage am AKW Fukushima dai ichi immer noch sehr gefährlich und kaum zu händeln. 

Aber trotz dem boxen ein paar Lobbyisten gegen den Willen der Bevölkerung und bei fehlender Notwendigkeit die Rückkehr in die gefährliche Kernenergie durch. Ein Endlager für den Atommüll gibt es auch nicht! Warum produziert man dann noch mehr davon?

Drei Reaktoren laufen bereits. Das sind genau drei zu viel! Und der vierte macht schon Probleme bevor er überhaupt ans Laufen kommt. Also als „sicher“ kann man das nicht gerade bezeichnen. . .