Olympia 2020 in Japan

 

Januar 2019

Olympia 2020 – der strahlende Sieger?

Obwohl die Reaktorkatastrophe am AKW Fukushima Daiichi von 2011 eigentlich ein absolutes Ausschlusskriterium hätte sein müsste, hat Tokyo, nur zweieinhalb Jahre später, also im September 2013 den Zuschlag für die Olympia 2020 erhalten.

Trotz der Bedenken wegen der radioaktiven Verseuchung, konnte Japan das Internationale Olympische Komitee (IOC) überzeugen. Denn Japan ist nicht nur ein modernes Industrieland, das über eine sehr gute Infrastruktur verfügt und sehr „sauber“ ist (Bahnhöfe, öffentliche Toiletten etc.), sondern auch, dank einer sehr gut aufgestellten inneren Sicherheit, eine sehr niedrige Kriminalitätsrate aufweist.

Außerdem verfügt die Regierung über ein Finanzpolster, dass extra für die Olympischen Spiele, um die Chancen auf den Zuschlag zu erhöhen, vorsorglich angelegt worden ist.  

Bezüglich des AKWs Fukushima Daiichi verkündete Ministerpräsident Shinzo Abe (LDP) in aller Öffentlichkeit stolz die Lüge: „everything is under control“ (alles unter Kontrolle). Damit wollte er sämtliche Bedenken bezüglich der Gefahren durch die radioaktive Verseuchung aus dem Weg räumen. „Es hätte zu keiner Zeit eine Gefahr für Tokyo bestanden. Die radioaktive Belastung des Trinkwassers in Tokyo sei ebenfalls unterhalb der zulässigen Höchstgrenze. Alle eingeleiteten Maßnahmen zur Schadensbegrenzung greifen bereits“, so Abe weiter (Buenos Aires, 09/2013).

Er ordnete sogar an, dass, um den Ablauf der Olympischen Spiele nicht zu beeinträchtigen, während der Olympiade 2020 keine gefährlichen Arbeiten am havarierten AKW Fukushima Daiichi durchgeführt werden dürfen!

Und dann heißt es: „für Anwohner, Gäste und Sportler würde keine Gefahr bestehen.“

Es soll keine Gefahr bestehen? Unabhängige Experten sehen das aber ganz anders, zumal Teile der Olympischen Spiele auch in der Präfektur Fukushima ausgetragen werden sollen.

Alleine in Tokyo haben Umweltschützer 2013 an verschiedenen Sportanlagen, die für die Olympia 2020 genutzt werden sollen, die Radioaktivität gemessen. Dabei wurden alarmierend hohe Werte bis zu 0,48 µS/h dokumentiert (etwa 6 Mal höher als „normal“), die auch direkt an das IOC weitergeleitet worden sind. Dort stieß man jedoch nur auf taube Ohren. Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte bezüglich der hohen Strahlenwerte keine Bedenken. 

In Tokyo, das nur 230 km südlich der Reaktorruine liegt, gibt es ebenfalls einige radioaktive Hotspots (Stellen, die im Vergleich zur restlichen Umgebung eine sprunghaft deutlich erhöhte Radioaktivität aufweisen). Das sind Gebiete, wo sich vermehrt radioaktive Partikel durch Wind und Regen angesammelt haben. Davon betroffen ist u.a. die Bucht von Tokyo, in der einige große Flüsse münden. Der Meeresboden dort, vor allem an den Mündungsstellen ist stark mit Cäsium belastet.

In der Präfektur Fukushima selber, ist die radioaktive Kontamination, trotz der Dekontaminationsversuche in den Ortschaften nahe der Reaktorruine, natürlich noch wesentlich ausgeprägter. Auch in Fukushima-City und Kōriyama, wo Teile der Olympischen Spiele ausgetragen werden sollen, liegt die Strahlenbelastung vielerorts noch weit über der „Normgrenze“. Und es werden immer wieder neue radioaktive Partikel aus dem havarierten AKW Fukushima Daiichi herangetragen. Die Nahrungsmittel sind, entgegen den offiziellen Behauptungen auch nicht immer frei von radioaktiver Belastung.

Nun sollen hier viele Sportler „draußen“ trainieren, Wettkämpfe abhalten und einen Marathon laufen. . . Das sind meist alles junge Leute, die ggf. noch eine Kinderplanung beabsichtigen, und nun einer radioaktiven Gefahr ausgesetzt werden, obwohl es auch anders gehen könnte. Denn die Olympischen Spiele, nach dem Japan nunmal den Zuschlag bekommen hat, hätten ja auch weiter südlich, z.B. im Großraum Osaka stattfinden können.  

Aber die Regierung (LDP/Komeito) hat sich für Tokyo, bzw. Fukushima entschieden. Damit will die Regierung gegenüber der internationalen Gemeinschaft nur den Eindruck erwecken, das Fukushima wieder „sicher“ und die Reaktorkatastrophe bereits „behoben“ sei, was aber absolut nicht der Fall ist.

So werden wissentlich nicht nur die Sportler, sondern auch die Besucher und die Helfer, die für den Ablauf der Wettkämpfe angeheuert worden sind, einer unnötigen Gefahr ausgesetzt. Von den Anwohnern, die mit ihrem Schicksal alleine gelassen werden, ganz zu schweigen. . .

Entwurzelte Familien, verlassene Evakuierungszonen, zahllose schwarze Säcke mit radioaktiv verseuchter Erde, Laub und Dreck, verseuchte Wälder, Flüsse und Seen ist das wirklich wahre Bild, das die Präfektur Fukushima nun prägt. Es herrscht weiterhin keine Normalität in Japan!

Die Regierung, die aber „Normalität“ walten lassen will, will bis spätestens 2020, wenn die Olympischen Spiele stattfinden, alles, was an die Reaktorkatastrophe von 2011 erinnern könnte, verschwinden lassen.

So will die Regierung bis März 2020 das Wohngeld für Strahlenflüchtlinge komplett streichen, noch vorhandene Übergangshäuser zurückbauen und die restlichen evakuierten Ortschaften „dekontaminieren“ und zur Wiederbesiedelung freigeben. Eine Strahlenbelastungsobergrenze bis zu 20 mSv/a in den „revitalisierten" Evakuierungsgebieten, hält die Regierung auch für kleine Kinder weiterhin für zumutbar. 

Im Zuge der Olympia-Vorbereitung wurde die nahe am havarierten AKW Fukushima Daiichi gelegene Sportanlage J-Village, wo einst die japanische Nationalmannschaft trainierte, „dekontaminiert“ und wiedereröffnet. Bis vor Kurzem wurde die Anlage als Koordinationszentrale für die AKW-Arbeiter und Zwischenlager für radioaktive Abfälle wie Schutzanzüge etc. genutzt. Nun sollen im J-Village die Sportler, auch die der Olympia 2020 wieder trainieren; so wie es der Vizepräsident der nationalen Fußballmannschaft K. Tajima, im September 2013 „als einen wichtigen Beitrag für den Wiederaufbau nach der Dreifachkatastrophe 2011“, bereits verkündet hat.    

Weitere Infos zur Problematik der Olympia 2020

Strahlenmessung am Azuma-Stadion der Stadt Fukushima

Von der Gruppe Fukushima 311 Voices (Japanisch und Englisch)

Zeitungsartikel: Olympia 2020 in Tokio - Die Rückkehr der Spiele (09/2013)