AKW Tokai 2, Präfektur Ibaraki

AKW Tokai 2, die Ausnahme

Dezember 2018

Die Ausnahme unter den Ausnahmen – Laufzeitverlängerung für das AKW Tokai 2

Für das in der Präfektur Ibaraki gelegene AKW Tokai 2, das Ende November 2018 seine gesetzlich festgelegte Maximallaufzeit von 40 Jahren erreicht hat, erhielt die betreibende Japan Atomic Power Company (JAPC) Anfang November 2018, also noch in aller letzter Minute eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre! Andernfalls hätte der Reaktor endgültig stillgelegt werden müssen. Die Genehmigung einer Laufzeitverlängerung wäre nach Ablauf dieser Frist (Stichtag 28.11.2018) nicht mehr möglich gewesen. Die nun erteilte Genehmigung bedeutet jetzt eine Gesamtlaufzeit von 60 Jahren für einen maroden Altreaktor, der immer störanfälliger wird!

Tokai 2, der 1978 in Betrieb ging, ist somit der älteste von der NRA für „ausreichend sicher“ befundene Reaktor. Es wird lediglich eine „Nachbesserung“ gefordert.

Nachdem die JAPC der Atomaufsichtsbehörde NRA einen sanierungs- und Kostenplan vorlegt hatte, wurde die 20jährige Laufzeitverlängerung, unter der Voraussetzung, dass der Reaktor entsprechend den NRA-Vorgaben nachgerüstet wird, bereits erteilt. Da die JAPC die Sanierungskosten für den Reaktor aber nicht alleine tragen kann, beteiligt sich der Stromkonzern Tepco, der auch das havarierte AKW Fukushima Daiichi zu verantworten hat, mit an den Kosten. Allerdings ging Tepco im April 2011, also einen Monat nach Beginn der Reaktorkatastrophe insolvent und wurde verstaatlicht. So dass defacto der Staat, bzw. die Steuerzahler für den von Tepco großzügig zur Verfügung gestellten Kostenanteil aufkommen müssen.

Bei Tokai 2 handelt es sich, genau wie am havarierten AKW Fukushima Daiichi, um einen Siedewasserreaktor (SWR).

Nach Erteilung einer Laufzeitverlängerung für 3 Druckwasserreaktoren (DWR) an 2 AKWs, ist Tokai 2 nun der erste SWR, der eine stattliche Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre erhält.

Nach Angaben der NRA wurde Tokai 2 besonders kritisch unter die Lupe genommen und nach strengsten Kriterien überprüft. Dennoch befand die NRA den maroden Altreaktor für „sicher genug“, so dass dieser nach einer Nachrüstung noch weitere 20 Jahre betrieben werden kann. Im Rahmen der Nachrüstung sollen u.a. auch sämtliche Elektrokabel entsprechend der Brandschutzvorschriften ausgetauscht werden. Dies ist jedoch sehr aufwändig und nur schwer umzusetzen. Eine höhere Tsunamimauer soll ebenfalls errichtet werden. Nach Plänen der JAPC soll der Reaktor dann 2021, nach 10 Jahren Stillstand wieder in Betrieb genommen werden.

Kritisch zu bewerten ist neben den allgemeinen Gefahren aber auch die dichte Besiedelung im Umkreis. Denn der 30 km Umkreis von Tokai 2 mit 960.000 Einwohnern der landesweit am dichtesten besiedelte 30 km Umkreis eines AKWs. Dazu verfügen einige Städte und Gemeinden für den Fall einer nuklearen Notfallsituation, nur über einen sehr lückenhaften, bzw. unzureichenden Katastropheneinsatz- und Evakuierungsplan. Laut der Präfekturverwaltung Ibaraki stehen im Ernstfall, um eine zügige Evakuierung zu gewährleisten, 3000 Busse mit Fahrer zur Verfügung. Vertraulichen Informationen zufolge ist dies jedoch nicht der Fall, und der Plan auch so nicht umsetzbar.

In der Bevölkerung stößt das AKW Tokai 2 auch nur auf wenig Akzeptanz. So sprechen sich laut einer repräsentativen Umfrage 76% der 960.000 befragten Einwohner gegen das AKW aus (08/2018).

Die Finanzierung für die Nachrüstung des Reaktors, die die JAPC aber alleine nicht tragen kann, ist Dank „freundlicher Unterstützung“ des Stromkonzerns Tepco auch „gesichert“. Der Stromkonzern Tepco, also der Eigentümer des AKWs Fukushima Daiichi, ging kurz nach der Reaktorkatastrophe in die Insolvenz und wurde dann verstaatlicht. Also wer sind die „freundlichen Unterstützer“ wirklich? Richtig!, nämlich die Steuerzahler!

Und somit hat man sich geschickt herausgewunden, und das AKW Tokai 2 ist zu einer Ausnahme unter den Ausnahmen geworden! 

Aus Zeitgründen (Stichtag 28.11.2018!) wurde die Überprüfung durch die JAPC und der NRA vorangetrieben. Denn wären die Überprüfungen bis zum 27.11.2018 noch nicht abgeschlossen gewesen, hätte der Reaktor, wie gesagt, stillgelegt werden müssen.

Unabhängige Experten, Umweltverbände und ein Großteil der lokalen Bevölkerung stehen der erteilten Laufzeitverlängerung nicht ohne Grund sehr kritisch gegenüber. Denn nicht nur die Technik im Reaktor, wie Kabel, Pumpen, Rohre etc. sind veraltet, sondern auch der Reaktorstahl selber, der laufend einer hohen Belastung ausgesetzt ist. Auch der Standort des Reaktors ist nicht erdbebensicherer als andere AKW-Standorte in Japan, das nicht nur auf dem pazifischen Feuerring liegt, sondern auch generell weltweit am häufigsten von Erdbeben heimgesucht wird.

Und generell gilt, und zwar für alle Reaktoren: „je älter, desto störanfälliger“.

 

Rückblick

Der von der Japan Atomic Power Company (JAPC) betriebene Siedewasserreaktor Tokai 2 liegt nur 120 km nördlich von Tokyo. Am 11.03.2011, als das große Tohoku-Erdbeben mit Tsunami auftrat, erfolgte die automatische Notabschaltung. Eine von zwei Pumpen des Kühlsystems waren ausgefallen. Zwei der drei Dieselgeneratoren, die durch den Tsunami überflutet worden sind, waren ebenfalls ausgefallen. Eine externe Stromversorgung konnte jedoch erst am 13.03.2011 wiederhergestellt werden.  

Nach einer vorübergehenden Wiederinbetriebnahme wurde der Reaktor 05/2011 „wegen Wartungsarbeiten" erneut heruntergefahren, und befindet sich seitdem im Langzeitstillstand.   

Tokai 1, (1966 – 1998) ein graphitmoderierter Reaktor vom Typ Magnox GCR, wurde bereits 1998 stillgelegt.

Der ebenfalls stillgelegte Versuchsreaktor JPDR (SWR 1963 - 1976) befindet sich auch auf dem Gelände.

 

Tokai

Die Stadt Tokai, auch „Tokaimura“ genannt, ist die Geburtsstadt der Kernenergie Japans. Denn hier ging das erste kommerziell genutzte AKW Japans ans Netz. In der Atomstadt Tokai befindet sich außerdem noch eine Wiederaufbereitungsanlage, Brennelementefabrik und weitere kerntechnische Anlagen und Forschungszentren. Unter den Einwohnern von Tokai und Umgebung sind viele Leute jobbedingt von der Atombranche abhängig, so dass sich kritische Haltung gegenüber Kernenergie eher in Grenzen hält.

Und nicht zu Letzt erlangte Tokai ja auch im Jahr 1999 traurige Berühmtheit, als sich der Nuklearunfall, bei dem 3 Mitarbeiter starben ereignete. Hier kam es in der Atomfirma JCO zu einer gefährlichen nuklearen Kettenreaktion, als Uran vorschriftswidrig umgefüllt worden ist. 

 

Info-Flyer über die Gefahren durch das AKW Tokai 2 und

Demo-Termin, erstellt von der Antiatom-Gruppe ,,Stop Tokai 2".