Hohe Strahlenwerte an Flüssen und Seen

Juli 2016

Hohe Strahlenwerte an Flüssen und Seen

Aus einer Greenpeace-Studie von Juli 2016

Nach einer Studie, die die Greenpeace Japan am 21.07.2016 der Öffentlichkeit vorgestellte, weist das Sediment vieler Flüsse und Seen hohe Werte an Cäsium137 auf. In den Präfekturen Miyagi und Fukushima wurden im Zeitraum vom 22. Bis zum 24.03.2016 Sedimentproben aus dem Fluss Abukuma, sowie der Mündungsstelle zum Pazifik, weiteren Flüssen und Seen gesammelt und mit alten Daten aus dem Jahr 2010, also dem Vorjahr der Reaktorkatastrophe von Fukushima verglichen.

Daten aus Sedimentproben, die aus dem Biwasee, der sich etwa 450 km südlich vom havariertem AKW Fukushima dai ichi in der Kansai-Region befindet, wurden zum Vergleich mit herangezogen. Denn nur 64 km westlich des Biwasees befinden sich gleich mehrere AKWs in der Fukui-Bucht, wovon einige Reaktoren wieder bald ans Netz gehen könnten.

Im Fluss Arata in Soma, nur wenige km nördlich der Reaktorruine von Fukushima, wiesen die Sedimentproben einen Wert an Cäsium137 von 29800 Bq/kg auf. Dieser Wert ist im Vergleich zur Sedimentprobe aus dem Biwasee um das 2000-fache höher.  

Auch außerhalb der Sperrzone wurden zahlreiche Proben mit solch hohen Werten gefunden. An der Meeresküste des AKWs Fukushima dai ichi wurde im Schnitt ein Cäsium137-Wert von 120 Bq/kg gemessen. 2010 lag der Wert noch bei 0,3 bis 1,4 Bq/kg.

60 km südlich des AKWs Fukushima dai ichi wurde an einer Flussmündung ein Cäsiumwert von 144 Bq/kg in den gesammelten Sedimentproben gemessen. Das ist identisch mit den Werten, die in den Gewässern, die sich im 2-km-Umkreis der Reaktorruine befinden, gemessen worden sind. Also absolut kein Unterschied, wie Greenpeace in seiner Studie auch betont.

Im Vergleich zu den Flüssen sind die Radioaktivitätswerte am Meeresufer niedriger. Das kommt dadurch, weil die radioaktiven Partikel, die aus dem AKW ins Meer gelangen mit der Gezeitenströmung laufend fortgespült und überall verteilt werden.

70% der von einer Berglandschaft geprägten Präfektur Fukushima besteht aus Wälder und Grünflächen. Diese Gebiete können nicht dekontaminiert werden und weisen dem entsprechend eine hohe Strahlung auf.  Es wird zwar im großen Stil dekontaminiert, das betrifft aber nur die Straßen und die Wohngebiete, so wie ein 20 Meter breiter „Sicherheitsabstand“ um diese Bereiche herum. Über die „essbaren“ Pflanzen aus den Wäldern, die die Tiere aufnehmen, gelangen die radioaktiven Partikel irgendwann auch in die Nahrungskette der Menschen. Kurz um: die Radioaktivität ist im gesamten Ökosystem vertreten.

Für das Problem mit dem fortlaufend austretenden radioaktiv verseuchten Wasser am AKW Fukushima dai ichi gibt es bis heute keine brauchbare Lösung (siehe Fuku Info). Von offizieller Seite, die die Rückkehr in die „dekontaminierten“ Gebiete vorantreibt (damit der Staat keine Entschädigung mehr zahlen braucht), wird das Problem der Rekontamination der dekontaminierten Gebiete erst gar nicht angesprochen. Informationen gibt es nicht. Von daher ist man fortlaufend auf die Datenerhebung unabhängiger Experten angewiesen.

Die Wälder, Flüsse und Seen werden nämlich auch weiterhin über Jahrzehnte hinweg und länger radioaktiv verseucht bleiben. Die radioaktiven Partikel werden fortlaufend mit dem Wind und Regen verteilt und sind somit auch im Süßwasser vorhanden, was vor allem für den Biwasee als Warnung gilt. Denn der Biwasee ist das größte Trinkwasserreservoir in der Kansai-Region in Südwestjapan.  

Das AKW Takahama, bestehend aus 4 DWR, befindet sich ebenfalls in der oben beschriebenen Fukui-Bucht. Die Reaktoren 3 und 4 am AKW Takahama waren Anfang des Jahres kurzzeitig in Betrieb und wurden dann per Gericht gestoppt, nachdem am Reaktor 4 ein Störfall auftrat (siehe Fuku Info von Februar 2016). Die beiden Altreaktoren 1 und 2 haben im Juni 2016 eine Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre erhalten (Gesamtlaufzeit 60 Jahre). Eine Klage dagegen läuft bereits. Denn ein schwerer Störfall am AKW Takahama hätte nämlich auch verheerende Folgen für den Biwasee. Nicht nur der Lebensraum vieler Tiere, sondern auch das Trinkwasser für 14 Millionen Menschen wäre radioaktiv verseucht.

Auch antiatom-fuku hat im Oktober 2015 Strahlenmessungen an verschiedenen Flussufern durchgeführt. Am Abukuma, der auch durch Fukushima-City fließet, haben wir auf der Uferwiese Werte gemessen, die zum Teil über 2,0µSv/h liegen. Auf dem Uferdeich (Watari-Seite) lagen die Werte im Schnitt bei 0,5µ/h. Dieser Flussabschnitt befindet sich in Fukushima-City, nicht weit vom Hauptbahnhof und dem Ortsteil Fukushima-Watari, ein Wohngebiet. Siehe dazu auch das Messprotokoll vom 27.09.2015. Messungen durch Anwohner ergaben zum Teil sogar noch viel höhere Werte! Zum Video s. unten.  

 

Greenpeace-Studie vom 22.07.2016 und Bilder zur Strahlenmessung der Sedimentproben. Dazu noch Tabellen, die den Messort, die Tiefe vom Gewässergrund, wo die Sedimentprobe gesammelt worden ist, angibt.

Zu finden auf der Greenpeace-HP (japanisch): 【2016年最新版】放射能調査の結果報告

Als PDF mit englischsprachigen Quelldaten und Literaturverweisen am Ende des Berichtes

Video der Ortsgruppe „Mikro Hotspot Finder“: Strahlenmessung am Fluss Abukuma in Fukushima-Watari. Denn überall befinden sich Mikrohotspots, also Stellen, die punktuell hohe Werte aufweisen. Das Video ist zwar auf Japanisch, aber die Zahlen sprechen für sich.

Zum Video

---------------------------------------------------------------------

Letzte Änderung: 07/2016