Fuku Info - aus den japanischen Nachrichten

19.05.2019

An vielen AKWs Terrorschutzmaßnahmen unzureichend

Die Atomaufsichtsbehörde NRA bemängelt, dass an einigen AKWs, die aber zum Teil schon wieder freigegeben worden und auch mittlerweile wieder am Netz sind, die baulichen Schutzmaßnamen zur Terrorabwehr unzureichend sind. Es liegen sogar noch nicht einmal Pläne der jeweiligen Betreiber vor, wie der Terrorschutz der jeweiligen AKWs überhaupt verbesset werden soll, obwohl die NRA dies schon seit einiger Zeit fordert. Lediglich für den Reaktor 3 am AKW Genkai, Präfektur Saga haben die betreibenden Kyushu Elektrizitätswerke der NRA am 16.05.2019 einen Fahrplan für die Nachbesserung des Terrorschutzes vorgelegt. Auch wolle man die gesetzte Frist bis August 2022 einhalten, so ein Sprecher der Kyushu Elektrizitätswerke.

Mittlerweile wurden 9 Reaktoren an 5 AKWs von der NRA bereits für „sicher“ befunden und nach erfolgter Freigabe wieder in Betrieb genommen. Für weitere Reaktoren wurde eine Laufzeitverlängerung zugesichert, und einige befinden sich noch in der NRA-Sicherheitsüberprüfung.

Für die von den Kyushu Elektrizitätswerken betriebenen Reaktoren 1 und 2 am AKW Sendai, Präfektur Kagoshima und Reaktor 4 am AKW Genkai wurde der NRA jedoch noch kein Maßnahmenkatalog für die Terrorabwehr vorgelegt. Auch für die von den Kansai Elektrizitätswerken betriebenen Reaktoren 1 bis 4 am AKW Takahama, AKW Ōi, beide Präfektur Fukui und für den von den Shikoku Elektrizitätswerken betriebenen Reaktor 3 am AKW Ikata, Präfektur Ehime liegen der NRA, obwohl die Reaktoren mittlerweile wieder am Netz sind, noch keine Terrorabwehrpläne vor. Auch an den AKWs, die sich noch in der Sicherheitsüberprüfung befinden, bzw. Reaktoren, denen bereits eine stattliche Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre zugesichert worden ist, erscheint der Terrorschutz nur halbherzig, wie z.B. am AKW Tokai 2, Präfektur Ibaraki. Hier sollen einfache Pylonen und Absperrstangen aus Kunststoff in der Zufahrtsstraße Autos davon abhalten, mit hoher Geschwindigkeit auf das AKW-Gelände zu fahren.

Somit könnte die NRA den Weiterbetrieb der jeweiligen Reaktoren sogar untersagen, wenn innerhalb einer bestimmten Frist keine Nachbesserung im Terrorschutz erfolgt.  

 

15.05.2019

AKW Fukushima: wegen technische Probleme Verzug beim Rückbau des Schornsteins

Aufgrund technischer Probleme des Krans, der am havarierten AKW Fukushima Daiichi für den Rückbau des Schornsteins von Reaktorblock 1 und 2 benötigt wird, müssen die Arbeiten, die am kommenden Montag (20.05.2019) beginnen sollten (antiatom-fuku berichtete), bis auf weiteres verschoben werden. Der Kran, auf dem schweres Gerät für den Rückbau des 120 Meter hohen Schornsteins montiert ist, lässt sich nicht ausfahren. Nach der Ursache der technischen Störung werde nun gesucht, so der Betreiber Tepco.  

Der Schornstein ist von Innen hochradioaktiv verseucht, so dass die Rückbauarbeiten komplett ferngesteuert erfolgen müssen.

 

11.05.2019

AKW Fukushima: Rückbau des ersten Schornsteins beginnt in Kürze

Wie der Betreiber Tepco Ende dieser Woche mitteilte, sollen am havarierten AKW Fukushima Daiichi ab den 20.05.2019 die Rückbauarbeiten des hochradioaktiv kontaminierten Schornsteins von Reaktorblock 1 und 2 beginnen. Der ebenfalls hochradioaktiv verseuchte Schornstein von Reaktor 3 und 4, sowie ein weiterer Schornstein werden zu einem späteren Zeitpunkt rückgebaut, da dessen Haltegerüste nicht so stark beschädigt sind, wie das des Schornsteins von Reaktorblock 1 und 2. Die Rückbauarbeiten wurden bereits im Dezember vergangenen Jahres, jedoch ohne Nennung eines genauen Datums angekündigt (antiatom-fuku berichtete).

Der im Durchmesser 3,2 Meter breite und 120 Meter hohe Schornstein wird durch ein Haltegerüst gestützt. Dieses ist jedoch aufgrund von zahllosen Bruchstellen und Korrosionen sehr instabil geworden und somit akut einsturzgefährdet. Ein etwas stärkeres Erdbeben würde hier schon reichen!

Da die Arbeiten, die wegen der hohen Strahlung komplett ferngesteuert erfolgen müssen, sehr aufwändig und schwierig sind, soll zunächst erst einmal nur die obere Hälfte des Schornsteins rückgebaut werden, so dass der Schornstein dann nicht mehr so instabil ist.

Zu Beginn der Reaktorkatastrophe mit dreifacher Kernschmelze im März 2011, wurde im Reaktorblock 1 zwecks Druckentlastung radioaktiver Dampf über den Schornstein abgelassen, wodurch der Schornstein, vor allem von innen, und die direkte Umgebung sehr stark radioaktiv kontaminiert worden ist.

Für den Rückbau des Schornsteins wurde ein hoher Kran montiert, der über ein spezielles Gerät verfügt, womit der Schornstein Stück für Stück abgetragen werden soll. Die abgetragenen 2 bis 4 Meter großen Segmente werden dann vorsichtig heruntergelassen und abtransportiert. Das Herumwirbeln radioaktiver Partikel soll durch ein spezielles Bindemittel verhindert werden.

Kurz nach Beginn der Reaktorkatastrophe herrschte am Fuße des Schornsteins eine tödliche Strahlung von über 10 Sv/h. 2015 lag die Strahlung noch bei 2 Sv/h. Auch heute noch gibt es am AKW Fukushima Daiichi zahlreiche Stellen, vor allem in den Reaktorgebäuden, aber auch im Freien, die eine gefährlich hohe Strahlendosis aufweisen.  

 

06.05.2019

Keine weiteren Inbetriebnahmen von AKWs in 2019

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 wurden durch die Atomaufsichtsbehörde NRA landesweit bereits 9 Reaktoren an 5 AKWs für „sicher“ befunden, von den örtlichen Behörden genehmigt und wieder in Betrieb genommen. Da sich ein Reaktor (am AKW Ōi) vorübergehend in Revision befindet, sind zurzeit „nur“ 8 Reaktoren am Netz. Weitere Reaktoren werden zurzeit noch auf Erfüllung der gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsanforderungen überprüft. Unter den aussichtsreichsten Kandidaten, also jene Reaktoren, wo die NRA die Freigabe schon in Aussicht gestellt hat, verschiebt sich die Wiederinbetriebnahme um weitere 6 bis 9 Monate, da die noch geforderten Nachbesserungsarbeiten noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden. So verzögert sich die für den kommenden Herbst geplante Wiederinbetriebnahme des Reaktors 1 am AKW Takahama, Präfektur Fukui bis Mai 2020. Der Reaktor 3 am AKW Mihama, Präfektur Fukui wird voraussichtlich im Juli 2020, und der Reaktor 2 am AKW Takahama im Januar 2021 ans Netz gehen, so dass in diesem Jahr kein weiterer Reaktor hochgefahren wird.

Bei allen drei o.g. Reaktoren handelt es sich um Altreaktoren, für die nach 40jähriger Laufzeit eine Betriebsverlängerung für weitere 20 Jahre erteilt worden ist, so dass diese auf eine Gesamtlaufzeit von 60 Jahren kommen.

 

29.04.2019

AKW Tomari: Dauerbrenner seismisch aktive Verwerfung

Im Dauerstreit bezüglich der geologischen Verwerfungen am AKW Tomari, Hokkaido, trafen sich am vergangenen Freitag die Verantwortlichen der betreibenden Hokkaido Elektrizitätswerke mit der Atomaufsichtsbehörde NRA zu einer Konferenz in Tokyo, wo sich der Sitz der NRA befindet. Die Hokkaido Elektrizitätswerke legten der NRA Daten einer erneuten geologischen Untersuchung vor, die die seismische Aktivität der geologischen Verwerfungen am AKW Tomari angeblich widerlegen soll. Das kann die NRA, die eine seismische Aktivität aber „beim besten Willen“ nicht ausschließen kann, nicht bestätigen. Denn bereits im Februar wurde das Dauerthema „geologische Verwerfung“ heiß diskutiert. Auch damals legten die Hokkaido Elektrizitätswerke eigens erhobene Daten vor, wonach angeblich keine seismische Aktivität bestehen würde (antiatom-fuku berichtete).

Mittlerweile zieht sich die NRA-Überprüfung, vor allem wegen der geologischen Zusatzgutachten, seit über fünfeinhalb Jahre in die Länge. Bisher wird für das AKW Tomari seitens der NRA jedoch keine Freigabe in Aussicht gestellt. Es droht sogar die Stilllegung der Anlage, die die betreibenden Hokkaido Elektrizitätswerke jedoch mit aller Macht abwenden wollen, zumal das AKW Tomari, bestehend aus drei DWR noch recht neu ist.

Erst gestern Morgen ereignete sich wieder einmal ein Erdbeben der Stärke 4,0 mit der Einstufung M 5,6. Das Epizentrum lag etwas 190 km südlich des AKWs Tomari in 110 km Tiefe. Beim Erdbeben im September 2018 traten am AKW Tomari sogar ernste Probleme am Kühlkreislauf der Abklingbecken auf (antiatom-fuku berichtete).

 

24.04.2019

AKW Fukushima, Reaktor 3: weitere Brennelemente aus dem Abklingbecken geborgen

Wie der Betreiber Tepco am gestrigen Dienstag mitteilte, wurden am havarierten AKW Fukushima Daiichi weitere Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktor 3 geborgen und mittels Transportbehälter zum Zusatzabklingbecken, das sich auf dem AKW-Gelände befindet transportiert. Somit wurden nun 7 ungebrauchte der insgesamt 566 Brennelemente geborgen. Die Bergung der ersten 4 Brennelemente hatte im Rahmen einer Testphase bereits am 15.04.2019 begonnen (antiatom-fuku berichtete). Die endgültige Entnahme, die aufgrund der hohen Radioaktivität über ferngesteuerte Kräne erfolgen muss, beginnt ab dem Sommer und dauert voraussichtlich bis Mitte 2020.

 

20.04.2019

AKW Fukushima – Tepco will Arbeitskräfte aus dem Ausland anheuern

Für die Aufräum- und Rückbauarbeiten am havarierten AKW Fukushima Daiichi will der Betreiber Tepco nun verstärkt Arbeitskräfte aus dem Ausland anheuern. Entsprechende Voraussetzungen bezüglich einer temporären Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis werden seitens der Regierung geschaffen.

Nicht nur Tepco, sondern auch die anderen AKW-betreibende Stromkonzerne, sowie die Bauindustrie suchen händeringend nach Arbeitskräften.

Die angeheuerten Arbeitskräfte, die nur zeitlich begrenzt in Japan verbleiben sollen, sollen laut Tepco am AKW Fukushima Daiichi für Aufräumarbeiten und am AKW Kashiwazaki Kariwa für Wartungs- und Reinigungsarbeiten eingesetzt werden. Hier ist die Wiederinbetriebnahme der Reaktoren 6 und 7 nach Beendigung der Nachbesserungsarbeiten vorgesehen. Am AKW Fukushima Daiichi sind zurzeit 4000 Leute pro Tag im Einsatz. Diese können aufgrund der erhöhten Strahlung jedoch nur zeitlich begrenzt für ein paar Wochen eingesetzt werden und kommen schon seit geraumer Zeit aus dem ganzen Land. Dennoch wird die Suche immer schwerer.

Bei den ausländischen Arbeitskräften, die nun angeheuert werden sollen, ist jedoch zu bedenken, dass bei bestehender Sprachbarriere die Erklärungen der Arbeitsabläufe, bzw. die vorgeschriebene Strahlenschutzschulung usw. kaum, bzw. gar nicht möglich sind. Außerdem ist es auch fraglich, ob die Subunternehmer und dessen Sub-Subunternehmer, die als eigentlichen Arbeitgeber infrage kommen, an einer „erfolgreich“ durchgeführten Strahlenschutzschulung der vorübergehenden Arbeitskräfte überhaupt interessiert sind, so dass sich die Arbeiter über die Gefahren der Radioaktivität, der sie ausgesetzt werden, gar nicht bewusst sind. Tepco selber fungiert „nur“ als „Auftraggeber“ und nicht als direkter Arbeitgeber, und kann sich dem entsprechend auch der Verantwortung ziehen.   

 

19.04.2019

Erhöhte Vulkangefahr für AKWs in der Fukui-Bucht

Trotz erhöhter Vulkangefahr am Berg Daisan, Präfektur Tottori mit einer vorausberechneten Schicht von 10 cm durch den Niederschlag der Vulkanasche in der Umgebung, die Wissenschaftler nun anhand einer Computersimulation berechneten, sieht die Atomaufsichtsbehörde NRA weiterhin keine nennenswerten Gefahren für die AKWs Ōi, Takahama und Mihama, Präfektur Fukui. Die Reaktoren 3 und 4 am AKW Ōi und die Reaktoren 3 und 4 am AKW Takahama sind bereits wieder in Betrieb. Für den Altreaktor 3 am AKW Mihama hat die NRA eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre erteilt und defacto schon freigegeben. Zurzeit wird dieser jedoch noch technisch nachgerüstet.

Die Fukui-Bucht, wo sich die 3 o.g. AKWs, sowie weitere, auch bereits stillgelegte Reaktoren, inklusive des Schnellen Brüters Monju befinden, liegt nur 190 km nördlich des Vulkans Daisan. Allerdings sieht die NRA trotz der Neueinschätzungen der Gefahren durch die zunehmende Aktivität des Vulkans Daisdan keinen Handlungsbedarf bezüglich der AKWs Ōi, Takahama und Mihama.

 

16.04.2019

AKW Fukushima, Abklingbecken Reaktor 3: Bergung der Brennelemente hat begonnen

Am gestrigen Montag wurden am havarierten AKW Fukushima Daiichi die ersten 4 ungebrauchten von insgesamt 566 Brennelementen, die sich im Abklingbecken von Reaktor 3 befinden geborgen. Die Arbeiten, die wegen der hohen Strahlung komplett ferngesteuert ausgeführt werden müssen, dauerten bis zum frühen Abend an. Auch wenn statt der geplanten 7 nur 4 Brennelemente geborgen worden sind, verliefen die Arbeiten ohne Zwischenfälle.

Unter den 566 Brennelementen im Abklingbecken von Reaktor 3, befinden sich 52 ungebrauchte Brennelemente. Ursprünglich sollte die Bergung der Brennelemente sogar schon 2014 beginnen, was aufgrund der hohen radioaktiven Strahlung bisher noch nicht möglich gewesen ist. Auch jetzt nach über 8 Jahren seit Beginn der Reaktorkatastrophe liegt die Strahlung im Bereich des Abklingbeckens von Reaktor 3 immer noch bei 740 mS/h.

Wann die geschmolzenen Brennelemente aus dem Reaktordruckbehälter, der seit August 2010 auch mit 32 MOX-Brennelementen bestück worden ist, geborgen werden können, ist bisher noch unklar.   

Um die Brennelemente aus dem Abklingbecken zu bergen, das sich im oberen Stockwerk des Reaktorgebäudes befindet, werden diese unter Wasser in den Transportbehälter gesetzt. Der Behälter wird dann mittels Kran aus dem Reaktorgebäude gehoben, in 30 Meter Tiefe auf das bereitstehende Transportfahrzeug gelegt und zum Zusatzabklingbecken gefahren, das sich ebenfalls auf dem AKW-Gelände befindet.

Die Arbeiten erfolgen wegen der hohen Strahlung ferngesteuert und werden in einem separaten Kontrollraum überwacht. Sollte jedoch eine technische Störung am Entnahmekran auftreten, muss diese jedoch vor Ort, also im Gebäude repariert werden.

Die Arbeiten, die vorerst im Rahmen einer Testphase begonnen worden sind, werden nun evaluiert und im Juni fortgesetzt.

Siehe dazu auch das Video der ANN news (japanisch)

 

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Nachrichtenarchiv und Quellen der Nachrichten

Weiter zurückliegende Nachrichten sind im Archiv zu finden.

 

Die Quellen der japanischen Nachrichten:

NPJ News, atombezogene Nachrichten aus ganz Japan, berichtet sehr objektiv und wahrheitsgemäß.

Tokyo shinbun, eine japanische Tageszeitung, die sehr realitätsnah und unzensiert berichtet.

Mai nichi shinbun, eine japanische Tageszeitung, die ebenfalls sehr wahrheitsgetreu berichtet.

NHK  ein großer japanischer Fernsehsender

Asahi shinbun  eine große japanische Tageszeitung

47news atombezogene Nachrichten aus ganz Japan

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, der durch den Betreiber Tepco erstellt wird

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, aus dem Jahr 2018

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima dai ichi, aus dem Jahr 2017

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima dai ichi aus dem Jahr 2016 und den Jahren zuvor.