Glücklicher Drachen Nr. 5, Atombombentests

 

Juli 2019

Das Fischerboot „Daigo Fukuryu Maru“ („Glücklicher Drachen Nr. 5“)

Weltweit wurden ab 1945 im großen Stil, und teilweise auch bis heute noch (z.B. Nordkorea) über 2200 Kernwaffentests durchgeführt. Ein Großteil der Kernwaffentests, vorwiegend durch das US-Militär, teilweise auch durch Russland und weitere Staaten durchgeführt, erfolgte im pazifischen Ozean. Dafür ausgewählt wurden die Marshallinseln, wozu auch das Bikini-Atoll gehört. Denn die Inseln waren dünn besiedelt und lagen fern ab vom regulären Schiffs- und Flugverkehr. Die jüngsten Atomtests hingegen erfolgten jedoch eher unterirdisch (z.B. Nordkorea).

Neben den massiven Umweltschäden, die durch den radioaktiven Fallout verursacht worden sind, forderten die Kernwaffentests über 300.000 Todesopfer. Es kam zu gehäuften Fehlgeburten und Missbildungen.

Am 01.03.1954, als das japanische Fischerboot „Daigo Fukuryu Maru“, im pazifischen Ozean, über 1000 km vom Heimathafen Yaizu entfernt unterwegs war um Thunfisch zu fangen, ging dort ein „ungewöhnlicher Regen“ auf das Fischerboot nieder. Ursache hierfür war ein Atombombentest, der im Bereich der Marshallinseln durchgeführt worden ist. Die Daigo Fukuryu, sowie weitere Fischerboote befanden sich nur 140 km östlich vom Testgebiet.

Getestet wurde die „Castle Bravo“, die bisher stärkste Wasserstoffbombe, dessen Sprengkraft mit 15 Megatonnen zweieinhalb Mal stärker war, als vom US-Militär angenommen. Die Bombe, die zwei Meter über der Wasseroberfläche detonierte, brachte einen Atompilz mit einem Durchmesser von 45 km hervor und schleuderte Unmengen an Wasser in die Luft, so dass der radioaktive Fallout weitflächig über den Ozean und auf bewohnte Nachbarinseln, die weit außerhalb des militärischen Sperrgebietes lagen, verbreitet worden ist. 

Radioaktiver Fallout, in Form eines salzig schmeckenden Ascheregens, auch „Shi no Hai“ (tödliche Asche) genannt, rieselte auf die „Daigo Fukuryu Maru“ nieder. Nach dem das Fischerboot wenige Tage später wieder in den Heimathafen Yaizu zurückgekehrt ist, litten alle 23 Besatzungsmitglieder unter der Strahlenkrankheit. Einer der Mitglieder verstarb noch im selben Jahr, sechs weitere bekamen Leberkrebs.

Der Fall „Daigo Fukuryu Maru“ erregte in der Öffentlichkeit eine sehr große Aufmerksamkeit und Anteilnahme mit der betroffenen Besatzung; einem Schicksal, das für die Atombombenopfer von Hiroshima und Nagasaki aufgrund der eigenen Erfahrung mit den Folgen der Radioaktivität, sehr gut nachempfunden werden konnte. 

Der gefangene Thunfisch der „Daigo Fukuryu Maru“, sowie der Fang acht weiterer Fischerboote, war radioaktiv verseucht und wurde sofort vernichtet. Es wird angenommen, dass zum Zeitpunkt der Explosion etwa 400 bis 800 Fischerboote auf See waren, als der radioaktive Fallout niederging. Auch die Bewohner benachbarter Inseln, außerhalb des militärischen Sperrgebietes wohl bemerkt, waren vom Fallout betroffen und erkrankten später an den Folgen.

Aufgrund der Wetterlage verbreitete sich der radioaktive Fallout großflächiger, als vom US-Militär vorausberechnet, so dass er durch Wind und Regen auch über Japan niederging. Dort wurden nicht nur Obst und Gemüse auf den Anbauflächen, sondern auch das Trinkwasser radioaktiv kontaminiert.

 

Das Museum „Daigo Fukuryu Maru“, in Tokyo

Im Museum „Daigo Fukuryu Maru“, dass sich in Tokyo-Yumenoshima, direkt am Yumenoshima-Park befindet, wird das o.g. Fischerboot ausgestellt und die Geschichte anschaulich erzählt.

Das Museum ist vom Bahnhof Shinkiba (JR-Keiyo Linie ab Tokyo Hauptbahnhof) bequem zu Fuß zu erreichen (ca. 200 Meter).

Der Eintritt ist frei, beachte jedoch die Öffnungszeiten!

Zur HP des Museums „Daigo Fukuryu Maru“

 

 

Atomwaffen, erneutes Wettrüsten und der INF-Vertrag

Der INF-Abrüstungsvertrag ist ein Vertrag zur Abschaffung von Kurz- und Mittelstreckenraketen, der 1987 zwischen USA, Russland und weiteren Atomstaaten geschlossen worden ist.

Mit der Argumentation, dass Russland sich nicht an die Vorgaben halte, kündigen die USA im Februar 2019 den Austritt aus dem INF-Vertrag an. Allerdings erhebt Russland gegenüber den USA ebenfalls Vorwürfe, dass diese sich nicht an den INF-Vertrag halten würden.

 

Weiterführende Informationen:

Der INF-Vertrag, Atomwaffen von A bis Z

Der Ausstieg aus dem INF-Vertrag fataler Rückschritt für nukleare Abrüstung