Strahlenmesssonde (0,612 µSv/h) in Fukushima City

Fukushima heute Berichte 2012 und 2013

 

April 2013

Leben in einer verstrahlten Region

Noch immer leben Menschen in den verstrahlten Gebieten. Flüchtlinge sind oft auf sich alleine gestellt und Entschädigungszahlungen werden häufig nicht geleistet.

Es wird versucht das Problem in den Hintergrund zu schieben. Auch den ,,11.03." als Gedenktag für die AKW-Opfer wollte die Regierung nicht zulassen (Stand 04/2013), während der ,,Hiroshima- und Nagasaki-Tag", der zum Gedenken der Atombombenopfer offiziell anerkannt wurden ist.

Denn schließlich betrifft das jetzt die ,,friedliche" Nutzung der Kernenergie, die man der Bevölkerung nach einer Gehirnwäsche schon ein paar Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki untergeschoben hat. Das heißt: Die Regierung möchte nichts negatives auf das Image der ,,friedlichen und zivilen" Nutzung der Kernenergie kommen lassen. Deshalb sollen am 11.03 auch ,,nur" die Tsunami-und Erdbebenopfer bedacht werden. Die AKW-Opfer darf es einfach nicht geben, die kratzen nur am guten Image der Kernenergie.

 

Die Entschädigung

Nur die Evakuierten aus der offiziellen Sperrzone erhielten eine Entschädigung von umgerechnet € 800 pro Haushalt. Die sogenannten  ,,freiwillig“ Geflüchteten aus den nicht offiziell deklarierten Gefahrenzonen erhielten keine finanzielle Entschädigung obwohl die dort gemessene radioaktive Umgebungsstrahlung keinen dauerhaften Aufenthalt mehr zulässt.

Nur Orte, die eine Strahlenbelastung von mehr als 20 mSv/a aufweisen, werden von den Behörden evakuiert. Dem nach leben viele Leute, darunter auch Schwangere und Kinder weiterhin in Orten mit einer gefährlich hohen Strahlenbelastung; da diese die staatlich festgelegte Grenze nur knapp unterschreiten. Ein ,,Normalwert“ wäre 1 bis maximal 2 mSv/a.

Für die Bauern, auch wenn dessen Felder außerhalb der offiziellen Evakuierungszone liegen, ist der Absatz ihrer Produkte nicht mehr möglich. Sie finden keinen Abnehmer mehr. Eine Entschädigung dafür erhalten sie jedoch nicht.

Auch die Versicherungen wollen nicht zahlen. Die Versicherungen begründen das damit, dass der Ernteschaden ja durch einen Super-GAU und nicht durch ein natürliches Ereignis verursacht worden ist.

Der verursachende Stromkonzern Tepco ist da ebenfalls sehr zurückhaltend.

Viele Familien sind auseinander gerissen und viele Ehen in die Brüche gegangen. Während viele Frauen mit den Kindern in sichere Gebiete flüchteten, blieben die Männer wegen der Arbeit in der Gefahrenzone zurück.

Laut unabhängigen Wissenschaftlern wird die radioaktive Belastung in der Präfektur Fukushima und dem dazugehörigen Meer bis mindestens 2045 in der jetzigen Höhe bestehen bleiben.

Durch Witterungseinflüsse sind neue Hotspots (lokale Bereiche mit hoher Radioaktivität) entstanden. Notwendige Evakuierungen von bewohnten Gebieten, die eine hohe radioaktive Strahlung aufweisen werden weiterhin unterlassen. Anstatt dessen werden laufend Dekontaminationsversuche durchgeführt, die zwar vereinzelt eine vorübergehende Senkung der Radioaktivität erbringen, aber im Großen und Ganzen eher ineffektiv sind. Das hierbei anfallende Laub, Erdreich und Dreck wird in Säcken an verschiedenen Sammelstellen gelagert, jedoch nicht sicher entsorgt. Die Arbeiter, die diese Dekontaminierungsmaßnahmen verrichten sind oft ehemalige Arbeiter, die die Reinigung/Dekontamination der Reaktoren durchgeführt haben und von Kraftwerk zu Kraftwerk gezogen sind.

Für ehemalige Anwohner aus den radioaktiv stark kontaminierten Gebieten strebt die Regierung sogar eine spätere Rückführung in die ,,dekontaminierten’’  Gefahrengebiete an.

 

Voreilige Freigaben durch die Behörden

Ab Anfang 2012 durften in vielen Gebieten wieder Reis und Gemüse angebaut und wieder gefischt werden. Das war jedoch eine vorschnelle Entscheidung, die vor ein paar Monaten wieder zurück genommen werden musste (Stand 04/2013), da die Strahlenbelastung der Lebensmittel viel zu hoch war. Auch die gefangenen Fische waren zu stark kontaminiert.

 

Der Tsunamischutt

10% des Tsunamischutts aus der Präfektur Fukushima wurde landesweit mit dem normalen Hausmüll verbrannt. So wurde die radioaktive Kontamination, durch fliegende Asche und weiteren Brandrückständen über ganz Japan verteilt.

Unabhängige Wissenschaftler, wie auch Professor Koide der Universität Kyoto empfehlen sogar sehr stark das Gebiet um das AKW Fukushima dai ichi zur Deponie für den radioaktiv kontaminierten Müll zu machen, da es eh nicht mehr bewohnbar ist.

 

Schilddrüsenerkrankungen

Nach sonographischen Reihenuntersuchungen von 42 000 Kindern wurden bei 43% Knoten und Zysten festgestellt. Normal wären 1% (Stand 04/2013).

Studie Tschernobyl

Knapp 7000 Kinder, die 1986 unter 18 Jahre alt waren erkrankten zwischen 1991 und 2005 an Schilddrüsenkrebs.

 

Verteilung von Jod-Tabletten in Fukushima

Als durch den Super-GAU der Gehalt an radioaktiven Jod in der Luft anstieg, erfolgte in vielen Gemeinden keine Ausgabe von Jod-Tabletten. Zudem wurde das radioaktive Jod 131 unwissentlich mit der Nahrung aufgenommen, ohne das eine entsprechende Warnung erfolgt ist.

 

Rundgang durch Fukushima City im April 2013

Die Initiatorin der antiatom-fuku und Mitglied der Düsseldorfer Antiatom-Gruppe ,,Atomkraftfreie Welt - Sayonara Genpatsu Düsseldorf " Petra Alt hat sich in der Stadt Fukushima umgeschaut und berichtet nachfolgend.

Im Mittelpunkt stehen die fest installierten Sonden zur Messung der eh schon zu hohen Radioaktivität, die den Einwohnern, auch Schwangeren und Kleinkindern Tag täglich zugemutet wird.

Als ich am Fukushima Hbf aus dem Shinkansen (der japanische ICE) gestiegen bin, war es mir dann doch ein bisschen mulmig. Als ich über den Bahnsteig Richtung Treppe ging, empfand ich eine Art Bedrückung und ein bisschen Angst und Wut, weil ich weiß, dass hier  etwas sehr bösartiges und gefährliches passiert ist.

Auf dem Bahnhofsvorplatz, der sehr schön gestaltet ist, stelle ich einige bauliche Veränderungen fest, die vor zweieinhalb Jahren noch nicht da gewesen sind.

Und natürlich läuft man jetzt mit einen ganz anderem Gefühl als vorher herum. Es ist nichts mehr wir früher; was mir jetzt so richtig bewusst wird.

     ,,Auch wenn man es nicht sieht oder fühlt, sie ist da die unsichtbare Gefahr."

Genau das ist das Gefährliche und das Heimtückische an der Radioaktivität. Denn alles sieht alles ganz normal aus und ist ohne Strahlenmessgerät einfach nicht feststellbar.

Alles wirkt ganz normal, da die viel zu hohe Radioaktivität nicht wahrnehmbar ist (Bild: Petra Alt).

 

Nach der Reaktorkatastrophe wurden in der Präfektur Fukushima zur Messung der Radioaktivität über 500 festinstallierte Messsonden öffentlich zugängig aufgestellt. Diese sollten den Anwohnern ein Sicherheitsgefühl und Vertrauen in die behördlichen Maßnahmen vermitteln. Der Bürger sollte das Gefühl haben, dass auf seine Gesundheit aufgepasst wird. Ihm sollte auch das Gefühl der Selbstkontrolle vermittelt werden, indem er die Sonden jeder Zeit selber Vorort oder im Internet ablesen kann. Allerdings mehrten sich die Gerüchte über Manipulationen der behördlichen Messsonden, die sich hinterher sogar auch bestätigten.

Die erste festinstallierte Messsonde zur Messung der Umweltradioaktivität, die ich neben dem Bahnhof sehe zeigt mir einen Strahlenwert von 0,227 µSv/h an. Das ist ein Wert der viel zu hoch ist. (,,Normal" wäre eine Umweltradioaktivität bis zu 0,095 µSv/h).

Vor der Reaktorkatastrophe lag die örtliche Umweltradioaktivität in Fukushima City bei etwa 0,045 µSv/h.

Auch wenn der Ruheplatz hinter der Messsonde bei diesen schönen Wetter zu einer kurzen Sitzpause einläd, hätte man eh keine Ruhe dort zu sitzen, da hier leider nicht nur die Sonne strahlt.

Festinstallierte Strahlenmesssonde nähe Ausgang West am Fukushima Hauptbahnhof (Bild: Petra Alt).

Die radioaktive Strahlung schwankt trotz kurzer Abstände und Höhenunterschiede teilweise sehr stark. Man muss wirklich aufpassen, wo man geht und steht. Die an den festen Sonden gemessenen Werte liegen zum Teil über 0,6 µSv/h. Das ist ein Wert, der schon äußerst bedenklich für die Gesundheit ist!

Dazu muss auch noch berücksichtigt werden, dass vor der Installation der Messsonden eine besonders gründliche Dekontamination mit Austausch bzw. Sanierung der obersten Erdschicht/ Neuasphaltierung der Gehwege etc. zwecks Senkung der Radioaktivität vorgenommen wurden ist. Durch diese Maßnahmen wurde die Radioaktivität in unmittelbarer Nähe der Messsonden bis zu 30% gesenkt. Zu dem wurden die Messsonden so kalibriert, dass die Strahlenwerte niedriger als tatsächlich angezeigt werden. Und selbst diese Werte sind entschieden zu hoch!

Sehr bedenklich hohe 0,612 µSv/h neben einem Fußgängerweg an einer viel befahrenen Hauptstraße (Bild: Petra Alt).

 

Ein paar 100 Meter weiter finde ich eine Messsonde, die mir 0,612 µSv/h anzeigt. Also fast drei Mal höher als an der Messsonde zuvor. Da fehlen einem doch die Worte. Ich sehe die hohen Messwerte der Sonden zwar laufend Internet, aber wenn man dann live davor steht, läuft es einem dann doch den Rücken hinunter.

Ich brauche gar nicht selber messen. Das was die Sonden hier anzeigen reicht mir schon. . .

Diese Strahlenmesssonde steht direkt neben dem Komu Komu Center. Das ist eine Kindertagesstätte, Kindergarten und Vorschule (S. Schild am Gebäude oben links). Die hier herrschende Radioaktivität ist entschieden zu hoch und ist auf Dauer sehr gesundheitsschädlich. Somit gilt auch dieser Bereich als ,,leichtgradig" verstrahlt. (Bild: Petra Alt).

 

Übermäßig viele Leute sind auf der Straße nicht zu sehen. Ich glaube, jeder überlegt es sich ganz genau, ob er nach draußen muss oder nicht. Kinder habe ich überhaupt gar keine gesehen. Die werden nach Möglichkeit erst gar nicht nach draußen gelassen.

Es ist einfach nicht zu fassen, was hier passiert ist. Eine so schöne Stadt mit einer schönen Natur, dem Fluss Abukuma und die Berge drum herum...

Mir tun die Anwohner, vor allem die Kinder, die nun unter der radioaktiven Verseuchung zu leiden haben leid. Es ist nicht zu fassen, was die Kernenergie hier angerichtet hat.

Die Strahlenwerte sind viel zu hoch und mit einem gesunden Leben nicht mehr vereinbar. Fukushima ist eine sterbende Stadt. Es ist absolut nichts mehr so wie früher, also vor dem GAU, als ich das letzte Mal hier gewesen bin. Zu dem Zeitpunkt wusste ich auch noch nicht einmal, das hier in der Nähe zwei gefährliche Kernkraftwerke stehen. Und ich hätte auch nie gedacht, dass da mal etwas ,,hoch gehen" könnte... weil ich das in Japan für unmöglich gehalten habe...

Tausende von Leuten, die nun mit den Folgen der Kernenergie leben müssen, während der Staat versucht ,,Normalität" walten zu lassen.

Und nicht nur ich bin der Meinung, dass die Städte Fukushima City und Koriyama sowie dessen Umgebung dringend evakuiert werden müssten; es passiert aber nichts. Die Einwohner werden mit ihrem Schicksal alleine gelassen. Der Staat unternimmt schlicht weg nichts in der Richtung. Statt dessen wird das Problem sogar herunter gespielt.

...ich sitze im Zug und fahre wieder nach Hause (Tokyo) und zurück bleiben Tausenden von Leuten, inklusive zahlreicher Kinder, die nun unverschuldet in einer verstrahlten Umgebung leben müssen... 

 

Juni 2013

Widersprüchliche Angaben seitens der Behörden am Beispiel der Sperrzone

Die neue behördliche Einteilung der Sperrzone am havarierten AKW Fukushima dai ichi, die jetzt in drei Zonen unterteilt ist, ist Ende Mai 2013 in Kraft getreten. Die neue Einteilung gliedert sich folgendermaßen auf: Bereiche mit einer Radioaktivität von über 50 mSv/a gelten als Sperrzone, Bereiche von 20 bis 50 mSv/a gelten als Evakuierungszone und in den Gebieten, die eine Strahlung bis zu bzw. unter 20 mSv/a aufweisen gelten als unbedenklich.

Die Regierung begründet diese Änderung damit, dass die Anwohner somit eine absehbare Möglichkeit der Rückkehr hätten, bzw. sich tagsüber dort aufhalten könnten, um ihrer früheren Arbeit wieder nachgehen zu können. Das alles würde die Wirtschaft wieder ankurbeln.

Während in den Gebieten mit einer Strahlung von 20 bis 50 mSv/a keine Übernachtungen erlaubt sind, sollen die Leute in den angeblich unbedenklichen Zonen bis zu 20 mSv/a sogar wieder ganz normal wohnen und leben wie vor dem GAU.

Hierbei fällt allerdings direkt auf, dass die jetzige Sperrzone am havarierten AKW flächenmäßig deutlich kleiner ist als der vorherige 20 km-Radius. So hat die Regierung einige Hektar Land ,,zurück gewonnen’’.

Und die Leute, die nach der neuen behördlichen Regelung wieder in ihre Häuser zurückkehren sollen, benötigen keine neue Unterkunft und haben auch keine weiteren Ansprüche auf Entschädigung u. dgl., was die Kosten deutlich reduziert.

Da fragt man sich doch, wem das zu Gute kommt. Den betroffenen Anwohnern sicherlich nicht.

Bild: antiatom-fuku, aus einer japanischen Tageszeitung im April 2013, als die neue Einteilung der Sperrzone in den Medien vorgestellt worden ist.

 

Und während die Gebiete mit einer radioaktiven Strahlenbelastung ab 50 mSv/a nur kurzzeitig und mit einer behördlichen Genehmigung betreten werden dürfen wurde die Klage von mehreren Jugendlichen aus Koriyama, die in einer unverstrahlten Umgebung leben wollten im April vom OLG Sendai abgewiesen. Die richterliche Begründung lautete, dass eine Strahlung von 100 mSv/a auch für Kinder und Jugendliche gesundheitlich bedenkenlos und somit zumutbar wäre.

Aber seltsamerweise dürfen die Gebiete der Sperrzone, die eine Radioaktivität von über 50 mSv/a aufweisen nur kurzzeitig und auch nur mit einer Genehmigung betreten werden!

In Deutschland darf ein beruflich Strahlenexponierter ,,nur’’ bis zu 20 mSv/a an Radioaktivität ,,ab bekommen’’ und in Tschernobyl wurden alle Gebiete mit einer Strahlung ab 3,7 µSv/h, also ab 32,4 mSv/a evakuiert. Aber dafür sind wenigstens die Lebensmittelrichtlinien in puncto Strahlenbelastung in Japan strenger als in Europa, wie man im Sommer 2011 schnell feststellen konnte.

Die ,,normale’’ Umweltstrahlung beträgt 1 bis 2 mSv/a.

Fukushima nach dem GAU

Die Vorsitzende der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft NRW e.V. in Dortmund, Yoko Schlütermann, die auch das Projekt ,,Hilfe für Japan 2011'' ins Leben gerufen hat und leitet, berichtet regelmäßig über die Zustände in Fukushima und wie sich die Situation dort entwickelt.

Über die Medien erfährt man quasi gar nichts mehr und für viele ist das Thema ,,Fukushima'' schon lange vergessen. Die Kriese dauert jedoch weiter an und ist noch lange nicht ausgestanden.

 

Auszug aus den Vorträgen von Yoko Schlütermann in Oktober 2012

Noch 300 000 Leute leben in provisorischen Unterkünften. 33% der Leute in der Präfektur Fukushima sind ohne Arbeit (Stand 10/2012).

73% der Menschen in provisorischen Häusern leiden unter Schlafstörungen. Im Mai 2011 gab es in ganz Japan 3300 Fälle von Suizid. Das sind 20% mehr als im Vorjahr.

Häuser, die durch dem Tsunami zerstört wurden sind.

Hier fegte der Tsunami  ''nur'' durch das Erdgeschoss. Das erste OG ist noch intakt geblieben. Das Haus liegt etwa 2 km von der Küste entfernt.

Hier fegte der Tsunami durch das Erdgeschoss (Bild: Yoko Schlütermann)

 

Die Wucht der Flutwelle spülte alles weg, was sie zu fassen bekam.  Das hier abgebildete Haus hielt noch einigermaßen Stand.

Überreste eines Hauses nach dem Tsunami (Bild: Yoko Schlütermann)

 

Die Umgebung ist komplett verwüstet. Weitere Gebäude sind komplett verschwunden.

 

In der Präfektur Fukushima herrscht eine allgemeine Perspektivlosigkeit und Existenznot.

Die Nutzfläche Japans beträgt 17%. Das meiste davon ist in Nordostjapan. Die restlichen 83% sind bergisch und somit nur sehr eingeschränkt als landwirtschaftliche Nutzfläche geeignet. Das heißt: Ein Großteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche liegt in der vom Tsunami und dem AKW-GAU betroffenen Region. Der Boden ist aufgrund der Überfltung vom Meerwasser versalzen. Pflanzen können somit nicht gedeihen. Der Boden braucht ein paar Jahre, bis er sich wieder regeneriert und seinen ursprünglichen PH-Wert erreicht hat.

In der radioaktiv kontaminierten Gebieten ist in den nächsten Jahrzehnten generell keinlandwirtschaftlicher Anbau mehr möglich, bzw. nicht zu verantworten.

Auch die Fischerei ist eingebrochen, da das Meer in der 20 km-Zone um das havarierte AKW durch den radioaktiven Fallout betroffen ist.

In der Präfektur Fukushima geht der Wiederaufbau nur schleppend voran. Bis jetzt sind nur etwa 15% des Tsunamischutts und anderer Müll entsorgt wurden. Überall häufen sich die Müllberge. Das wiederum macht eine Stadtplanung unmöglich und verzögert somit den Wiederaufbau.

Hochradioaktiver Müll soll in der Präfektur Fukushima verbleiben. Laut der Regierung jedoch ,,nur'' zur Zwischenlagerung. Nach einem Endlager würde man suchen (Stand: 09/2012).

Die in der schönen bergischen Landschaft reichlich vorhandenen Thermalbäder, die sich in früherer Zeit kaum vor Touristen retten konnten, haben jetzt fast keinen Zulauf mehr.

Alles, was aus Fukushima kommt, bzw. über Fukushima eingebracht oder weitergeleitet wird, wird woanders nicht angenommen bzw. gemieden.

Grenzwerte für Lebensmittel in Japan sind sogar deutlich strenger als in Deutschland und liegen bei 100 Bq/kg. In Deutschland liegt die Grenze bei 600 Bq/kg! (Stand: 06/2012). Mehr Infos zu Lebensmittelrichtwerten und der bis heute noch gültigen Tschernobyl-Verordnung finden Sie bei Foodwatch.

Am havarierten AKW Fukushima dai ichi gehen täglich 3000 Mitarbeiter ein und aus. 90% davon sind Leiharbeiter eines Subunternehmers und nur 10% der Arbeiter sind direkt bei Tepco angestellt.

Das Tagesgehalt der strahlenexponierten Leiharbeiter beträgt bis zu 200 Euro plus der Zugabe einer Strahlendosis, die bei über 200 mSv/a liegt. Auch das getürkte Dosimeter gehört dazu. Hier werden die Dosimeter so derart manipuliert, dass weniger Strahlung gemessen und aufgezeichnet wird und die maximal zulässige Strahlendosis für den gesamten Arbeitseinsatz nicht so schnell erreicht wird. Denn die Arbeiter sind auf den Job angewiesen und wollen ihm so lange wie möglich behalten.

Am Reaktorgebäude 3 wurden bis jetzt noch keine Reperaturarbeiten durchgeführt.

Die Strahlung am Reaktorgebäude 4 liegt bei etwa 1000 mSv/h, wodurch die dringend nötigen Stabilisierungsarbeiten am Gebäude, was einsturzgefährdet ist, erheblich behindert werden. Die 1533 Brennelemente aus dem Abklingbecken im 4. Stock können voraussichtlich erst ab Herbst 2013 geborgen werden (Stand 10/2012). 

Beschädigte Tanks, die durch den Tsunami über das AKW-Gelände gespült wurden, liegen noch hinter dem Reaktor 4 herum. Die Strahlung ist zu hoch um dort aufzuräumen.

Die einsturzgefährdete Reaktorruine 4 am AKW Fukushima dai ichi

 

Der Wind trägt den radioaktiven Staub laufend in die Städte.

Die Kapazitäten der Tanks zum Auffangen des verstrahlten Wassers sind bald erschöpft. Überlegungen, es einfach ins Meer zu kippen wurden schon getätigt, jedoch aufgrund internationaler Proteste wieder verworfen. Täglich nimmt die radioaktive Wassermenge in den Reaktoren zu, da  ort laufend Grundwasser eindringt. Zum Teil wird das Wasser gefiltert und wiederverwertet.

Prognosen für die verstrahlten Dörfer wurden angefertigt. In einigen Dörfern liegt die Strahlung in 5 Jahren immer noch über 500 mSv/a. 70% der Anwohner können nicht mehr dort hin zurück.

Die meisten Kommunen haben einen Dekontaminierungsplan erstellt. Es gibt jedoch keine Möglichkeit die kontaminierte Erde zu entsorgen, weshalb die Dekontaminierungsmaßnahmen zum Großteil noch nicht umgesetzt worden sind. 

Außerdem helfen diese Maßnahmen nur beding und auch nur kurzfristig. Sogar Baumrinden werden zwecks Dekontaminierung abgetragen.

Auswirkungen der radioaktiven Verseuchung werden sichtbar. 12% der Schmetterlinge haben kleinere Flügel und veränderte Augen (Larven nach dem GAU). Die 3. Generation wies schon massive Missbildungen auf.

In einen Fischteich in Iitate, der vor dem GAU noch 15 gesunde Koi-Karpfen enthielt, überlebten nur ein paar wenige die erste Woche nach dem GAU. Diese wiesen jetzt einen sehr starken Pilzbefall auf, da die Immunabwehr durch die hohe Strahlung geschwächt wurden ist.

Koikarpfen mit Pilzbefall (Symbolfoto/Vergleichsmodell: Petra Alt).

 

In der Statistik zur Kindersterblichkeit von 2011 wurde ab Juli 2011 ein starker Anstieg im Vergleich zu 2010 verzeichnet.

Kinder befinden sich noch im Wachstum und sind somit deutlich anfälliger für erhöhte Strahlung. In bestimmten Gebieten Fukushimas dürfen sie nur ein bis zwei Stundern nach Draußen oder gar nicht. Draußen müssen die Kinder dann einen Mundschutz tragen und dürfen keine Erde, Pflanzen etc. berühren. Alles das, womit Kinder draußen normalerweise in Kontakt kommen würden.

Die behördliche Strahlenmessung erfolgt stets in der Luft, in 1 bis 1,5 Meter Höhe. Die Strahlung am Boden ist jedoch deutlich höher. 

 

Sommer 2011

Erste Missbildungen aufgrund der erhöhten Radioaktivität

Umweltforscher entdeckten folgendes:

Schmetterlinge aus der Sperrzone nahe dem AKW Fukushima dai ichi mit Missbildungen. Schon einige Monate nach dem GAU entdeckten Um-weltforscher Missbildungen bei verschiedenen Insekten. Mit jeder Generation werden die Missbildungen stärker. Bei den untersuchten Schmetterlingen sind die Flügel zu klein und verkrüppelt ausgeprägt. Auch an den Augen waren Missbildungen feststellbar.

Auch bei Vögel, z.B. Raben, beobachteten die Forscher, dass diese stumm waren, keinerlei Laute von sich gaben. Einige liefen nur umher, konnten nicht fliegen.

 

Die 4 negativen F's

 von Y.Schlütermann

1) 福島第一原発  ( Fukushima dai ichi genpatsu) AKW Fukushima dai ichi

Das havarierte AKW, was noch weiterhin für große Schäden in der Umgebung und für die Gesundheit der Menschen sorgen wird...

2) 風評被害 ( Fuhyouhigai) Rufmord

Nach der Atomkatastrophe erfährt die Bevölkerung Diskriminierung und wird ausgestoßen. Keiner will etwas mit den

,,Hibakusha '' * zu tun haben.

3) 風化 ( Fuka) In Vergessenheit geraten

Für viele ist das Thema  ,,Fukushima'' bereits durch. Die internationalen Medien berichten gar nicht mehr davon. Auch die japanische Regierung ist sehr stark bestrebt, schnell wieder Normalität einkehren zu lassen.

4) 不信 ( Fushin) Misstrauen

Nach all den Lügenmärchen durch den Betreiber Tepco und der Regierung hat die Bevölkerung kein Vertrauen mehr in den Staat. Strahlenmessungen und die Beschaffung von wichtigen Informationen wird ebenfalls lieber selber vorgenommen, da man den offiziellen Angaben nicht trauen kann.

* Hibakusha heißt Atombombenopfer. Diese Bezeichnung wird auch für alle anderen Strahlengeschädigten verwendet.

 

Video-Tipp:

Fukushima Zwei Jahre nach dem GAU

 ZDF-Reporterbesuchten die Präfektur Fukushima und die Sperrzone.

Die Regierung und die örtliche Gesundheitsbehörde spielen die Gefahren weiterhin herunter. Auch die Sperrzone soll wieder bewohnbar werden. Die Grenze für Trinkwasser liegt bei 200 Bq/l, während das Abwasser eines AKWs ,,nur" bis zu 90 Bq haben darf!

 

Zwei Jahre nach dem GAU - Bilder aus der Sperrzone

Mahnung an die zukünftigen Generationen

Namie, eine ländlich gelegene Kleinstadt, einst mit 20 000 EW ist seit dem Super-GAU hochgradig verstrahlt und vollständig evakuiert wurden.

Zwei Jahre nach dem GAU entstand nun die Webseite 

来への記憶

 ( Mirai e no kioku = Zur Erinnerung an die zukünftigen Generationen ), die in Zusammenarbeit des Bürgermeisters T. Baba und Google Street View entstand.

Bild: Screenshot Google earth

 

Hier erhält man einen virtuellen Einblick in die verstrahlte Geisterstadt Namie, in der die Spuren der Erdbebens noch deutlich sichtbar sind und nach und nach immer mehr verwildert.

Hiermit möchte T. Baba die katastrophalen Umweltfolgen für die nähere Umgebung des havarierten AKWs Fukushima dai ichi verdeutlichen und somit die nachfolgenden Generationen vor der gefährlichen Kernenergie warnen.

 

Grenzwerte für die radioaktive Belastung von Lebensmittel

Seit Oktober 2012 liegt die für Japan gültige Obergrenze für Lebensmittel bei 100 Bq/kg. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Obergrenze sogar bei 600 Bq/kg. Sie ist somit sogar um das sechsfache höher als in Japan.

Ein Report der IPPNW, der erschreckende Tatsachen in Japan und Deutschland aufdeckt:

 

Der kalkulierte Strahlentod

Radioaktiv kontaminierte Nahrungsmittel in Japan, Deutschland und Europa. Deutsche Grenzwerte für Lebensmittel nach Tschernobyl deutlich höher angesetzt als in Japan.

Radioaktivität in der Nahrungskette (Symbolfoto: Petra Alt)

 

Welche gesundheitlichen Folgen haben radioaktiv kontaminierte Lebensmittel und wie gehen die Verantwortlichen damit um?

All das erfahren Sie imFoodwatch-Report 2011 der IPPNW.