August 2020

Abgereichertes Uran im Einsatz als „Miniatombomben“

Trotz Hiroshima und Nagasaki – Atombomben weiterhin im Einsatz

In diesem Monat jähren sich die Atombombenabwürfe auf Hiroschima und Nagasaki zum 75. Male. Damals wurden am 06. August auf Hiroshima und am 09.August 1945 auf Nagasaki jeweils eine Atombombe abgeworfen. Beide Städte wurden in Sekunden ausgelöscht, die Folgen waren verheerend. . .

In Erinnerung an die Opfer und als Appell für den Frieden finden in Hiroshima und Nagasaki jedes Jahr offizielle Gedenkfeiern statt.

Was jedoch weniger bekannt ist, bzw. gar nicht erst erwähnt wird, sind die zahllosen Atomwaffentests, die über viele Jahre hinweg durchgeführt worden sind, sowie der Einsatz von radioaktiven Abfallprodukten als Munition, die bei der Urananreicherung anfallen, also das abgereicherte Uran, dass als „Mini-Atombomben“ bis weit in die  Neunziger zu Einsatz kam. Somit waren die beiden „großen“ Atombomben, die auf Japan abgeworfen worden sind, bei weitem nicht die letzten Atomwaffen, die im Krieg eingesetzt worden sind!

 

Die „Miniatombomben“ - Atommüll als Kampfmittel

Als Überbleibsel aus der Urananreicherung für Kernbrennstoffe, die in den AKWs verwendet werden, haben sich weltweit mittlerweile 1 Mio. Tonnen abgereichertes Uran („DU“ Depleted Uranium) angesammelt. Das ist strahlender Atommüll mit einer HWZ von 4,5 Mrd. Jahren, für den es keine Verwendung gibt. Oder doch?

Uran hat eine doppelt so hohe Dichte wie Blei. Ein Kubikdezimeter Uran, also das Volumen eines Liters, wiegt 19kg, ist somit deutlich schwerer als Blei und hat dem entsprechend eine deutlich höhere Durchschlagkraft, wenn es als Geschoss eingesetzt wird.

In den Neunzigern wurden Bombeneinschläge an Gebäuden dokumentiert, bei denen das Geschoss, das von oben gekommen ist, durch das Dach, über mehrere Etagen bis in den Keller ging. Die Geschosse waren nicht sonderlich groß, hatten jedoch eine enorme Durchschlagkraft, was aber nur mit einem sehr schweren Material möglich ist. Auch die Durchtrittsstellen waren sehr typisch. Hier kamen Geschosse mit abgereichertem Uran zu Einsatz, die nicht nur eine enorme Zerstörungskraft hatten, sondern auch die Umgebung radioaktiv verseuchten.

Die DU-Geschosse drangen auch problemlos durch das dicke Metall der Panzer. Weich wie Butter! Der entstandene Uranstaub entzündete sich sofort, so dass die Soldaten im Inneren des Panzers qualvoll verbrannten. Beobachtet wurde das u.a. im Jugoslawienkrieg, als zahllose DU-Geschosse über Belgrad abgeworfen worden sind.

Nicht nur die hohe Durschlagkraft und der enorme Effekt machten diese kleinen DU-Geschosse für das Militär so interessant, sondern auch die im Vergleich zu anderen Waffen sehr geringen Kosten.

Abgereichertes Uran (DU) wird schon seit Jahren für militärische Zwecke eingesetzt. Diese „Miniatombomben“ kamen nicht nur in Jugoslawien, sondern auch im Golfkrieg, und weiteren Kriegsregionen zum Einsatz. Regionen, die nun radioaktiv belastet sind.

Überall wo diese „Miniatombomben“ abgeworfen worden sind, verteilte sich der Uranstaub in der Luft, der als feinste Nanopartikel über die Atemluft und Nahrung inkorporiert wird. Lungenkrebs, Leukämie und weitere cancerogene Erkrankungen sind die Folgen.

Die genetische Schädigung die die Opfer erleiden, führt u.a. zu ausgeprägten Missbildungen bei Neugeborenen. Diese haben zum Teil überall Tumoren, kein Gehirn, sowie weitere schlimme Fehlbildungen.

Viele der damals eingesetzten Soldaten leiden, bzw. verstarben am sogenannten „Golfkriegssyndrom“, also jene Folgeerkrankungen, die durch das abgereicherte Uran entstanden sind. Also massive gesundheitliche Folgen, die aber nicht nur die amerikanische, sondern auch die Regierungen aller anderen beteiligten Länder lieber verschweigen, bzw. die Verbindung zum abgereicherten Uran dementieren.  

 

Kosovo

Schätzungen zufolge, wurden alleine in Serbien 10t Uranmunition (DU) abgeschossen.

Deutsche, britische und italienische Soldaten erkrankten nach ihrem Einsatz an einer „komischen“ Lungenentzündung und zeigten weitere „seltsame“ Symptome, dem sogenannten „Balkansyndrom“, das von der Politik zunächst erst einmal klein geredet, bzw. verschwiegen worden ist. So wurde laut dem ehemaligen Verteidigungsminister Rudolph Scharping (SPD) „keine schwerwiegenden Probleme durch Strahlung“ gesehen (2001, Kosovo, NATO).

Als 2001 in der Sendung „Monitor“ über die Folgen der Minibomben, die neben abgereichertem Uran (DU) auch geringe Mengen an Plutonium enthielten, berichtet worden ist, wurde der Sender ARD von der damaligen Bundesregierung angemahnt, weil die „so etwas“ im Fernsehen gezeigt haben. Und „natürlich“ wusste man auch nicht, was die von der NATO eingesetzte Munition, bzw. die Minibomben alles so beinhalteten. Nach dem aber immer mehr aufgedeckt worden ist, ergriff die damalige rot-grüne Bundesregierung die Flucht nach vorne, und verlangte (offiziell) eine „vollständige Aufklärung“ von der NATO.

 

Weitere Informationen und Videos:

Andre H., Soldat, ist an den Folgen des DU gestorben . . . und das ist kein Einzelfall! Hier sind zahllose Soldaten betroffen, die in diesen Gebieten eingesetzt gewesen sind und in der Zeit danach auf „mysteriöser weise“ verstarben – nämlich dem Golfkriegssyndrom.

Der Verdacht von Angehörigen verstorbener Soldaten, bzw. von unabhängigen Experten, dass das abgereicherte Uran, das in der Munition enthalten war als Todesursache infrage kommt, wurde seitens der Behörden stets dementiert.

Es wurden sogar angebliche „Gegenbeweise“ durch Fachärzte geliefert. So wurden unter anderem Haarproben bei erkrankten Soldaten entnommen und untersucht. Diese waren natürlich in Ordnung! Hier wurden absolut keine Spuren entdeckt, die auf abgereichertes Uran hinwiesen könnten. Das ist aber ganz klar, da sich das abgereicherte Uran nämlich gar nicht in den Haarwurzeln, bzw. den Haaren anlagert! Da muss man schon anders suchen, wenn man abgereichertes Uran im Körper nachweisen will!

Hier wollte man verschleiern, das abgereichertes Uran im Einsatz war und die Soldaten an dessen Folgen erkrankten und starben. Stattdessen bekamen die Opfer, um weiteren Fragen aus dem Weg zu gehen, andere Todesursachen „zugeteilt“.

Hierzu einige Beispiele von Kfor-Soldaten, die die AG Friedensforschung zusammengestellt hat.

 

Informative Dokumentationen:  

Video: „Todesstaub: Uran - Munition und die Folgen“

Video: „Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra“

 

Weitere Infos zur aktuellen Lage und Atomwaffenproblematik (Auszug):

„Keine Atomwaffen am Bosporus“ (07/2019) und

Erdogan will Atomwaffen für die Türkei

 

 

Hiroshima und Nagasaki

August 2018

Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki

Obwohl Japan das weltweit einzige Land ist, dass den Abwurf zweier Atombomben (08/1945) und dazu noch eine Reaktorkatastrophe (03/2011) mit dreifacher Kernschmelze erleben musste, hält die Regierung weiter an der gefährlichen Atomkraft fest (08/2018). Eine Tatsache, die absolut nicht nachvollziehbar ist . . .  

06. August 1945, das US-Militär wirft eine Atombombe „Little Boy“, mit einer Sprengkraft von 13kt TNT1 auf Hiroshima ab. Nur 3 Tage später, am 09. August 1945 wird eine weitere Atombombe „Fat Man“ mit einer Sprengkraft von 21kt TNT auf Nagasaki abgeworfen.

Die enorme Zerstörungskraft, die die „frühzeitlichen“ Atombomben schon mit sich brachten, ist im Vergleich zu den heutigen Kernwaffen noch „relativ gering“ gewesen.

In Zeiten zunehmender politischer Spannungen auf internationaler Ebene rüsten die Atommächte wieder vermehrt auf, statt weiter abzurüsten (08/2018). Dazu wird die Atomwaffentechnologie immer weiter „verbessert“ und alte Atombomben „modernisiert“.  

In der Zeit nach den Abwürfen der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki fanden vielerorts zahlreiche Atombombentests statt. In Hiroshima und Nagasaki wurde im Rahmen des US-amerikanischen ABCC-Projektes (Kommission zur Untersuchung der Atombombenopfer) an Strahlenopfern geforscht.

Die Atombombe, die 1954 auf das Bikini-Atoll abgeworfen worden ist, hatte eine Sprengkraft von 11000kt (11Megatonnen)! Hierbei wurde auch das japanische Fischerboot „Daigo fukuryū-maru“ (Glücklicher Drachen Nr. 5) vom radioaktiven Niederschlag getroffen. Die Besatzung des Schiffes starb in den nächsten Monaten qualvoll an den Folgen einer Strahlenkrankheit. 

 

Der Friedenspark von Nagasaki, Kyushu

Im Friedenspark Nagasaki, der 1955 als Mahnung an die Menschheit errichtet worden ist, befindet sich eine große Statue, die mit der rechten Hand nach oben, in Richtung des höchsten Gutes des Menschen, „Frieden“ zeigt. Die andere Hand ermahnt zum Stopp von Atomwaffen. Hier befindet sich das sogenannte „Hypozentrum“, also die Stelle, über der die Atombombe explodierte.

Eine weitere Figur hält eine Friedenstaube auf der Hand. Auf dem Sockel steht geschrieben: „あの夏の日“ („ano natsu no hi“, zu Deutsch: an jenem Sommertag).

 

 

Inosuke Hayasaki (86), der an einem Glockenturm steht, hat den Abwurf der Atombombe auf Nagasaki miterlebt, gehört heute der „Nagasaki Fondation for the Promotion of Peace“ an und berichtet über seine Erfahrungen. Um den Hals trägt er eine Art Identitätsausweis, der seinerzeit vom Rathaus der Stadt Nagasaki ausgestellt worden ist. Der damals 14jährige Inosuke Hayasaki arbeitete gerade in der nur 1,1 km vom Hypozentrum entfernten Mitsubishi Waffenfabrik als die Atombombe auf Nagasaki fiel. Er wurde für weitere Tätigkeiten, die ihm aufgetragen worden sind, von seinem Chef in ein anderes Gebäude geschickt. Er hatte es gerade betreten, als die Atombombe explodierte. Er bekam zwar die Druckwelle zu spüren, wurde jedoch dank der Betonwand vor der einsetzenden Hitzestrahlung weitestgehend geschützt. Unter den 32 Arbeitern, die sich auf dem Fabrikgelände befanden, sein Chef mit inbegriffen, überlebten nur er und einer seiner Kollegen.

 

Im Friedenpark sind ein paar Gedenkstätten mit zahllosen Papierkranichen zu finden, die als Symbol für Frieden und ein langes Leben stehen. Auf dem Dach eines der Gedenkstätten befindet sich eine goldfarbene Papierkranichnachbildung aus Metall.  

Im nahegelegenen Friedensmuseum werden die Überbleibsel, wie z.B. zerfetzte Kleidungsstücke und weitere Fundstücke nach der Atombombenexplosion ausgestellt. Die ausgestellten Bilder zeigen tote Atombombenopfer, die in der ausgelöschten Stadt herumliegen.

Der Zeitzeuge Inosuke Hayasaki mahnt, dass sich „Hiroshima und Nagasaki“ nie mehr wiederholen dürfen, appelliert für ein friedliches Miteinander auf internationaler Ebene und den Stopp von AKWs und Kernwaffen.

 

Zu*1: Um die jeweilige Sprengkraft verschiedener Bomben besser vergleichen zu können, dient der Sprengstoff TNT als Indikator und wird mit „1“ angegeben. Demnach ist z.B. die Sprengkraft der Atombombe „Little Boy“ 13kt höher, als die von TNT (1kt = 1000 Tonnen).   

 

 

Eine Friedensbotschaft von Tomihisa Taue, Bürgermeister der Stadt Nagasaki, vom 09.08.2018, die ins Deutsche übersetzt worden ist:

Es geschah an diesem Tag vor 73 Jahren, um 11:02 Uhr am 9. August. Die Explosion einer einzigen Atombombe am blauen Sommerhimmel verwandelte die Stadt Nagasaki in ein Trümmerfeld. Menschen, Tiere, Pflanzen, Bäume alles sonstige Leben verbrannte zu Asche. Unzählige Leichen lagen verstreut in den ausgelöschten Straßen . . . Zur Übersetzung der Friedensbotschaft.

 

August 2017

Hiroshima-Jahrestag – Atomwaffen heute

Der 06. August, der Abwurf der Atombombe „Little Boy“ (Sprengkraft1: 13kt TNT) auf Hiroshima jährt sich nun zum 72. Male. Nur 3 Tage später wird eine weitere Atombombe „Fat man“ (Sprengkraft: 21kt TNT) auf Nagasaki abgeworfen.

Die damals schon enorme Zerstörungskraft der „frühzeitlichen“ Atombomben, ist im Vergleich zu den heutigen Kernwaffen sogar noch „relativ gering“ gewesen. Demnach ist nicht auszudenken, wie viel Leben eine „neuzeitliche“ Atombombe flächendeckend auslöschen würde. 1kt = 1000 Tonnen.                 

Die Atombombe, die 1954 auf dem Bikini-Atoll abgeworfen worden ist, hatte eine Sprengkraft von 11000kt (11Megatonnen)! Hierbei wurde auch das japanische Fischerboot „dai go fukuryū-maru“ (Glücklicher Drachen Nr. 5) vom radioaktiven Niederschlag getroffen. Die Besatzungsmitglieder starben in den nächsten Monaten an den Folgen der Verstrahlung. 

In Nordkorea provoziert Machthaber Kim Jong Un weiterhin mit Raketentests und erprobte erst kürzlich wieder eine Interkontinentalrakete, die mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden kann und eine Reichweite bis Amerika hat.

Ebenfalls besorgniserregend sind Wärmebildaufnahmen, die im Zeitraum von September 2016 bis Juni 2017 per Satellit aufgenommen worden sind und laut den US-Behörden auf Aktivitäten in der Atomanlage Yongbyon hinweisen. In der Atomanlage Yongbyon2wird waffenfähiges Plutonium bereitgestellt. 

Auch die übrigen Atommächte wie z.B. Russland, USA und Iran lassen sich nicht unbedingt in die Karten schauen. Und dann sind da noch die Atombomben vom US Militär, die am Fliegerhorst Büchel in der Eifel stationiert sind, also mitten in Deutschland. 

Die verheerenden Folgen von Hiroshima und Nagasaki hielten die Welt nicht davon ab weiterhin, bzw. immer „bessere“ Atombomben zu bauen. Ab den 70ern boomte die Atomkraft so richtig, und die AKWs schossen wie Pilze aus dem Boden. Unter dem Vorwand der Energiegewinnung bei steigendem Stromverbrauch, wurde die Atomkraft, die ursprünglich nur einen militärischen Nutzen hatte, als unerschöpfliche und kostengünstige Energiequelle gepriesen.

Selbst das am stärksten getroffene Japan betrieb zu Spitzenzeiten 54 Reaktoren plus 22 Forschungsreaktoren und verfügt mittlerweile über 48 Tonnen Plutonium, wovon ein Teil in La Hague und Sellafield lagert.

Als Amerika nur ein paar Jahren nach den Atombombenabwürfen die „zivile Nutzung“ der Atomkraft nach Japan brachte3, unterschied man, um die Gehirnwäsche zu perfektionieren, feinsäuberlich zwischen dem „guten“ und dem „bösen“ Atom, also zwischen der zivilen und der militärischen Nutzung der Kernenergie.  

  

 

August 2015

Hiroshima Gedenktag in Dortmund

Am 06. August jährte sich der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima zum 70. Male. Nur drei Tage später, am 09.08.1945 folgte der zweite Abwurf auf Nagasaki und am Folgetag kapitulierte die japanische Armee dann endlich. Für einen sinnlosen Krieg, der sich bis zum Einsatz von Nuklearwaffen hochschaukelte, mussten zahllose unschuldige Leute ihr Leben lassen.

Nach Kriegsende schuf Japan ein Gesetz, das den aktiven militärischen Einsatz seitens der japanischen Armee verbietet. Die japanische Armee solle nur noch der Selbstverteidigung im Falle eines Angriffes dienen. Damit tat Japan einen entscheidenden Schritt in richtige Richtung, also in Richtung Frieden, von dem die jetzige Regierung jetzt jedoch wieder abrückt.

Kurz nach den beiden Atombombenabwürfen verbündete sich die USA, nicht ganz uneigennützig, mit Japan und „half“ bei der Versorgung der Atombombenopfer. Das „Bündnis“ bestand darin, dass die USA die Kernenergie nach Japan einschleppte und mit dem Hintergedanken militärischer Nutzung, den Bau von AKWs enorm vorantrieb. Dabei wurde fein zwischen der militärischen und der „friedlichen Nutzung“ der Atomenergie unterschieden. Die „medizinische Hilfe“ war primär eine Forschungstätigkeit seitens der USA. Noch 1946 wurde die ABCC (Atomic Bomb Casualty Commission = Kommission zur Untersuchung der Atombombenopfer) gegründet, die dieses „Projekt“ übernahm. Hier wurden unter strenger Geheimhaltung die Folgen der Strahlenexposition nach Abwurf der Atombomben erforscht. Die Atombomben haben nicht nur große Flächen komplett ausgelöscht und viele Todesopfer gefordert, sondern auch in den nächsten Jahrzehnten danach für nachhaltige Schäden gesorgt.

Ein Thema, das auch nach 70 Jahren immer noch aktueller ist als denn je, zumal die Gefahr eines kalten Krieges wieder deutlich angewachsen ist.

Die japanische Regierung macht widersprüchliche Angaben, indem Ministerpräsident Shinzo Abe (LDP) einerseits großartig verkündet, dass er Atomwaffen und Krieg ablehnt, aber andererseits das Militärgesetz geschickt untergräbt, so dass der Weg für eine offensive Kriegsführung frei ist, wozu er auch die AKWs trotz fehlender Notwendigkeit wieder ans Netz nehmen will.

Anlässlich dessen fand am 06.08.2015 in Dortmund die Friedens- und Gedenkveranstaltung für die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki statt.

Nach einer Begrüßungsansprache an der Reinoldikirche fand ein Gedenkmarsch durch die Dortmunder Innenstadt statt, der in den Park am Friedensplatz führte. Am Ginkobaum, der dort vor langer Zeit als Symbol der Hoffnung gepflanzt worden ist, hielt Frau Kazuko Karuma-Kölzer, eine unserer SGD-Mitglieder eine Rede zu den Atombomben- abwürfen und der heutigen Atompolitik in Japan.

Anschließend folgten weitere Beiträge und Vorführungen in der galerieartig angelegten Eingangshalle des Rathauses, die mit Friedens- und Antiatomtransparenten geschmückt gewesen ist.

Im Saal folgten dann weitere Redebeiträge, bei denen der Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, Ulli Sierau das Wort ergriff. Zunächst bedauerte er, dass niemand vom japanischen Konsulat in Düsseldorf seiner Einladung zum Hiroshima-Tag folgte, bzw. die bereits zugesagte Teilnahme kurzfristig wieder absagte. Schriftlich lässt man mitteilen, dass man das Leid der Opfer bedauere und sich der japanische Außenminister Fumio Kishida (LDP), der sogar selbst aus Hiroshima stammt, für eine Welt ohne Atomwaffen einsetzen will und dessen Abschaffung einfordere.
In seiner eigentlichen Rede betonte Sierau, das die Atombombenabwürfe, auch wenn diese schon so lange her sind, nichts an Aktualität verloren haben, indem er auch die gegenwärtige Situation in der weltweiten Atompolitik erläuterte.

Der nächste Redebeitrag erfolgte durch Yoko Schlütermann, der Vorsitzenden der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Dortmund, die auch das Projekt „Hilfe für Japan 2011“ leitet.

Sie sprach den durch Japan geführten Krieg in Ostasien an und dessen Kapitulation nach Abwurf beider Atombomben an und dem Kampf der Opfer um ihre Rechte, der japanischen Informationspolitik, die alles verharmloste und weist dazu auf die vorhandenen Parallelen zu Fukushima hin.

Ferner weist sie auch darauf hin, dass es zur Reaktorkatastrophe von Fukushima laut offiziellen Angaben angeblich keinen Toten infolge der hohen Strahlung geben hätte. Auch die Zahlen bezüglich der Folgeerkrankungen werden offiziell beschönigt oder verschwiegen, z.B. Schilddrüsenkrebs bei Kindern.

Auch die Einwohner der Präfektur Fukushima müssen für ihre Rechte und Entschädigung kämpfen und erfahren somit ähnliches Leid wie die Atombombenopfer von Hiroshima und Nagasaki.

Wie auch die Opfer der Atombombenabwürfe verschweigen auch die Strahlenopfer von Fukushima aus Sorge wegen Diskriminierung lieber ihre Herkunft.

Frau Schlütermann benennt dazu auch die widersprüchlichen Aussagen des Ministerpräsidenten Shinzo Abe (LDP), der sich bei der Gedenkveranstaltung im Friedenspark von Hiroshima gegen Atomwaffen und Krieg ausspricht, aber gleichzeitig alles daran setzt, die noch vorhandenen AKWs in Japan, trotz fehlender Notwendigkeit wieder ans Netz zu nehmen und das Militärgesetz (Artikel 9) zu Gunsten offensiver Militäreinsätze untergräbt. 

Abschließend folgt eine Lesung des ergreifenden Buches „Singvögel und Raben waren auch nicht mehr da“ von Shigemei Ideguchi, der den Atombombenabwurf von Hiroshima, trotz Nähe (nur 500 Meter zum Epizentrum überlebt hat. In seinem Buch dokumentiert er als Zeitzeuge die Situation vor Ort, als die Atombombe fiel und über die Zeit danach.

 

August 2013

Hiroshima Nagasaki Gedenkfeier 2013

Eine Gedenkfeier für die Opfer der Atombombenabwürfe von 1945 und Protestkundgebung gegen die „friedliche Nutzung“ der Atomkraft und für die Abschaffung sämtlicher Atomwaffen. 

Am 06. August 1945 warf die US-Luftwaffe die erste Atombombe „Little Boy“ auf Japan ab. Diese detonierte 500 Meter über der Stadt Hiroshima und löste eine unvorstellbare Hitze und Druckwelle aus, die die gesamte Stadt Hiroshima dem Erdboden gleich machte. Das derart grelle Licht brannte die Schatten derer in den Boden, die durch die Hitzeeinwirkung sofort restlos verbrannten.

Nur ein paar „robustere“ Gebäude, die anstatt aus Holz, was damals allgemein üblich war, aus Beton gebaut worden waren, blieben stehen. Ein berühmtes Beispiel hierfür ist das Mahnmal „Genbaku Dom“, der Atombombendom. Die gesamte Umgebung wurde hochradioaktiv verseucht. Tausende von Menschen starben sofort. Weitere Tausende starben qualvoll an den Folgen schwerer Verbrennungen und der akuten Strahlenkrankheit.

Drei Tage später, am 09. August 1945, als die US-Luftwaffe eine zweite Atombombe „Fat Man“ auf Nagasaki abwarf, befand sich der heute 82jährige Kazuo Soda in einem Betongebäude, das nur 2,5 km vom Epizentrum entfernt lag. Kazuo Soda erlitt zwar Verbrennungen und eine Strahlenkrankheit; überlebte den Atombombenabwurf auf Nagasaki jedoch, weil er sich in einem schützenden Gebäude befand. Passanten, die sich nur 10 Meter entfernt auf der Straße befanden, verdampften regelrecht durch die massive Hitzeeinwirkung.

Alle Häuser, bis auf ein paar Überreste waren durch die Druckwelle von jetzt auf gleich verschwunden und überall brannte es. Schwerverbrannte, die zunächst überlebten, irrten verwirrt umher. Seine Schwester ist ebenfalls, wie viele andere auf der Stelle verdampft. Man legte einen Stein, der sich an ihrem Standort befand in die Urne, da noch nicht einmal die Asche von ihr übrig geblieben ist. Die meisten seiner Klassenkameraden waren gerade in der nahegelegenen Waffenfabrik tätig, als die Atombombe fiel. Sie kamen alle um. Kazuo Soda ist einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen die die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki miterlebt haben und darüber aus erster Hand berichten können.

Auch in diesem Jahr besuchte er wieder Deutschland um über die schlimmen Folgen der Atombomben zu berichten, vor der Atomkraft zu warnen und für den Frieden zu appellieren.

 

Anlässlich der diesjährigen Gedenkveranstaltungen besuchte er am 06.08. Dortmund und an den Tagen 09. + 10.08.2013 Köln. 

Die Antiatom- und Friedensveranstaltung in Dortmund begann mit einer Kundgebung in der Einkaufs- und Fußgängerzone im Zentrum. Es folgte ein Protestmarsch durch die Innenstadt, vorbei an einer eingerichteten Gedenkstätte an einem Ginkobaum auf dem Rathausplatz und endete an der Reinholdi Kirche. Dort berichtete Kazuo Soda als überlebendes Atombombenopfer, dem „Hibakusha“ wie er den Atombombenabwurf in Nagasaki erlebt hat.

Nach weiteren Beiträgen und musikalischen Einlagen spendeten die Teilnehmer für die AKW-Opfer in Fukushima. Mit diesen Spendengeldern ermöglicht die Deutsch-Japanische Auslandsgesellschaft „Hilfe für Japan 2011“ Ferienreisen nach Okinawa (Südjapan) für Kinder, die seit der Reaktorkatastrophe in Fukushima in einer verstrahlten Umgebung leben müssen.

Organisiert wurde die Dortmunder Gedenkveranstaltung durch die Deutsch-Japanische Auslandsgesellschaft Dortmund, der IPPNW und weiteren Friedensinitiativen. 

Auf der Veranstaltung am Kölner Dom, bei der Kazuo Soda ebenfalls als Zeitzeuge berichtete, appellierte auch der Bezirksbürgermeister Andreas Hupke, sowie weitere Redner für den Frieden und die Abrüstung. Anschließend trat der japanische Chor „Kono Hi“ (dieses Licht) auf. Die Liedertexte richten sich kritisch gegen Atomwaffen und verdeutlichen die Folgen der Kernenergie. 

Am Folgetag (10.08.2013) fand eine Gedenkfeier im Hiroshima-Nagasaki Park in Köln statt. Dort ist auch das japanische Kulturinstitut angesiedelt und im Park befindet sich ein 

Gedenkstein mit einem gusseisernen Papierkranich und der Aufschrift „Atomwaffen abschaffen“.

Gebastelte Papierkraniche beruhen auf einer langjährigen japanischen Tradition und stehen für Frieden und ein langes Leben in Gesundheit.  

Auch bei dieser Gedenkfeier berichtete Kazuo Soda in einer ergreifenden Weise von seinen Erfahrungen als die Atombombe auf Nagasaki fiel. Zudem warnte er vor der „friedlichen Nutzung“ der Kernenergie und sprach sich für eine sofortige Abrüstung aus.

Nach weiteren Reden, auch durch den Bezirksbürgermeister von Köln, Andras Hupke, in denen ebenfalls an den Frieden und einer raschen Beendigung der Atomkraft appelliert wurde, folgten musikalische Beitrage durch den Chor „Kono Hi“. Eine Menschenkette wurde gebildet und nach einer alten japanischen Tradition wurde der Gedenkstein durch alle Teilnehmer mit Wasser geweiht. Es folgten weitere Musikbeiträge. Ein Infostand, wie auch schon am Vortag, und ein Picknick aus Essensspenden und Getränken wurden ebenfalls eingerichtet.

Organisiert wurden die beiden Kölner Gedenkfeiern durch den AK Hiroshima-Nagasaki/Friedensforum Köln.

Die Umweltstrahlung (ODL) auf der Nordhalbkugel ist durch die zahllosen Atomwaffenversuche, dem Einsatz von Atombomben, der hohen Dichte an kerntechnischen Anlagen und den zahlreichen nuklearen Zwischenfällen bis hin zum Super-GAU im Vergleich zu früher (vor dem Atomzeitalter) um das siebenfache angestiegen!

Schon Tschernobyl sollte als letzte Warnung gelten, wurde jedoch durch die Verantwortlichen aus Profitgründen ignoriert. Und es ist zu befürchten, dass der Super-GAU in Fukushima nicht die letzte Reaktorkatastrophe gewesen ist.

Auch eine Gefahr durch Kernwaffen besteht weiterhin, da Länder wie Iran und Nordkorea ihr Atomwaffenprogramm weiter vorantreiben.

Sogar in Deutschland sind noch einige Atombomben der USA „griffbereit“ stationiert. 

Das sind Dinge, die vor allem für Kazuo Soda, der den Atombombenabwurf auf Nagasaki nur zufällig überlebte, weil er sich in einem schützenden Gebäude befand, nicht nur sehr schmerzlich, sondern auch absolut nicht nachvollziehbar sind.

Nur ein paar Jahre nach den beiden Atombombenabwürfen wurde durch die USA die Kernenergie nach Japan eingeschleppt... (Siehe Geschichte der Kernenergie in Japan).

... und heute kämpft Japan schon mit der dritten Atombombe, dem havarierten AKW Fukushima Daiichi.