Brisante Störfälle in kerntechnischen Anlagen (Auszug)

Schon alleine in Deutschland gibt es unzählige Störfälle, angefangen vom leichten Zwischenfall bis hin zum Beinahe-GAU, die teilweise zuerst verheimlicht worden sind, bzw. gar nicht oder erst verspätet an die Öffentlichkeit gelangten.
Das betrifft nicht nur die AKWs, sondern auch andere kerntechnische Anlagen, wie die Brennelementeherstellung, Atommüllzwischenlagerung und die Kernforschungszentren.
Hier ein Auszug sehr brisanter und eher unbekannter, jedoch sehr gravierender Störfälle:

 

April 2014

Beinahe-GAU am AKW Fessenheim - Notborierung eingeleitet

Zwei Jahre lang wurde die Beinahekatastrophe, die sich am 09.04.2014 im Reaktor 1, AKW Fessenheim ereignete verheimlicht, bzw. als harmloses Ereignis heruntergespielt. Der Betreiber Electricité de France (EDF) verschwieg diesen schwerwiegenden Zwischenfall, der nur durch pures Glück noch einmal glimpflich endete.

Am 09.04.2014 kam es aufgrund einer fehlerhaft durchgeführten Befüllung eines Wasserreservoirs zu einer Überflutung technischer Räume im Reaktorblock 1. Dadurch wurde nicht nur die Reaktorsteuerung massiv beeinträchtigt, sondern auch die Reaktornotabschaltung außer Kraft gesetzt. Die Temperatur im Inneren des Reaktors stieg dramatisch an, die Steuerstäbe ließen sich jedoch nicht mehr navigieren, mit dem Ergebnis, dass der Reaktor außer Kontrolle geriet.

Mit der notfallmäßigen Einleitung von Borsäure wurde eine Kernschmelze noch so gerade eben im letzten Moment verhindert.

Erst zwei Jahre später, also im März 2016 gelangte der Störfall an die Öffentlichkeit. Selbst gegenüber der IAEA hatte die EDF diesen Vorfall, der kurz vor einem Super-GAU stand verharmlosend dargestellt. Erst durch Recherchen des WDRs und der Süddeutschen Zeitung kam die Wahrheit nach zwei Jahren ans Licht.

Das französische AKW Fessenheim befindet sich am Oberrhein, also direkt an der deutschen Grenze.

 

Video zum Störfall am AKW Fessenheim, Nachrichtensender N24

Video mit Hintergrundinfos der Landesschau Baden Württemberg

 

Mai 2013

Nukleare Beinahekatastrophe im Hamburger Hafen 

Hamburg, das Tor zur Welt, größter Umschlagsplatz für Frachtgüter aller Art…

… das heißt auch für hochradioaktive Materialien, wie z.B. Uran, Plutonium und weitere nukleare Rohstoffe, wie z.B.  Brennelemente für AKWs usw..

Jeden dritten Tag werden hier radioaktive Frachtgüter umgeschlagen und am 01.05.2013 wäre es fast zu einer nuklearen Katastrophe mit fatalen Folgen im Großraum Hamburg gekommen!

Es geschah am Maifeiertag, als es abends auf dem Frachtschiff „Atlantic Cartier“, was im Hamburger Hafen zu Anker lag, Feuer auf dem mit Autos beladenen Unterdeck ausbrach.

Die herbei gerufene Feuerwehr inspizierte zunächst das Schiff um den Brandherd ausfindig zu machen. Dabei entdeckten die Feuerwehrleute brisantes Gefahrengut auf dem Oberdeck. Dazu hatte es allerdings keinerlei Informationen bzw. Warnungen gegeben.

Die Feuerwehr hatte nur die Information „Autobrand auf einem Schiff“. Den „Rest“ hat man ihr jedoch verschwiegen.

Unter den Gefahrengütern, die die Feuerwehr nun entdeckte, waren 180 Tonnen leicht entzündliches Ethanol, mehrere Tonnen Explosivstoffe, 4 Tonnen Munition, 2,5 Tonnen Raketenbrennstoff, „frische“ Brennelemente mit einem Gewicht von 11 Tonnen und eine stattliche Menge Uranhexafluorid (UF6) mit am Bord. Das Uranhexafluorid (UF6) ist hochexplosiv wenn es mit Wasser in Berührung kommt. Die dabei entstehende Flusssäure würde sich als feine Tröpfchen großflächig und kilometerweit in der Umgebung verteilen. Sie ätzt noch wesentlich schlimmer als Salzsäure und würde somit übelste Verletzungen hervorrufen.

Um den Platz auf dem Schiff besser ausnutzen zu können, wurde die gesamte Fracht dicht an dicht gepackt. Somit war es nicht verwunderlich, dass sich der Brandherd quasi direkt unterhalb der radioaktiven und explosiven Gefahrenstoffen befand Hitzeentwicklung !!

Die Feuerwehr, die die gefährlichen Güter Gott sei Dank rasch entdeckte, forderte sofort Verstärkung und den Katastrophenschutz an.

Gleichzeitig fand ebenfalls in Hamburger Hafen, nicht weit von der brennenden und akut explosionsgefährdeten Atlantic Cartier der evangelische Kirchentag mit mehr als 50 000 Teilnehmern statt, die gerade einen Gottesdienst in Hafen feierten.

Der Wind wehte vom Hafen in Richtung der Wohngebiete.

Eine nukleare Explosion auf dem Schiff, die durch die Feuerwehr noch in letzter Minute  verhindert werden konnte, hätte den gesamten Großraum Hamburg radioaktiv verseucht! 

In den Nachrichten, die eh sehr spärlich gehalten wurden sind, hieß es nur: „Brand auf einem Schiff mit Gefahrgut“ im Hamburger Hafen. Nur der Nachrichtensender N24 berichtete ausführlicher, wie das folgende Video dokumentiert.

Die in Hamburg regierende SPD verharmloste den Vorfall ebenfalls, indem man auf die schnelle adäquate Reaktion der Feuerwehr verwies: „Es ist ja nichts passiert, die Feuerwehr hat den Brand ja gelöscht“. Das hochradioaktive Stoffe mit im Spiel waren, wollte man verschweigen. Das sollte nach Möglichkeit nicht an die Öffentlichkeit gelangen.

Die Teilnehmer des Kirchentages und Anwohner aus der Umgebung wurden gar nicht gewarnt als die nukleare Explosion drohte.

Uranhexafluorid (UF6)

Bei der Beinahekatastrophe im Mai 2013 (siehe Text im Mittelteil) wäre es auch fast zu einem Austritt von Uranhexaflorid gekommen. Nachfolgend werden hier die Gefahren von Uranhexafluorid beschrieben.

Uranhexafluorid ist nicht nur chemisch hochgiftig, sondern auch noch hochradioaktiv. Sobald das Uranhexafluorid mit Wasser in Kontakt kommt, kommt es zu einer chemischen Reaktion bei der Flusssäure entsteht, die sich explosionsartig fein verteilt großflächig ausbreitet. Sie ätzt noch wesentlich stärker als Salzsäure und kann somit verheerende Verletzungen an der Haut verursachen. Gelangt diese über die Atemluft, was sich bei solchen Unfällen nicht vermeiden lässt, in die Lunge, wird die empfindliche Schleimhaut sofort verätzt und ein lebensbedrohliches Lungenödem hervor gerufen. Neben Krebserkrankungen, z.B. Lungenkrebs, die ausgelöst werden können, ist es auch für Leber und Niere hochtoxisch.

Die HWZ von UF6 beträgt 4,5 Mrd. Jahre.

 

Dezember 1987, Beinahe-GAU im AKW Biblis (RWE) in Hessen

Als der Reaktor A nach Wartungsarbeiten wieder angefahren wurde, hatte ein wichtiges Ventil nicht geschlossen. Es trennt das unter hohen Druck stehende radioaktive Kühlwasser des Primärkreislaufes vom Notkühlsystem und hätte beim Anfahren des Reaktors schließen müssen. 
Trotz leuchtender Warnlampe in der Leitwarte, wurde es über 16 Stunden nicht bemerkt, bzw. für eine Störung der Anzeige gehalten. Erst als die 3. Schicht ihren Dienst antrat, wurde interveniert. Allerdings mit vorschriftswidriger Trickserei, um sich Umstände zu ersparen. Denn normaler Weise hätte der Reaktor sofort wieder herunter gefahren werden müssen. Statt dessen versuchten man das Ventil im laufenden Betrieb, in dem man ein anderes Ventil, was den Primärkreislauf von einer Messleitung trennt, absichtlich öffnete, um das erste Ventil ,, durch zu spülen“, damit es wider schießen kann.
Die Messleitung ist jedoch für solch einen hohen Druck nicht ausgelegt und wäre fast geplatzt. Nach dem sich das erste Ventil nicht schloss, schossen über 100 L radioaktives Kühlwasser durch die Messleitung in den Ringraum, also außerhalb des Reaktorsicherheitsbehälters, so dass Radioaktivität in die Atmosphäre gelangte.
In aller letzter Sekunde gelang es den Mitarbeitern doch noch das besagte Ventil zu schließen. Andernfalls wären große Mengen an Kühlmittel ausgelaufen, was zu einer Überhitzung im Reaktor mit nachfolgender Kernschmelze geführt hätte.
Die Öffentlichkeit erfuhr erst 2 Jahre später von diesen Vorfall.

 

September 1986, nukleare Explosion, jahrelang verheimlicht (GKSS)

Eine nukleare Explosion im Kernforschungszentrum GKSS bei Geesthacht an der Elbe, nicht weit von Hamburg. September 1986, Brand mit radioaktiver Freisetzung auf dem Gelände der GKSS, was bis 2001 geheim gehalten werden konnte.
Eine Bürgerinitiative stellte erhöhte Radioaktivität fest und hatte zunächst das nahe gelegene AKW Krümmel im Verdacht.
Weitere Untersuchungen wurden durch die zuständigen Behörden eingeleitet. Es wurden Bodenproben entnommen, jedoch nicht bei GKSS. Es gab auch keine Beweisaufnahme, als es dort brannte und die Feuerwehr löschte.

Luftaufnahme der Kernforschungsanlage GKSS

Eine Beschlagnahmung von Unterlagen der GKSS, die im Zusammenhang mit der Brandursache stehen könnte, bzw. eine Sicherung von Fundstücken wurde durch die zuständige Kripo unterlassen. 
Die installierten Strahlendetektoren waren für die folgenden 12 Wochen seltsamer Weise komplett  ausgefallen.
Bestrahlte Brennstabsegmente wurden per LKW nach Bayern in ein Zwischenlager geschafft. Bis heute ist noch unklar, was diese Verfrachtung auf sich hatte. Denn die Behörden schwiegen sich aus. 
Sicherheitstechnische Untersuchungen, die aufgrund der Reaktorexplosion im AKW Tschernobyl durchgeführt wurden, fokussierten sich nur auf das AKW Krümmel. GKSS blieb komplett außen vor.
Um den Ruf der Atomlobby nicht noch weiter zu gefährden, wurden nur die AKWs überprüft. Andernfalls wären die Spuren mit Sicherheit ans Licht gekommen.
Später fand man bei weiteren Untersuchungen zahlreiche, kleine Kügelchen im Umland der GKSS, die radioaktiv waren. Nachfragen dazu begegnete man mit Ausflüchten, das sei nur Vogelscheiße o.ä...

Radioaktive Vogelscheiße?? 
Zu dem kam der Verdacht auf, dass die GKSS auch Kernforschung für militärische Zwecke betreiben würde, was  entgegen den internationalen Abkommen, also heimlich gewesen wäre.
1991 brach im Büro der örtlichen Feuerwehr ein Brand aus, der sämtliche Unterlagen, also auch die Einsatzprotokolle vernichtete. Dazu wurde jedoch kein Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Luftbilder belegen jedoch, das ein Gebäude, das Institut für Physik, der GKSS nach dem Unfall plötzlich verschwunden war. Die GKSS und sämtliche Behörden schwiegen dazu. Alte Lagepläne der Gebäude sind ebenfalls nicht zu bekommen.
Aus einem unabhängigen Untersuchungsbericht von 2004 geht hervor, das es im Umkreis eine ungeklärte Häufung von  Leukämiefälle gibt.
Die überall verteilten Kügelchen konnten weder aus dem AKW Krümmel oder aus Tschernobyl stammen. Sie lassen eher auf ein misslungenes nukleares Experiment schließen.
Behörden der Landesregierung behinderten die unabhängigen Untersuchungen zu den Kügelchen. Eine Aufklärung schien nicht erwünscht.
Statt dessen setzte sie Gegengutachter aus der Atomlobby ein, die die unabhängigen Untersuchungsergebnisse widerlegen sollten.
Nach dem Brand inspizierte ein Abgeordneter  der Landesregierung Schleswig Holstein,  W. Vogt (GRU), das Gelände der GKSS. Er kam zu der Überzeugung, das es dort keinen Unfall gegeben hat, obwohl es sogar Augenzeugen gab.
Als es brannte, haben vorbeifahrenden Autofahrer beobachtet, das es auf dem Gelände der GKSS eine riesige und seltsam aussehende Flamme aufstieg. Sie wurde als grünlich beschrieben. Die Aussagen der Autofahrer waren deckungsgleich.
Der atompolitische Sprecher, A. Meihsies (GRU), der Landesregierung Niedersachsen und der Physiker W. Neumann hatten im September 2007 einen  Einblick in das Archiv der GKSS. Sie konnten jedoch keinen Zusammenhang zwischen den Störfall und der nachfolgenden Anhäufung der Leukämiefälle finden. 
An eine genaueren Aufklärung ist man weiterhin eher weniger interessiert . . .

 

26.04.1986

Der Super-GAU im AKW Tschernobyl

Eigentlich sollte nur ein Test durchgeführt werden, der jedoch aufgrund von Missverständnissen und einer Verkettung menschlicher Fehler in einen Super-GAU endete.

Nach dem fast alle Steuerstäbe entfernt und gleichzeitig die Kühlwasserzufuhr gedrosselt wurden ist, explodierte Reaktor 4.

Das Brennmaterial wurde bis in 10 km Höhe geschleudert, so dass der Reaktor anschließend fast leer gewesen ist. Großflächige Gebiete, auch in Deutschland wurden verstrahlt.

Diese schwere Katastrophe wurde auf der INES-Skala mit 7 (Katastrophaler Unfall eingestuft).

 

28.03.1979

Der Super-GAU im AKW Three Mile Island bei Harrisburg

Zuerst fiel eine Wasserpumpe für die Kühlung von Reaktor 2 aus, so dass sich die Brennelemente aufheizten und es schließlich dann zur Kernschmelze kam.

Das eine verhältnismäßig nur geringe Menge an Radioaktivität ausgetreten ist, war reine Glückssache. Die äußere Reaktorschutzhülle hatte der Kernschmelze stand gehalten. Es wurde ,,nur" der innere Reaktorbehälter beschädigt.

Neben technischen Problemen waren auch menschliche Fehler als Ursache mit verantwortlich.

Auf der INES-Skala wurde die noch einigermaßen glimpflich abgelaufene Katastrophe mit der Stufe 5 (Unfall) eingestuft.

 

1978

Weltweit einmalig !

Manipulation an Sicherheitssystemen am AKW Brunsbüttel mit Beinahekatastrophe im Juni 1978

Aus „wirtschaftlichen Gründen“ wurden im AKW Brunsbüttel am Reaktor sämtliche Sicherungsschaltungen „überbrückt“, damit verschiedene Arbeitsabläufe beschleunigt und somit Zeit und Geld eingespart werden konnte.

Diese schwerwiegenden Manipulationen waren schon regelrechte Routine für die Betreibermannschaft. Ein schwerer Unfall wurde hier wissentlich in Kauf genommen. Und  im Ranking fahrlässiger Arbeitsmethoden in allen AKWs war das hier weltweit einmalig.

So kam es im Juni 1978 zu einem Unfall durch einen technischen Defekt, bei dem 100 Tonnen radioaktiver Dampf in den Maschinenraum eingedrungen und davon 2 Tonnen in die Atmosphäre gelangt sind. So weit wäre es nicht gekommen, wenn die Reaktorschnellabschaltung (RESA), die aufgrund der vorhandenen Manipulationen am Reaktor nicht mehr möglich war, ordnungsgemäß funktioniert hätte.

Bei diesem Unfall ist man noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Es hätte durchaus viel Schlimmeres passieren können.

 

1977

Totalschaden am Reaktor A durch Witterungseinflüsse im AKW Gundremmingen in Bayern

Im ohnehin schon störanfälligen Reaktorblock A am AKW Gundremmingen ereignete sich aufgrund von eindringender Feuchtigkeit durch Witterungseinflüsse ein Kurzschluss. Die darauf hin eingeleitete RESA (Reaktorschnellabschaltung) führte zu einem Bruch mehrerer Sicherheitsventile und somit zum Totalschaden des Reaktors. Dabei gelangte eine enorm hohe Radioaktivität von ca. 3,7 Billionen Bq in die Atmosphäre und in die Donau. Die Anwohner wurden jedoch nicht gewarnt.

Der Reaktor in Block A, der auch weltweit der erste mit MOX-Brennelementen betriebene Reaktor ist, hatte nach diesen Unfall einen Totalschaden, wurde hochradioaktiv verstrahlt und konnte somit nicht mehr in Betrieb genommen werden.

Beim Rückbau, der 1986 begann und viele Jahre in Anspruch nahm fielen über 10 000 Tonnen radioaktiver Schrott an. Davon gelangten 86% in die Wiederverwertung!

 

1975

Betriebsunfall am AKW Gundremmingen in Bayern, fünf Mitarbeiter verstrahlt

Bei einem schweren Betriebsunfall mit Todesfolge in Block A, der durch menschliche Fehler bei Wartungsarbeiten ausgelöst wurden ist, verbrühten sich fünf Arbeiter mit hochradioaktiven Wasserdampf. Einer der Arbeiter stab noch am Unfallort, ein Zweiter starb am Folgetag im Krankenhaus.

Die verstorbenen Arbeiter wurden obduziert, verbrannt und hinterher als ,,klinischer Abfall" in der Asse entsorgt. Die bei der Obduktion entnommenen Organ-und Gewebeteile wurden zu Forschungszwecken auf Radioaktivität untersucht.

Bei diesem Unfall trat eine enorme Menge an Radioaktivität in die Atmosphäre und in die Donau aus. Über genauere Angaben bezüglich der Höhe der ausgetretenen Radioaktivität erhielt die Öffentlichkeit jedoch keine genaueren Angaben.

 

1957

Brand im Brutreaktor Sellafield in England

Der graphitmoderierte Brutreaktor in Sellafield diente ausschließlich der Plutoniumproduktion für Kernwaffen. Durch Handhabungsfehler der Techniker ist der Reaktor in Brand geraten und konnte erst nach zwei Tagen gelöscht werden. Hierbei trat eine enorm hohe Menge an Radioaktivität aus, die gegenüber der umliegenden Bevölkerung verschwiegen wurde. Der Unfall wurde mit der Stufe 5 auf der INES-Skala eingestuft.

 

1957

Schwerer Nuklearunfall in der Atomanlage Majak (Kyschtym)

In der für militärische Zwecke genutzten kerntechnischen Anlage Majak (Kyschtym) wurden jahrelang hochradioaktive Flüssigabfälle einfach in den Fluss Tetscha verklappt. Später wurden diese dann in Lagertanks deponiert. Einer davon „vertrocknete“ im Laufe der Zeit. Zurück blieb ein hochexplosives Gemisch, das dann am 29.09.1957 explodierte. Auslöser war ein Funkenflug, als in der Nähe des Tanks ein Messgerät eingeschaltet worden ist.

Eine Fläche von etwa 20.000 km³ wurde radioaktiv verseucht, etwa 10.000 Menschen wurden umgesiedelt.

Der Unfall wurde vertuscht und geheim gehalten. Nichts durfte an die Öffentlichkeit gelangen. Für das seltsame rötliche Licht am Himmel hatte die Regierung auch direkt eine „Erklärung“ parat. Es wurde als Polarlicht bezeichnet. Und der seltsame Nebel über den Feldern war angeblich auch nur ein „Naturphänomen“.

Obwohl der Unfall so schwerwiegend war, konnte er über 3 Jahrzehnte geheim gehalten werden.

Die Folgen für Mensch und Umwelt dauern noch bis heute an. Die Seen nahe der Atomanlage, in denen ebenfalls hochradioaktiver Müll verklappt worden ist, sind so stark verseucht, dass schon ein einstündiger Aufenthalt ausreicht, um eine tödliche Strahlendosis zu erhalten. Das Majak-Gebiet ist bis heute mit Abstand der verseuchteste Ort der Erde!

Sehr interessante Hintergrundinformationen und Video-Tipps von Peer Höcker, BUND Hannover.

 

Verstrahlte Gebiete mitten in Deutschland

Kaum jemand würde jetzt denken, dass es verstrahlte Gebiete mitten in Deutschland gibt. Die Asse, an der früheren Deutsch-Deutschen Grenze ist mittlerweile ein havariertes Atommülllager, das mit Wasser zuläuft und akut einsturzgefährdet ist. In Geesthacht an der Elbmarsch in Norddeutschland explodierte 1986 ein Forschungsreaktor der GKSS. Das Uranabbaugebiet „Wismut“ in der ehemaligen DDR hinterlässt riesige strahlende Schlackeseen und der Forschungsreaktor des FZ Jülich, nicht weit von Düsseldorf weist am Reaktor, der undicht wurde, das größte „Strontiumvorkommen“ der Welt auf.

Dann gibt es noch die Heeresversuchsanstalt Kummersdorf-Gut, die wir nun im nachfolgenden Bericht einmal genauer unter die Lupe nehmen wollen . . .

 

1940

Erste Kernwaffenversuche um 1940

Heeresversuchsanstalt Kummersdorf-Gut, ein misslungenes Experiment mit Uran

Eine wild überwucherte Ruine, Wald, weitere Gebäudereste und ein Warnschild mit der Aufschrift: ,,Achtung Lebensgefahr! Betreten und Befahren verboten! Munitionsbelastung! Die Ruinen, das Warnschild und die Spuren des ehemaligen Militärflughafens sind die sichtbaren Überreste der früheren Heeresversuchsanstalt Kummersdorf-Gut.

Was allerdings kaum jemanden bekannt ist, sind die unsichtbaren Spuren, die die militärische Waffenversuchsanlage hinterlassen hat.

Auf dem Warnschild steht zwar ,,Lebensgefahr’’, aber kein Hinweis auf Radioaktivität. Das entsprechende Warnzeichen fehlt ebenfalls. Und die radioaktive Strahlung die hier herrscht weist Werte bis zu 22 µSv/h auf! Das sind Strahlenwerte wie man sie aus den Sperrzonen an havarierten Atomanlagen vorfindet.

Eine ,,normale’’ Umgebungsstrahlung liegt bei etwa 0,05 bis 0,1 µSv/h. Auch Werte bis zu 0,15 µSv/h, die man in Deutschland vielerorts messen kann sind noch einigermaßen ,,vertretbar’’.

Bild: Warnschild, allerdings ohne Hinweis auf Radioaktivität.

Die fest installierten Messsonden vom BfS (Bundesamt für Strahlenschutz), die seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl überall in Deutschland installiert sind zeigen bis auf wenige Ausnahmen Werte zwischen 0,045 und 0,1 µSv/h an und sind im Internet unter ODL Deutschland abrufbar. Die wenigen Ausnahmen liegen höher, bei etwa 0,18 µSv/h.

Aber 22,0 µSv/h!, da ist was faul! Die Vorgeschichte dazu ist auch nur sehr lückenhaft bekannt.

Die ehemalige Heeresversuchsanstalt Kummersdorf-Gut liegt etwa 30 km südlich von Berlin. Drum herum sind Waldgebiete und ein paar Ortschaften.

Hier wurden Experimente mit Kampfmitteln durchgeführt und an der Entwicklung von Raketen gearbeitet. Ab 1939 wurde dort auch Kernforschung für militärische Zwecke betrieben.

Bei der versuchten Ingangsetzung einer Kettenreaktion sind Uranpellets auf den Boden gefallen. Was bei diesem misslungenen Experiment noch alles passiert ist, ist weitgehend unbekannt. Bekannt ist nur, dass radioaktive Strahlung in gefährlicher Höhe freigesetzt wurde, die bis heute, wie der nachfolgende Videofilm belegt noch anhält.

Das Video wurde von Spaziergängern erstellt und auf Youtube veröffentlicht. Sie führten dort Ende März 2013 Strahlenmessungen durch.

Video: Messung von Radioaktivität in Kummersdorf Gut von März 2013 

Die Messungen sind deckungsgleich mit Messungen, die durch andere Zivilpersonen zu unterschiedlichen Zeitpunkten durchgeführt wurden.

Die radioaktive Strahlung an der Heeresversuchsanlage Kummersdorf ist bis heute noch sehr stark erhöht, so das das Gebiet eigentlich gesperrt werden müsste.

 

INES-Einstufungen

Ein paar Beispiele von INES-Einstufungen meldepflichtiger Störfälle in deutschen AKWs:

1975, AKW Greifswald in der ehemaligen DDR Stufe 3

1977, AKW Gundremmingen Stufe 2

1987, AKW Biblis Stufe 1 ( Der Beinahe-GAU, der noch in letzter Sekunde abgewendet wurden ist)

2001, AKW Philippsburg 2 mal Stufe 2 

2011, AKW Brunsbüttel Stufe 1

 

Kerntechnische Großanlagen und ihre großen Gefahren

Ein schwerer Störfall im Atommülllager und Wiederaufbereitungsanlage La Hague in Frankreich könnte ganz Europa unbewohnbar machen.

 

Der weltweit allererste MOX-Reaktor

Der weltweit erste Einsatz von MOX-Brennelementen erfolgte im Reaktorblock A des AKWs Gundremmingen in Bayern. Ein Reaktor, der weitaus mehr Schaden als Nutzen brachte und eine sehr große Gefahr bot.

 

  Störfälle in japanischen Anlagen (Auszug)  

Das es nicht schon viel eher zu einem Super-GAU in Japan gekommen ist, grenzt schon an ein Wunder. Denn Japan ist ein seismisch sehr aktives Land.

Für den Super-GAU 2011 in Fukushima war in erster Linie das Erdbeben verantwortlich. Der Tsunami hat da „nur“ noch eins oben drauf gesetzt.

 

AKW Tomari/Hokkaido 2000, Arbeitsunfall – keine Info an den Rettungsdienst

Bei Lager- und Sortierarbeiten radioaktiver Abfälle stürzte ein Arbeiter und fiel in eine Auffangwanne. Dabei wurde er verstrahlt.

Er wurde zwar zügig ins Krankenhaus gebracht, allerdings waren weder der Rettungsdienst noch das Krankenhauspersonal über die radioaktive Kontamination informiert und somit nicht vorbereitet. Zudem trug er noch die radioaktiv kontaminierte Arbeitskleidung.

Die Verletzungen durch den Sturz hielten sich zwar in Grenzen, dennoch trug er eine akute Strahlenkrankheit davon, an der er dann schließlich verstarb.

 

AKW Hamaoka – Defekte MOX-Brennstäbe seit 1994 im Abklingbecken

2011, als der Betreiber Chubudenryoku wegen anderen Ungereimtheiten gegenüber der damaligen Atomaufsichtsbehörde NISA Rede und Antwort stehen musste, stellte sich heraus, das seit ungefähr 1994 MOX-Brennelemente in Abklingbecken lagern, wovon zahlreiche Brennstäbe defekt sind. Dessen Hüllrohre sind beschädigt und die Radioaktivität dem entsprechend hoch, so dass diese bis heute immer noch nicht sicher geborgen werden können.

 

Störfall am AKW Shika, jahrelang verheimlicht

Das japanische AKW Shika liegt 100 km südlich von Niigata an der Westküste.

Mitte 1999 ereignete sich ein Störfall durch einen Bedienerfehler, der leicht in einen Super GAU hätte enden können. 

Statt einen weiteren Steuerstab in den Reaktor einzufahren, wurden drei entfernt. Dadurch war der Reaktor für 15 Minuten nicht mehr kontrollierbar. Auch die kraftwerkseigene

Radioaktivitätsmessung ist zum fraglichen Zeitpunkt ,,ausgefallen''. Der Vorfall wurde den zuständigen Behörden nicht gemeldet und kam erst 2007 ans Licht.

 

2011, gleich 2 X ein Stromausfall in der Wiederaufbereitungsanlage und Atommülllager Rokkasho

Durch das große Tohoku-Erdbeben am 11.03.2011 und durch ein weiteres Erdbeben am 08.04.2011 wurde die Stromversorgung für die Kühlung unterbrochen. Die Notstromversorgung sprang zwar sofort an, allerdings sind die Aggregate laut unabhängigen Experten nicht für eine längere Betriebsdauer am Stück ausgelegt.

Ein Ausfall der Notstromversorgung hätte eine Kritikalität bis ins Unermessliche ausgelöst. Die gesamte Nordhalbkugel wäre somit betroffen!

 

Dezember 1995, Natriumbrand im „schnellen Brüter“ Monju

Etwa drei Tonnen an heißen, flüssigen und hochradioaktiven Natrium sind über einer Leckage im Kühlkreislauf entwichen. Da flüssiges Natrium schon beim geringsten Kontakt mit Luft und Wasser reagiert, kam es durch den Kontakt mit der Luftfeuchtigkeit zu einem Brand mit einer enormen Hitzeentwicklung. Rohrleitungen, sowie weitere Anlagenteile schmolzen und hinterließen einen großen Schaden am Reaktor. Die stark ätzenden Dämpfe gelangten in die Atmosphäre.

Der Betreiber und die Regierung versuchten zunächst diesen Störfall zu verheimlichen. Dazu wurden auch Videodokumentationen vernichtet.

 

Zitat: 

„Der Mensch erfand die Atomkraftwerke, aber keine Maus der Welt würde eine Mausefalle konstruieren" . . .

Ein Wort zu kerntechnischen Anlagen, die auf dem neusten Stand der Technik sind:

„Je höher entwickelt die Technik, desto schlimmer die Unfälle"

 

Brisante Insider-Videos:

Leiharbeiter von Subunternehmern, die die gefährlichen Arbeiten im AKW machen, die sonst keiner machen will, z.B.: Reinigungsarbeiten im Reaktor, berichten im nachfilgendem Video:

Hidden exposed nuke power plant worker 1

日本の隠された被爆労働者

Kenji Higuchi, ein japanischer Journalist deckt auf. Er spricht mit Insidern, die in verschiedenen AKWs als Tagelöhner beschäftigt sind. Obdachlose, die in Parks angesprochen werden... wenn sie dann verstrahlt sind, werden sie gekündigt. Das Video ist auf englisch/japanisch.      

 

Letzte Änderung: 10/2017