Protestcamp am AKW sendai

Rückfall in die Kernenergie

 

August 2015

Schwerer Rückfall – Der erste Reaktor ist wieder am Netz

Am 11.08.2015 wurde nach einer fast zweijährigen Zeit ohne Atomstrom, der Reaktor 1 am AKW Sendai, Präfektur Kagoshima in Südjapan wieder angefahren. Seine Leistung soll nach und nach bis zum Vollbetrieb ab Anfang September gesteigert werden.   

Reaktor 2 soll Anfang Oktober wieder angefahren werden.

Das AKW Sendai, bestehend aus 2 Druckwasserreaktoren (DWR), die seit 1984/85 in Betrieb sind, wurde im Mai 2011 wegen fälliger Routinewartung heruntergefahren und durfte anschließend nicht wieder angefahren werden. Denn nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima erteilten die Präfekturverwaltungen für die Wiederinbetriebnahme keine Genehmigung mehr, so dass alle AKWs nach der Routinewartung, die alle 13 Monate fällig ist, nicht mehr angefahren werden durften. Somit gingen alle AKWs nach und nach vom Netz, die Lichter blieben aber an!

Früher war das nur eine reine Formsache auf dem Papier, die stets „problemlos“ von statten ging.

Im Mai 2013 wurde Japan seit „Einführung“ der Kernenergie zum ersten Male wieder frei von Atomstrom. Alle Reaktoren im Lande standen still!  

Eine einzige Ausnahme war jedoch das AKW Ōi in der Präfektur Fukui. Unter heftigen Protesten der Bevölkerung und nach dem der Präfekturgouverneur von Fukui wochenlang massiv unter Druck gesetzt worden ist, gingen im Sommer 2013 die Reaktoren 3 und 4 wieder ans Netz. Diese wurden dann im Herbst 2014 wegen fälliger Routinewartung wieder heruntergefahren, womit Japan erneut frei von Kernenergie geworden ist.   

Und erstaunlicherweise hat die landesweite Stromversorgung, entgegen aller schlimmen Prognosen keinen einzigen Moment darunter gelitten! Zudem ist das ach so rohstoffarme Japan keineswegs auf Kernenergie angewiesen. Denn es hat Potential ohne Ende für erneuerbare Energien.

Nach fast zweijähriger Abstinenz kehrt Japan wieder zur fatalen Kernenergie, die Japan enorme Schäden eingebrockt hat, zurück. Eine Rückkehr, die durch die Regierung von Shinzo Abe (LDP) trotz heftiger Ablehnung und Widerstände aus der Bevölkerung einfach durchgeboxt worden ist. Dazu wurde diesen Sommer auch noch das Militärgesetz  geschickt untergraben, so dass die japanische Armee, entgegen der vorherigen Regelung, jetzt offensiv, auch für ein „Bündnisland“ (USA), aktiv werden darf. Hier kommen auch die laufenden AKWs zum Tragen, die mit der Option jeder Zeit Kernwaffen bereitstellen zu können, die Regierung in ihrer Macht „stärken“.

Obwohl in Fukushima immer noch der „Busch brennt“ und das havarierte AKW alles andere als stabil ist, geht der Profit und das Machtgehabe einiger weniger Lobbyisten vor das Wohlergehen der Gesamtbevölkerung. Und die Probleme der Strahlenopfer in Fukushima sind da auch nicht von Interesse. Eher im Gegenteil, da man stets bemüht ist, die Reaktorkatastrophe mit all den Folgen unter den Teppich zu kehren.   

Bezüglich der Rückkehr in die Kernenergie stehen auch schon weitere Reaktoren in der Warteschleife. Die Reaktoren 3 und 4 am AKW Takahama und Reaktor 3 am AKW Ikata wurden nach „bestandener Sicherheitsüberprüfung“ durch die Atomaufsichtsbehörde NRA schon frei gegeben. Weitere werden bald folgen.

Dank eines Gerichtsurteils darf das AKW Takahama allerdings doch nicht wieder in Betrieb gehen. Auch die Wiederinbetriebnahme der Reaktoren 3 und 4 am AKW Ōi, die sich in der NRA-Überprüfung befanden, wurde per Gericht verboten. Bezüglich dem AKW Sendai waren die Bemühungen vor Gericht jedoch vergeblich.

Bild: Flyer für eine Protestakton vor dem AKW Sendai

Jetzt bleibt abzuwarten, wie sich die Lage entwickelt.

Eins steht jedenfalls fest: Hätte niemand etwas gesagt, dann wären schon längst alle Reaktoren, die in irgendeiner Form noch funktionieren (auch die Reaktoren 5 und 6 am AKW Fukushima dai ichi! und die Reaktoren 1 bis 4 am AKW Fukushima dai ni) wieder am Netz. Von daher hat der Widerstand auf jeden Fall schon sehr viel bewirkt und darf auch auf keinen Fall nachlassen!!

Weitere landesweite Großproteste gegen die Abe-Politik und der Wiederinbetriebnahme der AKWs finden statt, weitere Aktionen sind in Planung (08/2015)

Japan - Alternativen zum Atomstrom

Warum Japan problemlos auf Atomenergie verzichten kann und welche Potentiale das angeblich rohstoffarme Land hat, wird im Artikel „Nach Fukushima - Energiepolitik in Japan“ von Mai 2015, der in der Rubrik „Der letzte Reaktor ist vom Netz“ zu finden ist, beschrieben. Hier werden auch sämtliche Theorien der Lobbyisten, die die Nutzung von Kernenergie „begründen“  und auch die Geschichte mit der CO2-Emmission widerlegt. Ferner werden die vielseitigen Möglichkeiten zur Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien vorgestellt.