Fuku Info - aus den japanischen Nachrichten

08.08.2020

AKW Ikata, Reaktor 3 bleibt weiterhin vom Netz

Der Reaktor 3 am AKW Ikata, Präfektur Ehime, der seit Ende Dezember 2020 wegen der jährlichen Routinewartung heruntergefahren worden ist, muss weiterhin vom Netz bleiben. Ursprünglich sollten die Arbeiten im vergangenen März beendet und der Reaktor wieder hochgefahren werden. Allerdings waren einerseits innerhalb kurzer Zeit mehrere Pannen während der Wartungsarbeiten aufgetreten (antiatom-fuku berichtete), so dass die Atomaufsichtsbehörde NRA eine Aufklärung seitens der betreibenden Shikoku Elektrizitätswerke forderte und andererseits der Weiterbetrieb per Gericht vorerst untersagt worden (OLG Hiroshima). Grund für das Urteil ist das Vorhandensein seismisch aktiver geologische Verwerfungen auf dem AKW-Gelände und die aktiven Vulkane in der Umgebung (antiatom-fuku berichtete).

Ende dieser Woche legten die Shikoku Elektrizitätswerke den von den lokalen Behörden geforderten Bericht zu den Zwischenfällen, die sich im Januar ereigneten vor, die daraufhin die Wiederaufnahme der seit Ende Januar ruhenden Wartungsarbeiten genehmigten.

Allerdings läuft im März 2021 aber auch die Frist für die Erbringung der von der NRA geforderten Terrorschutzmaßnahmen ab, die nach Informationen der Shikoku Elektrizitätswerke jedoch nicht eingehalten werden kann, da die laufenden Nachbesserungsarbeiten, entgegen ursprünglicher Planung noch bis voraussichtlich Anfang 2022 andauern werden. Somit verschiebt sich auch die Wiederinbetriebnahme des Reaktors 3 auf unbestimmte Zeit.

 

06.08.2020

75 Jahre Hiroshima und Nagasaki, Gedenken an die Atombombenopfer

Heute und am 06. Und am kommenden Sonntag den 09. August jähren sich die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki zum 75. Male. Gegen Ende des 2. Weltkriegs warfen die USA im August 1945 eine Atombombe „Little Boy“ über Hiroshima, und eine weitere Atombombe „Fat Man“ über Nagasaki ab.

Über 100.000 Leute, die sich im direkten Umkreis, im sogenannten Hypozentrum befanden, starben sofort. Sie verbrannten auf der Stelle zu Asche. Beide Städte waren binnen weniger Sekunden komplett ausgelöscht. Übrig blieben, wenn auch stark beschädigt, ein paar wenige robuste Gebäude, wie z.B. das Institut zur Förderung der Industrie in der Präfektur Hiroshima, der heutige Atombombendom.

Mehrere Hundertausende starben kurz nach den beiden Abwürfen, bzw. in den nachfolgenden Jahren an den Folgen der radioaktiven Strahlung. Bis heute leiden immer noch Betroffene, bzw. dessen Nachkommen an den Spätfolgen der Verstrahlung, so dass die genauen Opferzahlen nicht genau beziffert werden können.

Im Gedenken an die Atombombenopfer finden heute und am kommenden Wochenende in Hiroshima, Nagasaki, landesweit und auch auf internationaler Ebene Gedenkfeiern statt, die entsprechend der jeweiligen Corona-Maßnahmen angepasst sind.

In der Stadt Hiroshima warnt Bürgermeister Kasumi Matsui in Anbetracht eines erneuten Wettrüstens weltweit vor den nuklearen Gefahren.

Zum Thema siehe auch den Dokumentationsfilm „Count-down in ein neues Zeitalter: Hiroshima“ auf Arte, Dauer: 90 Minuten. (Achtung, dieser ist nur bis einschließlich 10.08.2020 verfügbar!)

 

30.07.2020

AKW Fukushima, Kernschmelzen: aktive Kühlung weiter nötig?

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi soll im Laufe des kommenden Monats die Wassereinspeisung zur Kühlung der geschmolzenen Brennelemente in den Reaktoren 1 bis 3 für 3 bis 5 Tage testweise unterbrochen werden, um das Temperaturverhalten der drei Kernschmelzen zu beobachten. Der Test dient der Entscheidung, ob die aktive Kühlung nach über 9 Jahren weiterhin fortgesetzt werden muss. Vor etwa einem Jahr wurde die Kühlwasserzufuhr schon einmal bis zu 48 Stunden unterbrochen. Allerding stieg damals die Temperatur der Kernschmelzen wieder an, so dass die aktive Kühlung fortgesetzt werden musste.

 

27.07.2020

Hochradioaktives Wasser - Proteste gegen die Verklappung ins Meer

In Fukushima Stadt protestierten am Wochenende Umweltaktivisten und Kernkraftgegner gegen die geplante Verklappung des hochradioaktiven Wassers, das in großen Tanks auf dem Gelände am havarierten AKW Fukushima Daiichi lagert. Derzeit führt die Regierung in der Präfektur Fukushima Kampagnen durch, um die lokale Bevölkerung von der angeblichen Harmlosigkeit einer Verklappung des hochradioaktiven Wassers zu „überzeugen“. Umweltverbände, Fischereigenossenschaften, sowie einige Lokalpolitiker lehnen diese Pläne jedoch weiterhin strikt ab und warnen eindringlich vor einer Umweltkatastrophe mit enormen gesundheitlichen Folgen, wenn das hochradioaktive Wasser ins Meer verklappt, bzw. in die Atmosphäre verdampft wird.

Auf dem AKW-Gelände lagern zurzeit 1.200.000 Tonnen hochradioaktives Wasser, vor allem Tritium („überschweres Wasser“). Hierbei handelt es sich um „Abwasser“, das für die Kühlung der geschmolzenen Brennelemente verwendet und schon mehrfach über die Filteranlagen „gereinigt“ und wiederverwertet worden ist; also hochradioaktiver Atommüll!

Da die Kapazität der Tanks jedoch nur noch bis zum Sommer 2022 reicht, sind Regierung, inklusive der Atomaufsichtsbehörde NRA und Betreiber Tepco sehr stark um eine schnelle „Lösung“ bemüht. Hierbei wurde die Verdampfung in die Atmosphäre und die Verklappung ins Meer, unter der Behauptung, dass der Verdünnungseffekt „ausreichend“ sei schon mehrfach als kostengünstige „Lösung“ angepriesen (antiatom-fuku berichtete). Dazu will die Regierung im Herbst eine endgültige Entscheidung treffen.  

 

19.07.2020

AKW Onagawa, „drohende“ Stilllegung, wegen Verzug bei Nachrüstung

Aufgrund weiter Probleme bei der Nachrüstung von Reaktorblock 2 (SWR) am AKW Onagawa, Präfektur Miyagi, wurde der Termin für die geplante Wiederinbetriebnahme bereits mehrfach mehrfach verschoben. Der Reaktor wurde im vergangenen Februar von der Atomaufsichtsbehörde NRA unter der Voraussetzung, dass die noch geforderten Nachbesserungen erfolgen, für die Wiederinbetriebnahme defacto schon freigegeben. Und die betreibenden Tohoku Elektrizitätswerke wollten den Reaktor im vergangenen April eigentlich auch schon wieder hochgefahren haben (antiatom-fuku berichtete). Allerding kommt es immer wieder zu weiteren Problemen in sicherheitstechnischer Hinsicht, auch bezüglich des Terrorschutzes, so dass die Nachbesserungsarbeiten noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden. Dem entsprechend verzögert sich die geplante Wiederinbetriebnahme des Reaktors, die nun für Anfang 2022 geplant ist.

Sollten die Nachbesserungen innerhalb der nächsten 5 Jahre, also seit Erteilung der NRA-Freigabe im Februar 2020 nicht erbracht werden, wird der Reaktor zwangsstillgelegt.

Das AKW Onagawa ist jedoch kein Einzelfall. Denn auch am AKW Tokai 2 (SWR), das ebenfalls von der NRA unter Vorbehalt freigegeben worden ist, zieht sich die Nachrüstung in die Länge. Sollten die Arbeiten bis Oktober 2023 nicht erfolgreich abgeschlossen sein, „droht“ auch hier eine Stilllegung des Reaktors.

Am AKW Kashiwazaki Kariwa werden die Baupläne für die Nachbesserungen der Reaktoren 6 und 7 von der NRA noch überprüft. Allerdings sind da die Aussichten auf eine Freigabe zur Wiederinbetriebnahme eher gering.

 

17.07.2020

Trotz Proteste der Anwohner, Verbrennung radioaktiver Abfälle in Kürze

In Kürze sollen in drei städtischen Müllverbrennungsanlagen in der Präfektur Miyagi, Nordostjapan „schwach“ radioaktiver Abfall aus dem havariertem AKW Fukushima Daiichi verbrannt werden. Dazu zählen radioaktive Abfälle, die die gesetzlich festgelegte Obergrenze von 8000 Bq/kg nicht überschreiten. Somit „darf“ dieser Atommüll, wie bereist in mehreren Städten schon praktiziert, „ganz normal“ mit dem Hausmüll der Anwohner verbrannt werden. Dabei soll die maximale tägliche Menge des radioaktiven Abfalls entsprechend der Verbrennungskapazität der jeweiligen Anlage angepasst werden, so dass in Furukawa maximal 3,5t, in Iwadeyama 0,6t und in Wakuyacho 2,17t radioaktiver Abfall pro Tag verbrannt werden soll. Umweltverbände stehen dem Vorhaben wegen der Freisetzung radioaktiver Partikel jedoch seher kritisch gegenüber. Anwohner der betroffenen Ortschaften haben bereits vor dem Amtsgericht Sendai (Nord), Präfektur Miyagi geklagt und Proteste gegen die Verbrennung der radioaktiven Abfälle veranstaltet.

 

15.07.2020

AKW Fukushima, Korrosion an Filteranlage

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi wurden an einer der beiden Filteranlagen für Grundwasser Leckagen festgestellt, die durch Korrosion entstanden sind. Über die beiden Filteranlagen wird das von der Bergseite kommende und bereits radioaktiv kontaminierte Grundwasser, dass über mehrere Bohrlöcher auf dem AKW-Gelände abgepumpt , gesammelt, gefiltert und dann über einen Bypass ins Meer geleitet, ohne dass es die hochradioaktiv verseuchten Reaktorkellerräume durchspült und dann ins Meer gelangen würde.  

Die korrodierte Filteranlage, die jetzt außer Betrieb ist, soll laut dem Betreiber Tepco repariert, bzw. ersetzt werden. Bereit im Mai wurden schon mehrere Korrosionslöcher im Inneren der Anlage entdeckt. Die zweite Filteranlage hingegen weist jedoch keinerlei Schäden auf, was darauf zurückzuführen ist, dass die hierin verbauten Metallteile qualitativ deutlich besser und somit weniger korrosionsanfällig sind.

 

08.07.2020

Gouverneurswahlen: Satoshi Mitazono, Versprechen nicht einhalten, aber wiedergewählt werden wollen

In der Präfektur Kagoshima, auf der südlichen Haupinsel Kyushu, finden am 25.07.2020 Gouverneurswahlen statt, bei der auch der amtierende Präfekturgouverneur und LDP-Politiker Satoshi Mitazono (62), in der Hoffnung auf Wiederwahl, neben 6 weiteren Kandidaten antritt.

Eines der Hautthemen im Wahlkampf, der bereits voll in Gang ist, ist das in der Präfektur Kagoshima befindliche AKW Sendai, dessen beiden Reaktoren 2024, bzw. 2025 die gesetzlich festgelegte Maximallaufzeit von 40 Jahren erreichen werden. Hier streben die betreibenden Kyushu Elektrizitätswerke eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre an, die bei den Behörden zwar noch nicht beantragt wurde, jedoch in der lokalen Bevölkerung schon große Proteste auslöst.

Präfekturgouverneur Mitazono hingegen hält sich aber „aus gutem Grund“ mit seiner Meinung diskret zurück. Denn bei der Gouverneurswahl im Juli 2016, die Mitazono gewann, propagierte er im Wahlkampf lautstark für die endgültige Abschaltung des AKWs Sendai zu sorgen, wenn die Erdbebengefahr und die Gefahren durch die nahegelegenen Vulkane „zu groß“ sind, was ihm sehr viele Stimmen einbrachte.

Kurz nach den Wahlen, ordnete er sogar eine „außerordentliche“ Überprüfung der geologischen Gegebenheiten am AKW Sendai an und hatte, je nach Ergebnis, insbesondere in Anbetracht der vorausgegangenen Erdbebenserie von Kumamoto, mit einer sofortigen Stilllegung beider Reaktoren „gedroht“. Die geologische Überprüfung wurde laut Mitazono durch 12 „unabhängige“ Experten durchgeführt. Das Ergebnis wurde für „in Ordnung“ befunden, so dass beide Reaktoren nach Beendigung der Revision, die im Herbst 2016 lief, „ohne Probleme“ zur Wiederinbetriebnahme freigegeben worden sind.

Allerdings hatten, wie sich später herausstellte, einige der „unabhängigen“ Experten in der Vergangenheit Förder- und Spendengelder von der Atomlobby erhalten, worüber Mitazono bestens Bescheid wusste und nun in Erklärungsnot geraten war (antiatom-fuku berichtete mehrfach darüber).  

 

04.07.2020

AKW Takahama, Präfekturgouverneur misstrauisch gegenüber Kansai E`Werke

Am AKW Takahama, Präfektur Fukui werden nach Angaben der betreibenden Kansai Elektrizitätswerke die von der Atomaufsichtsbehörde NRA geforderte Nachrüstung der Altreaktoren 1 und 2, beides DWR aus dem Jahr 1971, bzw. 1972 im kommenden September abgeschlossen sein. Beide Reaktoren wurden von der NRA bereits für „sicher“ befunden und erhielten unter Voraussetzung, dass eine technische Nachrüstung entsprechend den gesetzlichen Sicherheitsanforderungen erfolgt, eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre (antiatom-fuku berichtete).

Nach Beendigung der Maßnahmen wollen die Kansai Elektrizitätswerke beide Reaktoren so rasch möglich wieder in Betrieb nehmen. Allerdings steht der Präfekturgouverneur Tatsuji Sugimoto einer Wiederinbetriebnahme der beiden Altreaktoren eher kritisch gegenüber, so dass diese möglichweise erst gar nicht, bzw. nicht zum erhofften Zeitpunkt erfolgen wird.

Einer der Gründe für das Misstrauen gegenüber den Kansai Elektrizitätswerken, insbesondere gegenüber der Führungsspitze sind verschiedene Skandale, die mit Bestechungsgeldern einhergingen, jedoch vor kurzem aufgedeckt worden sind.

Dem nach müssten, so der Präfekturgouverneur Sugimoto, erst einmal grundlegende Veränderungen bei den Kansai Elektrizitätswerken, insbesondere mit einem personellen Austausch in der Firmenspitze erfolgen, bevor überhaupt eine Entscheidung in puncto Wiederinbetriebnahme beider Reaktoren getroffen werden könne, zumal zurzeit auch noch einige Schadensersatzklagen gegen die Kansai Elektrizitätswerke laufen.

 

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Nachrichtenarchiv und Quellen der Nachrichten

Weiter zurückliegende Nachrichten sind im Archiv zu finden.

 

Die Quellen der japanischen Nachrichten:

NPJ News, atombezogene Nachrichten aus ganz Japan, berichtet sehr objektiv und wahrheitsgemäß.

Tokyo shinbun, eine japanische Tageszeitung, die sehr realitätsnah und unzensiert berichtet.

Mai nichi shinbun, eine japanische Tageszeitung, die ebenfalls sehr wahrheitsgetreu berichtet.

NHK  ein großer japanischer Fernsehsender

Asahi shinbun  eine große japanische Tageszeitung

47news atombezogene Nachrichten aus ganz Japan

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, der durch den Betreiber Tepco erstellt wird.

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, aus dem Jahr 2019

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, aus dem Jahr 2018

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima dai ichi, aus dem Jahr 2017

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima dai ichi aus dem Jahr 2016 und den Jahren zuvor.