AKW Ikata

Das AKW Ikata und seine besonderen Gefahren

Der Reaktor 3 am AKW Ikata, Präfektur Ehime wurde am 12.08.2016 wieder angefahren. Eigentlich sollte das schon Ende Juli erfolgen, was jedoch wegen einer defekten Kühlpumpe, die erst ausgetauscht werden musste, verschoben wurde. Also ein Störfall, der schon vor der Wiederinbetriebnahme des Reaktors aufgetreten ist! Trotz der sorgfältigen Überprüfung der Atomaufsichtsbehörde NRA, nach strengsten Kriterien wohl bemerkt!

Nicht nur die Anwohner, sondern auch unabhängige Experten stehen der Wiederinbetriebnahme des AKWs Ikata, bei ohnehin fehlender Notwendigkeit, sehr kritisch gegenüber. Gewarnt wird vor allem, auch in Anbetracht der Erdbebenserie von Kumamoto, die sich im April 2016 ereignete. Am AKW Ikata besteht nämlich ebenfalls eine erhöhte Gefahr für Schäden im Falle eines Erdbebens. Denn parallel zur Landzunge, auf der sich das AKW befindet verläuft die mittlere tektonische Linie (siehe Abbildung). Das ist eine sehr stark ausgeprägte seismisch aktive geologische Verwerfung, die über eine Länge von mehr als 1000 km nördlich von Tokyo quer durch Shikoku, vorbei am AKW Ikata und durch Kyushu verläuft. Hinzu kommen noch viele kleinere zum Teil seismisch aktive Verwerfungen, die AKW-nah verlaufen. Diese Konstellation kann dazu führen, dass Erdbeben heftiger ausfallen, womit sich die Wahrscheinlichkeit, dass das AKW schwer beschädigt wird, deutlich erhöht.

Zudem liegt das AKW Ikata am Anfang der Landzunge, was im Falle einer radiologischen Notfallsituation die Evakuierung der etwa 5000 Einwohner der dahinterliegenden Ortschaften über den Landweg unmöglich machen würde. Die radioaktive Wolke würde wegen der Lage des AKWs in jedem Fall große Landabschnitte treffen; entweder Shikoku, Kyushu oder die Hauptinsel Honshu. 

Der Störfall im Juli 2016

Ende Juli fiel am Reaktor 3 eine gravierende technische Störung auf, die im Vollbetrieb äußerst fatal wäre. Eine Kühlpumpe war defekt und musste ausgetauscht werden. Die für Ende Juli angesetzte Wiederinbetriebnahme wurde auf Mitte August verschoben.

Ein von der NRA als technisch einwandfrei und für sicher erklärter Reaktor, der zur Wiederinbetriebnahme freigegeben worden ist! Sicher!?

Ursprünglich sollte der Reaktor 3, ein DWR, der seit 1994 in Betrieb ist, jetzt mit 16 plutoniumhaltigen MOX und 141 „normalen“ Uranbrennelementen bestückt worden ist, am 26.07.2016 wieder angefahren werden, nach den er etwa 5 Jahre stillstand.

Das AKW Ikata besteht aus 3 Druckwasserreaktoren, wovon Reaktor 1 aus dem Jahr 1977 im September 2017 die 40jährige Maximallaufzeit erreicht. Er wurde bereits 2015 endgültig stillgelegt, da den betreibenden Shikoku Elektrizitätswerken die Investitionen für eine Nachrüstung, um ggf. eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre zu bekommen, zu teuer und zu zeitaufwändig erscheinen. Für Reaktor 2 liegt noch keine endgültige Entscheidung des Betreibers vor. Reaktor 3, der u.a. auch mit MOX-Brennelementen bestückt ist, ist wie bereits erwähnt seit August wieder am Netz.  

Somit ist der Reaktor 3 am AKW Ikata der 5. Reaktor in Japan, der nach Freigabe der Atomaufsichtsbehörde NRA wieder in Betrieb gehen durfte. Bald folgen könnten die Reaktoren 3 und 4 am AKW Genkai, Präfektur Saga, Kyushu und Reaktor 3 am AKW Tomari auf der nördlichen Haupinsel Hokkaido. Für das AKW Genkai gab es im November 2016 bereits eine mündliche Zusage der Atomaufsichtsbehörde NRA. Das schriftliche Prüfsiegel wird bald folgen. Die Erbebenserie von Kumamoto im April und der aktive Vulkan Sakurajima, 60 km südlich vom AKW Sendai scheinen die Atomaufsichtsbehörde NRA ja nicht sonderlich zu beeindrucken. . . beide AKWs gelten als „sicher“.

 

Zurzeit „nur“ zwei Reaktoren am Netz

Zurzeit laufen landesweit „nur“ 2 Reaktoren. Einer am AKW Sendai, Präfektur Kagoshima und einer am AKW Ikata, Präfektur Ehime. Denn der Betrieb der Reaktoren 3 und 4 am AKW Takahama, Präfektur Fukui wurde ja im März dieses Jahres per Gericht verboten und Reaktor 1 am AKW Sendai wurde im Oktober wegen Routinewartung heruntergefahren.  

 

Die Stadt Ikata

Die Stadt Ikata (10600 Einwohner) in der Präfektur Ehime, die sich im Süden der Hauptinsel Honshu befindet, liegt zum Teil auf einer 20 km langen Landzunge, die in Richtung Kyushu zeigt.

Dem örtlichen AKW zum Trotz setzt man in Ikata auf erneuerbare Energien. Die Windkraft wird seit 2002 stark ausgebaut. Ikata liegt in einer bergischen Landschaft, die sich durch eine sehr schöne Natur auszeichnet.

Einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren in Ikata ist die Fischerei und der Anbau von Orangen, sowie weiterer Zitrusfrüchte, die in dem dortigen Klima sehr gut gedeihen.

Genauso wie das restliche Japan, ist Ikata durch aus in der Lage komplett auf das AKW zu verzichten. Der Weiterbetrieb erfolgt nur aus Profitgründen mit Unterstützung der atomfreundlichen Regierung LDP/Komeito.

 

 

Letzte Änderung 11/2016