Fuku Info - aus den japanischen Nachrichten

15.09.2018

AKW Kashiwazaki Kariwa – Präfekturgouverneur weiterhin standhaft

Bei einer Pressekonferenz zum Thema „Atomausstieg versus Wiederinbetriebnahme der AKWs“, die Ende dieser Woche im Japanischen Presse-Club in Tokyo stattfand, bekräftigte Hideyo Hanazumi, Gouverneur der Präfektur Niigata erneut seine eher skeptische Haltung gegenüber dem AKW Kashiwazaki Kariwa, Präfektur Niigata. Dazu betont er, dass bezüglich des AKWs die Meinung der Bevölkerung in „seiner“ Präfektur, die ebenfalls eher ablehnend gegenüber dem AKW steht, nicht einfach so übergangen werden dürfe.

Hanazumi, der im vergangenen Juni zum neuen Präfekturgouverneur gewählt worden ist, hatte schon bei Amtsantritt gesagt, dass er das AKW Kashiwazaki Kariwa auf den Prüfstand stellen wird und dazu die Meinung der Bevölkerung einholen will. Sein Vorgänger Ryuichi Yoneyama, der seit Oktober 2016 im Amt war und sich ebenfalls gegen eine Wiederinbetriebnahme des AKWs Kashiwazaki Kariwa stark machte, musste im April zurücktreten, als ihm ein Sexskandal angehängt worden ist. Mit der darauffolgenden Neuwahl des Präfekturgouverneurs erhoffte sich der Stromkonzern Tepco ein „vorwärtskommen“, da das AKW nämlich eine wichtige Geldquelle für den Pleitekonzern ist (antiatom-fuku berichtete).

„Er kann sich in „seiner“ Präfektur sehr wohl eine Zukunft ohne Atomkraft vorstellen“, so Hanazumi, der die Notwendigkeit des AKWs Kashiwazaki Kariwa bei all den vielen Alternativen zur Stromgewinnung ohnehin infrage stellt, zumal es sich hier um den selben Betreiber, wie am havarierten AKW Fukushima Daiichi, nämlich Tepco handelt.

 

12.09.2018

AKW Takahama – Arbeiter erhöhter Strahlung ausgesetzt

Bei Wartungsarbeiten des Reaktors 3 am AKW Takahama, Präfektur Fukui, hatte ein Arbeiter (50) eines Subunternehmers eine Strahlendosis von 0,81 mSv/h, also die doppelte Dosis der gesetzlich festgelegten Obergrenze von 0,9 mSv/h erhalten. Aufgrund mangelhafter Ausrüstung erhielt der Arbeiter kein akustisches Signal seines Dosimeters, als die Strahlenobergrenze überschritten worden ist. Er war zum fraglichen Zeitpunkt mit Arbeiten an einem Ventil des Primärkühlkreislaufes beschäftig. Hier liegt ein klarer verstoß gegen das Arbeitsschutzgesetz vor.

Die Kansai Elektrizitätswerke meldeten den Vorfall zwar sofort an die entsprechenden Behörden, vertreten aber die Meinung, dass der betroffene Arbeiter keine gesundheitlichen Folgen durch die erhaltene Strahlendosis zu befürchten hätte, da im Kontrollbereich, wo sich das besagten Ventil befindet, nur geringe Strahlung herrschen würde. Der eigentliche Arbeitgeber, also das Subunternehmen weist die Verantwortung ebenfalls von sich. Zudem habe der Arbeiter nicht zu lange im Kontrollbereich gearbeitet, also die tägliche Arbeitszeit nicht überschritten, so der Subunternehmer. Auch sei die Jahresdosis nicht überschritten worden, so dass laut der Verantwortlichen keine gesundheitliche Beeinträchtigung zu befürchten sei.

 

09.09.2018

AKW Ikata – Massiver Widerstand gegen Wiederinbetriebnahme

Gegen die Wiederinbetriebnahme des Reaktors 3 am AKW Ikata, Präfektur Ehime, wurden bei der Präfekturverwaltung über 40.000 Unterschriften eingereicht und bei der Präfekturversammlung, die Mitte dieser Woche stattfand, vorgelegt. Begründet wird das Anliegen damit, dass das AKW aufgrund seines Standortes, nicht nur einer erhöhten Erdbeben- und Vulkangefahr ausgesetzt ist, sondern generell eine große Gefahr mit katastrophalen Folgen im Falle einer nuklearen Notfallsituation darstellt. Die Unterschriften wurden im vergangenen Juli gesammelt. Die Hälfte davon stammt von Bürgern aus den benachbarten Ortschaften des AKWs Ikata.

Auch zahlreiche Proteste gegen eine mögliche Wiederinbetriebnahme des Reaktors 3 am AKW Ikata, die laufend stattfinden, drücken die Sorge der Bürger aus. Denn als weiterer Gefahrenpunkt kommt nämlich noch die Bestückung des Reaktors mit plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen hinzu.

Aufgrund eines Gerichtsurteils, das im Dezember 2017 am OLG Hiroshima gefällt worden ist (antiatom-fuku berichtete), durfte der Reaktor, der sich in Revision befand, nicht wie geplant im Januar hochgefahren werden. Der Betrieb wurde per Einstweiliger Verfügung vorerst bis Ende September ausgesetzt, dann wird vor Gericht neu verhandelt. Ein Urteil wird Mitte des Monats erwartet.

 

06.09.2018

Hokkaido - stärkeres Erdbeben, Stromausfall am AKW Tomari

Auf der nördlichen Hauptinsel Hokkaido ereignete sich heute Morgen um 3:08 Uhr ein Erdbeben der Stärke 6,0 mit der Einstufung M 6,7. Das Epizentrum lag im Südwesten der Insel Hokkaido in 40 km Tiefe. Eine Tsunamiwarnung wurde nicht herausgegeben. Allerdings fiel in über 2.950.000 Haushalten der Strom aus. Es kam zu Erdrutschen an den Berghängen, da in den Tagen zuvor der Taifun Nr. 21 mit Starkregen über Hokkaido hinweg zog und den Erdboden aufweichte. Neben etwa 300 Verletzten sind leider auch 9 Tote zu beklagen. 31 Leute werden noch vermisst. Die Ausläufer des Erdbebens erstreckten sich über die gesamte Tohoku-Region (Nordostjapan). Es folgten zahllose leichtere Nachbeben, die bis spät in die Nacht andauerten.

Am AKW Tomari, im westlichen Teil von Hokkaido, 100 km vom Epizentrum, fiel durch das Erdbeben die gesamte externe Stromversorgung aller drei Reaktoren aus. Die Notstromaggregate sprangen zwar ordnungsgemäß an, allerdings konnte die externe Stromversorgung erst gegen 13:00 Uhr wiederhergestellt werden. Da das AKW Tomari noch nicht von der Atomaufsichtsbehörde NRA freigegeben worden ist, ist es auch nicht in Betrieb, und die Reaktoren beinhalten somit auch keine Brennelemente. Die Stromversorgung der Abklingbecken aller drei Reaktoren sei jedoch gewährleistet gewesen, so die betreibenden Hokkaido Elektrizitätswerke.

Am Atommüllzwischenlager und Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho, Präfektur Aomori und am AKW Higashidori, das ebenfalls nicht in Betrieb ist, sind laut der jeweiligen Betreiber keine Störfälle aufgetreten.

 

05.09.2018

AKW Fukushima – Rückbau des Stahlgerippes von Reaktorblock 1

Am havariertem AKW Fukushima Daiichi beginnen in diesem Monat die Rückbauarbeiten des Stahlgerippes von Reaktorgebäude 1. Dieses wurde im März 2011 durch die Wasserstoffexplosion beschädigt, so dass der obere Teil nur noch aus Resten der Stahlträger besteht. Somit wird nämlich die anschließende Räumung der Trümmerteile erleichtert, um das Abklingbecken freizulegen. Die Räumung der Trümmer erfolgt aufgrund der immer noch hohen Strahlung ferngesteuert.

Am Reaktorblock 2 wurde nun über die große Öffnung, die im Juli im oberen Drittel der Außenwand geschaffen worden ist (antiatom-fuku berichtete), zwei ferngesteuerte Geräte für die Räumung der Trümmerteile eingebracht und mit den Aufräumarbeiten im Obergeschoß, wo sich auch das Abklingbecken befindet begonnen.

Dort wurde im Juli auch eine Strahlung bis zu 630 mSv/h am Boden des 5. Obergeschosses gemessen (antiatom-fuku berichtete).

 

04.09.2018

Hohe Radioaktivität - Weiterer Krebsfall als berufsbedingt anerkannt

Das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales hat, wie heute bekannt wurde, in einem weiteren Fall, eine Krebserkrankung eines AKW-Arbeiters als berufsbedingte Folgeerkrankung aufgrund der hohen Radioaktivität am Arbeitsplatz anerkannt. Hier war ein mittlerweile verstorbener 50jähriger Arbeiter, der zu Beginn der Reaktorkatastrophe und in der Zeit danach am havarierten AKW Daiichi tätig gewesen ist, an Lungenkrebs erkrankt. Er ist somit der fünfte Fall, wo die erhöhte Radioaktivität, der er berufsbedingt ausgesetzt gewesen ist, als Ursache für seine Krebserkrankung anerkannt worden ist. Er ist jedoch der erste anerkannte Fall einer Lungenkrebserkrankung mit Todesfolge. Bei den anderen vier Arbeitern, dessen Erkrankung als Folge der erhöhten Radioaktivität in Verbindung mit der Reaktorkatastrophe anerkannt worden ist, handelt es sich in drei Fällen um Leukämieerkrankungen und Schilddrüsenkrebs in einem Fall.  

 

31.08.2018

AKW Takahama – nach Störfall, Reaktor 4 wieder hochgefahren

Nach einem Störfall am AKW Takahama, Präfektur Fukui, bei dem am 20.08.2018 radioaktiver Dampf aus einer undichten Stelle des Primärkreislaufes von Reaktor 4 ausgetreten ist (antiatom-fuku berichtete), wurde der Reaktor heute wieder hochgefahren. Er läuft zunächst im Testbetrieb, die Leistung soll dann nach und nach gesteigert werden, so dass er ab Mitte September im regulären Leistungsbetrieb läuft.

Der Reaktor 4 befand sich seit Mai in der Routinewartung, und sollte bereits in der vergangenen Woche wieder angefahren werden, als sich der o.g. Störfall ereignete. Ein Drittel der 157 Brennelemente wurden während der Wartung ausgetauscht. Unter den neuen Brennelementen befinden sich auch 16 plutoniumhaltige MOX-Brennelemente, so dass der Reaktor jetzt mit 137 „normalen“ Uran- und 20 MOX-Brennelementen bestückt ist.  

Zurzeit sind landesweit 6 Reaktoren in Betrieb.

 

Öffentliche Anhörung - Tritumverklappung ins Meer

Gestern und heute fand jeweils eine öffentliche Anhörung und Bürgerdialog in Kōriyama, Präfektur Fukushima und in Tokyo statt.

Geplant ist die Verklappung des hochradioaktiven Tritiums, das am havarierten AKW Fukushima Daiichi in großen Tanks auf dem Gelände lagert. Laut dem Betreiber Tepco und der Atomaufsichtsbehörde NRA sei eine Verklappung des „Tritiumwassers“ ins Meer, das auch viele andere radioaktive Stoffe enthält, durchaus vertretbar, zumal die Kapazität der Lagertanks bis 2020 erschöpft sei.

Sowohl in Kōriyama, als auch in Tokyo wurde eine Verklappung des „Tritiumwassers“ ins Meer unter den Konferenzteilnehmern mehrheitlich abgelehnt.  

Fischereiverbände, Umweltorganisationen, sowie viele besorgte Bürger stehen diesem Vorhaben ebenfalls sehr kritisch gegenüber.    

 

29.08.2018

Strahlenflüchtlinge: Weitere Streichungen für Wohngeld

Die Regierung will ab dem kommenden März, bzw. bis spätestens März 2020 das Wohngeld für Strahlenflüchtlinge, die zum Teil noch in Übergangshäuser wohnen, komplett streichen. Anspruch auf eine Mietkostenübernahme hatten bisher diejenigen Evakuierten, dessen ursprünglicher Wohnort sich in den durch die Reaktorkatastrophe von 2011 stark verstrahlten Ortschaften befindet. Diese Ortschaften wurden nämlich nach einer Flächendekontamination zum Teil auch schon wieder freigegeben, so dass die Leute, die noch in den Übergangshäusern wohnen, wieder zurück in ihre Heimatorte können (sollen). Davon betroffen sind knapp 3400 Haushalte, die nun bald neben weiteren existentiellen Problemen auch noch ohne das Wohngeld auskommen müssen. Die Übergangshäuser, bzw. Wohncontainer sollen bis 2020, wenn die Olympiade in Japan stattfindet, rückgebaut werden.     

 

23.08.2018

Weitere Panne am AKW Takahama - Wiederinbetriebnahme verschoben

Zusätzlich zum Störfall vom 20.08.2018, als am AKW Takahama, Präfektur Fukui radioaktiver Dampf aus dem Reaktorgebäude 4 austrat (antiatom-fuku berichtete), wurde nun eine weitere Panne bekannt, die die Turbine betrifft. Hier kam es zu einer technischen Störung der Pumpensteuerung für die Wasserzufuhr der Turbine.

Der Reaktor 4, der sich seit Mai in Revision befindet, sollte diese Woche eigentlich wieder in Betrieb genommen werden, was nun aufgrund der technischen Probleme auf unbestimmte Zeit verschoben worden ist.

Unterdessen fanden vor der Präfekturverwaltung der Präfektur Fukui und vor dem AKW Takahama Demonstrationen gegen die geplante Wiederinbetriebnahme statt. „Diese sei schlicht weg unverantwortlich“ so die Organisatoren. Vor allem auch in Anbetracht, das sich in der Fukui-Bucht gleich mehrere AKWs auf engem Raum befinden und sich somit die Gefahr einer Atomkatastrophe, z.B. durch ein Erdbeben potenziert. Denn neben den AKW Takahama (Reaktor 3 und 4 in Revision), sind auch zwei Reaktoren am AKW Ōi in Betrieb.   

  

21.08.2018

AKW Takahama, Reaktor 4 - radioaktiver Dampf ausgetreten

Am AKW Takahama, Präfektur Fukui ist am gestrigen Montag radioaktiver Dampf aus dem Primärkreislauf des Reaktors 4 ausgetreten. Der Reaktor 4, der sich wie auch Reaktor 3 in Revision befindet, sollte eigentlich am 24.08.2018 wiederhochgefahren werden. Entsprechende Vorbereitungen liefen bereits, als gestern gegen 15:00 Uhr ein Arbeiter im oberen Teil des Reaktors den Austritt des radioaktiven Dampfes bemerkte. Der Dampf drang vermutlich über eine undichte Zutrittsstelle für die Temperatursonde des Reaktordruckbehälters nach außen. „Da es sich“, wie es die betreibenden Kansai Elektrizitätswerke ausdrückten, „nur um geringe Mengen handeln würde, bestünde auch keine Gefahr für Mensch und Umwelt, zumal die Arbeiter Schutzkleidung getragen hätten“. Nach der genauen Ursache werde nun gesucht. Die geplante Wiederinbetriebnahme verschiebt sich ebenfalls auf unbestimmte Zeit.

Der mittlerweile stillgelegte Reaktor 1 am AKW Mihama, ebenfalls Kansai Elektrizitätswerke, wies genau die gleichen Schwachstellen auf. Der Weiterbetrieb der beiden Reaktoren 3 und 4 am AKW Takahama, die neben den „normalen“ Uran-  auch noch mit MOX-Brennelementen bestückt sind, wurde aufgrund verschiedener Sicherheitsbedenken zeitweilig per Gericht untersagt.

 

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Nachrichtenarchiv und Quellen der Nachrichten

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Die Quellen der japanischen Nachrichten:

NPJ News, atombezogene Nachrichten aus ganz Japan, berichtet sehr objektiv und wahrheitsgemäß.

Tokyo shinbun, eine japanische Tageszeitung, die sehr realitätsnah und unzensiert berichtet.

Mai nichi shinbun, eine japanische Tageszeitung, die ebenfalls sehr wahrheitsgetreu berichtet.

NHK  ein großer japanischer Fernsehsender

Asahi shinbun  eine große japanische Tageszeitung

47news atombezogene Nachrichten aus ganz Japan

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, der durch den Betreiber Tepco erstellt wird

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima dai ichi, aus dem Jahr 2017

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima dai ichi aus dem Jahr 2016 und den Jahren zuvor.