AKW Tomari – Erdbeben und Stromausfall

September 2018

AKW Tomari – Erdbeben und Stromausfall

Nach einem schweren Erdbeben der Stärke 6,0 auf der Richter-Skala mit der Einstufung M 6,7, das sich in den frühen Morgenstunden des 06.09.2018 im Südwesten der nördlichen Hauptinsel Hokkaido ereignete (siehe Fuku Info vom 06.09.2018), fiel in allen drei Reaktorblöcken des AKWs Tomari die Stromversorgung aus. Die Notstromaggregate sprangen zwar sofort an, dennoch dauerte es satte 9 Stunden, also bis zum frühen Nachmittag, bis die „normale“ Stromversorgung wiederhergestellt werden konnte.

Da das AKW Tomari zurzeit nicht in Betrieb ist, sind alle drei Reaktoren ohne Brennelemente und somit ungefährlich. Allerdings lagern in den jeweiligen Abklingbecken zahlreiche gebrauchte Brennelemente, die noch weiterhin aktiv gekühlt werden müssen. Sollte die Kühlung aber wegen fehlender Stromversorgung ausfallen, dann würden sich diese Brennelemente sofort erhitzen, das Wasser im Abklingbecken verkochen, so dass es zur Kernschmelze im Abklingbecken mit Freisetzung einer hohen Radioaktivität käme! Denn auch Notstromaggregate können bei einem Erdbeben Schaden nehmen und im schlimmsten Fall versagen! So wie es im März 2011 am AKW Fukushima Daiichi der Fall gewesen ist. Dort lief nur noch die Notstrombatterie, die nur 6 Stunden vorhielt und von vorneherein nicht ausreichte. . .

Außerdem weisen die Reaktoren am AKW Tomari Bruchstellen an verschiedenen Rohrleitungen auf, die durch die Erschütterung des Erdbebens entstanden sind.

Das AKW Tomari steht seit Mai 2012 still, da es zurzeit noch durch die Atomaufsichtsbehörde NRA auf Erfüllung der gesetzlich festgelegten Sicherheitsanforderungen überprüft wird. Hier warten die betreibenden Hokkaido Elektrizitätswerke, die den Antrag bereits 2013 gestellt hatten, immer noch auf das Sicherheitsprüfsiegel der NRA und die Freigabe aller drei Reaktoren. Diese sollte nach dem jetzigen Vorfall aber lieber nicht mehr erteilt werden!

„Wie war das noch? Die NRA ist doch die strengste Atomaufsichtsbehörde der Welt, . . . sagen die jedenfalls.“

Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn alle drei Reaktoren im Vollbetrieb gelaufen wären. . . wenn die Notstromaggregate ebenfalls Schaden genommen hätten. . . u.U. hätte das durchaus in ein zweites Fukushima münden können. . .

Das AKW Tomari, Landkreis Furuu, befindet sich im westlichem Teil Hokkaidos, auf der Shakodan-Halbinsel. Im Meer vor der Shakodan-Halbinsel verläuft eine seismisch aktive geologische Verwerfungslinie. Im Falle eines stärkeren Erdbebens, so wie es am 06.09.2018 geschehen ist, hätte diese u.U. eine enorme Auswirkung auf die Shakodan-Halbinsel, und somit auch auf das AKW Tomari. Mit anderen Worten: Der AKW-Standort ist durch die seismisch aktive Verwerfung, die im Meer vor der Küste der Shakodan-Halbinsel verläuft, absolut erdbebenanfällig. Und genau wegen dieser Verwerfungslinie wurde das AKW Tomari durch die NRA bisher auch noch nicht für „sicher“ befunden und freigegeben.

Nach Plänen der Hokkaido Elektrizitätswerke sollte das AKW sogar im Fiskaljahr 2017 wieder ans Netz gehen (04/2017). Allerdings zog sich die NRA-Überprüfung immer weiter in die Länge. Eine Freigabe des AKWs wurde bisher auch noch nicht in Aussicht gestellt (09/2018). Denn die NRA kann eine seismische Aktivität der besagten Verwerfungslinie, die vor der Shakodan-Halbinsel verläuft, nämlich nicht ausschließen. Auch die Aktivitäten der Kontinentalplatten sind hier nicht ganz unproblematisch. Es zeigt sich bereits, dass sich auf der Shakodan-Halbinsel Erhebungen gebildet haben, die aufgrund dieser Aktivitäten entstanden sind. Neben der ohnehin erhöhten Erdbebengefahr, stellt das alles eine Konstellation dar, die sich äußerst ungünstig auf das AKW Tomari auswirken könnte.

Nicht nur die Bevölkerung in der direkten Nachbarschaft zum AKW wäre im Falle einer nuklearen Notfallsituation direkt betroffen, sondern auch die Großstadt Sapporo, die nur 50 km entfernt ist.

Das AKW Tomari besteht aus 3 Druckwasserreaktoren (DWR) aus den Jahren 1989, 1991 und 2009 mit einer Gesamtleistung von etwa 2000 MW. Die darin produzierte Strommenge kann jedoch problemlos durch andere E-Werke, sowie durch die erneuerbare Energie, wie sich bereits gezeigt hat, problemlos ersetzt werden.

Im Falle von Reaktor 3 wurde bereits vor dem Bau festgestellt, dass seismisch aktive Verwerfungen vorhanden sind, so dass die Baugenehmigung gar nicht hätte erteilt werden dürfen!

Die Hokkaido Elektrizitätswerke haben in der Vergangenheit mehrfach versucht, die geologischen Daten der NRA zu „widerlegen“. Dazu erhielten sie tatkräftige Unterstützung durch Hokkaidos Präfekturgouverneur Harumi Takahashi, der die Wiederinbetriebnahme des AKWs trotz der Gefahren für „seine“ Bevölkerung und bei fehlender Notwendigkeit befürwortet.

Aber genau diese Verwerfungslinie, wenn auch noch so heftig umstritten, ist und bleibt, wie es unabhängige Studien der Todai-Universität aus dem Jahr 2016 wieder einmal belegen, seismisch aktiv! Da das aber das absolute Ende für das AKW Tomari bedeuten würde (sollte!!), wird die seismische Aktivität der geologischen Verwerfungslinie vor der Shakodan-Halbinsel weiterhin unter den Befürwortern und Gegnern sehr heftig diskutiert; zumal das AKW Tomari nämliche eine sehr wichtige Geldquelle für die Hokkaido Elektrizitätswerke darstellt.

                       „地震はとめられないが、原発は人の力でとめられる“  

     („Jishin wa tomerarenai ga, Genpatsu ha Hito no Chikara de tomerareru“)

„Erdbeben lassen sich nicht stoppen – der Mensch kann aber die AKWs stoppen“

          (Ein Zitat aus dem Tanpoposha-Rundbrief vom 08.09.2018)