Japanische Medienberichte

Unter dem Einfluss der Atomlobby - Wie japanische Medien berichten

Die großen Zeitungen, der öffentlich rechtliche Fernsehsender NHK ( 日本放送協会 Nippon Hoso Kyokkai), sowie weitere Medien wurden schon in der Vergangenheit, damit dessen Berichterstattungen stets atomfreundlich bleiben, durch die Atomlobby, die auch die Politiker voll im Griff hat, finanziell „unterstützt“, besser gesagt, milde gestimmt. Durch die Einführung des Geheimhaltungsgesetzes von 2014 und der damit verbundenen Einschränkung der Pressefreiheit, stehen die Medien unter einen noch viel größeren Druck der Atomloby.

Ausschnitt einer NHK-Reportage (Bild: screenshot)

Kurz um: Eine kritische Berichterstattung bezüglich der Atomenergie, ist vor allem seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima nicht erwünscht. So wurde z.B. ein Fernsehmoderator von seinem Arbeitgeber NHK abgemahnt, weil er in einer Repotagesendung, die ein paar Wochen nach Beginn der Reaktorkatastrophe ausgestrahlt worden ist, das Wort „Kernschmelze“ in den Mund genommen hatte. Denn in dieser Zeit versuchte der Stromkonzern Tepco, der das AKW Fukushima dai ichi zu verantworten hat, noch krampfhaft die eingetretene Kernschmelze in den Reaktoren 1 bis 3 zu verheimlichen.

Ein sehr bekannter TV-Schauspieler, der auch in vielen Serien eine Rolle spielte, bekam auf einmal, nach dem er die Atomkraft öffentlich kritisierte und sich als Atomkraftgegner geoutet hatte, keine Aufträge mehr.

Aufgrund der zensierten Berichterstattungen in den Massenmedien bleibt die Wahrheit schon mal ganz gerne unausgesprochen. Stattdessen werden unter anderem auch die Gefahren der erhöhten Radioaktivität in der Präfektur Fukushima verharmlost. Die schwerwiegenden Dauerprobleme am havariertem AKW Fukushima dai ichi kommen auch nur in abgeschwächter Form zur Darstellung, damit das alles nicht zu dramatisch klingt.

Über Anti-AKW-Demos wird in den öffentlich rechtlichen Medien quasi gar nicht berichtet. Auch nicht kurz nach Beginn der Reaktorkatastrophe, als die Anti-AKW-Bewegung sprunghaft angestiegen ist und man eine verstärkte Berichterstattung von den Demos im Fernsehen erwartet hätte. Das wurde jedoch „auf Wunsch der Atomlobby“ komplett tot geschwiegen.

Als man die stetig wachsende Anti-AKW-Bewegung jedoch nicht mehr einfach so ignorieren konnte, wurde darüber kurz berichtet. Die Teilnehmerzahlen wurden jedoch stets niedriger angegeben, als es der Tatsache entsprach.  

Die Regierung stellt die Atomkraft als unverzichtbar dar und im Fernsehen werden die neuen strengeren Sicherheitsanforderungen für AKWs propagiert und gezeigt, wie hochkompetente Ingenieure die Reaktorsteuerung „im Griff“ haben und weitere Mitarbeiter „gewissenhaft“ und „sorgfältig“ mit dem radioaktiven Brennmaterial umgehen.

Zum Teil wird über die Massenmedien eine regelrechte Gehirnwäsche betrieben. Nur wenige Medien, die unabhängiger sind, berichten nach besten Wissen und Gewissen. Hierzu gehört unter anderem auch die „Tokyo Shinbun“, eine Tageszeitung, die nach besten Wissen wahrheitsgetreu und ungeschönt auch über die Themen wie die „Atomkraft“ berichtet.

Berichterstattungen von Privatpersonen, z.B. Insidervideos auf Youtube oder in Blogs wurden einfach gelöscht, wenn diese zu kritisch, also zu wahrheitsgetreu waren und somit am Image der Atomlobby kratzten.

So wurden schon einige Youtube-Videos, die am AKW Fukushima dai ichi gedreht worden sind, einfach gelöscht.

In einem Youtube-Video, was im April 2011 ins Netz gestellt worden ist, irren AKW-Mitarbeiter, die die Panik im Gesicht stehen haben, hilflos durch dunkle Gänge des Reaktorgebäudes, in dem sich gerade eine Kernschmelze ereignete. . . Einer brüllt: „159 µS/h. . . man hört den Geigerzähler immer energischer piepsen, während der eine Mitarbeiter immer höhere Werte ausrief. Dann brüllt einer der Mitarbeiter: „Error“, das Gerät zeigt nur noch „Error“ an . . .  (Hier sind die Strahlenwerte so hoch angestiegen, dass das Gerät, was die AKW-Mitarbeiter im Video hatten, diese nicht mehr erfassen konnte und somit nur noch „Error“ anzeigte. Die Werte waren zu hoch und lagen somit außerhalb des Messbereiches).

Bei diesem Video bekam man echt Gänsehaut. Es wurde jedoch kurze Zeit später von Youtube einfach gelöscht. Denn das Video brachte einem nämlich nahe, wie es sich anfühlt, neben einer Kernschmelze zu stehen. . . So etwas ist von der Atomlobby natürlich nicht erwünscht – also weg damit!

Auch der Blog eines AKW-Arbeiters, der wahrheitsgemäß und ungeschönt über die Zustände am AKW Fukushima dai ichi berichtete, war unerwünscht und wurde einfach gelöscht.

Kurz um: In den Massenmedien, wie dem Fernsehsender NHK soll eine heile Welt, in der man sich wohl fühlen kann, vermittelt werden. Die „heile Welt“ besteht aus Reiseberichten, Kochsendungen, Talkshows, allgemein gehaltenen Wissenschaftssendungen, Serien, Sendungen über schöne Ausflugsorte innerhalb Japans und viel Werbung. Eine Auslandsberichterstattung darf auch schon einmal, je nach Thema, etwas kritischer sein, betrifft ja nicht Japan.

Was atomkritische Medien und Organisationen aus Japan über Deutschland berichten (Auszug)

Im Allgemeinen gilt Deutschland in Japan als Vorbild für einen Atomausstieg und als Vorreiter für die Energiewende. Die Probleme und Hindernisse, die die Energiewende und den Atomausstieg in Deutschland behindern, bzw. blockieren, sind in Japan eher weniger bekannt (Stand: 04/2015).

 

Demo in Düsseldorf „Fukushima mahnt: Atomausstieg jetzt – auch in NRW“

Das japanische „Social Inovation Magazine“ berichtet auf seiner Homepage „alterna“ über die Antiatom-Demo in Düsseldorf vom 14.03.2015 und in Belgien vom 15.03.2015, die anlässlich des Fukushima-Jahrestages und der regionalen Atomprobleme veranstaltet worden sind.

Auszug aus der Webseite mit der Berichterstattung zur Antiatom-Demo in Düsseldorf.

Japanische Antiatom-Organisationen

Die Tanpoposha ist eine überregionale Antiatom-Organisation in Japan, die Info-Veranstaltungen, Demos organisiert und regelmäßig einen News Letter mit den neusten Informationen aus der Atom- und Energiepolitik, den Geschehnissen am AKW Fukushima dai ichi und der betroffenen Bevölkerung per Mail verschickt.

Auszug aus dem Tanpoposha News Letter von Mitte März 2015

Hier wird das Projekt „Hilfe für Japan 2011“ der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Dortmund vorgestellt, bei dem für Kinder aus Fukushima Erholungsaufenthalte in Okinawa, Südjapan mithilfe von Spenden aus Deutschland ermöglicht werden.

Die Tanpoposha sagt allerdings auch, dass das beschämend ist für die Japaner. Damit ist gemeint, wenn man zwischen den Zeilen liest, dass so manch ein Japaner statt die Strahlenopfer zu diskriminieren, was leider sehr häufig vorkommt, denen lieber helfen sollte. (Die Strahlenopfer von Fukushima werden sehr oft benachteiligt, bzw. diskriminiert, z.B. bei der Wohnungs- oder Jobsuche).

Berichtet wird im nachfolgenden Artikel auch über eine Veranstaltung der DJG Dortmund, die Anfang März stattfand. Es wurde der Film „A 2 – B – C“ gezeigt, der von Kindern in Fukushima handelt, dessen Schilddrüsen im Rahmen einer Reihenuntersuchung untersucht worden und entsprechend der A – B – C-Einteilung als „ohne Befund“ bis hin „dringender Verdacht auf Krebs“ eingestuft worden sind. Der Film berichtet auch darüber, wie die Regierung mit den Strahlenopfern umgeht und Gefahren der Radioaktivität verharmlost.

Auszug aus dem Tanpoposha-News Letter

 

Auch die deutschen Medien sind, wenn es um kritische Berichterstattung geht, nicht ganz frei. Die Einschränkung ist zwar nicht so stark ausgeprägt wie in Japan, aber auch hier können die Medien nicht „nach Lust und Laune“ berichten, was ihnen zu Ohren kommt.

So wurde zum Beispiel der Fernsehsender ARD von der Bundesregierung „ermahnt“, als in der Sendung „Monitor“ von Januar 2001 über den Einsatz von Uranmunition (abgereichertes Uran in Form von „Miniatombomben“) im Golfkrieg und weiteren Einsatzorten und den Folgen der radioaktiven Verseuchung, wozu auch das „Golfkriegssyndrom“ gehört, berichtet worden ist.

Denn die Berichterstattung enthüllte die Geheimnisse der Uranmunition, einem Abfallprodukt aus der Urananreicherung. Denn genau das war nämlich ein Militär- und Staatsgeheimnis, was eigentlich nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollte.

Mehr Infos auf „arge-ja.at“ (Arge ja zur Umwelt – Nein zu Atomenergie)