Fuku Info - aus den japanischen Nachrichten

24.10.2020

Fukushima, hochradioaktives Wasser, Entscheidung wird weiter vertagt

Auf dem Gelände des im Jahr 2011 havariertem AKWs Fukushima Daiichi lagern mittlerweile 1.230.000 Tonnen hochradioaktives Wasser aus der Reaktorkühlung, dass nicht mehr verwendet werden kann, also flüssiger Atommüll (antiatom-fuku berichtete mehrfach darüber). Die Kapazität der Tanks reiche laut Berechnungen nur noch bis zum Sommer/Herbst 2022, so dass die Regierung und der Betreiber Tepco schon seit längerem bestrebt sind, das hochradioaktive Wasser, trotz massiven Widerstand der Fischerei und aus der Bevölkerung ins Meer abzuleiten, bzw. in die Atmosphäre zu verdampfen.

Bezüglich dieser Maßnahmen wollte die Regierung in der kommenden Woche eine endgültige offizielle Entscheidung treffen, die jedoch, wie gestern auf der regelmäßigen Pressekonferenz bekannt wurde, auf Dezember oder später verschoben worden ist. Es sei jedoch eine Ministerkonferenz für die kommende Woche angesetzt, worin man die Entscheidung zur „Wasserentsorgung“ noch einmal anpassen wolle.

In der gestrigen Konferenz wurden die bisher eingegangenen schriftlichen Stellungnahmen bezüglich des hochradioaktiven Wassers erörtert. Davon werden in der Hälfte der eingegangenen Stellungnamen (etwa 4000), erhebliche Bedenken bezüglich der Sicherheit geäußert, falls das hochradioaktive Wasser tatsächlich auf diese Art und weise „entsorgt“ wird.

Zurzeit wird das hochradioaktive Wasser, das zu 70% aus Tritium („überschweres“ Wasser) besteht, in der Hoffnung die Radioaktivität zu senken erneut gefiltert. Dies zeige laut Tepco auch schon Wirkung. Der Vorgang soll Angang 2021 abgeschlossen sein.  

18.10.2020

AKW Fukushima, Reaktorblock 3 - neue Einblicke aus dem Inneren

Die Atomaufsichtsbehörde NRA veröffentlichte neue Bildaufnahmen, die ein Expertenteam letzten Monat am havarierten AKW Fukushima Daiichi im Gebäude von Reaktor 3 getätigt hat.

Der Reaktorblock 3, wo sich, genau wie im Block 1 und 2 im März 2011 eine Kernschmelze ereignete, wurde damals durch eine, bzw. mehrere Wasserstoffexplosionen sehr stark beschädigt. Dieser war unter anderem seit 2010 auch mit plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen bestückt.

Nach Informationen des Expertenteams der NRA sei es nicht nur im 5. Stock, wo sich das Abklingbecken befindet, sondern auch im 4. Stock des Reaktorgebäudes zu einer Explosion gekommen. Entsprechende Daten, die darauf hinweisen, werden noch ausgewertet. Da beide Stockwerke noch eine lebensbedrohliche Strahlendosis aufweisen, hat das Team im 3. Stock eine Kamera, die an einer langen Stange befestig war, über ein Loch in der Decke in den 4. Stock geführt, um dort die Aufnahmen zu tätigen. Neben den zahllosen Trümmern im Gebäude zeigen die Filmaufnahmen eine Außenwand, durch dessen stark beschädigtes Mauerwerk das Tageslicht nach Innen gelangt. An weiteren Stellen wurden an manchen Stellen erstaunlicherweise keine größeren Schäden festgestellt. So waren auch einige kleinere Rohrleitungen noch nahezu im selben Zustand wie vor der Katastrophe. Weiter hinten ist durch eine beschädigte Innenwand ein Teil des Reaktorsicherheitsbehälters (im Video gelb) zu sehen.

Zu dieser Mission wird die NRA noch weitere Daten auswerten und bis Ende des Jahres einen schriftlichen Bericht erstellen.

Siehe dazu auch das Video der der TeleNews24. Es ist zwar auf Japanisch, zeigt aber Bilder aus dem Inneren des 4. Stocks mit den oben beschriebenen Einblicken.

 

16.10.2020

Hochradioaktives Wasser am AKW Fukushima, Endgültige Entscheidung Ende des Monats erwartet

Bezüglich des hochradioaktiven Wassers, dass in großen Tanks auf dem Gelände des havariertem AKWs Fukushima Daiichi lagert (antiatom-fuku berichtete mehrfach darüber), plant die Regierung eine Ministerkonferenz für Ende des Monats, bei der (wieder einmal) eine endgültige Entscheidung getroffen werden soll.

Während Regierung, Atomaufsichtsbehörde NRA und Betreiber Tepco eine Verklappung des hochradioaktiven Wassers ins Meer, bzw. die Verdampfung in die Atmosphäre favorisieren, sprechen sich Fischer, Fischereigenossenschaften, die nicht ohne Grund massive gesundheitliche und wirtschaftliche Schäden befürchten, weiterhin strikt dagegen aus. Laut der Regierung würden die Fischer nur Gerüchte verbreiten und Angst schüren, wogegen man nun vorgehen wolle.

Unabhängigen Experten zufolge, würde die Verklappung des Wassers, vor allem wegen des hohen Tritiumgehaltes sehr wohl ein große Gefahr für die Umwelt bedeuten und in jedem Falle gesundheitliche Schäden verursachen, da die radioaktiven Stoffe, insbesondere das Tritium, sehr rasch in die Nahrungskette gelangt.

Zurzeit wird das hochradioaktive Wasser, etwa 1.230.000t erneut gefiltert, was laut Tepco auch schon Wirkung zeigen würde, so Tepco auf einer Pressekonferenz am gestrigen Donnerstag. Unterdessen appelliert die Fischereigenossenschaft der Präfektur Fukushima an die Regierung eine verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen, da andernfalls neben den massiven Umweltschäden auch die Zukunft der Fischerei, vor allem in der Präfektur Fukushima zerstört wird.

 

10.10.2020

AKW Kashiwazaki Kariwa, geringe Aussicht auf Freigabe, dennoch will Tepco Reaktor mit Brennelementen bestücken

Obwohl noch keine behördliche Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme in Aussicht gestellt worden ist, will der Betreiber Tepco den Reaktor 7 am AKW Kashiwazaki Kariwa, Präfektur Niigata im kommenden Frühjahr mit Brennelementen bestücken. Dies gab AKW-Leiter Takeo Ishii auf einer Pressekonferenz Mitte dieser Woche bekannt.

Der Reaktor 7 wurde zwar, wie auch der Reaktor 6 unter Vorbehalt, dass eine Nachrüstung erfolgt, 2017 defacto schon von der Atomaufsichtsbehörde NRA für „sicher“ befunden und zur Wiederinbetriebnahme freigegeben. Mittlerweile sind die Arbeiten größtenteils abgeschlossen, allerdings sind die Aussichten auf eine Genehmigung der Präfekturverwaltung weiterhin eher gering. „Denn so lange die Probleme am havariertem AKW Fukushima Daiichi nicht „vernünftig gelöst“ sind, werde es auch keine Betriebsgenehmigung für das AKW Kashiwazaki Kariwa geben“, so ein Sprecher der Präfekturverwaltung Niigata.

Die NRA zeigt sich sehr empört über Tepcos Pläne, den Reaktor schon mit Brennelementen bestücken zu wollen, obwohl überhaupt noch gar nicht klar ist, wann und ob der Reaktor überhaupt jemals wieder hochgefahren werden darf. Zudem sei es auch eher fahrlässig und gefährlich, wenn sich die Brennelemente über längere Zeit im Reaktor befinden, ohne dass dieser hochgefahren wird. „Hier sollten die Brennelemente lieber noch im Abklingbecken verbleiben, bis Klarheit geschaffen worden ist“, so der NRA-Chef Toyoshi Fuketa. AKW-Leiter Ishii hingegen sieht darin jedoch keine Gefahren. „Die Anlage sei sicher, sowohl das Abklingbecken, als auch der Reaktor“, so Ishii.

 

04.10.2020

AKW Kashiwazaki Kariwa, Wiederinbetriebnahme im Frühjahr 2021 geplant

Wie der Betreiber Tepco gestern mitteilte, werden am AKW Kashiwazaki Kariwa, Präfektur Niigata, die sicherheitstechnischen Nachbesserungen im Reaktorblock 7 bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Damit liegt Tepco drei Monate hinter dem ursprünglichen Zeitplan.

Der Reaktor 7, eine „verbesserte Form“ des SWR aus dem Jahr 1997 wurde nach Beendigung der Sicherheitsüberprüfung im Dezember 2017 unter Vorbehalt, dass noch bestimmte Nachbesserungen erbracht werden müssen, von der Atomaufsichtsbehörde NRA defacto schon für „sicher“ befunden und freigegeben.

Im kommenden März/April soll der Reaktor, der dann über 9 Jahre außer Betrieb gewesen ist, mit Brennelementen bestückt, und nach einer letzten sicherheitstechnischen Abnahme der NRA wieder hochgefahren werden. Vorher muss aber noch die Genehmigung der Präfekturverwaltung eingeholt werden, was sich jedoch eher schwierig gestalten dürfte. Denn Tepco hat nicht nur das havarierte AKW Fukushima Daiichi zu verantworten, wo der Konzern schon öfter wegen Ungereimtheiten in die Schlagzeilen geraten ist. Auch gegenüber dem Kashiwazaki Kariwa herrscht eine große Skepsis, so dass die von Tepco erhoffte Genehmigung der Präfekturverwaltung eher fraglich ist. Tepco wolle jedoch noch einmal mit der Gemeinde in den Dialog treten, um die Zustimmung der Präfekturverwaltung zu bekommen.  

 

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Nachrichtenarchiv und Quellen der Nachrichten

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Die Quellen der japanischen Nachrichten:

NPJ News, atombezogene Nachrichten aus ganz Japan, berichtet sehr objektiv und wahrheitsgemäß.

Tokyo shinbun, eine japanische Tageszeitung, die sehr realitätsnah und unzensiert berichtet.

Mai nichi shinbun, eine japanische Tageszeitung, die ebenfalls sehr wahrheitsgetreu berichtet.

NHK  ein großer japanischer Fernsehsender

Asahi shinbun  eine große japanische Tageszeitung

47news atombezogene Nachrichten aus ganz Japan

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, der durch den Betreiber Tepco erstellt wird.

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, aus dem Jahr 2019

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, aus dem Jahr 2018

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima dai ichi, aus dem Jahr 2017

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima dai ichi aus dem Jahr 2016 und den Jahren zuvor.