Das havarierte Atommülllager Asse II

Besuch in der Asse-Region und dem Asse-Info-Zentrum des BfS im September 2014

1965 erwirbt die Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF) das stillgelegte Salzbergwerk Asse II und gründet   das „Institut für Tiefenlagerung radioaktiver Abfälle“. Die Asse wird zum „Versuchsendlager“.    

  

Karte der Asse-Region mit den Standorten der Radioaktivitätsmesssonden. Plakat im Asse-Infozentrum des BfS.

Die Salzbergwerke Asse I und Asse III sind schon in Jahr 1924 „abgesoffen“. Und schon bevor man in der Asse II den ersten Atommüll einlagert hatte, wusste man schon, dass auch hier ein Wassereinbruch, was sich 1988 dann auch bestätigte, sehr wahrscheinlich ist. Diese Gefahren wurden jedoch nicht weiter ernst genommen, bzw. ignoriert.

Auch die genauen geologischen Verhältnisse und dessen mögliche Entwicklung, sowie die Wege, die die Wasserströme nehmen würden, wurden nicht weiter erkundet. Sie waren völlig unklar.  

1988 stellt die GSF neue Lösungszutritte in der Südwestflanke des Salzstocks fest. Seit dem laufen dort täglich 12 000 Liter Grundwasser in den Salzstock und die eingelagerten Atommüllfässer verrotten dort fleißig. Fässer mit flüssigem Inhalt sind zum Teil sogar schon ausgelaufen.

Wann die ersten Radionuklide an die Erdoberfläche steigen ist nur noch eine Frage der Zeit.

Bilder aus dem havariertem Atommülllager Asse II, die im Asse Infozentrum ausgestellt sind (Bild: Petra Alt). 

Der Salzstock Asse II hat bis heute keine Genehmigung als Endlager. Die Stilllegung des havarierten Atommülllagers muss nach aktueller Gesetzgebung nach dem Berg- und dem Atomrecht erfolgen.

  

Links: Asse Infozentrum des Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Mitte: Radioaktivitätsmesssonde vor dem Asse Infozentrum. Rechts: Übersichtskarte Asse-Region (Bilder: Petra Alt).

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beabsichtigt den Atommüll, der in der Asse II lagert, heraus zu holen. Das ist ein Vorhaben, was wegen der hohen Radioaktivität extrem schwierig und gefährlich sein wird und somit bis zu mehreren Jahrzehnten dauern kann. Der geborgene Atommüll soll dann erst einmal am Salzstock oberirdisch gelagert werden. Die Kosten dafür werden auf rund vier Milliarden Euro beziffert.

Die Vorgehensweise der Rückholung des Atommülls, eine äußerst schwierige Aufgabe, ist auch noch nicht ganz klar. Der Termin für den Beginn der Bergungsarbeiten liegt ebenfalls noch in weiter Ferne.

Der Zustand der maroden Atommüllfässer wird jedoch nicht besser, je länger man wartet. Es ist sogar fraglich, ob der radioaktive Müll überhaupt noch geborgen werde kann. Zudem knarzt und knackt es im Salzstock, da ein unheimlicher Druck von der Südseite auf den Salzstock einwirkt. Hier durch entstehen weitere Risse im Salzgestein, so dass noch mehr Süßwasser eindringen kann.

Die Anwohner befürchten eh schon, dass die Asse irgendwann zum Endlager wird, da die Atommüllfässer mit aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr geborgen werden können.

Plan B wäre also den gesamten Atommüll in der Asse zu belassen und die Umgebung verstärkt auf Radioaktivität zu überwachen. Man würde dann hoffen und beten, dass die Radioaktivität nicht ansteigt. Andernfalls wäre eine Evakuierung der gesamten Asse-Region nötig.

Denn es ist zu befürchten, dass die austretende Radioaktivität ins Grundwasser übertritt und über das Erdreich an die Oberfläche gelangt.

Die Asse-Region plus der näheren Umgebung umfassen etwa 15 000 Einwohner.

Die Landschaft zeigt sich idyllisch. Nur ein Förderturm und die vielen gelben A`s, die man überall sieht, erinnern daran, dass man hier auf 126 000 maroden Atommüllfässern sitzt. Auf dem gelben A`s aus Holz steht „aufpASSEn“ geschrieben. Darin steckt das Wort „Asse“. Eine Warnung und Mahnmal zugleich.

Das Trinkwasser kommt nicht aus der Region, sondern von woanders her. Eine Maßnahme, die wohl nicht ohne Grund erfolgt. Das Grundwasser wird neben den behördlichen Kontrollen, auch durch unabhängigen Umweltexperten auf Radioaktivität untersucht. Laut den Behörden entspricht es wohl dem Bundesdurchschnitt.  

Fährt man über die Landstraße in Richtung Bergwerk Asse II, sieht man schon von weiten ein riesiges A auf einem Feld am Waldrand. Es steht dort auf einem Privatgrundstück und darf somit dort verbleiben. Denn das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), was seit 2009 die Verantwortung für das havarierte Atommülllager Asse II übernommen hat und das örtliche Tourismuszentrum würden die ganzen A`s am liebsten weg haben, um das Image der Region zu „bessern“.

Das Image der Region ist aber nicht schlecht! Kein Grund zur Sorge! Das „Problem“ ist eher, dass die Touristen heraus finden könnten was hier los ist, wenn sie diese Mahnmale sehen und dann anfangen nach zu fragen.

Zu dem wird man durch die vielen A`s, die vorwiegend in den Vorgärten stehen, an jeder Ecke immer wieder auf die Gefahren und Folgen der Kernenergie und den damit verbundenen Asse-Problem aufmerksam gemacht. Das ist aber eher ein „Problem“ für die (örtliche) Atomlobby, denn hierdurch werden deren Verschleierungsversuche erschwert.

Gelbes „aufpASSEn A" und ein Atommüllfass (Nachbildung) als Mahnmal in einem Vorgarten (Bild: Petra Alt).

In der Asse-Region wurde schon vor Jahren eine erhöhte Krebsrate, vor allem Schilddrüsenkrebs und Leukämie nachgewiesen. Offizielle Institutionen wollen jedoch keinen Zusammenhang zwischen der erhöhten Krebsrate und den Asse-Atommüllproblem sehen.

Der Salzstock Asse II wurde seiner Zeit „nur“ als Forschungsbergwerk für die Einlagerung von Atommüllfässern deklariert. Allerdings wurden dort aber für das, das es nur ein Forschungsbergwerk sein soll, schon ordentlich viele Atommüllfässer eingelagert. Für ein wirkliches Forschungsprojekt wären allerdings schon ein paar wenige Atommüllfässer ausreichend gewesen.

Die Asse II war ein Forschungsbergwerk ohne gesetztes Forschungsziel. Wie man später herausfand, war es schon von vorn herein als Endlager gedacht.

Weitere gelbe A`s als Mahnmal in der Region (Bild: Petra Alt).

 

Die Dokumente über die eingelagerten radioaktiven Abfälle sind unvollständig. Der Inhalt einiger Fässer ist aufgrund fehlender Dokumente sogar völlig unbekannt. Bekannt ist nur, dass dieser radioaktiv ist.

Die Inventarlisten wurden nicht korrekt geführt. So wurde eingelagertes Plutonium überhaupt nicht aufgeführt. Die Menge ist somit natürlich auch nicht bekannt.

Ein rückwirkender Nachweis einer Rechtswidrigkeit ist heute nicht mehr möglich. Somit kann angeblich keiner mehr zur Verantwortung gezogen werden.

Die Einlagerung des Atommülls in die Asse II wäre nach heutiger Gesetzgebung nicht mehr genehmigungsfähig.

Eine weitere Möglichkeit wäre die Vollverfüllung des Salzstockes oder die Umlagerung der Atommüllfässer unterhalb der 800-Meter-Ebene.

Eine Volksabstimmung der Anwohner, wie mit der Asse weiter umgegangen werden soll, käme für die Behörden erst gar nicht infrage. Das BfS begründet das damit, dass die Frage bezüglich der Rückholung, bzw. der Nichtrückholung des Atommülls aus der Asse eine im atomrechtlichen Sinne zu verantwortungsvolle Entscheidung sei, die über eine Volksabstimmung nicht durch Laien entschieden werden könnte und dürfte.

Laut den Behörden könnte in solch einem Fall, im Falle eines Folgeschadens, der durch die getroffenen Maßnahmen, die aufgrund einer Volksabstimmung getätigt worden sind, niemand mehr haftbar gemacht werden.  

Laut dem BfS sei diese Entscheidung zu verantwortungsvoll, so dass diese nicht auf die Bürger übertragen werden könnte. Hier bei beruht sich das BfS auf geltendes Atomrecht.

Wie auch bei vielen anderen Themen wird unter den Bürgern jedoch eher vermutet, dass in diesem Falle ganz einfach ein Bürgerentscheid, der möglicherweise ein „unerwünschtes“ Ergebnis hervor bringen könnte, vermieden werden soll.

Laut dem BfS sei wohl kein hochradioaktiver Abfall in der Asse eingelagert, „nur“ schwach- und mittelradioaktiver Abfall. Das wäre in früherer Zeit technisch nicht möglich gewesen, ohne die Mitarbeiter zu gefährden. Es wären dabei zu viele Mitarbeiter durch die hohe Strahlung erkrankt, verstorben, was der Öffentlichkeit aufgefallen wäre. Das war jedoch nicht der Fall. Somit die Theorie, das dort kein hochradioaktiver Abfall eingelagert worden ist.  

… und was ist mit dem Plutonium? Ist das etwa nicht hochradioaktiv??

Auf der 511-Meter-Sohle wurde vor der Kammer 8A eine Strahlung von 1,2 Sv/h gemessen. Das spricht nicht gerade für schwachradioaktiven Müll.

Am Eingang des BfS-Info-Zentrum der Asse II steht eine Strahlenmesssonde. Diese gehört zu dem bundesweiten ODL-Überwachungsnetz des BfS und kann (allerdings nicht in Echtzeit) im Internet abgerufen werden. 

Unsere Kontrollmessung ergibt einen Wert von 0,13 µS/h. die Sonde, wie wir später im Netz sehen konnten, zeigte einen Wert von 0,10 µSv/h. Ein genauerer Direktvergleich ist somit nicht möglich. Eine vorsätzliche Falschkalbrierung der Sonde, wie es in der Präfektur Fukushima der Regelfall ist, ist jetzt hier nicht anzunehmen.

… weil es im Moment noch keinen „Grund“ dafür gibt?

Im Gebäude und drum herum lag die Radioaktivität in etwa 1 Meter Höhe bei 0,12 µS/h. Radioaktivitätsmessungen direkt am Schacht konnten wir wegen Zeitmangel leider nicht mehr durchführen.

Bevor in Deutschland das erste AKW gebaut werden durfte, musste der Nachweis eines sicheren Endlagers erbracht werden. Um dieses zu erfüllen, wurden die Salzstöcke als ein sicheres Endlager deklariert, in dem man die geologischen Gegebenheiten als optimal bewertete.

Die ersten deutschen AKWs wurden bereits ab 1960 geplant und ab 1965 wurde das ehemalige Salzbergwerk Asse II durch die Gesellschaft für Strahlenforschung (GfS), dem heutigen Helmholzinstitut zum Forschungsbergwerk für die Einlagerung von schwach- bis mittelradioaktive Abfälle umgewandelt.

Die Asse galt als Prototyp für noch offene Fragen zur Endlagerung. Als endgültigen Standort wurde der ebenfalls heftig umstrittene Standort Gorleben ausgesucht.

Es wirken enorme Kräfte auf den Salzstock, so dass die zahllosen dicht aneinander liegenden Salzkammern drohen einzustürzen. Das Deckgebirge gibt dem entsprechend nach. Es verschiebt sich um 15 cm pro Jahr. Die daraus entstehende Spannung im Gestein verursacht Risse, durch denen das Grundwasser, vor allem von der Südseite in den Salzstock eindringt. Die Salzschicht weist mittlerweile Brüche auf und ist stellenweise nur noch wenige Meter dick. Einige Risse mussten schon abgedichtet werden. Und seit 2008 ist bekannt, dass die Lauge mit Cäsium137belastet ist.

Nachweis radioaktiver Laugen in mehreren Salzkammern! Wegen der Feuchtigkeit verstärkt sich die Korrosion an den Atommüllfässern. Hierbei entsteht das Ges H2 und Methan, was eine Gefahr für mögliche Explosionen mit sich bringt.

Die Zukunft der Asse II ist ungewiss. Es gibt weltweit kein suffizientes Atommüllendlager, die Folgen der Kernenergie sind mittlerweile auch bekannt und trotz dem wird die Atomkraft in den meisten Ländern voran getrieben.

Großbritannien erhält jetzt sogar Subventionen durch die EU für den Neubau zeier Reaktoren! (10/2014) Bekommen die das unter anderem auch, damit die nicht aus der EU austreten, was die zuvor in Erwägung gezogen hatten?