Nach Fukushima – die AKWs in Japan

 

Juni 2019

Nach Fukushima – die AKWs in Japan

Reaktoren, die nach der Katastrophe von Fukushima 2011 für eine eventuelle Wiederinbetriebnahme vorgesehen, bzw. nach Amtsantritt der damals neuen Atomaufsichtsbehörde NRA, stillgelegt worden sind.

Da nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima das Vertrauen der Bevölkerung in die damalige Atomaufsichtsbehörde NISA („Institution für Sicherheit der Kernenergie“) deutlich zurückgegangen ist, wurde 2012 eine neue Atomaufsichtsbehörde, die heutige NRA („Atomkraftregulierungsbehörde“),

 die sich als weltweit „strengste Atomaufsichtsbehörde“ bezeichnet, gegründet. Mit dieser Maßnahme wollte die Regierung das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnen und „mehr Sicherheit“ in Sachen Kernenergie vermitteln. Teilweise erschien die NRA aber tatsächlich „zu streng“; allerdings nicht in den Augen der Bevölkerung, sondern eher in den Augen der Stromkonzerne und der Regierung, die nämlich so schnell wie möglich viele Reaktoren wieder am Netz haben wollten.

Nach den neuen Vorschriften der NRA muss jeder Reaktor, der seit Ablösung der NISA, also „nach Fukushima“ erstmalig wieder in Betrieb genommen werden soll, eine umfassende Überprüfung auf Erfüllung der gesetzlich festgelegten Sicherheitsanforderungen durchlaufen, die im Vergleich zu früher tatsächlich etwas „strenger“ geworden ist. Nicht nur nach der Erstwiederinbetriebnahme „nach Fukushima“, sondern auch nach jeder Routinewartung eines Reaktors (alle 13 Monate), ist die Freigabe durch die NRA nötig. Dann erfolgt, wie auch vor der Reaktorkatastrophe schon üblich, die Genehmigung der Präfekturverwaltung.

Zurzeit befinden sich 12 Reaktoren an 8 AKWs in der NRA-Überprüfung (01/2019).

9 Reaktoren an 5 AKWs wurden durch die NRA bereits für „sicher“ befunden und sind wieder am Netz (Stand: 06/2019). (siehe AKW-Status)

Für das AKW Fukushima Daini, wurde schon mehrfach die Stilllegung gefordert und vom Betreiber Tepco, der sich davon nicht wirklich lösen will, auch schon mal halbherzig in Erwägung gezogen, jedoch bei der NRA bisher nie beantragt. Somit wird das AKW noch als „betriebsfähig“ gelistet.

Da ein Antrag auf Genehmigung zur Stilllegung eines Reaktors aber mit „größeren Umständen“ für den Betreiber verbunden ist, wird diese auch schon mal ganz gerne hinausgeschoben. Die „Umstände“ bestehen nämlich u.a. darin, dass ein aussagekräftiges Rückbau- und Entsorgungskonzept für den stillzulegenden Reaktor erarbeitet und vorgelegt werden muss. (Radioaktive Reaktorteile und Bauschutt).

Das erklärt auch warum für einige Reaktoren weder die Sicherheitsüberprüfung, noch die Stilllegung beantragt worden ist. Denn auch die Sicherheitsüberprüfung muss erst einmal aufwändig beantragt werden. Aber das „weder noch“ für die Reaktoren, die die NRA-Überprüfung eh nicht „bestehen“ würden, bereitet dem Betreiber nämlich keine „Umstände“ in Verbindung mit der NRA.

Bezüglich der Frage zur Wiederinbetriebnahme eines Reaktors wird von den Stromkonzernen nur die Wirtschaftlichkeit (Profit versus Sanierungskosten und Aufwand), aber nicht der Sicherheitsaspekt berücksichtigt. Und bei der „strengen“ NRA wird man das Gefühl nicht los, dass da mal hier und dort doch dann mal ein Auge zugedrückt wird. . .

 

20% der weltweiten Erdbeben finden in Japan statt!

Japan befindet sich nicht nur auf den pazifischen Feuerring, sondern auch auf der Schnittstelle von vier tektonischen Platten. Neben zahlreichen Vulkanen, die teilweise aktiv sind, ist es durchsiebt mit geologischen Verwerfungslinien, wovon einige seismisch aktiv sind.

 

Seeluft macht nicht nur hungrig, sondern auch rostig!

Jeder kennt den Spruch „Seeluft macht hungrig“. Im Falle von Metall ist es aber „rostig“! und somit gefährlich. Denn die salzhaltige feuchte Seeluft lässt Metall viel schneller rosten, so dass die japanischen AKWs, die alle am Meer gebaut sind, ständig mit Korrosionen zu kämpfen haben.

 

  ☢ Die von der NRA „ausgewählten“ AKWs und ihre Gefahren ☢

 

AKW Genkai

Lage: Präfektur Saga, Südjapan

Anzahl der Reaktoren: 4 DWR

Nach NRA-Freigabe wieder am Netz: Reaktor 3: (neben Uran auch mit MOX bestückt) und 4, Erstinbetriebnahme 1994 und 1997

Betreiber: Kyushu Elektrizitätswerke

Im 30km-Umkreis zum AKW liegen mehrere Ortschaften, darunter auch die beiden Großstädte Nagasaki und Fukuoka. Neben der Erdbebengefahr, befinden sich im Umkreis zahlreiche Vulkane, die, insbesondere der Berg Aso im Norden der Präfektur Kumamoto, teilweise aktiv sind. Ein Vulkanausbruch stellt aufgrund der herausgeschleuderten feinen Partikel durchaus eine ernste Gefahr für das AKW dar. Die Partikel können z.B. über die Kaltluftansaugvorrichtung in das Getriebe der Notstromaggregate gelangen und diese außer Betrieb setzen. Die Folgen wären fatal! Vorgeschaltete Filter sollen das angeblich verhindern. Der Katastrophenschutz- und Evakuierungsplan ist laut unabhängigen Experten unzureichend. Die Erdbebenserie von Kumamoto 04/2016 sollte eine Warnung sein. Die maximale Lagerkapazität der Abklingbecken der laufenden Reaktoren 3 und 4 ist in 3 bis 4 Jahren erreicht.

 

Störfälle (Auszug):

02/2018: Nach Wasseraustritt aus dem Sekundärkreislauf von Reaktor 3, wurde lediglich die Turbine gestoppt, der Reaktor gedrosselt, jedoch nicht heruntergefahren. Ursache für das austretende Wasser war ein durch Korrosion entstandenes Loch einer Rohrleitung. Hier war laufend Regenwasser unter die Isolierung des Rohres gedrungen, so dass eine beginnende Korrosion nicht bemerkt worden ist. Der zuvor von der NRA „nach weltweit strengsten Sicherheitskriterien“ überprüfte Reaktor war nach 7 Jahren Stillstad, gerade erst seit einer Woche wieder in Betrieb, als das Leck entdeckt worden ist. 16 weitere Rohrleitungen im Reaktor 3, sowie zahlreiche Rohrleitungen im Sekundärkreislaufes von Reaktor 4 wiesen ebenfalls Korrosionen und Leckagen auf.

05/2018: Kurz bevor der von der NRA freigegebene Reaktor 4 in Betrieb genommen werden sollte, drang radioaktives Wasser aus dem Primärkreislauf, weil 3 der 4 Pumpen defekt waren. Beim Ausfall aller 4 Pumpen wäre die Reaktorkühlung nicht mehr gewährleistet!

 

AKW Hamaoka

Lage: Präfektur Shizuoka, Ostjapan

Anzahl der Reaktoren: 5 SWR

Laufende NRA-Sicherheitsüberprüfung: Reaktor 3 und 4 (Erstinbetriebnahme: 1987 und 1993)

Betreiber: Chubu Elektrizitätswerke

Nicht umsonst halten viele renommierte Wissenschaftler das AKW Hamaoka für das gefährlichste AKW der Welt. Denn es befindet sich genau auf einer Subduktionszone, wo sich die philippinische unter die eurasische Kontinentalplatte schiebt! Dies führt zu Spannungen, die sich jederzeit spontan entladen können. Die Folgen wären fatal.    

 

Störfälle (Auszug):

05/2018: Korrosionen und Löcher an den Lüftungsrohren der Leitwarte von Reaktorblock 3. Das Abklingbecken für die Brennelemente verfügt über nur noch sehr wenig freie Kapazität.

12/2018: Am Kühlsystem von Reaktor 4 wurden von der Firma Toshiba verbaute Rohre entdeckt, die aufgrund gravierender Qualitätsmängel nicht erdbebensicher sind und auch sonst nicht den gesetzlich festgelegten Sicherheitsvorgaben entsprechen.

Beide Reaktoren werden zurzeit von der Atomaufsichtsbehörden NRA überprüft und sollen nach Wünschen der Chubu Elektrizitätswerke so rasch wie möglich wieder in Betrieb gehen.  

2006 verstopften zahllose Quallen die Meerwasseransaugung der gesamten Reaktorkühlung.

2006: aufgrund von Materialfehlern der Turbinenschaufeln vibrierte die Turbine von Reaktorblock 5. Diese wurde bisher noch nicht ausgetauscht (aus Kostengründen?).

2001 kam es im Notkühlsystem von Reaktorblock 1 zum bersten einer Rohrleitung und somit zur Wasserstoffexplosion.

Seit 1998 ist bekannt, dass sich in den Abklingbecken defekte Brennelemente befinden, wo man bis heute noch nicht weiß, wie man diese überhaupt bergen kann. Darunter befinden sich möglichweise auch MOX-Brennelemente, die davon betroffen.      

 

AKW Ikata

Lage: Präfektur Ehime, Südjapan

Anzahl der Reaktoren: 3 DWR

Nach NRA-Freigabe wieder am Netz: Reaktor 3: (neben Uran auch mit MOX bestückt)

Erstinbetriebnahme 1994, Betreiber: Shikoku Elektrizitätswerke 

Die 20km lange Landzunge, auf der das AKW Ikata liegt, verläuft direkt parallel zur mittleren tektonischen Linie, die sich über 1000km in Richtung Tokyo erstreckt. Der immer wieder aktive Vulkan Aso auf Kyushu, ist nur 130 km vom AKW Ikata entfernt. Da sich das AKW Ikata am Anfang der Landzunge befindet, wäre im Falle einer radiologischen Notfallsituation die Evakuierung der dahinterliegenden Ortschaften (5000 EW) nur noch über den Seeweg möglich.

 

Störfälle (Auszug):

07/2016: Trotz Sicherheitsüberprüfung und Freigabe durch die NRA, fiel kurz vor der Wiederinbetriebnahme eine defekte Kühlpumpe auf, die erst einmal ausgetauscht werden musste. Im Vollbetrieb hätte der Defekt fatale Auswirkungen. Ursache für den Defekt war ein Konstruktions- und Materialfehler.    

 

AKW Kashiwazaki Kariwa

Lage: Präfektur Niigata, Westjapan

Anzahl der Reaktoren: 5 SWR und 2 „verbesserte Form“ des DWR (ABWR)

Von der NRA freigegeben, jedoch noch nicht am Netz: Reaktor 6 und 7

Erstinbetriebnahme 1996 und 1997

Betreiber: Tepco

Das AKW Kashiwazaki Kariwa ist nicht nur wegen der Erdbebengefahr und weiteren geologischen Problemen (seismisch aktive Verwerfungen) heftig umstritten, zumal es sich hier um zwei SWR handelt. Denn der Betreiber ist nämlich genau derselbe wie am havarierten AKW Fukushima Daiichi. Mittlerweile ist auch bekannt, dass die Informationen seitens Tepco nicht immer korrekt sind.

Zurzeit werden noch ein paar „Nachbesserungen“ an beiden Reaktoren durchgeführt. Diese sind aber schon defacto zur Wiederinbetriebnahme freigegeben. Die eher skeptische Präfekturverwaltung hat bisher jedoch noch keine Genehmigung für die Wiederinbetriebnahme erteilt. Die Regierung hingegen unterstützt den Konzern Tepco, der mit der Wiederinbetriebnahme der beiden Reaktoren wieder mehr Einnahmen erzielen will, tatkräftig, indem der vorherige Präfekturgouverneur unter Vorspiegelung falscher Tatsachen abgesetzt worden ist. In Niigata bleibt man aber weiterhin standhaft.   

Die Aufnahmekapazität des Abklingbeckens der Reaktoren 6 und 7 reicht nur noch für ein Jahr! Diese sind nahezu voll!

05/2018: Korrosionen und Löcher an Lüftungsrohren der Leitwarte von Reaktorblock 7.

2017 wurde die Erdbebensicherheit sogar selbst durch die NRA infrage gestellt. Hierzu legte Tepco der NRA wissentlich falsche Daten zur Reaktorsicherheit vor. 

Störfälle (Auszug):

2007 hat nach einem Erdbeben der Stärke 6,6 ein Transformator gebrannt. Es kam zu Freisetzung von Radioaktivität, und 800 Liter Öl sind aus einem geborstenen Tank geflossen. 

2002 ist aufgefallen, dass Tepco wichtige Prüfdokumente über 16 Jahre lang gefälscht und Inspektionen aus Kostengründen stehts verschleppt hat. Dies betraft nicht nur das AKW Kashiwazaki Kariwa, sondern alle 17 Reaktoren, die Tepco betrieben hatte, darunter auch das havarierte AKW Fukushima Daiichi.

 

AKW Mihama

Lage: Präfektur Fukui

Anzahl der Reaktoren: 3 DWR

Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre,

jedoch noch nicht in Betrieb: Reaktor 3 (Erstinbetriebnahme: 1976)

Betreiber: Kansai Elektrizitätswerke

Unterhalb von Reaktor 3 verläuft eine seismisch aktive Verwerfung. Insgesamt weist das AKW-Gelände 9 geologische Verwerfungen auf, die zum Teil auch unterhalb der Reaktoren verlaufen. Etwas weiter südlich des AKWs verläuft eine 1km lange Verwerfung, die ebenfalls seismisch aktiv ist.

 

Störfälle (Auszug)

2004: Bei Wartungsarbeiten im Reaktor 2 wurden vier Arbeiter einer Leiharbeitsfirma mit 270°C heißem hochradioaktiven Wasserdampf verbrüht. Alle vier starben qualvoll an den Folgen der radioaktiven Verbrühung. Weitere 7 Arbeiter wurden verletzt. Durch abnutzungsbedingte Ausdünnung kam es zum Bersten einer Rohrleitung, so dass der radioaktive heiße Dampf plötzlich herausschoss. Die Abnutzung wurde aufgrund erheblicher Wartungsmängel über Jahre hinweg nicht bemerkt.

Durch die von der NRA zugesicherte Laufzeitverlängerung bleibt der Reaktor insgesamt 60 Jahre in Betrieb.

 

AKW Shika

Lage: Präfektur Ishikawa, Westjapan

Anzahl der Reaktoren: 1 SWR und 1 „verbesserte Form“ des DWR (ABWR)

Laufende NRA-Sicherheitsüberprüfung: Reaktor 2

Erstinbetriebnahme 2006

Betreiber: Hokuriku Elektrizitätswerke 

Unterhalb des mittlerweile stillgelegten Reaktors 1 verläuft eine langstreckige seismisch aktive geologische Verwerfung. Auch unterhalb des Reaktors 2 verlaufen mehrere geologische Verwerfungen, wovon eine, die unterhalb des Turbinengebäudes verläuft, ebenfalls seismisch aktiv ist.

 

Störfälle (Auszug)

1999 geriet der Reaktor 1 in eine sehr kritische Situation und konnte erst nach für 15 Minuten wieder unter Kontrolle gebracht werden. Aufgrund einer fehlerhaften Anleitung im Benutzerhandbuch wurden einige Steuerstäbe zurückgezogen, statt in den Reaktor eingefahren, so dass dieser immer kritischer wurde und eine Kernschmelze drohte! Dieser Vorfall wurde jedoch bis 2007 verschwiegen. Die Behörden wussten auch nichts davon.

 

 

AKW Ōi

Lage: Präfektur Fukui, Westjapan

Anzahl der Reaktoren: 4 DWR

Nach NRA-Freigabe am Netz: Reaktor 3 (auch mit MOX) und 4

Erstinbetriebnahme 1991 und 1993)

Betreiber: Kansai Elektrizitätswerke

Im Kobe-Stahlskandal von 10/2017 stellte sich heraus, dass beim Bau einiger Reaktoren, auch die des AKWs Ōi, minderwertiger Stahl verwendet worden ist. Bezüglich der Reaktoren 3 und 4 am AKW Ōi bestreiten die Kansai Elektrizitätswerke die Verwendung des besagten Stahls jedoch.

Durch das AKW-Gelände verläuft eine 900km lange Bruchzone. Unterhalb aller vier Reaktoren verlaufen gleich mehrere seismisch aktive geologische Verwerfungen, weshalb der Weiterbetrieb des AKWs, das „nach Fukushima“ mal kurzzeitig am Netz war, gerichtlich untersagt worden ist. Allerdings wurde das Urteil später wieder aufgehoben. Die Aufnahmekapazität des Abklingbeckens von Reaktor 4 ist in 5 bis 8 Jahren erschöpft. Im näheren Umkreis befinden sich die Großstädte Kyoto, Osaka und der Biwasee, ein sehr wichtiges Trinkwasserreservoir für die Kansai-Region.

 

Störfälle (Auszug)

05/2018: Bereits einen Tag nach der Wiederinbetriebnahme des von der NRA für „sicher“ befundenen Reaktors 4 kann es zum Störfall. Hier kam es zum Wasserstandabfall im Kessel des Dampferzeugers. Obwohl die Ursache nicht gefunden werden konnte, wurde der Reaktor in seiner Leistung weiter gesteigert.

06/2012: Kurz nach der Wiederinbetriebnahme nach erfolgter Revision des

Reaktors 3 kam es zum Wasserstandabfall im Kühlwassertank, der aufgrund von Leckagen in den Rohrleitungen verursacht worden ist. Dies wurde der damaligen Atomaufsichtsbehörde NISA jedoch erst verspätet gemeldet. Nach dem der Reaktor dann hochgefahren worden ist, kam es zu Vibrationen der Turbine, die dann aufgrund technischer Mängel ausgetauscht werden musste. Dann verstopften zahllose Quallen die Ansaugung für die gesamte Reaktorkühlung von Reaktor 3.

07/2012: Kurz vor der Wiederinbetriebnahme nach erfolgter Revision des

Reaktors 4, wurde festgestellt, dass die Notstromaggregate aufgrund einer technischen Störung im Ernstfall viel zu spät anspringen würden. Obwohl das Problem nicht zum ersten Mal auftrat, wurde der Reaktor denn noch hochgefahren.

 

AKW Ōma

Lage: Präfektur Aomori, Nordjapan

Anzahl der Reaktoren: 1 „verbesserte Form“ des SWR (ABWR), der sich noch im Bau befindet und ausschließlich mit MOX-Brennelementen betrieben werden soll.

Laufende NRA-Überprüfung: Reaktor 1

Betreiber: Dengenkaihatsu

Mit dem AKW Ōma, einem Voll-MOX-Reaktor, der ursprünglich schon 2012 in Betrieb gehen sollte, versprach sich die Regierung die Schaffung des „geschlossenen Brennstoffkreislaufes“, eine Vision, die man sich schon mit dem 1995 havariertem Schnellen Brüter Monju, Präfektur Fukui erhoffte. Mit dem AKW Ōma wird jetzt aber seitens der Politiker jedoch immer mehr eine mögliche Investitionsruine wie im Fall Monju befürchtet.

Die Halbinsel Shimokita, auf der sich das AKW Ōma befindet, weist eine Wölbung auf, die mit großer Wahrscheinlichkeit in Verbindung mit einer seismisch aktiven geologischen Verwerfung steht, die auch noch genau unterhalb des Reaktors verläuft. Dies war auch schon vor Baubeginn bekannt! Zudem verlaufen parallel der westlichen und nördlichen Küste Shimokitas jeweils eine geologische Verwerfung, die ebenfalls seismisch aktiv ist.  

 

AKW Onagawa

Lage: Präfektur Miyagi, Nordjapan

Anzahl der Reaktoren: 3 SWR

Laufende NRA-Sicherheitsüberprüfung: Reaktor 2

Erstinbetriebnahme: 1995

Betreiber: Tohoku Elektrizitätswerke

Das Gebäude von Reaktor 2 weist seit dem großen Tohoku-Erdbeben von 03/2011 zahllose Risse im Mauerwerk auf. Zum Teil dringt Regenwasser ins Gebäude ein, der bei Starkregen sogar bis in den Maschinenraum vordringt.

Störfälle (Auszug)

03/2011: Als das große Tohoku-Erdbeben eintrat, brach ein Feuer im Turbinengebäude aus. Im Reaktorblock 2 sprang die Notstromversorgung zwar an, fiel aber kurz darauf aus. Dabei trat Radioaktivität aus, die aber nicht, wie zunächst behauptet, aus dem havarierten AKW Fukushima Daiichi hervorging. 

Alle drei Reaktoren fuhren automatisch herunter und stehen seitdem still.

04/2011 Erneuter Stromausfall durch Nachbeben. Die Notstromversorgung sprang jedoch ordnungsgemäß an. Durch das Beben ist Wasser aus dem Abklingbecken von Reaktor 1 geschwappt. 

2007: Ein Störfall mit Resa (Reaktorschnellabschaltung im Notfall) des Reaktors 1, der sich 2007 ereignete, wurde erst gar nicht gemeldet! 

 

AKW Sendai

Lage: Präfektur Kagoshima, Südjapan

Anzahl der Reaktoren: 2 DWR

Nach NRA-Freigabe am Netz: Reaktor 1 und 2 (Erstinbetriebnahme 1984 und 1985)

Betreiber: Kyushu Elektrizitätswerke

In nur 140 km Entfernung zum AKW Sendai befindet sich der immer wieder aktive Vulkan Aso, im Norden der Präfektur Kumamoto, die auch schon im April 2016 wegen ihrer Erdbebenserie in die Schlagzeilen geraten ist. Der nur 50 km entfernte Vulkan Sakurajima zeigt ebenfalls vermehrt Aktivität mit zum Teil aufsteigendem Rauch. Teilweise musste in letzter Zeit sogar die Warnstufe 4 (von 5) „Vorbereitung einer Evakuierung“ ausgesprochen werden. Entlang der Reaktoren verlaufen mehrere geologische Verwerfungen, wovon eine seismisch aktiv ist.

 

 

Störfälle (Auszug)

08/2015: Kurz vor der Wiederinbetriebnahme des Reaktors 1, nach vierjährigem Stillstand, traten technische Probleme an der Kühlwasserpumpe auf. Obwohl die Ursache der Störung nicht geklärt werden konnte, wurde der Reaktor dennoch hochgefahren. Kurz nach der Wiederinbetriebnahme trat im Sekundärkreislauf Wasser aus undichten Rohrleitungen. Betroffen waren Rohrleitungen im Turbinenhaus, die zum Kondensator gehören. An Leitungen wurden sogar Risse mit einer Länge von 25 mm gefunden.

 

AKW Shimane

Lage: Präfektur Shimane, Südjapan

Anzahl der Reaktoren: 3 SWR

Laufende NRA-Sicherheitsüberprüfung: Reaktor 2 und 3, ein SWR (Erstinbetriebnahme 1989) und eine „verbesserte Form“ des SWR (ABWR), der sich noch in Bau befindet

Betreiber: Chikoku Elektrizitätswerke

Am fast fertiggestellten Reaktor 3 herrschte nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima erst einmal Baustopp. Dieser wurde jedoch wieder aufgehoben, so dass der Reaktor letztendlich fertiggestellt werden darf. Allerdings wies der Reaktorblock schon arge Korrosionen in den Lüftungsrohren der Klimaanlange der Leitwarte auf, die 2016 entdeckt worden sind. Schon vor Baubeginn des Reaktors 2 wurde in 2,5 km Entfernung zum AKW Shimane eine seismisch aktive langstreckige Bruchzone entdeckt. Und trotzdem wurde der Bau genehmigt!   

 

AKW Takahama

Lage: Präfektur Fukui, Westjapan

Anzahl der Reaktoren: 4 DWR

Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre erhalten: Reaktor 1 und 2 (Erstinbetriebnahme 1974 und 1975)

Nach NRA-Freigabe am Netz: Reaktor 3 und 4, beide auch mit MOX (Erstinbetriebnahme beider Reaktoren 1985)

Betreiber: Kansai Elektrizitätswerke

Das AKW Takahama läuft mit 2 Reaktoren, die auch mit plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen bestückt sind. Es liegt in der Fukui-Bucht, die mit insgesamt 15 Reaktoren eine sehr hohe Reaktordichte aufweist. Eine Nuklearkatstrophe (z.B. Erdbeben und Tsunami) wäre bei dieser Konstellation noch fataler! Erhöhte Gefahr für Mehrfachkernschmelzen! Allerdings wird diese Zusatzgefahr von der NRA nicht sonderlich berücksichtigt.

Die Abklingbecken der Reaktoren 3 und 4 sind jeweils bis zu 70% ausgelastet und wären somit in 5 bis 5 Jahren voll. Die beiden Altreaktoren 1 und 2 erreichen durch die Laufzeitverlängerung eine Gesamtlaufzeit von 60 Jahren.

 

Störfälle (Auszug)

06/2018: bei einer Routinewartung im Reaktorblock 4 wurden bis zu mehreren Millimetern lange Risse an einigen Rohrleitungen des Dampferzeugers gefunden. Im laufenden Betrieb stehen diese Leitungen unter sehr hohem Druck, wobei sie auch sehr hohen Temperaturen ausgesetzt sind.  

08/2018: Austritt von radioaktivem Dampf aus einer undichten Rohrleitung des Primärkreislaufes von Reaktorblock 4. 

09/2018: Arbeiter einer Leiharbeitsfirma wurden bezüglich der Schutzausrüstung nur unzureichend ausgestattet und haben somit eine deutlich höhere Strahlendosis erhalten. Ein klarer Verstoß gegen das Arbeitsschutzgesetz!

02/2016: Bei einer Routinewartung des Reaktors 4, wurde kurz vor der Wiederinbetriebnahme eine Leckage in einer Rohrleitung des Primärkreislaufes entdeckt. Hier ist radioaktives Wasser auf den Boden gelaufen. Nach dem der Reaktor gerade mal eine Woche in Betreib war, Resa (Reaktorschnellabschaltung, notfallmäßig) wegen einer technischen Störung im Bereich der Stromaggregate.

 

AKW Tokai

Lage: Präfektur Ibaraki, Nordostjapan

Anzahl der Reaktoren: 1 SWR

Laufzeitverlängerung für weitere 20 Jahre erhalten: Reaktor 1

Erstinbetriebnahme: 1978

Betreiber: JAPC

Obwohl die Dokumente bezüglich der Materialprüfung sehr lückenhaft sind, und diese somit erneut erfolgen muss, hat die NRA der JAPC die Laufzeitverlängerung für den Altreaktor Tokai 2 aber schon zugesichert. In der Materialprüfung wird der Reaktor auf Verschleißerscheinungen, z.B. auf Risse im Reaktorstahl untersucht. Durch die Gesamtlaufzeit von 60 Jahren erhöht sich das Risiko noch weiter.

Aufgrund der hohen Einwohnerdichte (knapp 1 Mio. Leute im 30 km Umkreis) wäre eine Evakuierung im Falle einer radiologischen Notfallsituation eher schwierig.  

 

Störfälle (Auszug)

05/2018: Es wurden Löcher an den Lüftungsrohren gefunden, die durch Korrosionen entstanden sind.

03/2011: im gesamten AKW kompletter Stromausfall und Resa durch das große Tohoku-Erdbeben. Die 3 Notstromaggregate sprangen zwar an, allerding wurde einer durch den Tsunami außer Betrieb gesetzt. Die „normale“ Stromversorgung des Reaktors konnte jedoch erst zwei Tage später wiederhergestellt werden.

06/2016: Fässer, die im AKW Tokai lagern, sind undicht geworden, so dass 750 Liter radioaktive Flüssigkeit ausgelaufen ist. Ursache für die entstandenen Leckagen war eine Druckerhöhung in den Fässern, die sich im Laufe der Zeit entwickelt hat.

 

AKW Higashidori

Lage: Präfektur Aomori, Nordjapan

Anzahl der Reaktoren: 1 „verbesserte Form“ des SWR (ABWR),  

Erstinbetriebnahme: 2005

Ein weiterer ABWR befindet sich noch im Bau

Laufende NRA-Sicherheitsüberprüfung: Reaktor 1

Betreiber: Tohoku Elektrizitätswerke

Betreiber des 2. Reaktors: Tohoku Elektrizitätswerke und Tepco             

In Dezember 2008 stellt sich heraus, dass die Firma Toshiba Rohre im Notkühlsystem des Reaktorblocks 1 verbaut hat, die in puncto Erdbebensicherheit nicht den vorgeschriebenen Sicherheitsanforderungen entsprechen.

Unterhalb des Turbinengebäudes von Reaktor 1 und entlang der Küste vor dem AKW verläuft eine seismisch aktive geologische Verwerfungslinie. Im Meer verläuft ebenfalls parallel der Küste Nordjapans eine seismisch aktive Verwerfung, die sich über 80 km bis kurz vor Hokkaido erstreckt.

 

AKW Tomari

Lage: Präfektur Hokkaido, Nordjapan

Anzahl der Reaktoren: 3 DWR (Erstinbetriebnahme: 1989, 1991 und 2009)

Laufende NRA-Sicherheitsüberprüfung: Reaktor 1,2 und 3

Betreiber: Hokkaido Elektrizitätswerke

Das AKW Tomari befindet sich auf der Shakodan-Halbinsel, einer seismologisch sehr brisanten Zone mit vielen zum Teil aktiven Verwerfungen und vulkanischem Gebiet. Am Vulkan Toyaka, der 160 km vom AKW entfernt liegt, wurde eine zunehmende Aktivität prognostiziert. Im Meer parallel zur Küste der Shakodan-Halbinsel verlaufen ebenfalls seismisch aktive Verwerfungen. Durch Aktivitäten der Kontinentalplatten wölbt sich die Shakodan-Halbinsel nach oben, wodurch sich die Erdbebengefahr für das AKW potenziert. Und genau aus diesem Grunde tut sich sogar selbst die NRA schwer das AKW Tomari freizugeben, so dass sich die Sicherheitsüberprüfung, die schon seit 2013 andauert, weiter in die Länge zieht. Die Großstadt Sapporo ist auch nur 50 km vom AKW Tomari entfernt.

 

Störfälle (Auszug)

09/2018: Nach einem Erdbeben der Stärke 6,0 kam es zum kompletten Stromausfall am AKW Tomari, der den Behörden auch noch verspätet gemeldet worden ist. Auch wenn alle drei Reaktoren noch ohne Brennelemente sind, müssen aber die Abklingbecken weiterhin aktiv gekühlt werden! Die Notstromaggregate sprangen sofort an. Allerdings dauerte es 10 Stunden, bis die „normale“ Stromversorgung wiederhergestellt werden konnte.

02/2014 Die NRA entdeckte im Rahmen der Überprüfungen gravierende Sicherheitsmängel an den Rohren von Reaktor 3.

2003 ist radioaktives Wasser aus dem Primärkreislauf entwichen.  

 

AKW Tsuruga

Lage: Präfektur Fukui, Westjapan

Anzahl der Reaktoren: 2 (1 SWR und 1 DWR)

Erstinbetriebnahme: 1970 und 1987

Laufende NRA-Sicherheitsüberprüfung: Reaktor 2

Betreiber: JAPC

Am AKW Tsuruga verlaufen gleich zwei seismisch aktive geologische Verwerfungen unterhalb beider Reaktoren. Diese wurden bereits 2008 entdeckt, jedoch aus Sorge, dass das AKW stillgelegt werden muss, bis 2012 verschwiegen. Später wurde die seismische Aktivität beider Verwerfungen sogar durch die NRA bestätigt. Als Konsequenz wurde aber nur der Reaktor 1 stillgelegt. Insgesamt verlaufen im Boden des AKW-Geländes 160 Verwerfungen.  

 

Störfälle (Auszug)

11/2016: Bei Wartungsarbeiten im Reaktorblock 1 wurden 10 Arbeiter eines Subunternehmers, die mit der Überprüfung von Ventilen und Rohrleitungen des Primärkreislaufes beschäftigt gewesen sind, mit radioaktivem Wasser kontaminiert worden, als sich ein Bolzen löste und dieses im Schwall herausschoss.

05/2011: Im Reaktor 2 wurden „Rückstände“ im Wasser des Primärkreislaufes festgestellt, die sehr stark auf defekte Brennstäbe hinweisen.

1981: wegen eines Risses in einer Rohrleitung waren 15m³ radioaktives Wasser entwichen, dass ins Meer gelaufen ist. Dabei wurden 37 Arbeiter eines Subunternehmers, die mit dem Wasser in direktem Kontakt gekommen sind, verstrahlt. 56 weitere Arbeiter wurden leicht kontaminiert.

Obwohl die Schwachstellen aufgrund früherer Zwischenfälle eigentlich schon bekannt waren, und der Unfall somit hätte vermieden werden können, wurde das Problem jedoch nie angegangen.    

   

☢ Es hängt nicht davon ab, ob ein Risiko groß oder klein ist, sondern ob eins da ist oder nicht! ☢

 

Übersicht AKW-Status (01/2019)