Der gegenwärtige Zustand am AKW Fukushima

  Januar 2017 

Aktueller Zustandsbericht am AKW Fukushima dai ichi

Auch nach fast 6 Jahren, also seit Beginn der Reaktorkatastrophe von Fukushima ist die „Sache“ alles andere als behoben! Das geschmolzene Brennmaterial der Reaktoren 1 bis 3 hat sich zum Teil durch das Betonfundament hindurch ins Erdreich gefressen und kontaminiert laufend das Grundwasser.  Die unterirdische Eismauer, die die Reaktoren 1 bis 4 umgibt, hält auch nicht das, was sie verspricht. Denn eigentlich sollte die Eismauer unterirdisch die Reaktoren von der Umgebung abschirmen, so dass das von der Bergseite kommende Grundwasser drum herumgeleitet wird, bevor es ins Meer gelangt. Allerding weist die Eismauer ständig undichte Abschnitte auf, so dass das Wasser weiterhin die hochradioaktiv verseuchten Reaktorkellerräume „auswäscht“ und dann gemeinsam mit dem hochradioaktiv verseuchten Kühlwasser ins Meer gelangt. Das gebrauchte Kühlwasser kann nämlich nicht vollständig abgepumpt werden, so dass ein Teil ins Grundwasser, also ins Meer gelangt.

Täglich gelangen weiterhin 300 bis 400 Tonnen radioaktives Wasser ins Meer. Auf dem Gelände befinden sich 1000 Lagertanks, die hochradioaktiv verseuchtes Wasser beinhalten. Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen, bei denen Undichtigkeiten auftreten, infolge dessen hochradioaktives Wasser austritt. Das macht regelmäßige Kontrollgänge nötig. Allerdings ist die Strahlung zwischen den Tanks teilweise recht hoch, was nicht ganz ungefährlich für die patrouillieren Mitarbeiter ist (i.d.R. Mitarbeiter der Subunternehmer). Zurzeit werden die ursprünglichen zusammengesteckten durch robustere Tanks ersetzt.   

Um der enormen Wassermenge bei zu kommen, wird schon seit längerem „gereinigtes“ Wasser „kontrolliert“ ins Hafenbecken, also ins Meer verklappt. Der hochradioaktive Beta-Strahler Tritium (überschweres Wasser) bleibt jedoch, da es sich fast gar nicht herausfiltern lässt, weiterhin ein sehr problematischer Stoff, wovon sich im Laufe der Zeit immer mehr ansammelt.

Die gebrauchten Brennelemente und die drei Kernschmelzen müssen weiterhin aktiv gekühlt werden. Andernfalls käme es zu einer erneuten Kritikalität! Die Bergung der Brennelemente verzögert sich weiterhin, da noch die Trümmerteile, die seit der Explosion die Abklingbecken der jeweiligen Reaktoren bedecken noch entfernt werden müssen. Dies geschieht mühsam mit Kränen und „Baggerrobotern“, da die hohe Strahlung einen menschlichen Einsatz in den Reaktorgebäuden strikt verbietet.

Auch die Schutzhülle von Reaktor 1 musste ganz vorsichtig Stück für Stück abgebaut werden, damit möglichst kein radioaktiver Staub aufgewirbelt wird. Im nächsten Schritt sollen dort die Trümmerteile per Kran entfernt werden.

 

Die Eismauer

Die unterirdische Eismauer, die schon von Anfang an heftig umstritten war, hat nicht nur Unsummen an Geld verschlungen, sondern auch nicht gehalten, was sie versprochen hat. Kurz um: sie ist undicht!

Die 1,5 km lange Eismauer, die die Reaktoren 1 bis 4 umschließt besteht aus über 1550 miteinander verbundenen Rohren, die 30 Meter tief in die Erde ragen. Darüber zirkuliert ein chemisches Kühlmittel, das den Boden auf -30°C gefrieren soll.

Die Eismauer wurde ab März 2016 Schritt für Schritt in Betrieb genommen. Im September war jedoch schon klar, dass die erwünschte Wirkung so gut wie gar nicht eingetreten ist (siehe Fuku Info 2016). Immer wieder gab es Abschnitte, wo die Erde nicht gefror, die sogar teilweise mit Beton abgedichtet werden mussten. Zurzeit gibt es Lücken im bergseitigen Abschnitt. Somit gelangt das Grundwasser in die Barriere und führt zu einem Anstieg des Grundwasserspiegels. Das Gelände ist ohnehin schon sehr matschig! Im Vergleich zum Vorjahr konnte der Grundwasserspiegel im Bereich der Reaktoren, entgegen den Erwartungen nicht gesenkt werden.

Die Dekontaminierungs- und Entsalzungsanlagen

Die „dienstälteste“ Dekontaminationsanlage ALPS, die weiterhin im Einsatz ist, besteht aus drei Einheiten und filtert 62 verschiedene radioaktive Stoffe aus dem Wasser. Zum Teil sind, bzw. waren auch andere Dekontaminierungsanlagen im Einsatz. Für Tritium jedoch gibt es keine Lösung. Es kann nicht herausgefiltert werden!

Das zu filternde Wasser wurde zuvor mehrfach für die Reaktorkühlung verwendet und dadurch hochradioaktiv kontaminiert und dann in die Lagertanks abgefüllt. Es wird, soweit es überhaupt möglich ist „gereinigt“, indem ein Großteil der radioaktiven Stoffe herausgefiltert werden. Zurück bleibt allerdings das hochradioaktive Tritium, das chemisch gesehen eine sehr große Ähnlichkeit mit „normalen“ Wasser hat.

Die Entsalzungsanlagen befreien das Meerwasser, bevor es für die Reaktorkühlung eingesetzt werden kann vom Salz. Andernfalls würden die Brennstäbe porös werden und dessen Radioaktivität durch Austritt radioaktiver Partikel der Uranpellets massiv erhöhen. Denn das Salz zerfrisst die Hüllrohre der Brennstäbe. Schon alleine die salzhaltige Meeresluft greift ja bekanntlich im Laufe der Jahre Beton, Metall sowie andere Materialien an.  

Um die Strahlung auf dem AKW-Gelände zu senken, wurden sämtliche Wiesen, z.B. neben der Zufahrtsstraße zu dem Reaktoren 1 bis 4 zubetoniert. 

 

Die Mitarbeiter

Täglich sind bis zu 7000 Mitarbeiter im Einsatz. Es fehlt weiterhin an qualifizierten Kräften. Die Arbeiter, zu 90% von Subunternehmern können wegen der Strahlung nur für wenige Stunden am Tag und das auch nur über einen begrenzten Zeitraum von mehreren Wochen eingesetzt werden. Die Arbeiter kommen aus dem ganzen Land, viele schon wiederholten Male. Oft werden Strahlenpässe gefälscht oder mitgeführte Dosimeter getürkt, damit die „nicht so viel“ messen.

Die von Tepco beauftragten Subunternehmer beschäftigen ihrerseits weitere Subunternehmer, die selber auch auf „untergeordnete“ Subunternehmer zurückgreifen.

  

Die „kontrollierte“ Verklappung ins Meer

Täglich wird radioaktiv verseuchtes Wasser, das mithilfe der Dekontaminierungsanlage ALPS und weiteren Dekontaminierungsanlagen gefiltert wird „kontrolliert“ ins Hafenbecken, also ins Meer verklappt. Es ist aber immer noch radioaktiv! Das Tritium ist ebenfalls noch enthalten!

Vor den Reaktoren 1 bis 4, also bergseitig befinden sich 12 Bohrlöcher, aus denen das von der Bergseite kommende Grundwasser abgepumpt, in einem Sammelbecken gesammelt, „gereinigt“ und dann über einen Bypass, der die Reaktoren umgeht, ins Meer geleitet wird.

Der gegenwärtige Zustand der Reaktoren 1 bis 4 (01/2017)

Reaktor 1

Hochradioaktiv verseuchtes Wasser in den Kellerräumen: 11.700 Tonnen.

Brennelemente im Abklingbecken: 392 Stück. Temperatur des Kühlwassers: 19°C.

Strahlung im Reaktordruckbehälter: 9700 mSv/h und im Sicherheitsbehälter: bis zu 5150 mSv/h.

Der Boden des Reaktordruckbehälters ist undicht. Ein Teil des geschmolzenen Brennmaterials ist durch den Reaktorboden und Betonfundament bis ins Erdreich gedrungen. Es hat Kontakt zum Grundwasser.  

Reaktor 2

Hochradioaktiv verseuchtes Wasser in den Kellerräumen: 15.900 Tonnen.

Brennelemente im Abklingbecken: 615 Stück. Temperatur des Kühlwassers: 21°C.

Strahlung oberhalb des Reaktorsicherheitsbehälters: 880 mSv/h, im Sicherheitsbehälter 7290 mSv/h, ebenerdig neben dem Sicherheitsbehälter 4400 mSv/h.  

Der Boden des Reaktordruckbehälters ist undicht. Die bis ins Betonfundament vorgedrungene Kernschmelze wurde bereit durch den Einsatz der Myon-Technologie bestätigt.

Reaktor 3

Hochradioaktiv verseuchtes Wasser in den Kellerräumen: 14.900 Tonnen.

Brennelemente im Abklingbecken: 566 Stück. Temperatur des Kühlwassers: 20°C.

Der Boden des Reaktordruckbehälters ist undicht. Fast das komplette Brennmaterial ist durch den Reaktorboden durchgeschmolzen und durch das Betonfundament bis ins Erdreich gedrungen. Es hat Kontakt zum Grundwasser (mittlerweile bestätigt). Hier waren auch 32 MOX-Brennelemente mit im Einsatz!  

Der Großteil der Trümmer, die im Obergeschoss lagen und das Abklingbecken bedeckten, wurden bereits weggeräumt. Auf ebenerdiger Höhe im Reaktorgebäude, bzw. was nach der Explosion davon übrig geblieben ist, werden die Trümmerteile mittels eines Roboters weggeräumt. Der Bau einer Entnahmevorrichtung für die Brennelemente aus dem Abklingbecken wird vorbereitet.      

Reaktor 4

Hochradioaktiv verseuchtes Wasser in den Kellerräumen: 15.300 Tonnen.

Brennelemente im Abklingbecken: keine. Alle bereits entfernt (1535).

Der Reaktor war zum Zeitpunkt der Katastrophe leer, da seit November 2010 eine umfangreiche Wartung mit Instandsetzungsarbeiten durchgeführt worden ist.

 

Die Umgebung

12 Städte und Gemeinden wurden zu Beginn der Reaktorkatastrophe evakuiert. Diese Ortschaften wurden zum Teil, nach dem im Rahmen einer sogenannten Flächendekontamination Bodenschichten abgetragen worden sind, für die Rückkehr wieder freigegeben. Allerdings ist die Einwohnerzahl, was eigentlich auch zu erwarten war, im Vergleich zu vorher rapide gesunken. Die vier Ortschaften Namie, Futaba, Okuma und Tomioka haben offiziell sogar fast gar keine Einwohner mehr. Jüngere Leute, Familien wandern ab. Nur ein paar ältere „nutzen“ die „Rückkehrmöglichkeit“ und gehen zurück in ihre Häuser.

Weitere Eckdaten

Auf dem AKW-Gelände lagern 1.000.000 m³ radioaktives Wasser in Tanks (10/2016).  

Die Zahl der Kinder in der Präfektur Fukushima, die seit der Reaktorkatastrophe an Schilddrüsenkrebs erkrankt sind stieg auf 183 Fälle (12/2016).

Die Anzahl der Flüchtlinge in der Präfektur Fukushima, die noch in Containerhäuser wohnen liegt bei 57000 Personen (01/2016)

Tsunamiopfer in der Tohoku-Region: Tot: 14.891 

Noch vermisst: 2584 (03/2015).