Fuku Info - aus den japanischen Nachrichten

22.09.2021

AKW Ikata, Reaktor 3 Terrorschutznachbesserungen beendet, Wiederinbetriebnahme in Kürze

Nach Informationen der betreibenden Shigoku Elektrizitätswerke wurden am AKW Ikata, Präfektur Ehime die Terrorschutznachbesserungen für Reaktor 3 abgeschlossen, so dass dieser wieder betriebsbereit sei. Dem entsprechend laufen nun die Vorbereitungen für die Wiederinbetriebnahme und es wurden 157 Brennelemente, darunter 16 MOX in den Reaktorkern eingesetzt.

Der Reaktor 3 war seit Dezember 2019 zwecks jährlicher Revision vom Netz und sollte ursprünglich Ende März 2020 wieder hochgefahren werden. Allerdings ereigneten sich gleich mehrere Zwischenfälle während der laufenden Revision (antiatom-fuku berichtete 01/2020). Nach Beendigung der Revision durfte der Reaktor nach einem Urteil, dass am OLG Hiroshima gefällt worden ist, nicht hochgefahren werden. Begründet wurde das Urteil mit einer parallel zum AKW verlaufenden seismisch aktiven geologischen Verwerfungslinie und nahe gelegener Vulkane. Das Urteil wurde jedoch im Januar 2021 wieder aufgehoben (OLG Hiroshima). Laut dem Gericht sei keine geologische Gefahr gegeben, so dass der Reaktor weiterbetrieben werden dürfe (antiatom-fuku berichtete 01/2021).

 

19.09.2021

AKW Shimane, von der NRA für „sicher“ befunden

In der regelmäßigen Konferenz der Atomaufsichtsbehörde NRA teilte dieses Ende dieser Woche mit, dass der Reaktor 2 am AKW Shimane, Präfektur Shimane den Erdbebensicherheitsanforderungen entsprechen würde, so dass dieser für die Wiederinbetriebnahme defacto freigegeben worden ist. Die von der NRA durchgeführte Sicherheitsüberprüfung ist somit abgeschlossen. Auch wenn noch ein paar „kleinere“ Nachbesserungen erbracht, und durch die NRA abgenommen werden müssen, steht der endgültigen Freigabe quasi nichts mehr im Wege. Allerdings muss neben der NRA-Freigabe auch die Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme erfolgen, die sowohl von den lokalen Behörden, als auch durch die Präfekturverwaltung erteilt werden muss.

Trotz Bedenken seitens unabhängiger Experten hat die NRA die von den betreibenden Chugoku Elektrizitätswerken erhobenen geologischen Daten zur Einschätzung der Erdbebensicherheit für ausreichend und angemessen befunden.

Das AKW Shimane verfügt über drei SWR, wovon Reaktor 1 bereits stillgelegt worden ist. Der Reaktor 2 ging 1989 ans Netz und steht seit Januar 2012 still. Der sich seit 2007 noch in Bau befindliche Reaktor 3, eine sogenannte „verbesserte“ Form des SWR (ABWR), steht kurz vor der Fertigstellung. Hier dauert die laufende NRA-Sicherheitsüberprüfung noch an. Reaktor 2 ist somit nun der vierte SWR, der landesweit freigegeben worden ist. Allerdings ist noch keiner der vier SWR wieder in Betrieb gegangen. Denn auch hier müssen noch weitere Nachbesserungen erbracht werden, bis die endgültige NRA-Freigabe erfolgen kann.

Die Erdbeben- und Tsunamisicherheit bleibt auch nach der Defcto-Freigabe weiterhin ein heftig umstrittener Diskussionsbrennpunkt. Denn parallel zu Reaktor 2 verläuft eine 22km lange seismisch aktive geologische Verwerfungslinie. Zudem gibt es Kritik an das Evakuierungs- und Sicherheitskonzept für den Fall einer nuklearen Notfallsituation, zumal 460.000 Leute im 30km-Umkreis wohnen.

Landesweit sind aktuell 17 Reaktoren an 10 AKWs freigegeben, bzw. unter Vorbehalt freigegeben. Darunter sind 10 Reaktoren (alles DWR) an 6 AKWs wieder in Betrieb genommen worden.

 

13.09.2021

Fukushima, weitere evakuierte Gebiete sollen wiederbesiedelt werden

In der radioaktiv verseuchten Zone, die zu Beginn der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 evakuiert worden ist, werden im Frühjahr nächsten Jahres weitere Teilgebiete, u.a. in der Ortschaft Okuma, also in direkter Nachbarschaft zum havarierten AKW, für die Rückkehr freigegeben. Um dieses vorzubereiten, sollen, so der Plan der lokalen Behörden, die geflüchteten Einwohner sich wieder vermehr dort aufhalten, ihre Häuser instantsetzen, bzw. in provisorischen Unterkünften wohnen. Neben der Wiederherstellung der Infrastruktur, soll auch die Wasserversorgung, bzw. Abwasserentsorgung bis Oktober wieder hergestellt werden. Die Flächendekontamination sei auch zu 90% abgeschlossen, so dass diese Ortsteile wiederbesiedelt werden können, so die lokalen Behörden.

Allerdings weisen diese Gebiete, trotz der Flächendekontaminierung radioaktive Hotspots, also punktuell hohe Strahlenwerte von bis zu 3,8µSv/h auf. Vor allem an den Wohngebieten angrenzenden Grünflächen und Wäldern wurden höhere Strahlenwerte gemessen. Nach bekannt werden dieser Ergebnisse, haben nun die lokalen Behörden die für Oktober geplante Vorbereitungsphase auf Ende des Jahres verschoben.

 

07.09.2021

AKW Kashiwazaki Kariwa, Kabelbrand im Reaktorblock 3

Am gestrigen Vormittag, um ca. 11:00 Uhr kam es am AKW Kashiwazaki Kariwa, Präfektur Niigata im Turbinenhaus des Reaktorblocks 3 zu einer Rauchentwicklung. Ursache hier für war ein durchgeschmortes Kabel einer Heizeinheit der Entfeuchtungsanlage für Druckluft, worüber die Ventile im Turbinenhaus gesteuert werden. Nach der Ursache werde nun gesucht, so der betreibende Stromkonzern Tepco. Radioaktivität sei ebenfalls nicht ausgetreten.

Zu besseren Veranschaulichung siehe das Video (40 Sek. /japanisch) des Nachrichtensenders FNN.

Das AKW Kashiwazaki Kariwa, besteht aus 7 SWR, darunter zwei der sogenannten verbesserten Form (ABWR), die alle sei der Reaktorkatastrophe von Fukushima nicht mehr in Betrieb gegangen sind. An den Reaktoren 6 und 7, die Tepco gerne wieder hochfahren möchte, läuft bereits seit mehreren Jahren die Sicherheitsüberprüfung der Atomaufsichtsbehörde NRA. Dabei werden immer wieder neu, zum Teil sicherheitsrelevante Mängel entdeckt, (antiatom-fuku berichtete mehrfach darüber).

 

26.08.2021

AKW Fukushima, Tepco will hochradioaktives Wasser über ein Rohr ins offene Meer leiten

Der Stromkonzern Tepco, der das havarierte AKW Fukushima Daiichi zu verantworten hat, plant nun ein „Abwasserrohr“ ins Meer zu verlegen, dessen Ende in ein Kilometer Entfernung auf dem Meeresboden ins offene Meer mündet. Hierüber soll dann ab dem Frühjahr 2023 das hochradioaktive Wasser, dass in großen Tanks auf dem AKW-Gelände lagert, nach und nach ins Meer geleitet werden.

Das Wasser werde, um die Konzentration radioaktiver Stoffe zu senken, gefiltert und mit reichlich Meerwasser verdünnt, so dass der Tritiumwert unter 1500Bq/i liegt, bevor es dann über das Rohr ins Meer geleitet wird. Ursprünglich war eine küstennahe Einleitung des hochradioaktiven Wassers nahe des AKWs geplant (antiatom-fuku berichtete), jedoch aufgrund massiver Proteste seitens Umweltverbände, Fischer und Bürger wieder verworfen worden. Laut Tepco würde die Einleitung ins offene Meer angeblich keine Gefahr darstellen, da dort nicht täglich gefischt wird, so die Argumentation eines Tepco-Sprechers auf einer Konferenz, die am gestrigen Mittwoch stattfand. Man werde auch die Tritiumkonzentration im Meerwasser engmaschig überwachen, so der Sprecher weiter.

Am AKW Fukushima Daiichi lagern zurzeit 1.250.000m³ hochradioaktives Wasser in großen Tanks, das für die Kühlung der geschmolzenen Brennelemente schon mehrfach verwendet und gefiltert worden ist und nun nicht mehr verwertet werden kann. Neben weiteren hochradioaktiven Stoffen, besteht es aus 75% Tritium („überschweres“ Waser), das sich nicht herausfiltern lässt.

 

19.08.2021

AKW Tsuruga, Reaktor 2 – wegen Datenfälschung Sicherheitsüberprüfung abgebrochen

Wie auf der regelmäßigen Konferenz der Atomaufsichtsbehörde NRA, die gestern statt fand bekannt gegeben worden ist, wird die Sicherheitsüberprüfung am AKW Tsuruga, Reaktor 2 nicht weiter fortgesetzt. Grund dafür sind Datenfälschungen seitens der betreibenden JAPC, die Ende 2020 aufgefallen sind. In den von der JAPC bei der NRA eingereichten Dokumenten wird eine seismische Aktivität einer geologischen Verwerfung, die unterhalb von Reaktor 2 verläuft angeblich widerlegt. Der Reaktor 2, für den die JAPC bei der NRA die Freigabe und Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme beantragt hatte, wird seit 2015 auf Erfüllung der gesetzlich festgelegten Sicherheitsanforderungen überprüft. Bezüglich der geologischen Verwerfung, die unterhalb von Reaktor 2 verläuft, besteht jedoch der dringende Verdacht, dass es sich hier um eine seismisch aktive Verwerfung handelt. Dazu wurden kürzlich durch Experten der NRA sogar noch weitere Untersuchungen auf dem AKW-Gelände und tiefergehende Überprüfungen der Dokumente, insbesondere der von der JAPC selbst erhobenen geologischen Daten vorgenommen. Denn eine seismische Aktivität, die nämlich das sofortige Aus für Reaktor 2 bedeuten würde, wurde durch unabhängige Experten quasi schon belegt.

Schon Ende Juli wurde in der NRA-Konferenz die Fälschung der seismischen Daten thematisiert und ein Abbruch der Überprüfung diskutiert (antiatom-fuku berichtete).

 

13.08.2021

AKW Ōi, Reaktor 3, kurz nach jährlicher Revision, massive Korrosionen an Rohrleitungen gefunden

Obwohl der Reaktor 3 am AKW Ōi, Präfektur Fukui erst kürzlich der jährlichen Revision unterzogen worden ist, wurden jetzt zum Teil erhebliche Korrosionen an Rohrleitungen der Kühlwasserzufuhr des Sekundärkreislaufes entdeckt.

Der Reaktor 3 ist seit Anfang Juli wieder am Netz. Nachdem nun Anfang des Monats diese Korrosionen entdeckt worden sind, wurde lediglich die Leistung des Reaktors auf 65% reduziert, aber nicht heruntergefahren. Seit dem 11.08.2021 läuft der Reaktor auch wieder im regulären Leistungsbetrieb.

Über die besagten Rohre wird Meerwasser angesaugt, das im Turbinenhaus den heißen Wasserdampf, womit die Turbine angetrieben wird, abkühlen und wieder zu Wasser kondensieren lässt.

Bei den korrodierten Rohren wurde u.a. ein Loch mit einem Durchmesser von 4cm entdeckt. Nach Informationen der betreibenden Kansai Elektrizitätswerke sei die Korrosion durch Regenwasser verursacht worden. Diese Rohre wurden bei der Revision zwar visuell überprüft und für ordnungsgemäß befunden, allerdings sei das Loch, das sich an einer schwer zugänglichen Stelle des Rohres befindet, wohl übersehen worden, so die betreibenden Kansai Elektrizitätswerke.

 

10.08.2021

METI will Optionen für Export radioaktiver Großabfälle ausloten

Nach der heutigen Kabinettssitzung kündigte der Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie, Hiroshi Kajiyama in der anschließenden Pressekonferenz an, die Exportbedingungen für radioaktiv kontaminierte Großabfälle, die aus der Stilllegung und Rückbau alter Atomanlagen hervorgehen, zu überprüfen. Darunter fallen u.a. Dampferzeuger, Speisewassererhitzer, weitere Reaktorteile, sowie Behälter für abgebrannte Brennelemente.  

Internationale Regelungen zufolge, müssen radioaktive Abfälle grundsätzlich im jeweiligen Herkunftsland „entsorgt“ werden. Somit ist auch nach japanischem Recht ein Export radioaktiver Abfälle absolut verboten, auch dann, wenn das Abnehmerland zustimmen würde.

„Um aber eine reibungslose Stilllegung alter Reaktoren zu gewährleisten, so Minister Kajiyama, müsse man aber genau diese Option überprüfen“.  

 

07.08.2021

76 Jahre Hiroshima und Nagasaki, Gedenken an die Atombombenopfer

Am gestrigen Freitag, 06. August und am kommenden Montag, 09. August jähren sich die Abwürfe der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki zum 76. Male. Hier bei handelt es sich um den ersten militärischen Einsatz von Atomwaffen gegen die Zivilbevölkerung.

Etwa 100.000 Menschen, die sich im direkten Umkreis, also im sogenannten Hypozentrum befanden, starben sofort. Sie verbrannten auf der Stelle zu Asche. Beide Städte waren binnen weniger Sekunden komplett ausgelöscht. Übrig blieben, wenn auch stark beschädigt, ein paar wenige robuste Gebäude, wie z.B. das Institut zur Förderung der Industrie in Hiroshima, der heutige Atombombendom. Etwa 150.000 weitere Opfer starben in den nächsten Tagen und Wochen qualvoll an den Folgen einer Strahlenkrankheit. Weitere Atombombenopfer, die zunächst überlebten, bekamen Leukämie und andere Krebserkrankungen. Fehlbildungen bei Neugeborenen und Totgeburten nahmen drastisch zu.

Im Gedenken an die Atombombenopfer finden, bzw. fanden an diesem Wochenende, bzw. direkt an den Jahrestagen vielerorts, vor allem in Hiroshima und Nagasaki Gedenkfeiern und Antiatomkundgebungen statt.  

 

04.08.2021

Nach Fukushima - Tepco setzt weiterhin auf Atomenergie

Der Stromkonzern Tepco, der auch das havarierte AKW Fukushima Daiichi zu verantworten hat, setzt weiterhin auf Kernenergie. „Die Atomkraft sei eine wichtige Säule der Energiegewinnung“, so Tepco-Chef Tomoaki Kobayakawa auf einer Online-Pressekonferenz. Somit sei Tepco laut Kobayakawa auf seine AKWs angewiesen.

Im neu erarbeiteten Geschäftsplan für die kommenden 10 Jahre sieht Tepco trotz vorläufigem Betriebsverbot des AKWs Kashiwazaki Kariwa, Präfektur Niigata und der zahllosen Skandale (antiatom-fuku berichtete), ab dem kommenden Jahr den Wiedereinstieg in die Atomstromproduktion vor.

Die verheerende Reaktorkatastrophe von Fukushima liegt nun über 10 Jahre zurück, und die Kosten für die Schadensbegrenzung/Unfallabwicklung, Entschädigungszahlungen und weitere Kosten gehen schon ins uferlose, so dass Tepco nun bestrebt ist, rasch Gewinne zu erzielen, was jedoch kaum realisierbar erscheint. So wurden z.B. die Terrorschutzvorkehrungen am AKW Kashiwazaki Kariwa nur unzureichend erbracht und weitere erhebliche Mängel festgestellt, so dass vorerst keine Freigabe für die Reaktoren 6 und 7 durch die prüfende Atomaufsichtsbehörde NRA erfolgt. Als Bedingung für die Zustimmung der Wiederinbetriebnahme beider Reaktoren fordert die Stadt Kashiwazaki, dass Tepco die Stilllegung der Reaktoren 1 bis 5 beantragt. Dieser will Kobayakawa jedoch nicht zustimmen. „Es sei im Moment nicht der richtige Zeitpunkt um über eine eventuelle Stilllegung der Reaktoren 1 bis 5 zu entscheiden“, so Kobayakawa, der diese nämlich noch nicht aufgeben will. Nach Kobayakawas Plänen soll der Reaktor 7 im Oktober 2023, Reaktor 6 im April 2024 und einer der Reaktoren 1 bis 5 in Jahr 2028 wieder in Betrieb genommen werden.

 

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Nachrichtenarchiv und Quellen der Nachrichten

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Die Quellen der japanischen Nachrichten:

NPJ News, atombezogene Nachrichten aus ganz Japan, berichtet sehr objektiv und wahrheitsgemäß.

Tokyo shinbun, eine japanische Tageszeitung, die sehr realitätsnah und unzensiert berichtet.

Mai nichi shinbun, eine japanische Tageszeitung, die ebenfalls sehr wahrheitsgetreu berichtet.

NHK  ein großer japanischer Fernsehsender

Asahi shinbun  eine große japanische Tageszeitung

47news atombezogene Nachrichten aus ganz Japan

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, der durch den Betreiber Tepco erstellt wird.

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, aus dem Jahr 2020

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, aus dem Jahr 2019 und den Jahren zuvor.