Fuku Info - aus den japanischen Nachrichten

27.05.2020

AKW Fukushima, defekte Brennelemente bereiten Probleme

Bei der Bergung der Brennelemente aus dem Abklingbecken von Reaktor 3 am havarierten AKW Fukushima Daiichi, bereiten einige defekte Exemplare nun Probleme. Bei diesen Brennelementen sind nämlich die Haltegriffe so stark verformt, so dass der Greifer des ferngesteuerten Entnahmekrans diese nur deutlich erschwert, bzw. erst gar nicht greifen und anheben kann.

Im Rahmen eines in den vergangenen Tagen durchgeführten Testlaufes wurden an 11 von 16 Brennelementen mit verformten Griffen überprüft, ob sich diese anheben lassen. Davon konnten drei mit dem Entnahmekran nicht gegriffen, geschweige denn angehoben werden.

Die Bergungsarbeiten der insgesamt 514 laufen mit Unterbrechungen seit April 2019.

Der Reaktorblock 3 wurde bei der Atomkatastrophe von 2011 durch eine Wasserstoffexplosion stark zerstört. Für die Entnahme der Brennelemente und Räumung der Trümmerteile aus dem Abklingbecken wurde vor circa zwei Jahren eine Schutzhülle und eine ferngesteuerter Entnahmekran installiert (antiatom-fuku berichtete).

 

20.05.2020

Versäumte Nachbesserung Terrorschutz, weiterer Reaktor vom Netz

Der Reaktor 2 am AKW Sendai, Präfektur Kagoshima wurde heute zwecks Nachbesserungsarbeiten in Sachen Terrorschutz heruntergefahren. Da die Arbeiten voraussichtlich 8 Monate andauern werden, wird die jährliche Routinewartung, die eigentlich erst im Februar 2021 fällig wäre, dem entsprechend vorgezogen.

Der Termin für die Terrorschutznachbesserung gemäß gesetzlicher Vorgabe wurde von der Atomaufsichtsbehörde NRA festgelegt, nachdem die betreibenden Kyushu Elektrizitätswerke, wie auch die anderen atomkraftbetreibenden Stromkonzerne die Frist zur Erbringung der Nachbesserungen, einfach haben verstreichen lassen (antiatom-fuku berichtete).

Der Reaktor 1 ist bereits seit Mitte März aus dem selben Grund vom Netz. Zurzeit sind noch 5 von 9 Reaktoren am Netz (siehe AKW-Status).

 

16.05.2020

AKW Fukushima: Gebäude im sehr schlechten Zustand, teilweise sogar einsturzgefährdet

Nach mehr als 9 Jahre seit Beginn der Reaktorkatastrophe am AKW Fukushima Daiichi, befinden sich die Gebäude mittlerweile in einem sehr schlechten Zustand. Das Gebäude von Reaktor 4, das Turbinenhaus von Reaktorblock 2, sowie ein Atommüllzwischenlager im Bereich der Reaktoren 1 und 2 sind sogar akut einsturzgefährdet. Dies ergaben statische Untersuchungen, die der Betreiber Tepco der Atomaufsichtsbehörde NRA auf einer kürzlich abgehaltenen Konferenz vorstellte. Vor allem in den Gebäuden, wo sich zu Beginn der Reaktorkatastrophe eine Wasserstoffexplosion ereignet hatte, ist das Mauerwerk mittlerweile sehr brüchig, so dass ein mittleres Erdbeben schon ausreichen könnte, um die Gebäude zum Einsturz zu bringen.

Das durch eine Explosion beschädigte Abklingbecken von Reaktorblock 4, das zu über 90% ausgelastet war, wurde 2013 schon mit einer massiven Stahlkonstruktion, das auch für die dringend erforderliche Entnahme der Brennelemente diente, abgestützt, da sich das Gebäude nämlich schon zur Seite neigte (antiatom-fuku berichtete mehrfach darüber). Auch der 120 Meter hohe Schornstein der Reaktoren 1 und 2 wurde, um einen Einsturz vorzubeugen bis zur Hälft zurückgebaut. Die Arbeiten wurden vor zwei Wochen abgeschlossen (antiatom-fuku berichtete).

Da der schlechte Zustand der Anlage nicht nur allgemein, sondern vor allem für die anwesenden Arbeiter eine große Gefahr darstellt, wolle man nun bis Ende Mai über entsprechende Schutzmaßnahmen beraten.

Außerdem wurde auch festgestellt, dass über 10% der technischen Hilfsmittel, wie Messsensoren, die den Austritt radioaktiver Stoffe/Flüssigkeiten, insbesondere an den Lagertanks für hochradioaktives Abwasser überwachen sollen, nicht ordnungsgemäß funktionierten. Hier werden mögliche Leckagen nicht erkannt, so dass hochradioaktives Wasser unbemerkt auslaufen könnte.

 

06.05.2020

AKW Fukushima, Reaktor 2 – Erkundung des Abklingbeckens ab Juni

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi soll ab Mitte Juni das Abklingbecken von Reaktorblock 2 mittels Drohne inspiziert werden. Bisher hat man sich dort seit der Reaktorkatastrophe noch keinen Einblick verschaffen können.

Im Reaktorbock 2, dessen Außenmauern bei der Reaktorhavarie noch relativ unbeschädigt geblieben sind, hatte sich, wie auch in den Reaktoren 1 und 3 eine Kernschmelze ereignet, so dass auch dort noch weiterhin eine hohe radioaktive Strahlung herrscht.

Bei der Drohnenmission sollen die Brennelemente, 615 Stück, auf mögliche Schäden überprüft werden und ob Trümmerteile im Abklingbecken liegen, die die Bergung behindern könnten. Diese Daten werden zur Vorbereitung der Bergung benötigt, die dann zwischen 2022 und 2024 beginnen soll. Die Bergung aller Brennelemente aus den Abklingbecken der Reaktoren 1 bis 6 soll dann bis 2031 abgeschlossen sein.  

 

04.05.2020

AKW Onagawa, Wiederinbetriebnahme von Reaktor 2 nicht vor 2022

Die von der Atomaufsichtsbehörde NRA geforderten Nachbesserungen für den  Reaktorblock 2 am AKW Onagawa, Präfektur Miyagi, ziehen sich weiter in die Länge, so dass der Termin für die Wiederinbetriebnahme, wie die betreibenden Tohoku Elektrizitätswerke Ende vergangener Woche mitteilten, erneut verschoben werden musste. Demnach wird eine Wiederinbetriebnahme nicht vor 2022 „möglich“ sein. Somit liegt die angestrebte Wiederinbetriebnahme des Reaktors, der bereits im Februar durch die NRA für „sicher“ befunden und unter der Voraussetzung, dass noch bestimmten Nachbesserungen erfolgen, freigegeben worden ist, nun zwei Jahre hinter dem Zeitplan. Ursprünglich wollten die Tohoku Elektrizitätswerke den Reaktor Anfang dieses Jahres schon wieder hochfahren (antiatom-fuku berichtete). Die Kosten für die Nachrüstung, die sich bereits auf etwa 2,9 Mrd. Euro belaufen, sollen laut dem Betreiber jedoch nicht weiter ansteigen.

 

01.05.2020

AKW Fukushima, Teilrückbau des Schornsteins abgeschlossen

Der ehemals 120 Meter hohe Schornstein der Reaktorblöcke 1 und 2 am havarierten AKW Fukushima Daiichi wurde, wie der Betreiber Tepco nun am 29.04.2020 mitteilte, bis zur Hälfte zurückgebaut. Diese Arbeiten, die wegen der hohen radioaktiven Kontamination im Inneren des Schornsteins komplett ferngesteuert erfolgen mussten, waren dringend nötig, da der Schornstein aufgrund von Korrosionen und Brüchen des Haltegerüstes akut einsturzgefährdet gewesen ist (antiatom-fuku berichtete).  Abschließend wurde die Öffnung des verbliebenen Restschornsteins mit einem Deckel verschossen, damit kein Regenwasser eindringt. Denn dadurch könnten andernfalls reichlich radioaktive Partikel, die im Inneren des Schornsteins anhaften ins Grundwasser gespült werden.

 

Fukushima-Region, größeres Erdbeben mit Tsunami befürchtet

Wie eine Expertengruppe des Kabinettsbüros am 21.04.2020 mitteilte, ist die Wahrscheinlichkeit eines erneuten größeren Erdbebens mit Tsunami sehr wahrscheinlich. Laut den Berechnungen würde der Tsunami im Küstenbereich am AKW Fukushima Daiichi eine Höhe von 13,70 erreichen.

Hier hatten die Geologen vermehrt seismische Aktivität im Bereich des Kurilengrabens festgestellt, wonach ein starkes Erdbeben mit Tsunami in der o.g. Höhe prognostiziert worden ist.

Der sich im Bau befindliche Damm des AKWs wurde jedoch nur mit einer Höhe von 11 Metern vorgesehen. Die Festlegung dieser Höhe beruht auf frühere Prognosen, wonach mit einem Tsunami von „nur“ 10,30 Metern zu rechnen gewesen sei.

Der Betreiber Tepco wolle dies jedoch nun überdenken und die Höhe des Damms entsprechend den neuen Prognosen anpassen. Vermutungen unabhängiger Experten zufolge, wurde die Höhe des Damms wahrscheinlich aus Kostengründen (Baumaterial) so knapp bemessen.

27.04.2020

AKW Takahama, Reaktor 3 – weitere defekte Röhren im Dampferzeuger

Nach dem bereits im März am AKW Takahama, Präfektur Fukui im Reaktor 3 einige Risse in den Röhren eines Dampferzeugers gefunden worden sind und die Wiederinbetriebnahme deswegen um einen Monat verschoben worden ist (antiatom-fuku berichtete), wurden nun an einem weiteren Dampferzeuger ebenfalls zahlreiche Risse an den Röhren entdeckt. Der dritte Dampferzeuger weise laut den betreibenden Kansai Elektrizitätswerken wohl keine Defekte auf.

Der Reaktor 3, der sich seit Anfang Januar in der jährlichen Revision befindet, sollte ursprünglich Anfang dieses Monats wieder hochgefahren werden. Dieses wurde dann aufgrund der gefundenen Risse auf Mai, und nun, da der Reaktor im August zwecks Nachbesserung im Terrorschutz eh wieder vom Netz muss, auf Dezember verschoben.

Hier hatten die Kansai Elektrizitätswerke, wie auch einige andere atomkraftbetreibenden Stromkonzerne die Frist für die gesetzlich geforderte Nachbesserung in Sachen Terrorschutz einfach verstreichen lassen, so dass die Atomaufsichtsbehörde NRA für jeden betroffenen Reaktor einen Termin für die Nachbesserung (Dauer mehrere Monate) festlegte, der nun wahrgenommen werden muss.

Im Falle von Reaktor 3 würde sich eine Wiederinbetriebnahme im Mai, bzw. später nicht lohnen, da der Reaktor im August, also zum festgelegten Termin für die Nachbesserung zum Terrorschutz eh wieder vom Netz muss. So haben sich die Kansai Elektrizitätswerke nun dazu entschieden, den Reaktor erst nach der Reparatur der defekten Röhren der beiden Dampferzeuger und Erfüllung der Terrorschutznachbesserung wieder hochzufahren.   

 

24.04.2020

Fukushima, Arbeiter durch fehlerhafte Atemmaske radioaktiv kontaminiert

Im Fall vom 13.04.2020, wo sich ein Arbeiter (20), der für ein Subunternehmen am havariertem AKW Fukushima Daiichi tätig ist, radioaktive Partikel über die Atemwege inkorporiert hatte (antiatom-fuku berichtete), hat sich nun herausgestellt, dass das Atemventil seiner Vollmaske defekt war und somit radioaktive Partikel in die Atemwege gelangt sind. Hier handelt es sich ganz klar um einen Herstellerfehler. Ersten Vermutungen seitens des Betreibers Tepco zufolge habe sich der Arbeiter, wie schon zwei weitere Arbeiter zuvor, beim Ablegen der Vollmaske durch Berührung der Nase kontaminiert, so dass radioaktive Partikel in die Atemwege gelangt sind. Dies teilte Tepco Mitte dieser Woche mit. Auch wiesen 18 weitere Masken des selben Typs den selben Fehler auf, so dass alle Masken, insgesamt 740 Stück sofort aus dem Verkehr gezogen worden sind.

 

21.04.2020

AKW Tomari, erneute geologische Untersuchungen durch die NRA

Auf dem Gelände des AKWs Tomari, Präfektur Hokkaido will die Atomaufsichtsbehörde NRA noch in diesem Jahr erneut geologische Untersuchungen durchführen, um aussagekräftige Daten bezüglich einer möglicherweise vorhandenen seismischen Aktivität zu erheben. Dies beschloss die NRA Ende vergangener Woche auf ihrer regelmäßigen Konferenz in Tokyo. Grund der erneuten geologischen Untersuchungen ist die fehlende Plausibilität der von den betreibenden Hokkaido Elektrizitätswerken erhobenen Daten, wo nach eine seismische Aktivität unterhalb des AKWs nach eigenen Angaben widerlegt worden sein soll. Unabhängigen Experten zufolge sei jedoch sehr wohl eine seismische Aktivität vorhanden. Dem entsprechend zieht sich auch die NRA-Sicherheitsüberprüfung, die bereits seit 2013 andauert in die Länge. Und nach Aussagen der NRA ist es auch noch weiterhin völlig unklar, ob und wann das AKW Tomari für „sicher“ befunden und zur Wiederinbetriebnahme freigegeben kann oder nicht.

 

Umfrage zum AKW Onagawa – über 60% gegen Wiederinbetriebnahme

Nach einer aktuellen Umfrage der Kahoku online, die in der Präfektur Miyagi durchgeführt worden ist, sprechen sich 61% der Befragte gegen eine Wiederinbetriebnahme des sich in derselben Präfektur befindlichen AKWs Onagawa aus. 36% der Befragten würden eine Wiederinbetriebnahme befürworten.

Der Reaktor 2 am AKW Onagawa, ein SWR aus dem Jahr 1995 wurde bereits im Februar durch die Atomaufsichtsbehörde NRA für „sicher“ befunden (antiatom-fuku berichtete). Es müssen „lediglich“ noch ein paar Nachbesserungen, z.B. die Erarbeitung eines funktionierenden Katastrophenplan für den Fall einer nuklearen Notfallsituation erfolgen, dann kann die Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme bei der Präfekturverwaltung beantragt werden. Eine Wiederinbetriebnahme des Reaktors wird für 2021 angestrebt. 

 

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Nachrichtenarchiv und Quellen der Nachrichten

Weiter zurückliegende Nachrichten sind im Archiv zu finden.

 

Die Quellen der japanischen Nachrichten:

NPJ News, atombezogene Nachrichten aus ganz Japan, berichtet sehr objektiv und wahrheitsgemäß.

Tokyo shinbun, eine japanische Tageszeitung, die sehr realitätsnah und unzensiert berichtet.

Mai nichi shinbun, eine japanische Tageszeitung, die ebenfalls sehr wahrheitsgetreu berichtet.

NHK  ein großer japanischer Fernsehsender

Asahi shinbun  eine große japanische Tageszeitung

47news atombezogene Nachrichten aus ganz Japan

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, der durch den Betreiber Tepco erstellt wird.

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, aus dem Jahr 2019

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, aus dem Jahr 2018

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima dai ichi, aus dem Jahr 2017

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima dai ichi aus dem Jahr 2016 und den Jahren zuvor.