Fuku Info - aus den japanischen Nachrichten

17.11.2017

Tomioka: Neues Endlager in Betrieb genommen

In Tomioka, Präfektur Fukushima, nur wenige Kilometer südlich vom havariertem AKW Fukushima Daiichi wurde heute das Endlager für radioaktive Abfälle aus der Flächendekontamination in Betrieb genommen. Hierunter fällt radioaktiv verseuchtes Erdreich, Laub, Dreck und Asche aus der Müllverbrennung mit einem Cäsiumwert zwischen 8000 und 100.000 Bq/kg. Die Abfälle werden nicht nur aus der Präfektur Fukushima, sondern auch aus den 12 umliegenden Präfekturen per LKW in schwarzen Kunststoffsäcken angeliefert. Im Endlager Tomioka werden die Säcke dann in Beton eingegossen und in einer Grube verbuddelt.

Laut dem Umweltministerium und der Präfekturverwaltung sei diese Maßnahme ausreichend. Demnach würde angeblich keine Radioaktivität in das umliegende Erdreich gelangen. Das Grundwasser, sowie die nahegelegenen Flüsse würden ebenfalls genaustens überwacht werden.

In der lokalen Bevölkerung und bei den Umweltverbänden stößt das Endlager jedoch weiterhin auf große Ablehnung. Denn besonders bizarr an der Sache ist nämlich auch die Aufhebung des Evakuierungsbefehls für Tomioka mit Wiederanbindung an den öffentlichen Nahverkehr seit Oktober dieses Jahres (antiatom-fuku berichtete).         

Zur besseren Veranschaulichung siehe auch das Video des NHK

 

15.11.2017

Tokai: NRA gibt weiteren Forschungsreaktor frei

Der von der JAEA betriebene Forschungsreaktor STACY in Tokai, Präfektur Ibaraki wurde von der Atomaufsichtsbehörde NRA für „sicher“ befunden. Die schriftliche „Freigabe“ der NRA folgt in Kürze. Das bedeutet nun, dass STACY nach Erhalt der Genehmigung durch die Präfekturverwaltung in Betrieb gehen darf. Wann das erfolgen wird, steht jedoch noch nicht fest. Das wäre dann der vierte Forschungsreaktor landesweit, der seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima wieder in Betrieb gehen darf.

Der Forschungsreaktor STACY hat eine Leistung von 200W. Mit STACY soll die Verwendbarkeit von gebrauchtem Kernbrennstoff im Rahmen einer Wiederverwertung erprobt werden. Dabei handelt es sich um den Reaktortyp „HOMOG“, wo der entsprechend vorbereitete Brennstoff in gelöster Form verwendet wird.      

 

12.11.2017

AKW Fukushima Daiichi – Entnahmevorrichtung am Reaktor 3

Für die Bergung der 566 Brennelemente im Abklingbecken von Reaktor 3 am havarierten AKW Fukushima Daiichi wurde heute die Entnahmevorrichtung installiert. Die 72t schwere Entnahmevorrichtung wurde mittels Kran in die bereits fertiggestellte Schutzhülle gehoben und dann über dem Abklingbecken montiert.

Eigentlich sollten die Arbeiten bereits gestern durchgeführt werden, mussten jedoch wegen des starken Windes auf heute verschoben werden.

Die Entnahme der Brennelemente soll dann ab Anfang/Mitte 2018 erfolgen.

Die halbrunde Schutzhülle wurde bereits in den Wochen zuvor gebaut. Sie soll verhindern, dass während der Entnahme der Brennelemente und der Schutträumung hochradioaktive Partikel in die Umwelt gelangen.

Die Entnahme der Brennelemente aus den Abklingbecken der Reaktoren 1 und 2 soll voraussichtlich ab 2023 erfolgen.

Siehe dazu auch die Bilder der sankai news.

 

05.11.2017

AKW Genkai – Trockenlagerung für Brennelemente beantragt

Um die Abklingbecken der Reaktoren 3 und 4 am AKW Genkai, Präfektur Saga zu entlasten, stellten die betreibenden Kyushu Elektrizitätswerke nun bei der Atomaufsichtsbehörde NRA einen Antrag auf Genehmigung zur Trockenlagerung von Brennelementen, die nicht mehr aktiv gekühlt werden müssen. Denn wenn die beiden Reaktoren wie geplant wieder in Betrieb gehen, werden die dazugehörigen Abklingbecken in etwa 5 Jahren ihre maximale Kapazität erreichen. Von daher wollen die Kyushu Elektrizitätswerke nun Platz schaffen, indem Brennelemente, die nicht mehr aktiv gekühlt werden müssen, in Castor-Behälter verpackt und auf dem AKW-Gelände zwischengelagert werden. Eine entsprechende Castor-Lagerhalle ist jedoch noch nicht vorhanden. Der Bau einer solchen wird zurzeit diskutiert.

Reaktor 3 soll Anfang Januar und Reaktor 4 zwischen Januar und März angefahren werden. Hierbei handelt es sich um zwei DWR aus dem Jahr 1994 und 1997, die sich beide seit dem Frühjahr 2011 im Langzeitstillstand befinden.    

 

29.10.2017

Präfektur Fukushima - Großes Zwischenlager für Atommüll in Betrieb

In Okuma/Futaba, nahe am havarierten AKW Fukushima Daiichi nahm nach Informationen des Umweltministeriums, ein neu errichtetes großes Atommüllzwischenlager seinen regulären Betrieb auf. Es dient vorwiegend für die Lagerung von radioaktiven Abfällen, die bei der Flächendekontamination anfallen. Darunter fällt vor allem abgetragenes Erdreich, Laub und Dreck. Die vereinzelten Zwischenlager, die überall in der Präfektur Fukushima zu finden sind, sollen nun nach und nach aufgelöst werden und der radioaktive Abfall in das neu errichtete Zentrallager transportiert werden. Dort werden dann Abfälle mit einem Cäsiumgehalt von unter 8000 Bq/kg und Abfälle mit einem Cäsiumgehalt über 8000 Bq/kg getrennt gelagert. Um das Volumen zu reduzieren, sollen organische Abfälle verbrannt werden, so dass „nur“ die Asche eingelagert werden muss.  

Noch ist das Zwischenlager nicht komplett fertiggestellt. Etwa 40% der Fläche kann jedoch schon genutzt werden. Bis 2020 sollen dort etwa 1,8 Mio. m³ eingelagert werden. Weitere Kapazitäten sind geplant.      

 

27.10.2017

AKW Tokai – Laufzeitverlängerung für Altreaktor

Die Atomaufsichtsbehörde NRA hat jetzt der betreibenden Atomfirma JAPC für den Altreaktor Tokai 2 in der Präfektur Ibaraki, einem SWR, der 1978 in Betrieb ging, eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre zugesichert. Andernfalls hätte dieser, da er nächstes Jahr im November die gesetzlich festgelegte Maximallaufzeit von 40 Jahren erreicht, stillgelegt werden müssen.

Tokai 2 soll nun entsprechend der gesetzlich festgelegten Sicherheitsanforderungen nachgerüstet werden und spätestens Ende 2020 in Betrieb genommen werden. Die Kosten hierfür liegen nach Schätzungen der JAPC bei etwa 2 Mrd. Euro.

In der örtlichen Bevölkerung und bei unabhängigen Experten ist die Wiederinbetriebnahme jedoch sehr umstritten.   

 

25.10.2017

Atomunfall in Ōarai – Abschlussbericht der JAEA unzureichend

Zum Atomunfall, der sich im vergangenen Juni im Kernforschungszentrum Ōarai, Präfektur Ibaraki ereignete, bewertete die Atomaufsichtsbehörde NRA den Abschlussbericht der verantwortlichen JAEA (Japanisches Forschungszentrum für Nukleartechnologie und Entwicklung) als unzureichend.

Damals wurden 5 Mitarbeiter des Forschungszentrums beim Öffnen eines Behälters, der unter Druck stand, mit radioaktiven Partikeln kontaminiert (antiatom-fuku berichtete).

Im Abschlussbericht, der Ende September bei der NRA eingereicht worden ist, sei der Unfallhergang zwar korrekt beschrieben, allerdings wurden die Unfallfolgen nur unzureichend eingeschätzt. Dazu fehlen auch genauere Angaben über die Organisation der Arbeitsabläufe, auch in Bezug auf Arbeitsschutz.

Die NRA forderte die JAEA nun auf, den Fall erneut zu überprüfen, und den Bericht entsprechend zu korrigieren.  

 

22.10.2017

Unterhauswahl – Abe gewinnt zum dritten Mal in Folge

Heute fand in Japan die vorgezogene Unterhauswahl statt. Um 20:00 Uhr schlossen die Wahllokale, und die ersten Hochrechnungen zeigten bereits, dass Ministerpräsident Shinzo Abe (LDP) auf jeden Fall weiterregieren kann.

In den letzten Monaten sanken zwar wegen verschiedener Skandale die Umfragewerte, worauf Abe im August zunächst das Kabinetts umbildete, als das nicht half, die Flucht nach vorne ergriff, in dem er das Parlament auflöste und Neuwahlen ausrief (antiatom-fuku berichtete). Aber im Zuge der Nordkorea-Krise verbesserten sich seine Umfragewerte in den vergangenen Wochen wieder deutlich, da er im richtigen Moment sich als „starke Führungskraft“ darstellen und somit ein Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung hervorrufen konnte. Hierunter geriet die Atom- und Energiepolitik jedoch ziemlich in den Hintergrund. Abe regiert bereits seit 2012 und darf auch im kommenden Jahr zuversichtlich sein, wenn er innerhalb der LDP als Parteichef wiedergewählt werden will.

Nach vorläufigen Endergebnis erreicht die LDP von insgesamt 465 Sitzen 283 der Sitze. Der Koalitionspartner Komeito büßt jedoch einiges ein, und wird mit 29 Sitzen nur noch viertstärkste Kraft. Die konstitutionelle Partei erreicht 52 Sitze, kommt somit auf Platz 3 und die von Tokyos Präfekturgouverneurin neugegründete Shinminto (Partei der Hoffnung) wird mit 49 Sitzen drittstärkste Kraft, liegt jedoch deutlich hinter der LDP. Die Shinminto spricht sich ganz klar gegen Atomkraft aus.

Die regierende LDP erreichte schon nach der ersten Hochrechnung mehr als die Hälfte der Sitze, und nach Auszählung fast aller Stimmbezirke, gemeinsam mit dem kleineren Koalitionspartner Komeito sogar die erhoffte Zweidrittelmehrheit. Dadurch hat Abe nun die ausreichende Mehrheit im Parlament, um die Pazifische Verfassung, also den Artikel 9 zu Gunsten einer aktiven Kriegsführung zu ändern!

Ein vielversprechendes Konjunkturpaket, das von Abe im Wahlkampf angekündigt worden ist, soll noch bis Ende des Jahres auf die Beine gestellt werden; was die Wähler wohl ebenfalls sehr beeindrucke. Es beinhaltet deutlich mehr Investitionen in Bildung und Kindererziehung, sowie mehr Anreize für Unternehmer, damit die Produktivität verbessert werden kann. Die Bank of Japan und ausländische Unternehmer zeigen sich nach diesem Wahlergebnis zuversichtlich und halten die Abe-regierung für stabil.

In Sachen Atom-und Energiepolitik ist unter diesen Umständen allerdings nicht mit einem politischen Richtungswechsel zu rechnen, da die Abe-Regierung weiter am Atomkurs festhalten wird.

Die Wahlbeteiligung lag bei recht niedrigen 53,6% (2014 bei 53,66%). Das lag jedoch nicht am Taifun Nr. 21, der zurzeit über Tokyo und den Nordosten Japans hinweg zieht, sondern auch, wie in den Wahlen zuvor, am trägen Ansporn zur Urne zu gehen. Denn die eigentliche Oppositionspartei DPJ hat sich zersplittert, so dass die Japaner, die einen Politikwechsel wollen, kaum eine Alternative zur LDP sehen. Aber die neue Shinminto, Partei der Hoffnung weist zumindest auf einen politischen Trend hin. Denn die Shinminto will raus aus der Atomkraft und die Pazifische Verfassung, also den Artikel 9 zu Gunsten des Friedens beibehalten.

Im Gegensatz zum restlichen Japan, hat die LDP in Okinawa, ganz im Süden Japans, wo sich auch der US-Militärstützunkt befindet, wie auch schon in der Unterhauswahl von 2014 kein en einzigen Stimmbezirk geholt.      

    

21.10.2017

Auflösung der Evakuierungszone - Tomioka Bahnhof wieder in Betrieb

Im Rahmen der von der Regierung vorangetriebenen „Revitalisierungsmaßnahmen“ der durch die Dreifachkatastrophe von 2011 zerstörten und radioaktiv verseuchten Gebiete, wurde nun ein weiteres Teilstück der Joban-Bahnlinie instandgesetzt. Diese verbindet nun den bereits 2014 wieder angeschlossenen Bahnhof Tatsuta mit dem 6,9 km entfernten Bahnhof Tomioka.

Der im Zuge der Reaktorkatastrophe vollständig evakuierte Ort Tomioka wurde nach einer Flächendekontamination im vergangenen April größtenteils zur Rückkehr wieder freigegeben (antiatom-fuku berichtete). Allerdings sind bisher „nur“ 2,2%, also 304 der ehemaligen Einwohner zurückgekommen (Stand Ende September 2017). Tomioka liegt nur 8 km südlich vom AKW Fukushima Daiichi.

Das restliche Teilstück von 20,8 km, also zwischen Tomioka und Namie Bahnhof soll ab Ende März 2020 wieder hergestellt sein. Dieses führt durch stark radioaktiv verseuchte Gebiete, direkt am havariertem AKW Fukushima Daiichi vorbei. Die ohnehin schon umstrittene Flächendekontamination schafft auch nur eingeschränkt Abhilfe, zumal die Strahlung nach kurzer Zeit eh wieder ansteigt.

Der Bahnhof Tomioka, der durch den Tsunami teilweise zerstört worden ist, wurde Anfang 2015 abgerissen. Die umliegenden, zum Teil zerfallenen Häuser und Straßen wurden 2016 alle dem Erdboden gleichgemacht. Neue Häuser und kleinere Geschäfte wurden bereits errichtet.  

Für Tomioka wurde ein völlig neuer Bahnhof gebaut, der heute Morgen ab 10:00 Uhr feierlich eingeweiht worden ist. Die erste Bahn fuhr jedoch schon heute früh um 6:00 Uhr. Die ankommenden Züge wurden mit einem Festakt und traditionellen Fahnen begrüßt; es wird der Eindruck einer zurückkehrenden Normalität erweckt.

Siehe dazu auch die Bilder von „Festakt“ im Video des Fernsehsenders NHK.  

 

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Nachrichtenarchiv und Quellen der Nachrichten

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Die Quellen der japanischen Nachrichten:

NPJ News, atombezogene Nachrichten aus ganz Japan, berichtet sehr objektiv und wahrheitsgemäß.

Tokyo shinbun, eine japanische Tageszeitung, die sehr realitätsnah und unzensiert berichtet.

Mai nichi shinbun, eine japanische Tageszeitung, die ebenfalls sehr wahrheitsgetreu berichtet.

NHK  ein großer japanischer Fernsehsender

Asahi shinbun  eine große japanische Tageszeitung

47news atombezogene Nachrichten aus ganz Japan

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima dai ichi, der durch den Betreiber Tepco erstellt wird

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima dai ichi aus dem Jahr 2016 und den Jahren zuvor