Fuku Info - aus den japanischen Nachrichten

17.11.2019

AKW Fukushima Daiichi, Rückbau des Schornsteins fortgesetzt

Nach mehreren Unterbrechungen, werden am havariertem AKW Fukushima Daiichi nun die Rückbauarbeiten des Schornsteins der Reaktoren 1 und 2 fortgesetzt. Bisher wurde das oberste Stück des ehemals 120 Meter hohen Schornsteins bis zum Beginn des Haltegerüstes mittels ferngesteuertem Spezialgerät Stück für Stück abgetragen. Nun werden die obersten Streben des Haltegerüstes demontiert und weitere Segmente des Schornsteins abgetragen.

Der Schornstein ist, wie auch der ebenfalls 120 Meter hohe Schornstein der Reaktoren 3 und 4 durch das „Venting“ (Entlüften, bzw. Druckentlastung) zu Beginn der Kernschmalzen im März 2011 von innen hochradioaktiv kontaminiert. Die Haltegerüste sind aufgrund der salzhaltigen Seeluft mittlerweile stark korrodiert und brüchig, so dass vor allem der erste Schornstein akut einsturzgefährdet ist (antiatom-fuku berichtete). Dieser wird zurzeit bis zur Hälfte rückgebaut, so die Pläne des Betreibers Tepco.

 

14.11.2019

Kaminoseki: geplantes AKW-Neubauprojekt soll nun umgesetzt werden

Der Bau des geplanten AKWs Kaminoseki, Präfektur Yamaguchi soll nach Informationen des zukünftigen Betreibers Chugoku Elektrizitätswerke bald begonnen werden. Vor der Bucht, wo sich die potentielle Baustelle befindet, sollen nun Probebohrungen im Meer stattfinden, um mögliche geologische Verwerfungen aufzuspüren, die seismisch aktiv sind. Die Probebohrungen, die im Rahmen der geologischen Untersuchungen von der Atomaufsichtsbehörde NRA gefordert worden sind, sollen bis Ende Januar andauern. In der lokalen Bevölkerung stoßen die Maßnahmen auf großen Widerstand. Schon in den Achtzigern, als erste Pläne für das AKW Kaminoseki vorlagen, machte sich die lokale Bevölkerung gegen den AKW-Neubau stark. 

Trotz der immer noch andauernden Reaktorkatastrophe im eigenen Lande und der fehlenden Notwendigkeit von Kernenergie, wollen die Regierung und die Atomkonzerne die bereits begonnenen, bzw. noch nicht begonnenen AKW-Neubauprojekte weiter verfolgen.

Bereits 2009 begannen die ersten Vorbereitungen der Baustelle für das geplante AKW Kaminoseki mit zwei Siedewasserreaktoren der „verbesserten“ Form (ABWR). Davon sollte der erste bereits 2014 und der zweite 2018 ans Netz gehen. Seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 ruhen die Bauarbeiten aber nur, aufgegeben wurde das Projekt jedoch nie.

Die auserwählte AKW-Baustelle befindet sich in der Bucht einer sehr idyllischen Inselgruppe, dessen Natur eine sehr reichhaltige Artenvielfalt aufweist. Gegenüber der Bucht liegt in 3,5 km Entfernung die Insel Iwaishima, dessen Bewohner sich schon seit Jahren gegen das geplante AKW-Neubauprojekt stark machen.

Für weitere Hintergrundinformationen siehe den Leitartikel von Januar 2015 „Eine weitere AKW-Baustelle . . . (in der Rubrik „Stimmen aus Fukushima und landesweit“). 

   

11.11.2019

OB von Tokai: „wer Atomkraft ablehnt, dürfe nicht mehr aus dem Haus“

In einem Interview eines Fachmagazins, äußerte sich Osamu Yamada, Oberbürgermeister der Stadt Tokai (Präfektur Ibaraki), wo sich auch das AKW Tokai 2 befindet, dass die Kernenergie unerlässlich für eine stabile Stromversorgung sei. Beim AKW Tokai 2 handelt es sich um einen in die Jahre gekommenen Siedewasserreaktor (SWR) von 1978, der zurzeit, um den gesetzlichen Sicherheitsanforderungen zu entsprechen nachgerüstet wird. Eine 20jährige Laufzeitverlängerung für Tokai 2 wurde der betreibenden JAPC seitens der Atomaufsichtsbehörde NRA defacto schon zugesichert (antiatom-fuku berichtete). Andernfalls hätte der Reaktor 2018, also nach erreichen der maximalen Laufzeit von 40 Jahren schon stilgelegt werden müssen.

Auch wenn Tokais Oberbürgermeister Yamada nach endgültiger Freigabe durch die NRA die Wiederinbetriebnahme genehmigen wird, müssen aber auch die Genehmigungen der 5 unmittelbaren Nachbargemeinden, der Stadt Mito und der Präfektur Ibaraki eingeholt werden. Andernfalls darf der Reaktor nicht ans Netz genommen werden.

In der Ortschaft Kariwa, Präfektur Niigata, wo sich auch das AKW Kashiwazaki Kariwa, Betreiber Tepco befindet, verherrlicht der Bürgermeister Shindo Hiroo die Atomkraft mit den Worten: „Das ist Energie der Zukunft“. Auch hier ist man nämlich bestrebt, 2 SWR wieder ans Netz zu nehmen.

Seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima sind bisher „nur“ Druckwasserreaktoren, insgesamt 9 Stück wieder in Betrieb gegangen, aber noch kein SWR, was Yamada sozusagen bemängelt. Bezugnehmend auf die Atomkraftgegner äußert sich Yamada eher abfällig. „Die sollten doch mal bei sich zuhause den Strom abschalten und am besten nicht mehr aus dem Haus gehen“, so Yamada im Interview. „Außerdem wurden nach Fukushima die Sicherheitsanforderungen für die AKWs massiv verschärft, und wenn man mal logisch denkt, kann man eigentlich davon ausgehen, dass sich solch ein Unfall nicht wiederholen wird“, so Yamada weiter, der damit eine Anspielung auf jene Anwohner macht, die das AKW Tokai 2 ablehnen. Dem entsprechend stießen Yamadas Äußerungen bei der lokalen Bevölkerung auf sehr wenig Verständnis. Yamada, der den maroden Altreaktor Tokai 2 aus der Schusslinie nehmen will, beschwichtigt: „ich spreche hier nur über die SWR allgemein, und nicht über bestimmte Kraftwerke“.

Hideyuki Ban, Initiator einer privaten „Denkfabrik“ zu Atomkraft kommentiert das ganze folgendermaßen: „Da fühlt man sich doch wie ein Idiot, der die Atomkraft zwar gut kennt, aber nicht versteht. Das nötige Bewusstsein für schwere Nuklearunfälle ist bei vielen Menschen halt äußerst gering“.

 

03.11.2019

AKW Fukushima, Planänderung bei der Bergung der Brennelemente

Für die geplante Bergung der Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktorblock 2 am havarierten AKW Fukushima Daiichi, hat der Betreiber Tepco am vergangenen Donnerstag eine Änderung der Vorgehensweise beschlossen. Statt wie bisher geplant, sollen die Brennelemente nun nicht mittels Kran von oben entnommen werden. Denn dafür müsste zuerst das Dach des Reaktorgebäudes entfernt und eine Schutzhülle gebaut werden. Stattdessen soll nun ein Anbau errichtet werden, der direkt an das Reaktorgebäude grenzt. Über einen geschaffenen „Durchgang“ im Obergeschoss, wo sich das Abklingbecken befindet, soll dann spezielles Gerät installiert werden um die Brennelemente zu entnehmen und über den Anbau nach unten zu befördern, damit diese abtransportiert werden können. Gelagert werden sollen die Brennelemente dann im Zusatzabklingbecken, das sich auf dem AKW-Gelände befindet.

Mit der nun beschlossenen Vorgehensweise soll u.a. das Umherwirbeln radioaktiver Partikel weitgehend unterbunden werden, so die Begründung durch Tepco.

Bei der Reaktorkatastrophe 2011 mit dreifacher Kernschmelze, wovon auch Reaktorblock 2 betroffen ist, ist das Gebäude als solches weitgehend heile geblieben.

Am Reaktorblock 3, der über eine halbrunde Schutzhülle mit entnahmekran verfügt, läuft die Bergung der Brennelemente aus den Abklingbecken bereits (antiatom-fuku berichtete). Am Reaktorblock 1 werden noch die Trümmerteile, die seit der Wasserstoffexplosion im Abklingbecken liegen entfernt. Der Bergung der Brennelemente wurde noch nicht terminiert.

Am ehemals 120 Meter hohen Schornstein der Reaktorblöcke 1 und 2, der bis zur Hälfte rückgebaut werden soll, wurden die ersten 10 Meter Stück für Stück abgetragen. Dieser ist von innen hochradioaktiv kontaminiert, so dass die Arbeiten unter äußerster Vorsicht über ferngesteuertes Spezialgerät erfolgen müssen.

 

30.10.2019

Fehlender Terrorschutz am AKW Takahama, Reaktor 3 und 4 müssen Mitte 2020 vom Netz

Als Konsequenz dafür, dass die Kansai Elektrizitätswerke die Frist für die bauliche Nachbesserung des Terrorschutzes am AKW Takahama, Präfektur Fukui verstreichen ließen, müssen nun die Reaktoren 3 und 4 im August, bzw. im Oktober 2020 vom Netz. Dann sollen die von der NRA geforderten Nachbesserungen erfolgen. Beide Reaktoren wurden durch die NRA zwar freigegeben und sind auch schon wieder eine Weile am Netz, allerdings ordnete die NRA nachträglich für alle Reaktoren, die wieder im Betrieb genommen worden sind, Verbesserungsmaßnahmen in Sachen Terrorschutz an. Diese müssen nun von den jeweiligen AKW-Betreibern erbracht werden.

Falls die AKW-Betreiber den Forderungen der NRA jedoch nicht nachkommen, bzw. die jeweils gesetzte Frist einfach verstreichen lassen, wird der Weiterbetrieb der betroffenen Reaktoren untersagt. Diese Maßnahmen kündigte die NRA bereits im vergangenen April an. Die AKW-Betreiber rechneten jedoch nicht damit, dass die NRA die angekündigten Schritte in dieser Form umsetzen wird. Hier hofften die Betreiber, die die kostenintensiven Nachbesserungen gerne hinausschieben wollten, auf Ausnahmeregelungen, Aufschub der Fristen, bzw. Aufweichung der Forderungen.

So auch die Kyushu Elektrizitätswerke, die nun die beiden Reaktoren 1 und 2 am AKW Sendai, Präfektur Kagoshima im März, bzw. im Mai 2020 vom Netz nehmen müssen. Denn auch hier hat man die geforderten Nachbesserungen des Terrorschutzes nicht erbracht und die Frist einfach verstreichen lassen (antiatom-fuku berichtete).

 

28.10.2019

JAPC erhält über 3 Mrd. Euro Unterstützung für das AKW Tokai 2, u.a. auch von Tepco

Für die von der Atomaufsichtsbehörde NRA geforderten Nachbesserungen am AKW Tokai 2, Präfektur Ibaraki, wollen 5 regionale Stromkonzerne, u.a. auch Tepco, der das havarierte AKW Fukushima Daiichi zu verantworten hat, die Japan Atomic Power Company (JAPC) mit einem Betrag von über 3 Mrd. Euro unterstützen. Diese sind zu 80% Teilhaber der JAPC, was erklärt, warum das Interesse an den Erhalt der JAPC, die sich ausschließlich auf die Produktion von Atomstrom spezialisiert hat, so groß ist. Denn seit der Reaktorkatastrophe in Fukushima stehen nämlich alle von der JAPC betriebenen Reaktoren still, so dass die JAPC rasch in die roten Zahlen rutschte.  

Die finanzielle Beteiligung seitens Tepco wurde auf der gestrigen Vorstandssitzung beschlossen. „Mit der Unterstützung wollen wir, um die wirtschaftliche Situation der JAPC wieder zu verbessern“, die Wiederinbetriebnahme des AKWs Tokai 2 rasch voranbringen“, so Tetsuo Otsuki, einer der Tepco-Manager, der sich trotz der ablehnenden Haltung seitens der Kommunalverwaltung sehr optimistisch zeigt. Diese muss nämlich nach Freigabe durch die NRA gemeinsam mit der Präfekturverwaltung die Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme des Reaktors erteilen.   

Wie die anteilige Finanzierung der Unterstützung durch Tepco aussehen soll, bleibt jedoch unklar. Dazu machte Otsuki keine näheren Angaben. Denn Tepco ist seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima defacto pleite, schreibt nur noch rote Zahlen und wird nur noch vom Staat aufrechterhalten.

Auch die von der Atomaufsichtsbehörde NRA geforderten Nachbesserungen des Reaktors 2 am AKW Tsuruga, das ebenfalls von der JAPC betrieben wird, werden durch den Fonds der 5 Stromkonzerne unterstützt.

 

27.10.2019

AKW Shimane, Bedenken bezüglich Evakuierung im Katastrophenfall

Der neue Umweltminister und Minister für die Verhütung weiterer Nuklearkatastrophen, Katastrophenschutz- und Evakuierungsmaßnahmen Shinjiro Koizumi (LDP) traf sich nach einer Begehung des „Offsite Centers“ (Krisenkommunikationszentrums) am AKWs Shimane, in der gleichnamigen Präfektur Shimane, mit dem Präfekturgouverneur Tatsuya Maruyama. Im Gespräch mit Koizumi wies Matsuyama auf die Wichtigkeit einer reibungslosen Evakuierung hin, die insbesondere in der dicht bevölkerten Region um das AKW Shimane eine besondere Herausforderung ist, aber noch optimiert werden müsste. Dem stimmte Koizumi zu und versprach Abhilfe: „Wir werden alles daransetzen, um die Verhütung von Nuklearkatastrophen zu verbessern“. 

Die Reaktoren 2 und 3 am AKW Shimane werden zurzeit durch die Atomaufsichtsbehörde NRA auf Erfüllung der gesetzlich festgelegten Sicherheitsanforderungen überprüft. Der Reaktor 2 ist ein SWR aus dem Jahr 1989, der im Zuge der Reaktorkatastrophe von Fukushima seit Januar 2012 stillsteht. Beim Reaktor 3 handelt es sich um einen seit 2007 im Bau befindlichen „verbesserten“ Form des SWRs, der nahezu fertiggestellt ist. Der Reaktor 3, aus dem Jahr 1975 wurde im April 2015 endgültig stillgelegt. Die Genehmigung für den Rückbau wurde von betreibenden Choukoku Elektrizitätswerken noch nicht beantragt.

In 2,5 km Entfernung zum AKW Shimane verläuft eine seismisch aktive Verwerfung. Schon alleine diese sollte laut unabhängigen Experten gegen eine Wiederinbetriebnahme beider Reaktoren sprechen. Allerdings sieht es eher danach aus, dass die NRA beide Reaktoren für „sicher“ befinden wird. (Siehe weitere Infos zum AKW Shimane).

 

23.10.2019

AKW Fukushima, weiterhin Verzug bei der Entnahme der Brennelemente

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi, Reaktor 3 gibt es weiterhin Verzug bei der Entnahme der Brennelemente aus dem Abklingbecken. Aufgrund erneuter technischer Probleme des Entnahmekrans konnten die Arbeiten nicht wie geplant am vergangenen Mittwoch fortgesetzt werden. Die technische Störung konnte jedoch noch nicht behoben werden, so dass sich die Entnahme der Brennelemente weiterhin auf unbestimmte Zeit weiterhin verzögert.

Im Zeitraum von April bis Juli dieses Jahres wurden 28 Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktorblock 3 entnommen und in das Zusatzabklingbecken, das sich auf dem AKW-Gelände befindet transportiert (antiatom-fuku berichtete). Weitere Brennelemente konnten bisher jedoch noch nicht entnommen werden, da der Entnahmekran immer wieder defekt gewesen ist. Somit befinden sich noch 538 Brennelemente im Abklingbecken. Die Entnahme sollte nach Plänen des Betreibers Tepco bis März 2021 eigentlich abgeschlossen sein.

Unterdessen wurden die 6 Baukräne, die sich auf dem AKW-Gelände befinden und vorsorglich vor dem heftigen Taifun Nr. 19 von vor anderthalb Wochen abgebaut worden sind (antiatom-fuku berichtete), wieder aufgestellt.

 

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Nachrichtenarchiv und Quellen der Nachrichten

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Die Quellen der japanischen Nachrichten:

NPJ News, atombezogene Nachrichten aus ganz Japan, berichtet sehr objektiv und wahrheitsgemäß.

Tokyo shinbun, eine japanische Tageszeitung, die sehr realitätsnah und unzensiert berichtet.

Mai nichi shinbun, eine japanische Tageszeitung, die ebenfalls sehr wahrheitsgetreu berichtet.

NHK  ein großer japanischer Fernsehsender

Asahi shinbun  eine große japanische Tageszeitung

47news atombezogene Nachrichten aus ganz Japan

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, der durch den Betreiber Tepco erstellt wird

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, aus dem Jahr 2018

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima dai ichi, aus dem Jahr 2017

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima dai ichi aus dem Jahr 2016 und den Jahren zuvor.