Insider berichten

Hier ist ein Auszug aus Insider-Berichten von deutschen und japanischen AKW-Mitarbeitern, von Leuten aus dem Umfeld, die in Verbindung mit Fukushima und den AKW-GAU stehen. Warnungen aus früherer Zeit, AKW-Touristen und Links zu interessanten Videos.

 

Expertenwarnungen von 2007

Auch das Magazin ,,Geo special’’ berichtete 2007 über das, wovor japanische Experten schon immer gewarnt hatten. 
Geowissenschaftler entdeckten gewaltige tektonische Verschiebungen bis  zu 10 cm im Jahr. Denn vor der japanischen Ostküste quetschen sich die pazifische und die philippinische unter die eurasische Erdplatte, wodurch es zu massiven Spannungen und Verkantungen kommt. Angestaute Energie entlädt sich, riesige Urkräfte (1 Mio. mal höher als die Hiroshima-Bombe).
09/1923, das Kanto-Erdbeben (Raum Tokyo),143000 Tote, 75% von Tokyo und Yokohama wurden verwüstet. 
Laut Vorhersagen von Experten, ist ein erneutes großes Erdbeben in der Kanto-Region innerhalb der nächsten 30 Jahren möglich.
01/1995, Erdbeben in Kobe (1,5 Mio. EW), 6400 Tote, 4000 Verletzte, ganze Bezirke verwüstet...
Trotz extremer Erdbebengefahr, hält Japan weiterhin an der Kernenergie fest. 54 Reaktoren sind im Betrieb, 13 Weitere geplant (Stand 02/2011).
Schon damals (2007) warnten Experten eindringlich vor einer möglichen Nuklearkatastrophe durch Erdbeben. Laut der AKW-Betreiber, der Regierung und der Atomlobby sind alle kerntechnischen Anlagen erdbebensicher.
Energiepolitik war in Japan noch nie ein großartiges Thema... 
... bis zu den Tag, an dem der Super-GAU kam. 

 

09/2010 Japan, meine zweite Heimat, Kernenergie? Egal, Hauptsache Strom

Ich bin in Tokyo, als in Deutschland die Laufzeitverlängerung für die AKWs beschlossen wird.
Ich musste lachen, und sagte, dass hier (in Japan) ja auch ganz schön kräftig mit Atomstrom rum gedealt wird...was wäre wenn es jetzt in Deutschland zu einem Super-GAU käme... Kernenergie ist zwar gefährlich, aber schließlich wollen wir ja auch alle Strom haben... und das die Kernenergie gefährlich ist, wissen die (die AKW-Betreiber) ja auch. Von daher sind die AKWs in Deutschland und Japan auch entsprechend sicher....(dachte ich...)
...mir war es völlig egal, ob die die Laufzeiten verlängern oder nicht...
Zwei Tage später fuhr ich in die 230 km entfernte Stadt Fukushima, da ich dort etwas zu erledigen hatte. Auf den Rückweg machte ich noch einen Zwischenstopp in Koriyama, bevor ich weiter nach Tokyo zurück fuhr...
Ich fand, das Fukushima eine sehr schöne Stadt ist...auch das Umland, die Natur und die Berge...auch die Leute, die ich dort antraf, waren sehr nett, woran sich Kyoto mal ein Beispiel nehmen könnte... 

Wieder in Deutschland, ein halbes Jahr später... Freitag Morgen, 11.03.2011, in den Nachrichten wird über ein stärkeres Erdbeben im japanischen Norden berichtet.
Ich dachte nur, wird nicht so schlimm sein... Erdbeben gibt es ja in Japan öfter, das ist nicht außergewöhnlich...
Ich gehe zur Arbeit, das Erdbeben ist schon wieder weg aus meinem Kopf.

Als wir abends die Tagesschau sahen, wurde ich wieder daran erinnert. Ich war erschrocken, auch wegen dem eingetretenen Tsunami, wovon die nun berichteten. Ich merkte nun, das dass alles ein sehr großes Ausmaß hatte...
Als die dann über die durch das Erdbeben verursachten Störfälle in den AKWs Onagawa, Fukushima dai ichi, dai ni und Tokai berichteten... schimpfte ich verärgert, was soll denn das...warum sagen die das? Das haben die doch schon längst wieder im Griff... damit machen die doch nur die Leute verrückt... nachher denkt da noch einer, da sei eins hoch gegangen...  
In der nachfolgenden Sondersendung sah ich noch mehr von den Ausmaß...wie der Tsunami ganze Landstriche weg gespült hatte... und sogar den Flughafen von Sendai erreichte, der ja nun wirklich nicht direkt an der Küste liegt...
Auch im AKW Fukushima dai ichi spitzte  sich die Lage weiter zu... die Stromversorgung für die Kühlung der Reaktoren ist ausgefallen, es läuft nur noch die Notstrombatterie, die etwa 6 Std. vorhält...
Ich war mir jedoch sicher, das man es bis zum nächsten Morgen in den Griff haben würde... trotz der Schäden an den Reaktoren 1,2,3 und 4.
Die Reaktoren heizten sich auf. Reaktor 4 war wegen Wartung ohne Brennelemente, Die Reaktoren 5 und 6 waren ebenfalls heruntergefahren, da dort auch eine Wartung anstand.
Radioaktiver Dampf wird abgelassen, um den Druck zu mindern. Wasserstoffexplosion im
Reaktorgebäude 1... ich war mir aber sicher, dass die Sache nach dem Wochenende ausgestanden sei...


Weitere Wasserstoffexplosionen, Evakuierung im 10 km Umkreis, die, wie ich später erfuhr schon Samstag Morgen statt fand... und am Folgetag auf 20 km ausgeweitet wurde.
Eine drohende Kernschmelze in 3 Reaktoren wurde verlautet. Ich überlegte, was man da noch machen könnte, obwohl ich ja kein Experte bin...,,ob man die Reaktoren nicht mit Trockeneis kühlen könne’’?... Es wurde jedenfalls Meerwasser genommen...


Da, wo ich ein halbes Jahr zuvor noch überall selber entlang gelaufen bin, ist jetzt alles verstrahlt... langsam aber sicher verliere ich den Glauben an die Sicherheit der Kernenergie und beginne mich zu informieren... Ich wusste ja noch nicht einmal, das die Brennelemente nach Gebrauch erst einmal jahrelang im Abklingbecken abkühlen müssen... ich hatte gedacht, ein paar Stunden reichen...
Denn das Ganze hatte mich ja vorher auch nie interessiert...


Ich erinnere mich zwar noch an den Super-GAU von Tschernobyl, aber das war ja alles veraltete Technologie und eine Verkettung von Handhabungsfehlern.... und wir hatten damals den Medien auch tatsächlich geglaubt, dass die radioaktive Wolke, die über Deutschland zog, keine großartige Gesundheitsgefahr dar stellt...

Als ich in Fukushima war, wusste ich noch nicht einmal, das da überhaupt zwei AKWs an der Küste stehen...ich kannte nur Tokai, 100 km von uns.
Nach all den Recherchen, die ich betrieben habe und den Informationen, die ich mir eingeholt habe, ist mir bewusst geworden, wie gefährlich die Kernenergie und dessen Hinterlassenschaften sind...

Sommer 2011, Tokyo. Du hast morgens die Klüsen noch nicht ganz auf, und schon hast du 10 mal das Wort ,,Genpatsu“ (AKW) in den Nachrichten gehört...
Bei jeden Erdbeben zuckst du gleich zusammen... nicht das da wieder was mit dem AKW ist...

Die Anti-AKW-Bewegung ist sprunghaft angewachsen und ich hätte ein Jahr zuvor auch nie gedacht, dass ich mal auf einer Anti-AKW-Demo mitgehen würde... in Tokyo bin ich dann zum ersten Mal auf einer Demo gewesen... das war mir sehr wichtig.


Wir sitzen beim Abendessen, Nachrichten, es wird  berichtet, das Cäsium137 im Rindfleisch nachgewiesen wurde, und die gesamte Küste hinunter, vom Landkreis Fukushima, über Tokyo, Shizuoka bis hin nach Osaka betroffen ist...
Ich schaute auf meinen Teller...Gott sei Dank kein Rindfleisch...wir hatten Fisch, der aus Indonesien importiert wurde...
In Deutschland sind wir dem EHEK entflohen...und hier?
Seit dem hat sich in Japan sehr viel verändert, es ist nichts mehr wie früher...
Ich erinnere mich, wie ich unbeschwert in Fukushima am Hauptbahnhof Sushi gegessen habe, die, wie ich heute weiß, im Meer vor dem AKW Fukushima dai ichi gefischt worden sind . . .

 

12/2011 der ,,japanische Günter Wallraff’’

im AKW Fukushima dai ichi

Der Undercover-Reporter S. nimmt im Frühjahr 2011 eine Stelle als Leiharbeiter bei einem Subunternehmer im AKW Fukushima dai ichi an, worüber er im Dezember berichtete.

Das Arbeiten in voller Montur (Strahlenschutzanzug, Vollmaske, Handschuhe), machte uns bei der schwülen Hitze ziemlich zu schaffen. Der Schweiß lief uns bis in die Stiefel und wir waren völlig dehydriert, weil wir nicht genügend Wasser trinken konnten. Es bildete sich ein Hitzestau unter dem Anzug... bis es mir schwarz vor den Augen wurde... ich bin zusammengeklappt. Kollegen trugen mich an ein kühleres Plätzchen... ,,du bist nicht der Erste’’...

Ich hörte von Weiten, wie jemand rief ,,wir sterben, wir sterben, diese Hölle bringt uns alle um’’...
An Lohn bekam ich 15000 Yen (140 Euro) pro Tag, inklusive einer Strahlendosis von

0,6 mSv/h dazu...
Schön ist die Arbeit nicht, aber wir brauchen das Geld. Denn viele Leute haben ihren eigentlichen Job durch den Tsunami verloren und sind jetzt als Leiharbeiter tätig; obwohl sie vorher noch nie ein AKW von Innen gesehen haben... denn, eine andere Perspektive gibt es momentan nicht...

       

Ein AKW-Hilfsarbeiter, der bei einem Subunternehmer tätig ist und anonym über die Zustände und den schlechten Arbeitsbedingungen in den AKWs berichtet.

Ein weiterer ungelernter Hilfsarbeiter, der obdachlos ist und ebenfalls Reinigungsarbeiten im Reaktor durchführt, leidet schon an den Symptomen, die auf die ständige radioaktive Strahlung zurückzuführen sind (Bd.Bilder: Aus den Videoausschnitten)

Ein weiterer Leiharbeiter, der für wenig Geld und viel Strahlung bei einem Subunternehmer arbeitet (Bild: Screenshot).


Fachkundiges Personal ist hier auch sehr rar geworden... und das in solch einer Krisensituation.
Viele Arbeiter tricksen ihre Dosimeter aus, damit es weniger Radioaktivität registrieren kann. Sie stecken es in die Socken oder tragen es mit der Messseite zur Brust gewandt. Denn wer das Gesamtlevel erreicht hat, darf hier nicht mehr weiter arbeiten.
... ,,ich brauche den Job, von was sollen wir sonst leben’’?...

Ende November 2011, die Lage im AKW ist weiterhin sehr kritisch. Ungeachtet dessen verkündet die Regierung im Dezember stolz, das die Kaltabschaltung vollzogen sei... was alles nur gelogen ist...statt dessen lecken Rohre, dies und das funktioniert nicht, auch weil Tepco an allen Ecken und Enden spart...


Ich bekomme hautnah mit, wie Reparaturarbeiten oft nur notdürftig durchgeführt werden. Es fehlt an Werkzeug und Material. Plastikschläuche, die den Frost und der Strahlung nicht lange standhalten, ersetzen die fehlenden Metallrohre an der Dekontaminationsanlage. Passende Verbindungsstücke für andere Rohre fehlen...
,,Wir müssen uns immer irgendwie behelfen... also werden die einfach nur zusammengesteckt... das muss halten“.
Oft beobachtete ich auch, das Arbeiter, im Freien eine Raucherpause einlegten, wozu die Maske abgezogen wurde... Ich dachte nur... die Strahlung, die ganzen giftigen Partikel...
Die Filter für die Atemmasken dürfen laut Tepco-Anordnung (aus Kostengründen) nicht zu häufig gewechselt werden. Und ab dem Herbst gab es auch gebrauchte Strahlenschutzanzüge aus anderen Kraftwerken,...,, die sind noch gut, die kann man ja hier ruhig noch einmal benutzen’’...
Die Gummistiefel sind oft löchrig und Ende März gab es auch noch nicht einmal für jeden ein Dosimeter, man musste es als Gruppe benutzen...
Die Strahlenmessung der Arbeiter am Schichtende erfolgt stets eher oberflächlich...
... die Geräte könnten ja zu viel anzeigen...
Tepco schiebt jedoch die Verantwortung der Arbeiter auf die Subunternehmer ab, und dieser wiederum auf Tepco.
Als ich den Job im AKW beendete, wusste ich noch nicht einmal, wie hoch meine Gesamtstrahlung war die ich abbekommen habe...

 

04/2012 Leichensuche in der Sperrzone, ein Helfer berichtet

Wir tragen Strahlenschutzanzüge und sind mit Strahlenmessgeräten unterwegs, um Leichen zu suchen... ständig schlagen die Geräte Alarm, so das wir die Suche unterbrechen und die Sperrzone schnell zu verlassen müssen...


Ein Toter, den wir 5 km vom AKW entfernt fanden, war so stark verstrahlt, das wir ihm in einen Plastiksack packen mussten und in einem leerstehenden Gebäude zwischendeponierten. Eine so stark kontaminierte Leiche durfte auf keinen Fall den Angehörigen zur Einäscherung übergeben werden. Denn durch das Verbrennen würden radioaktive Partikel frei gesetzt werden... es gab somit auch keine Möglichkeit für die Angehörigen sich noch einmal zu verabschieden.
Überall finden wir Leichen, unter dem Schutt, den der Tsunami hinterlassen hat, auf den zerstörten Straßen, in Autowracks... 
Die ganzen Schuttberge und der Schlamm erschweren die Arbeit erheblich.
,,Der Anblick dieser aufgedunsenen, teilweise bis zur Unkenntlichkeit verletzten und süßlich-faulig riechenden Leichen ist echt grauenvoll... ich finde nachts keine Ruhe mehr... kann nicht mehr durchschlafen’’...(03/2011, ein Helfer aus Futaba, der Ort, zu dem das AKW gehört).

Der Postbeamte S., ebenfalls aus Futaba (1200 EW) hat, wie viele Andere auch, seine Heimat verloren und haust nun in einer Notunterkunft, zwischen Pappkartons und Wolldecken.
Als das Erdbeben und der Tsunami vorbei waren, dachten wir noch, das wir da noch glimpflich weg gekommen sind, da unser Haus noch weitgehend unversehrt geblieben ist.
Doch als dann am nächsten Morgen, so kurz vor 7:00 Uhr ein Lautsprecherwagen der Stadtverwaltung durch die Straßen fuhr und aufforderte, Futaba sofort zu verlassen, wusste ich sofort, das da irgendwas mit dem AKW faul ist....
Es ist nur 3 km von uns entfernt...
Meine Eltern und ich packten noch schnell wichtige Dokumente und ein paar Sachen zusammen. Kurz darauf saßen wir auch schon im Auto...
Verkehrschaos, da nun alle unterwegs waren. Zumal die Straßen auch noch teilweise zerstört waren... wir brauchten über eine Stunde für eine Fahrt, die normaler weise 10 Minuten dauert.
Nach ein paar Tagen war uns klar, das wir in unser Haus mit den schönen Garten, nicht mehr zurückkehren können... alles verstrahlt . . .

 

Insider-Video: Die AKW Arbeiter

Leiharbeiter von Subunternehmern berichten über die gefährlichen Arbeiten im AKW, die sonst keiner machen will, z.B.: Reinigungsarbeiten im Reaktor.

Bild: Filmausschnitt aus Insider-Video  

 

Hidden exposed nuke power plant worker 1

日本の隠された被爆労働者

Ein englischer Journalist deckt auf. Er spricht mit Insidern, die in verschiedenen AKWs als Tagelöhner beschäftigt sind. Obdachlose, die in Parks angesprochen werden...wenn sie dann verstrahlt sind, werden sie gekündigt. Das Video ist auf englisch/japanisch.