Fuku Info - aus den japanischen Nachrichten

18.01.2020

OLG Hiroshima: AKW Ikata, Betriebsverbot für Reaktor 3

Nach einem Gerichtsurteil, dass am gestrigen Freitag am OLG Hiroshima gefällt worden ist, darf der Reaktor 3, der sich zurzeit in der jährlichen Revision befindet, nicht wieder in betrieb genommen werden. Geplante Wiederinbetriebnahme war Ende März. Begründet wird das Urteil mit einer nahe am AKW Ikata verlaufenden seismisch aktiven geologischen Verwerfung und aktiver Vulkane im Umkreis. Zudem waren die bisherigen geologischen Untersuchungen, die seitens der betreibenden Shikoku Elektrizitätswerke und der Atomaufsichtsbehörde NRA durchgeführt worden sind, unzureichend. Diese Fehler, sowie weitere Versäumnisse der NRA, die den Reaktor 3 in Anbetracht mangelnder geologischer Daten gar nicht hätte für „sicher“ befinden und freigeben dürfen, wurden im Urteil ebenfalls zur Sprache gebracht. Der Reaktor 3 wurde im Mai 2015 nach Abschluss der NRA-Sicherheitsüberprüfung für „sicher“ befunden und freigegeben.

Dies ist nun das zweite Gerichtsurteil, das den Weiterbetrieb des Reaktors 3 am AKW Ikata untersagt hat (12/2017, OLG Hiroshima). Das Urteil war jedoch nur befristet und wurde 09/2018 wieder aufgehoben, so dass der Reaktor 3 wieder hochgefahren werden durfte (antiatom-fuku berichtete).  

Im jetzigen Verfahren hatten drei Anwohner gegen das AKW Ikata geklagt. Die Shikoku Elektrizitätswerke wollen jedoch Berufung einlegen.

Das AKW Ikata befindet sich auf einer schmalen Landzunge. Parallel dazu verläuft auch die mittlere tektonische Linie, eine Bruchzone, die über eine Länge von 1000km von Tokyo bis Kyushu zieht.

Weiter Infos zum AKW Ikata und dessen besonderen geologischen Gefahren.

 

17.01.2020

AKW Fukushima, „Eismauer“: Kühlmittel an drei Stellen ausgetreten

In der unterirdischen „Eismauer“, die am havarierten AKW Fukushima Daiichi die Reaktoren 1 bis 4 umschließt, ist, wie der Betreiber Tepco nun mitteilte, an drei Stellen Kühlmittel ausgetreten. Hier waren Verbindungsstücke der Röhren, über die das Kühlmittel zirkuliert undicht geworden.

Erste Hinweise auf Undichtigkeiten im Röhrensystem zeigten sich bereits vor anderthalb Wochen, als Arbeiter ein Absinken des Pegels im Kühlmitteltank der „Eismauer“ bemerkten (antiatom-fuku berichtete).

Die unterirdische „Eismauer“ soll dafür sorgen, dass das hochradioaktive Wasser der Reaktorkühlung darin „eingeschlossen“ bleibt und nicht in die Umwelt gelangt.  

Von den 1,1 Mio. Liter Kühlmittel, das für die „Eismauer“ in Gebrauch ist, sind 20.000 Liter ausgelaufen. Die Leckagen werden zurzeit repariert, solange zirkuliert kein Kühlmittel. Das Erdreich, das unter dem zirkulierenden Kühlmittel auf eine Temperatur von -30°C gehalten wurde, bleibt laut Tepco jedoch noch einige Zeit gefroren, so dass die fehlende Zirkulation des Kühlmittels während der Reparaturarbeiten keine negativen Auswirkungen habe.

 

13.01.2020

AKW Ikata, Zwischenfall beim Brennelementwechsel

Am AKW Ikata, Präfektur Ehime ereignete sich bereits am gestrigen Sonntag ein Zwischenfall im Reaktor 3. Dieser ist seit dem 26.12.2019 zwecks jährlicher Revision von Netz, und es wurde mit der Entnahme der Brennelemente begonnen, damit der Reaktor inspiziert und gewartet werden kann.

Bei der Entnahme der Brennelemente, wurde nun an einem Brennelement, dass gerade aus dem Reaktor entnommen werden sollte, aus Versehen ein Steuerstab herausgezogen, der nun unten heraushing.

Die Steuerstäbe, wovon jedes Brennelement 48 Stück enthält, unterdrücken die Kernspaltung. Werden die Steuerstäbe herausgefahren, kommt die Kernspaltung in Gang, bzw. wird gedrosselt, wenn diese wieder eingefahren werden.

Laut den betreibenden Shikoku Elektrizitätswerken habe durch den Zwischenfall keine Gefahr bestanden, da das Reaktorbecken mit Borsäure befüllt gewesen sei, die ebenfalls die Kernspaltung unterdrückt. Nach der Ursache für den herausragenden steuerstab werden nun gesucht.

Siehe dazu auch die Bilder im Video (32 Sek., japanisch) der TBS

 

11.01.2020

AKW Fukushima, Leckage in der unterirdischen „Eismauer“

Am havarierten AKW Fukushima Daiichi kam es in der unterirdischen „Eismauer“, die die Kellerräume der Reaktoren 1 bis 4 umschließt, zu einem erheblichen Kühlmittelverlust, so dass die Zirkulation des Kühlmittels unterbrochen worden ist. Bereits am vergangenen Dienstag und Mittwoch bemerkten Mitarbeiter ein deutliches Absinken des Pegels im Kühlmitteltank, was auf eine Leckage in den Röhren des unterirdischen Kühlmittelkreislaufs schließen lässt.

Die sogenannte „Eismauer“, ein Röhrensystem, das den Boden über eine zirkulierende chemische Kühlflüssigkeit bis in 30 Meter Tiefe gefriert, soll verhindern, dass hochradioaktives Wasser der Reaktorkühlung ins Meer gelangt, bzw. verhindern, dass nachlaufendes Grundwasser eindringt.

Die ausgelaufene Kühlmittelmenge wird auf etwa 1600 Liter geschätzt. Laut Tepco würde es einige Monate dauern, bis die „Eismauer“ aufgetaut ist, so dass sie trotz der unterbrochenen Kühlmittelzirkulation weiterhin ihre Wirkung aufrechterhält. Somit bliebe genügend Zeit, um nach der Ursache zu suchen und diese zu beheben, so der Betreiber Tepco.

 

05.01.2020

Futaba: Evakuierungsbefehl wird komplett aufgehoben

Der Evakuierungsbefehl für die Ortschaft Futaba, die sich in direkter Nachbarschaft zum havarierten AKW Fukushima Daiichi befindet, soll ab den kommenden März komplett aufgehoben werden. Bis dahin sind nur eingeschränkt Aufenthalte in Futaba erlaubt (stundenweise, ohne Übernachtung, je nach Gebiet). Zuvor wurde, um die Radioaktivität zu senken, eine Flächendekontamination innerhalb der Wohngebiete durchgeführt, aber nicht in angrenzenden Freiflächen und Wäldern!

In Anbetracht der Nähe zum AKW Fukushima Daiichi, das weiterhin große Mengen Radioaktivität emittiert und somit die Umgebung immer wieder kontaminiert, sind diese Maßnahmen bei vielen Bürgern und unabhängigen Experten weiterhin sehr umstritten. Die Regierung will jedoch, vor allem in Anbetracht der bevorstehenden olympischen Spiele wieder „Normalität“ in der Präfektur Fukushima walten lassen, so dass die Regierung vor ein paar Jahren auch schon die Strahlenbelastungsobergrenze der wiederbesiedelten Evakuierungsgebiete auf 20mSv/a hochgesetzt und für zumutbar befunden hatte.

Die JR Joban-Bahnlinie, die direkt am AKW Fukushima Daiichi vorbeiführt, also quer durch die ehemalige 20-km-Sperrzone, fährt den Futaba Bahnhof ab den 14.03.2020 wieder an. Somit wird das letzte Teilstück der unterbrochenen Bahnlinie wieder in Betrieb genommen, so dass diese von Tokyo über Iwaki bis Sendai (Nord) wieder komplett befahren werden kann. Auch der Bahnhof J-Village, am Sportzentrum J-Village auf der Joban-Linie, der eigens für die olympischen Spiele extra gebaut worden ist, wurde im April 2019 feierlich eröffnet (antiatom-fuku berichtete). Auch dieser liegt nur wenige Kilometer vom havarierten AKW entfernt!  

 

02.01.2020

Tepco, weitere Infos zum Rückbau des AKWs Fukushima Daiichi

Nach einer neuen Ergänzung des Fahrplans für den Rückbau des havarierten AKWs Fukushima Daiichi, die die Regierung und der Betreiber Tepco nun vorstellte, soll das radioaktiv kontaminierte Grund- und Kühlwasser, das Tag für Tag ins Meer gelangt, bis 2025 auf unter 100m³/Tag reduziert werden. Derzeit liegt die Menge bei etwa 150m³/Tag.

Die Bergung aller Brennelemente der Reaktoren 1 bis 6, inklusiver der drei Kernschmelzen soll bis 2031 abgeschlossen sein.

Ein Zwischenlager für den radioaktiv kontaminierten Schutt der Reaktorgebäude soll bis 2028 in Betrieb gehen.

 

27.12.2019

AKW Fukushima: hochradioaktives Wasser soll verklappt und in die Atmosphäre verdampft werden

In einer Konferenz des Untersuchungsausschusses des Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI), die am 23.12.2019 in Tokyo stattfand, wurde der Umgang mit dem hochradioaktiven, vor allem tritiumhaltigen Wasser, das am havariertem AKW Fukushima Daiichi anfällt und dort in großen Tanks gelagert wird diskutiert. Unter 5 „möglichen“ Optionen für die „Entsorgung“, entschied sich das METI (wiedermal) für die Verklappung ins Meer und der Verdampfung in die Atmosphäre, einer Maßnahme, die bisher noch nicht in Erwägung gezogen worden ist.

Bei der schon häufig diskutierten und heftig umstrittenen Option der Verklappung ins Meer, beruft sich das METI weiterhin auf den Verdünnungseffekt in den Weiten des Ozeans, der angeblich ausreichend sei (antiatom-fuku berichtete schon mehrfach darüber). Laut dem METI halte man diese Maßnahme auch auf internationale Ebene für vertretbar. Parallel zur Verklappung ins Meer soll ein Teil des hochradioaktiven Wassers verdampft werden. Allerdings hat das METI nicht erwähnt, was aber wissenswert wäre, wie sich die radioaktiven Stoffe während der Verdampfung verhalten, bzw. wo diese verbleiben. Einen Zeitpunkt für den Beginn der Arbeiten, wollte das METI ebenfalls noch nicht nennen.

Bezüglich des Vorhabens hat das METI jedoch schon ein Konzept veröffentlicht, das in Kürze der Regierung vorgestellt werden soll, die dann eine Entscheidung treffen wird. „Die Regierung werde eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen“, so ein METI-Sprecher auf der Konferenz.

Vor Beginn dieser Maßnahmen ist jedoch die Koordinierung mit den lokalen Behörden zu berücksichtigen, wobei es nämlich fraglich ist, ob diese überhaupt zustimmen werden. Denn die lokalen Behörden, vor allen die Fischereibehörde sorgen sich in Falle einer Zustimmung um den Ruf ihrer Region und befürchten massive wirtschaftliche Einbußen, vor allen im Absatz auf dem Fischmarkt.

Mittlerweile lagern am AKW Fukushima Daiichi 1.180.000t hochradioaktives Wasser in großen Tanks (Stand: 12/2019), das mehrfach für die Reaktorkühlung gebraucht und „gereinigt“ worden ist, aber nun nicht mehr „verwertet“ werden kann. Die Kapazität der vorhandenen Lagertanks wird jedoch Mitte 2022 erschöpft sein. Die Errichtung weiterer Tanks würde aber nur den Rückbau der Anlage behindern, so Tepco, so dass das Wasser nun zeitnah „entsorgt“ müsse.

 

26.12.2019

AKW Fukushima, Videodokumentation aus dem Reaktorblock 3

Nach einer Begehung des 3. Stockwerks von Reaktorblock 3 am havarierten AKW Fukushima Daiichi, die bereits am 12.12.2019 von 6 Mitarbeiter der Atomaufsichtsbehörde NRA durchgeführt worden ist, veröffentlichte die NRA nun eine Videodokumentation. Diese zeigt herumliegende Trümmer, die den gesamten Fußboden im 3. Stock bedecken, geborstene Rohre und verbogene Stahlteile. Das daruntergelegene Stockwerk ist ebenfalls zu sehen. Auch hier ist alles verwüstet. Die 6 Mitarbeiter waren mit Schutzanzug, Handschuhen und Vollmaske ausgerüstet, als sie das Gebäude betraten, die Videoaufnahmen tätigten und die Strahlung maßen. Im 2. Stock, oberhalb einer Rohrleitung wurde ein Wert von 150mSv/h gemessen.

Das Gebäude von Reaktorblock 3 ist durch die Wasserstoff- und einer nuklearen Explosion im März 2011, als sich das große Tohoku-Erdbeben mit Tsunami ereignete, sehr stark zerstört worden. Mittlerweile ist das Gebäude mit einer halbrunden Schutzhülle versehen.

Die Videoaufnahme vom 12.12.2019 ist die bisher erste detailliertere Dokumentation aus dem Inneren des Reaktorgebäudes. Zum Video der NRA.

 

25.12.2019

AKW Takahama, Reaktor 4, Wiederinbetriebnahme verzögert sich wegen Schäden am Dampferzeuger

Die Revision des Reaktors 4 am AKW Takahama, Präfektur Fukui, die ursprünglich Mitte dieses Monats eigentlich schon abgeschlossen werden sollte, dauert noch bis voraussichtlich Mitte Februar an. Grund dafür sind beschädigte Röhren eines Verdampfers im Reaktor. Hier wurden 5 der insgesamt 9000 Röhren durch Fremdkörper, wie Metallsplitter beschädigt, die nach Informationen der Kansai Elektrizitätswerke bereits während der Wartungsarbeiten im letzten Jahr dort hineingelangt sind. Durch diese Röhren fließt während des Betriebes hochradioaktives Wasser!

Nach dem die Kansai Elektrizitätswerke der Atomaufsichtsbehörde NRA versichert haben, dass die Ursache gefunden und der Schaden behoben worden sei, beschloss die NRA auf ihrer regelmäßigen Konferenz den Reaktor für die Wiederinbetriebnahme nach Beendigung der laufenden Revision freizugeben. 

 

Atommüllendlagersuche: Expertenversammlung in Hachinoe

In einer Expertenversammlung in Hachinoe, Präfektur Aomori, Nordjapan, die Ende vergangener Wochen stattfand, traten unabhängige Experten mit Angehörigen des Japanischen Amtes für kerntechnische Entsorgung (NUMO) und der Abteilung für nationale Ressourcen und Energie, einer Sektion des Wirtschaftsministeriums (METI) in den Dialog.

Nach Erklärung bezüglich der „Notwendigkeit“ einer unterirdischen Endlagerung durch NUMO und METI, sowie die Erläuterung der farbcodierten Japan-Karte, worin die „sicheren“ Standorte markiert sind, mussten sich NUMO und METI den kritischen Fragen der unabhängigen Experten stellen. Denn diese befürchten neben den ohnehin geologischen Problemen, insbesondere aufgrund der häufigen Erdbeben in Japan, dass die Präfektur Aomori bevorzugt zum Endlager werden soll. Denn die Präfektur Aomori ist nicht nur dünn besiedelt, sondern auch reich gesegnet mit verschiedenen Atomanlagen, u.a. das große Atommüllzwischenlager und Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho. 

 

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Nachrichtenarchiv und Quellen der Nachrichten

Weiter zurückliegende Nachrichten sind im Archiv zu finden.

 

Die Quellen der japanischen Nachrichten:

NPJ News, atombezogene Nachrichten aus ganz Japan, berichtet sehr objektiv und wahrheitsgemäß.

Tokyo shinbun, eine japanische Tageszeitung, die sehr realitätsnah und unzensiert berichtet.

Mai nichi shinbun, eine japanische Tageszeitung, die ebenfalls sehr wahrheitsgetreu berichtet.

NHK  ein großer japanischer Fernsehsender

Asahi shinbun  eine große japanische Tageszeitung

47news atombezogene Nachrichten aus ganz Japan

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, der durch den Betreiber Tepco erstellt wird.

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, aus dem Jahr 2019

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima Daiichi, aus dem Jahr 2018

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima dai ichi, aus dem Jahr 2017

Täglicher Zustandsbericht am AKW Fukushima dai ichi aus dem Jahr 2016 und den Jahren zuvor.