Kein Endlager für Atommüll

Schon seit Beginn des Atomzeitalters wurde das Thema Endlagerung nicht berücksichtigt bzw. auf die lange Bank geschoben.

Hochradioaktiver Atommüll, der in mehr als 1000 Jahren weiterhin so strahlen wird wie heute!

In den Salzstöcken Asse und Morsleben rosten die vielen Atommüllfässer schon fleißig vor sich hin und laufen aus. Grundwasser dringt laufend in den Salzstock ein, die Salzkammern werden instabil und drohen einzustürzen. Da man die Asse damals schon als Endlager bestimmt hatte, wurden die Atommüllfässer dort einfach hinein geschmissen. Schäden an den hochradioaktiven Fässern wurden dabei in Kauf genommen. Das war egal.

Salz ist zwar undurchlässig für Strahlung und hält auch hohe Temperaturen aus, ist aber sehr stark wasserlöslich! Grundwasser und die Feuchtigkeit der flüssigen Strahlenabfälle lassen die Salzkammern dahin schmelzen.  

Atommülllager Asse: Verrottende Atommüllfässer, die aus dem Salz schauen.

Die Folgen der Asse sind schon deutlich sichtbar. Zwischen 2002 und 2009 traten doppelt so viele Leukämiefälle und 3 mal so viele Schilddrüsenkrebserkrankungen auf als in den Jahren zuvor. Bei Neugeborenen fällt auf, das mehr Jungen als Mädchen in der Asse-Region auf die Welt kommen. Das ist ein deutlicher Hinweis für biologische und genetische Auswirkungen, die aufgrund der dauerhaften Niedrigstrahlung resultieren.

Das sind die ersten Ergebnisse gravierender Fehler, die schon in früherer Zeit bei der Endlagerauswahl gemacht worden sind. Von daher ist es absolut unverständlich, dass diese Fehler in Gorleben wiederholt werden sollen! Denn der Salzstock in Gorleben ist nicht besser als die Asse. Zudem befinden sich die Salzstöcke Asse, Gorleben und Morsleben mitten in Deutschland.

Weltweit gibt es nach 50 Jahren AKW-Betrieb immer noch kein einziges sicheres Endlager!

Das ist wie bei einen Flug, wo es am Zielort keine Landemöglichkeit gibt. Also ein Kamikaze-Flug.

Politiker aller Parteien verdrängen dieses Problem stets sehr gerne, vor allem dann, wenn wichtige Wahlen anstehen.

Der Salzstock in Gorleben, der seit 30 Jahren diskutiert wird, war im Grunde nur eine politische Entscheidung aus Rache an die damalige DDR, die zuvor das an der deutsch-deutschen Grenze gelegene Morsleben als Endlager eingerichtet hatten.

Obwohl sich die Sicherheitsbedenken mehrten, wurde weiterhin in das Endlagerprojekt Gorleben investiert. Über 1,6 Mrd. Euro hat das aussichtslose Projekt schon gekostet.

Im End-bzw. Zwischenlager Rokkasho (gesprochen: Lockascho), Präfektur Aomori, auf dem schmalen Landabschnitt in Nordjapan, werden die Atommüllfässer in Beton gegossen und oberirdisch gelagert. Der Beton wird schon langsam porös.

Der gesamte Atommüll aus dem ganzen Land wird dort hin gebracht, auch der aus dem tiefsten Süden.

Und die Auswahl des schmalen Landabschnittes als Endlagerstandort ist auch kein Zufall gewesen!

Die Lagerkapazität im Atommülllager Rokkasho ist nahezu erschöpft. Eine Havarie könnte die gesamte Nordhalbkugel in Mitleidenschaft ziehen.

Die Abklingbecken der AKWs quellen bald über. Sie sind bis zu 95% mit Brennelementen ausgelastet, die dort schon teilweise seit 15 Jahren lagern.

So auch im havarierten AKW Fukushima dai ichi, was vor allem wegen Reaktor 4 zum ernsten Problem werden könnte. Denn das volle Abklingbecken liegt im 4. Stock, also in 30 Meter Höhe und das Reaktorgebäude ist einsturzgefährdet.

Weltweit werden unterirdische Salz, Ton und Granitformationen auf Dichtigkeit untersucht.

In Deutschland werden weiterhin die Salzstöcke auf Eignung als Endlager überprüft, obwohl das Ergebnis eigentlich schon klar ist. 

Süddeutschland ist seismisch aktiv. In Norddeutschland werden die vorhandenen Tonformationen untersucht. Bis jetzt wurde weltweit kein ideales Wirtsgestein gefunden.

Finnland, was wie die anderen nordischen Länder auch, über reichlich Granitformationen verfügt, baut nun ein Endlager in Olkiluoto. Aber auch  Granitgestein ist auf Dauer nicht dicht genug, um Radioaktivität von der Umwelt fern zu halten.

Laut Beschluss der EU-Kommission von 07/2011 müssen alle kernenergienutzenden Länder bis 2015 eine Lösung für die Endlagerung gefunden haben. Andernfalls drohen Sanktionen aus Brüssel.

In Deutschland muss bis zur politischen Sommerpause 2012 das Endlagergesetz stehen. Dem nach sollen alle möglichen Standorte durch Bund und Länder ergebnisoffen und objektiv geprüft werden(Stand: 05/2012).

Trotz der Dringlichkeit ist in Deutschland voraussichtlich bis 2030 noch nicht mit einem Endlager zu rechnen.

Der umstrittene Salzstock in Gorleben bleibt trotz seiner Mängel für die Politiker weiterhin attraktiv, da dort schon soviel Geld investiert wurde. Zur Zeit herrscht dort jedoch wieder einmal Baustopp. Andere Standorte wurden bisher nur sehr halbherzig untersucht.

Die ehemalige Eisenerzgrube Schacht Konrad steht in Diskussion als potentielles Endlager für schwach und mittelradioaktiven Atommüll ohne große Wärmeentwicklung. Zu dem verfügt der Schacht über einen sehr großen Förderkorb, der sich hervorragend auch für die Einlagerung von radioaktiven Sperrmüll, wie etwa alte Reaktorteile usw eignet.

Schacht Konrad ist jedoch mehr eine politische aber keine wissenschaftlich fundierte Entscheidung.

Es sollen dort etwa 303 000 m³, inklusive knapp 900 kg Plutonium und etl. der Atommüll aus der Asse untergebracht werden. Dort würde Der Atommüll für eine Mio. Jahre in 1000 Metern Tiefe unter der Stadt Salzgitter lagern! Der Umbau von Schacht Konrad zum Endlager wurde im Atomkonsens 2000 durch die damalige rot-grüne Bundesregierung beschlossen und 2 Jahre später genehmigt.

Der Umbau erfolgt durch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) seit 2009. Die Kosten bis zur geplanten Fertigstellung 2019 belaufen sich voraussichtlich auf ca. 2,6 Mrd. Euro.

Das Atommüllproblem fängt schon mit dem Uranabbau an. Dabei häuft sich die radioaktive Schlacke als Rückstand des Uranabbaus auf großen Flächen an und verstrahlt die Umgebung.

Die einzige deutsche Uranaufbereitungsanlage Urenco/UAA in Gronau hat 2005 unter einer rot-grünen Bundesregierung und einer rot-grünen NRW Landesregierung die Genehmigung zum Ausbau der Anlage und eine passable Laufzeitverlängerung erhalten.

Die Wiederaufbereitungsanlage in La Hague, Frankreich und Sellafield, England wurden dem Bürger als ökologisch verkauft. ,,Die gebrauchten Brennelemente werden wiederverwertet''. Die wiederaufbereiteten MOX-Brennelemente beinhalten reichlich Plutonium, was noch mehr strahlt als die ,,normalen'' Uranbrennstäbe. Die Halbwertszeit von Plutonium beträgt

24 000 Jahre. In der Natur kommt Plutonium so gut wie gar nicht vor, höchstens in Spuren. Es entsteht in den Reaktoren der AKWs.

Fester, flüssiger und gasförmiger Atommüll, der sich immer weiter anhäuft. Radioaktive Gase, die schon im Normalbetrieb täglich über die Schornsteine der Atomanlagen in die Atmosphäre entweichen und das Abwasser, was in die Flüsse und das Meer geleitet wird, ist schon ein großes Umweltproblem.

In Deutschland lagern bereits schon über 12 500 Tonnen hochradioaktive Schwermetalle aus abgebrannten Brennstäben, sowie die Rückstände aus der Wiederaufbereitung.

Dazu kommen noch über 120 000 m³ schwach bis mittelradioaktiver Müll und über 2 Mio. Liter hochradioaktive Atombrühe. Über 99% des hochradioaktiven Atommülls stammen aus den AKWs.

5% der schwach bis mittelradioaktiven Abfälle kommen aus der Industrie und 0,4% aus der Medizin.

Jährlich kommen ca. 370 Tonnen hochradioaktive Abfälle hinzu, die in oberirdischen Leichtbauhallen, wie z.B. im Zwischenlager Ahaus oder auf dem AKW-Gelände bzw. im Abklingbecken lagern.

Auch in La Hague und Sellafield liegt noch deutscher Atommüll auf Halde. Die frühere rot-grüne Bundesregierung mit J. Trittin als Bundesumweltminister, versprach ein transparentes Verfahren zur objektiven Endlagerauswahl. Passiert ist jedoch nichts.

Die gesamten Kosten, die der Atommüll und die Endlagersuche, bzw. für den Bau und der Instandhaltung bleiben letztendlich am Steuerzahler kleben.

Dazu kommen noch die bereits eingetretenen Umwelt-und Gesundheitsschäden mit noch nicht absehbaren Folgen, die die behelfsmäßige End-und Zwischenlagerung so mit sich bringt, z.B.: Das havarierte Atommülllager Asse.

Nicht zu vergessen ist auch die bis in die 90er Jahren im großen Stil durchgeführte Entsorgung von Atommüllfässern ins Meer, die nun im Salzwasser friedlich vor sich hin rosten!

 

Endlagerproblematik in Japan

Japans einziges Atommüllendlager Rokkasho, Präfektur Aomori in Nordjapan existiert seit 1993 und stößt jetzt schon an seine Kapazitätsgrenzen. Der gesamte Atommüll aus allen AKWs, was im Jahr 800 Tonnen ausmacht, wird dort hin gebracht. Die Aufnahmekapazität ist jetzt schon um das achtfache überschritten. Wenn die AKWs noch bis Ende 2030 weiter laufen kommt da noch reichlich Atommüll hinzu, für den keine Lagerkapazität vorhanden ist. Deshalb quellen die Abklingbecken der AKWs auch schon bald über. Auch zusätzlich geschaffene Abklingbecken auf dem Gelände der AKWs sind schon gut ausgelastet. 

Im Atommüllendlager Rokkasho wird der hochradioaktive Atommüll zerkleinert, in Glaskokillen eingeschmolzen und in Fässern verpackt. Die Fässer werden dann einbetoniert und oberirdisch gelagert. Bild: Die  Wiederaufbereitungsanlage und Atommülllager Rokkasho, Präfektur Aomori in Nordjapan

Derzeit plant die japanische Regierung gemeinsam mit der Atomlobby dort einen Schacht mit zahlreichen Stollen in mehreren 100 Metern Tiefe zu buddeln. Laut der Regierung sind die tieferen Erdschichten seismisch nicht aktiv, so dass diese sicher sind. Unabhängige Experten raten jedoch dringend davon ab. Wasser kann eindringen und die Fässer verrotten lassen. Ein  Asse-ähnlicher Effekt würde dann sehr bald eintreten.

 

Entsorgung ins Meer

Knapp 150 000 Tonnen Atommüll wurden bis in die 90er Jahre ins Meer versenkt. Im europäischen Meer wurden die Atommüllfässer, darunter auch hochradioaktiver Müll in 4000 Meter Tiefe versenkt.

Die Seeleute, die diese Arbeiten verrichten mussten, trugen keine Schutzkleidung, waren über die Gefahren kaum informiert und der Strahlung laufend ausgesetzt.

Bei den Fahrten war wegen der hohen Strahlung stets Eile geboten, was bei Seegang und schlechten Wetter eher problematisch war. Die Fahrten zu den zugewiesenen Stellen in den Tiefseegebieten hätten dann zu lange gedauert, so dass man die Atommüllfässer schon in den flacheren Gewässern abgeworfen hatte. Dadurch stimmen die Seekarten, auf denen die vorgeschriebenen Abwurfstellen verzeichnet waren nicht mit der Realität überein. Deshalb gammeln auch Tausende von Atommüllfässern in küstennahen Gebieten wie dem Ärmelkanal, der nur bis zu 140 Metern tief ist herum.

Laut Schätzungen der IAEA setzt der Atommüll, der in den europäischen Gewässern versenkt worden ist eine radioaktive Strahlung von etwa 42 320 TBq (Terrabecquerel) frei.

Zum Vergleich: Die Gesamtradioaktivität im havarierten Atommülllager Asse wurde Anfang 2010 auf 2900 TBq geschätzt.

Heute sind die versenkten Fässer zum Großteil durchgerostet und der Atommüll ins Meer entwichen. An den Verklappungsstellen wurden schon erhöhte Plutoniumwerte im Meeresboden gemessen.

Eine Bergung der noch intakten Fässer ist laut den Behörden zu aufwändig. Auch weitere Untersuchungen dazu erfolgten in den letzten Jahren nicht mehr.

In der 80er machte Greenpeace auf die Verklappung der Atommüllfässer ins Meer aufmerksam und in den 90er wurde es dann endlich verboten.

Allerdings werden die radioaktiven Abwässer aus den Atommüllzwischenlager und Wiederaufbereitungsanlagen über Rohrleitungen weiterhin ins Meer geleitet.

In der Arktis ist immer noch Radioaktivität aus La Hague, Frankreich messbar. Zum Teil ist auch deutsches Seegras radioaktiv belastet.

 

Wohin mit dem Atommüll, der noch angeliefert wird?

Deutschland erwartet noch einige Castoren mit hochradioaktiven Atommüll aus La Hague und Sellafield. Das ist in Deutschland entstandener Atommüll, der zwecks Aufbereitung dort hingebracht wurde und bald wieder zurück genommen werden muss.

Die innerdeutschen Lagerplätze für diese radioaktiven Abfälle sind jedoch noch weiterhin unklar und die Politiker machen sich gegenseitig Vorwürfe, statt eine brauchbare Lösung hervor zu bringen (Stand: 06/2013).

Um Atommüll am eigenen AKW lagern zu dürfen, ist eine Genehmigung nötig, die beim Bundesamt für Strahlenschutz beantragt werden muss. Zu diesem lästigen Procedere kommen noch die laufenden Kosten für die Lagerung des Atommülls. Von daher ist es ganz klar, dass keiner der Betreiber den Atommüll, der noch aus dem Ausland zu erwarten ist annehmen möchte (Stand: 06/2013). 

Müllcontainer für Atommüll. Entwurf: Petra  Alt