Bild: Strahlenmesssonde vom Bundesamt für Strahlenschutz

Gefahren durch Niedrigstrahlung

Die Niedrigstrahlung und dessen Entstehung

Bisher wurde das Thema ,,Niedrigstrahlung'' eher vernachlässigt und wenig untersucht. Die wenigen Studien, die zu diesem Thema vorhanden sind, belegen jedoch schon, dass durch die Niedrigstrahlung mehr Gesundheitsgefahren ausgehen als bisher angenommen.

Vor allem betrifft es Anwohner in der Nähe kerntechnischer Anlagen in einem Radius von etwa 50 km. Denn schon geringe Mengen an Radioaktivität können gesundheitliche Schäden verursachen. Besonders gefährlich sind die kurzzeitig auftretenden Strahlenpeaks während der Revision eines AKWs.

Die radioaktive Niedrigstrahlung entsteht im laufenden Betrieb kerntechnischer Anlagen. Schon alleine im Normalbetrieb gibt ein AKW Niedrigstrahlung ab, die durch Emissionen aus dem Schornstein und dem Abwasser in die Umwelt gelangen.

Bild: Wohnsiedlung in der Nähe eines AKWs

Darin enthalten sind vor allem Tritium, H³ (,,überschweres Wasser''), Kohlenstoff14,

Strontium90, Jod131, Cäsium137, Plutonium239, Krypton85, Argon41 und Xenon133.

Das sind radioaktive Partikel und Edelgase, die zum Großteil Betastrahlen abgeben.

Betastrahlen haben zwar nur eine sehr kurze Reichweite, sind aber dennoch sehr gefährlich. Sie gelangen über Atemluft und Nahrung sehr leicht in den Körper. Dort lagern sie sich in den Organen, Muskeln und Knochen ein und schädigen benachbarte Zellen durch ihre Strahlung.

Diese Partikel und Gase haben z.T. sehr lange Halbwertszeiten. Die Halbwertzeit (HWZ) ist die Zeit, die ein Stoff braucht, bis er zur Hälfte abgebaut ist. Tritium ist ein Betastrahler mit einer HWZ von 12,3 Jahren und Plutonium benötigt sogar etwa 24 000 Jahre, bis es zur Hälfte abgebaut ist.

Das Tritium, was über den Schornstein entweicht, verbindet sich mit Sauerstoff zu ,,schweren Wasserstoff'' (H³). Dieser wird von Mensch, Tier und Pflanze ,,bedenkenlos'' aufgenommen, da der Körper/die Pflanze es mit dem ,,normalen'' Wasserstoff ,,verwechselt''. Somit wird das Tritium in alle Körperzellen, sowie in den Genen eingebaut. Dort sendet es weiter seine Betastrahlung aus und schädigt somit benachbarte Zellen. Dadurch werden neben den direkt eintretenden Schäden auch Krankheiten und genetische Veränderungen im Erbgut vorprogrammiert. Ein ungeborenes Baby ist somit schon z.B. für eine Leukämie oder Missbildung prädisponiert. Die durch das Tritium verursachte ,,Fehlprogrammierung'' in den Genen wird von Generation zu Generation weiter vererbt.

Strontium90,das dem Kalzium chemisch sehr ähnlich ist, wird in die Knochen eingebaut. Denn auch hier kann der Körper beides nicht voneinander unterscheiden. Im Knochenmark kommt es zu massiven Störungen der Blutbildung. Das ist vor allem für Kinder, die sich noch im Wachstum befinden ein gefährlicher Auslöser für Leukämie.

Diese gefährlichen Stoffe dürfen alle ganz legal in der Emission und im Abwasser der AKWs enthalten sein!

Die durch die Strahlenschutzverordnung erlaubte Höchstmenge, die in den Emissionen und in den Abwässern der AKWs enthalten sein dürfen, liegt bei 0,6 mSv/a.

Hinzu kommt noch die verbliebene Radioaktivität oberirdischer Atomwaffenversuche aus früherer Zeit und dem GAU im AKW Tschernobyl.

Die Niedrigstrahlung ist nicht zu verwechseln mit der natürlichen Umweltstrahlung!

 

Die gesundheitlichen Folgen durch Niedrigstrahlung

Schon alleine im Normalbetrieb verursacht ein AKW laufend Niedrigstrahlung, die die Gesundheit der Anwohner gefährdet. Eine Häufung von Leukämiefällen bei Kindern unter 5 Jahren, die im Umkreis von 5 km eines AKWs leben, wurde schon in wissentschaftlichen Studien (KIKK-Studie) belegt.

In AKW-Nähe werden auch weniger Kinder als statistisch zu erwarten wäre und auch weniger Mädchen als Jungen geboren.

Durch Niedrigstrahlung schreitet der körperliche Alterungsprozeß schneller voran. Die Blutgefäße, insbesondere von Herz und Hirn werden geschädigt und ,,verkalken'' schneller. Somit steigt das Risiko für Herzinfarkt, Demenz und pAVK sowie weiterer Folgeerkrankungen. Durch Veränderungen am ZNS (Zentrales Nervensystem) kommt es zu organischen Schäden am Gehirn, die mit einer psychischen Störung einhergehen können.

Deutlich verstärkt wird die Anfälligkeit solcher Erkrankungen bei der fraktionierten Niedrigstrahlung, also immer dann, wenn kuzzeitige Strahlenpeaks auftreten.

Die kurzzeitigen Strahlenpeaks entstehen, wenn ein AKW in die jährliche Revision (Wechsel der Brennelemente) geht. Hierzu wird der Reaktor heruntergefahren und der Reaktordeckel geöffnet. Dadurch werden Spitzenwerte erreicht, die um das fünf bis achtfache höher sind als im laufenden Normalbetrieb.

Diese Spitzenwerte werden jedoch von den Betreibern, die die Messungen auch selber vornehmen, auf einen Durchschnittswert herunter gerechnet. Somit werden diese statistisch nicht erfasst und die behördlich zugelassenen Maximalwerte nicht überschritten. Die Rohdaten der Messungen, die die Spitzenwerte im einzelnen aufweisen, werden von den AKW-Betreibern geheim gehalten. Eine unangekündigte Kontrollmessung der Aufsichtsbehörden erfolgt in der Regel nie.

Somit ist davon auszugehen, wie unabhängige Parallelmessungen bereits ergaben, dass deutlich höhere Strahlenpeaks bei einer Revision entstehen, als in der Statistik der Betreiber angegeben wird.

Die biologischen Effekte inkorporierter Radionuklide werden von den AKW-Betreibern und den Behörden gerne verharmlost und unterschätzt. Was ebenfalls in den Grenzwert-und Modellrechnungen nicht berücksichtigt wird, ist die höhere Strahlenempfindlichkeit von Kindern. Vor allem ein Embryo reagiert schon sehr empfindlich auf Radioaktivität. 

In den Modellrechnungen der Grenzwerte für radioaktive Niedrigstrahlung werden nur gesunde, junge Männer berücksichtigt. Also eine Bevölkerungsgruppe, wovon man ganz genau weiß, dass diese unempfindlicher gegenüber Radioaktivität ist als alle anderen. Ältere Menschen, Schwangere, Kinder und Ungeborene werden in der Berechnung der Grenzwerte nicht berücksichtigt. Somit werden deutlich bessere Werte zu Gunsten der Atomlobby erreicht.

Würde man für die Berechnung der Grenzwerte den Embyo statt den jungen Mann heran ziehen, wären die Grenzwerte so niedrig, dass sie von den AKW-Betreibern nicht mehr eingehalten werden könnten. Die AKWs könnten dann die behördlichen Auflagen nicht mehr erfüllen und müssten alle schließen!

Während einer Revision steigt das ohnehin schon erhöhte Leukämierisiko für kleinere Kinder, die in AKW-Nähe wohnen um 100%. Bei weiteren Krebserkrankungen nimmt die Häufigkeit um 60% zu.

Embryonen nehmen Radionuklide, vor allem ,,schweres Wasser'' (Tritium) über das Fruchtwasser auf und sind somit schon für genetische Schäden und bösartige Erkrankungen vorgemarkert.

Bereits in einem 50-km-Umkreis eines AKWs besteht schon ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen, die durch Niedrigstrahlung verursacht werden. Eine Tatsache, die sehr häufig unterschätzt wird bzw. unbekannt ist oder wissentlich verschwiegen wird.

 

Niedrigstrahlung aus Wiederaufbereitungsanlagen

Im Atommüllendlager-und Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho, Präfektur Aomori in Nordjapan lagern seit Betriebsbeginn 1993 Unmengen an hochradioaktiven Atommüll oberirdisch in Fässern, die in Beton eingegossen sind. Bevor der hochradioaktive Atommüll in die Fässer verpackt werden kann, wird er zerkleinert und in Glaskokillen eingeschmolzen.

In der Wiederaufbereitung werden MOX-Brennelemente hergestellt, indem das Plutonium aus den gebrauchten Brennstäben ,,wiederverwertet'' wird.

Die gleiche Menge an Niedrigstrahlung, die ein AKW im Jahr an die Umwelt abgibt, wird in der Atomanlage Rokkasho täglich produziert. Es werden radioaktive Gase, wie z.B. Krypton85, Argon41 und Xenon133 über den Schornstein an die Umwelt abgegeben. Die flüssigen Abfälle, die radioaktive Stoffe wie Tritium und Jod129 enthalten, werden über ein 300 Meter langes Rohr in 44 Meter Tiefe ins Meer geleitet.

Auch die Wiederaufbereitungsanlage La Hague, Nordfrankreich leitet seine radioaktiven Abwässer über ein 400 Meter langes Rohr in den Ärmelkanal.

Während das Versenken von Atommüllfässer ins Meer verboten worden ist, ist die permanente Einleitung der radioaktiven Abwässer aus den Wiederaufbereitungsanlagen völlig legal.

Laut den Betreibern werden die radioaktiven Stoffe in der Atmophäre und im Meer so stark verdünnt, das es keine Auswirkungen für die Umwelt hätte. Unabhängige Experten schlagen jedoch Alarm. Denn sowohl in der Präfektur Aomori als auch in der Umgebung von La Hague ist die Leukämierate drei mal höher als in anderen Gebieten.

Die aus der Wiederaufbereitungsanlage La Hague stammenden radioaktiven Stoffe sind sogar in der Arktis noch meßbar. Wasserproben, die an den jeweiligen Rohrmündungen und dessen Umgebung entnommen worden sind, waren ebenfalls ,,positiv''.

 

Orte, an denen noch weitere radioaktive Gefahren lauern - Radongas

Das Radongas ist ein radioaktives Edelgas, das sich u.a. „gerne“ in Kellerräumen der Wohnhäuser ansammelt. Ein Problem, das in Deutschland weit gehend unbekannt ist.  

2000 Todesfälle pro Jahr, die auf Radongas zurück zu führen sind. Es ruft verschiedene Krebserkrankungen hervor, z.B. Lungenkrebs.

Jeder 10. Haushalt in Deutschland ist davon betroffen.

Besonders gefährdete Gebiete sind das Schiefer- und Granitgestein, wie z.B. das Fichten- und Erzgebirge, der Schwarzwald und der bayrische Wald. 

In NRW sind die Orte Schwerte und Arnsberg am stärksten betroffen. Dazu zählen auch Orte, wie z.B. Rheingau, was früher ein aktives Bergbaugebiet gewesen ist.

Die radioaktive Belastung mit Radongas liegt bei etwa 300 Bq/m³. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) sind es in Deutschland jedoch „nur“ 100 Bq/m³.

In Klassenräumen einer Schule wurden sogar bis zu 5300 Bq/m³ gemessen.

Die bereits vorhandene EU-Richtlinie für tolerierbare Grenzwerte an Radongas muss noch in ein nationales Recht/Richtlinie umgesetzt werden (11/2014). Diese EU-Richtlinie muss Deutschland bis 2018 umgesetzt haben.        

Video: Krebsgefahr durch Radongas vom WDR Westpol

 

Die Umweltstrahlung/Hintergrundstrahlung

Die so genannte Hintergrundstrahlung wurde durch all die vielen Atombombenversuche in früherer Zeit, die vorwiegend durch die US-Amerikaner und den Russen durchgeführt worden sind, um das siebenfache erhöht.

Der Fallout zeigte sich auch in Deutschland, wo erhöhte Werte an Cäsium137 gemessen worden sind. So wurden z.B. 1966 in Deutschland ungewöhnlich hohe Konzentrationen an Cäsium137Nukliden in Champignons gemessen.  

  

Angepasste Obergrenzen für Radionuklide

Im Laufe der AKW-Betriebsjahre häufen sich beim Verbrennungsprozess im Reaktor Nuklide wie z.B. Jod129 in großen Mengen an. Jod129 verfügt über eine stattliche HWZ von 29 Mio. Jahren.

Und genau dieser Umstand, wurde schon vorsorglich „in weiser Voraussicht“, damit es erst gar nicht zum Problem wird, in der deutschen Strahlenschutzverordnung „berücksichtigt“, indem die Obergrenzen entsprechend hoch gesetzt worden sind. So wurde z.B. die Obergrenze für Jod129 drastisch erhöht.

Über 1000 Radionuklide werden in den AKWs, Wiederaufbereitungsanlagen und weiteren kerntechnischen Anlagen freigesetzt, z.B. Krypton85.

 

Uranabbau

Uran ist schon allein wegen der radioaktiven Schlacke, die sich beim Abbau anhäuft gefährlich.

 

Die Brennstäbe

Im „Verbrennungsprozess“ zur Energiegewinnung im Reaktor werden laufend hochradioaktive Substanzen freigesetzt. Hierbei entstehen gefährliche Spaltprodukte wie zum Beispiel Tritium, H³(,,schweres Wasser''), Kohlenstoff14, Strontium90, Jod131, Cäsium137, Plutonium239, Krypton85, Argon41 und Xenon133.

 

Radioaktive Stoffe und dessen Folgen für die Gesundheit

Nachfolgend noch ein paar weitere Informationen zu einigen radioaktiven Stoffen und den Schäden, die sie für Mensch und Umwelt verursachen.

 

Ionisierende Strahlung

Die Einwirkung ionisierender Strahlung auf den Menschen, sowie auf anderer Lebewesen ist unabhängig davon, ob sie aus natürlichen oder künstlichen Quellen kommt in gleicher Weise schädlich für die Gesundheit.

 

Gefahren durch Niedrigstrahlung

Niedrigstrahlung kann auch zu Schäden am Erbgut führen, so dass die Anzahl an Mutationen ansteigt.

 

Was sehr häufig unterschätzt wird:

Schon alleine das Wohnen im 50 km-Umkreis eines AKWs erhöht die Gefahr für Krankheiten, die durch Niedrigstrahlung verursacht werden.

Nuklearmedizin

Deutschlandweit werden sehr oft nuklearmedizinische und weitere strahlenbelastende Untersuchungen wie Röntgen, CT oder Koronarangiographien, vor allem bei Privatpatienten in die Wege geleitet, obwohl die Indikation dafür nicht streng genug gestellt bzw. nicht nach Alternativen gesucht worden ist.

Ein Abdomen-CT weist zum Beispiel eine Strahlenbelastung von 10 bis 20 m/Sv pro Untersuchung auf.

 

Video-Tipp:

Krebs durch Atomkraftwerke -Gefahr auch durch Niedrigstrahlung

Anwohner in der Nähe eines AKWs berichten über gehäufte Krebsfälle. Auch Ärzte sehen da einen Zusammenhang zwischen dem AKW, der Niedrigstrahlung und den Krebserkrankungen am Ort.

 

Ergebnisse des Ulmer Expertentreffen von Oktober 2013

Experten warnen eindringlich vor den Gefahren durch Niedrigstrahlung.

Auch die Niedrigstrahlung, wie z.B. in der Umgebung von AKWs, bürgt schon gesunhheitliche Gefahren.

Mehr im aktuellen Bericht der IPPNW

AKW Kashiwasaki Kariwa, Präfektur Niigata. Vor allem im Bereich kerntechnischer Anlagen besteht ein erhöhtes Gesundheitsrisiko durch Niedrigstrahlung (Bild: Petra Alt).

 

Weiterführende Literatur/Fachartikel unabhängiger Experten

Niedrigstrahlung

Selbst in niedrigen Dosen ist die Radioaktivität gesundheitsgefährdend. Es gibt keine Untergrenze für Radioaktivität, die man als unbedenklich einstufen könnte. Aber immer wieder wird versucht die Gefahr zu verschleiern, Grenzwerte werden einfach „angepasst“, z.B. nach einer Reaktorkatastrophe, Messwerte werden atomlobbyistenkonform dargestellt und dem entsprechend interpretiert.

Der lange Abschied von der Dosisschwelle

- Anerkannte Strahleneffekte im Niedrigdosisbereich und ausstehende Korrekturen -

von Inge Schmitz-Feuerhake, Gesellschaft für Strahlenschutz (pdf des Strahlentelex 2012) => Der lange Abschied von der Dosisschwelle