antiatom-fuku & Sayonara Genpatsu Düsseldorf e.V.

Atomkraftfreie Welt – Sayonara Genpatsu Düsseldorf e.V.

Atomkraftfreie Welt – Sayonara Genpatsu Düsseldorf e.V., 2012 - 2018

Unsere japanische Gruppe „Atomkraftfreie Welt – Sayonara Genpatsu Düsseldorf e.V.“ bestand bis zum Frühjahr 2018. Nach gravierenden Veränderungen kann die Gruppe in der bisherigen Form nicht mehr weitergeführt werden. Wir, einige ehemalige Mitglieder sind jedoch weiterhin gegen Atomkraft in Japan und weltweit aktiv.

 

Unser Leitbild in 6 Jahren „Sayonara Genpatsu Düsseldorf“

Der Kampf mit der Atomlobby und der Regierung für einen sofortigen Atomausstieg in Japan geht weiter. Und während die Anwohner in der Präfektur Fukushima weiterhin auf die noch ausstehende Entschädigung von Tepco, dem Bertreiber des havarierten AKWs Fukushima Daiichi warten, boxte die Regierung im Juli 2012 aus Profitgründen den Neustart zweier Reaktoren am AKW Ōi durch.

Die Antiatom-Proteste in Japan sind weiterhin sehr massiv und finden u.a. auch regelmäßig jeden Freitag im Regierungsviertel in Tokyo statt.

Langsam kann die japanische Regierung das alles nicht mehr ignorieren und lenkte nun ein kleines bisschen ein, indem das Thema Atomausstieg nun in der Politik offiziell geworden ist. Allerdings ist der Atomausstieg erst für 2040 geplant. Bis dahin sollen alle AKWs die den Pseudo-Stresstest bestanden haben, weiterlaufen. Stand: 09/2012.

Die Gefahren durch Erdbeben, aktive geologische Verwerfungen, Tsunami und den allgemeinen Gefahren der Kernkraft werden weiterhin verharmlost.

Nach all den Schauermärchen und Geschichten vertraut kaum noch einer der Regierung in Japan, die sich mit dem späten Atomausstieg im Jahre 2040 einige Hintertürchen für den Fortbestand der Kernenergie offenlässt. Stand: 10/2012.

Die jetzige Regierung unter Shinzo Abe (LDP), die seit Dezember 2012 im Amt ist, hat den Atomausstiegsbeschluss der Vorgängerregierung rückgängig gemacht und will die Kernkraft sogar weiter ausbauen.

Anstatt das man aus den Konsequenzen der Reaktorkatastrophe in Fukushima lernt, sollen nur die Atomkonzerne, Aktien, der Staat etc. auf Kosten der Steuerzahler saniert werden. Die Probleme und Folgen der erhöhten Radioaktivität wollen die Politiker gerne unter dem Tisch kehren und bemühen sich um Normalität in der Präfektur Fukushima. Stand: 06/2013.

Leider hat darunter auch die Anti-AKW-Bewegung gelitten, dessen Zulauf in den letzten 6 Monaten nachgelassen hat. Sehr viele Leute lassen sich von Ministerpräsidenten Abe, der die Wirtschaft wieder in Schwung bringen, die Deflation des starken Yens eindämmen will und einiges verspricht, was dem Bürger zu Gute kommen soll, ziemlich leicht um den Finger wickeln. Stand: 06/2013.

Dadurch wird das Atom-Problem jedoch nur in den Hintergrund gedrängt. Es ist also nur eine Frage der Zeit, wie lange die künstliche „Ent-Deflation’’ des Yens und der wirtschaftliche Aufschwung überhaupt aufrechterhalten werden kann und wer da letztendlich auf der Strecke bleibt.

Noch immer leben sehr viele Leute, darunter zahlreiche Kinder in „leichtgradig“ verstrahlten Gebieten. Die Dekontaminationsversuche in der Präfektur Fukushima sind eher ineffektiv und der Zustand am AKW Fukushima Daiichi ist immer noch kritisch.

Die Städte Fukushima, EW 290 000 und Koriyama, EW 350 000 (Stand: 04/2011) weisen eine ODL* von derzeit 0,450 - 0,800 µSv/h im Schnitt auf

(Stand: 09/2012), und gelten somit als „leichtgradig“ verstrahlt. Gesundheitliche Folgen, vor allem bei Kindern sind somit schon vorprogrammiert.

Diese Problematik wird jedoch durch internationale Studien verharmlost und klein geredet.

Im Februar 2013 wurde dazu eine Studie der WHO über die gesundheitlichen Folgen durch die erhöhte Radioaktivität in der Präfektur Fukushima veröffentlicht, die zum Ergebnis kommt, dass alles „nicht so dramatisch ist“ wie die Leute denken. Und im Herbst folgt eine noch ausführlichere Studie der Unscear, die das alles noch einmal belegt.

Beide Studien, die mithilfe der Atomlobby erstellt worden sind, werden durch unabhängige Experten zu Recht kritisiert. Stand: 06/2013).

Das ist alles nicht mehr hinnehmbar und wir fordern den sofortigen Atomausstieg in Japan, das nachweislich ohne Atomstrom zurechtkommt.

Daraus entstand unsere Antiatom-Gruppe ,,Atomkraftfreie Welt – Sayonara Genpatsu Düsseldorf e.V.’’, die im Juli 2012 durch eine Hand voll in Düsseldorf lebender Japaner ins Leben gerufen wurde.

Denn um die Atomlobby weiterhin weich zu klopfen, benötigt die japanische Regierung auch Druck aus dem Ausland. Durch unsere Gruppe haben die in Deutschland lebenden Japaner und die deutschen Japan-Liebhaber die Möglichkeit die Antiatom-Proteste, die in Japan vor Ort laufen, tatkräftig zu unterstützen.

Somit wird Japan auch Vorreiter für Deutschland und den Rest der Welt!

Denn der schnellste Atomausstieg innerhalb von nur 14 Monaten war schon quasi vollzogen, wenn die Regierung im Juli 2012 durch die unnötige Wiederinbetriebnahme zweier Reaktoren nicht alles wieder kaputt gemacht hätte und ein bisschen mehr hinter ihrem japanischen Volk stehen würde.

Weitere japanbezogene Antiatom-Gruppen gibt es auch in Berlin, England und Frankreich.

Während die Ukraine und alle anderen kernenergiebetreibenden Länder aus dem GAU im AKW Tschernobyl quasi gar nichts gelernt haben, sollte zumindest nach dem GAU im AKW Fukushima Daiichi das große Erwachen kommen.

                         Denn Sicherheit ist nicht verhandelbar!

 

*ODL= Ortsdosisleistung ist der gemessene Wert der radioaktiven Strahlung an einem bestimmten Ort. Gemessen wird in µSv/h (Mikro Sievert pro Stunde)

 

Die Artikel „Aktuelles"

Die Artikel „Aktuelles“ (s. weiter unten), die wie alle anderen Artikel und Berichte, aufgrund der „Nichtöffentlichmachung" der Homepage „Sayonara Genpatsu Düsseldorf“ nicht mehr eingesehen werden können, sind ab sofort hier auf antiatom-fuku zu finden. Die „Nichtöffentlichmachung" der HP „Sayonara Genpatsu Düsseldorf" wurde Mitte Juni 2018 durch den gegenwärtigen Vorstand getätigt. Das bedeutet, dass der Inhalt der HP ab sofort nur noch nach Eingabe eines Passwortes eingesehen werden kann. Warum sich der Vorstand zu diesem Schritt entschloss, ist uns jedoch völlig unklar. 

 

Anmerkung zu den Artikeln „Aktuelles“

Da die Homepage der Sayonara Genpatsu nun nicht mehr zugänglich ist, haben wir die Artikel, die unter „Aktuelles“ zu finden gewesen sind, hier auf antiatom-fuku eingefügt. Alle „Aktuelles-Berichte“ und die dazugehörigen Bilder sind Eigentum von antiatom-fuku. Diese Berichte wurden alle durch Petra Alt, antiatom-fuku erstellt und für den Gebrauch beider Homepages (antiatom-fuku und Sayonara Genpatsu Düsseldorf) zur Verfügung gestellt.

Da keine anderen Vereinbarungen mit dem damaligen, bzw. jetzigen Vorstand der Sayonara Genpatsu Düsseldorf getroffen worden sind, bleiben die Artikel „Aktuelles“ Eigentum der antiatom-fuku und dürfen somit von der Homepage der Sayonara Genpatsu „übernommen“ werden. 

 

Aktuelles 2018, 2017 und 2016 (Auszug)

März 2018

7 Jahre nach der Dreifachkatastrophe – Der Zustand in Fukushima

Heute vor 7 Jahren, am 11. März 2011 um 14:46 Uhr wurde der Nordosten Japans von einem verheerenden Erdbeben und einem gewaltigen Tsunamiheimgesucht, wodurch auch die Reaktorkatastrophe mit 3 Kernschmelzen am AKW Fukushima Daiichi ausgelöst worden ist. Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Der Tsunami überflutete eine Fläche von 470 km². Mehr als 260 küstennahe Ortschaften wurden zerstört.

In den offiziellen Gedenkfeiern, die vielerorts in Nordostjapan stattfanden, wurden zwar die Opfer der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe bedacht, wobei die Folgen der Reaktorkatastrophe allerdings nicht erwähnt worden sind. Anders sah das in den Gedenk- und Demoveranstaltungen der NGOs und Antiatom-Gruppen aus, die das Thema „Fukushima“ in den Fokus stellten. Denn seitens der Regierung wird vor allem in Anbetracht der bevorstehenden Olympiade 2020, die Reaktorkatastrophe weitestgehend nicht thematisiert. Es wird einfach totgeschwiegen . . .

Häuser, Ortschaften, die nach dem Erdbeben und Tsunami noch intakt geblieben schienen, mussten aufgrund der hohen Radioaktivität fluchtartig verlassen werden. Hunderttausende verloren ihre Heimat.

Die bisher größte Naturkatastrophe in Japans Geschichte forderte rund 15.893 Todesopfer und über 6000 Verletzte. 2554 Leute gelten noch als vermisst. Mehr als eine halbe Million Menschen wurden evakuiert, bzw. flüchteten „freiwillig“. Die radioaktiv verseuchten Gebiete um das AKW Fukushima Daiichi sind auf mehrere Jahrzehnte nicht mehr bewohnbar. Diese Gebiete werden aber, auf Anordnung der Regierung, zwecks Senkung der Radioaktivität, einer Flächendekontamination durch Abtragen der obersten Erdschicht unterzogen. Es wird weiterhin konsequent versucht, die Leute zur Rückkehr in ihre immer noch radioaktiv belastete Heimat zu bewegen. Da durch Wind und Regen immer wieder neue radioaktive Partikel herangetragen werden, hält der Effekt der Flächendekontamination auch nur kurzzeitig an. Alle Flächen, die sich außerhalb von Wohngebieten befinden, landwirtschaftliche Nutzflächen ausgenommen, wurden nicht dekontaminiert und weisen weiterhin eine deutlich erhöhte Strahlung auf.

Da sich die Rückkehrbereitschaft aus Sorge um die Gesundheit, sehr stark in Grenzen hält, lockt die Regierung sogar mit Prämien. Im Ort Iitate, der sehr stark radioaktiv verseucht worden ist, wurde sogar eine ganz neue Schule gebaut, um Familien mit Kindern zurück zu locken. Bisher sind „nur“ etwa 500 der 6000 ehemaligen Einwohner nach Iitate zurückgekehrt. Hierbei handelt es sich eher um ältere Leute, die in ihrem gewohnten Umfeld bleiben wollen.

 

Am AKW Fukushima Daiichi

In der direkten Umgebung um das AKW häufen sich schwarze Säcke mit radioaktivem Abfall, der dort unter freien Himmel lagert. Alles radioaktiver Dreck, verursacht durch das AKW Fukushima Daiichi. Drum herum einige Wohnhäuser, die aufgrund der hohen Radioaktivität verlassen werden mussten. Die gesamte Umgebung wurde evakuiert und ist nicht mehr bewohnbar. Weit und breit kein Mensch zu sehen. . . Die Natur liegt in einer winterlich und verwelkten Vegetation dar.

Direkt hinter dem AKW stehen all die großen Lagertanks mit hochradioaktiv verseuchtem Wasser. Ebenfalls zu sehen die braune Erde einer ausgehobenen Grube, in der radioaktive Dekontaminationsabfälle eingelagert werden sollen.

Am Reaktorgebäude 3 befindet sich auf dem Dach die im vergangenen Februar fertiggestellte halbrunde Schutzhülle und Entnahmevorrichtung für die Bergung der 566 Brennelemente aus dem Abklingbecken. Da die Strahlung im Inneren der Schutzhülle bei 100 bis 700 µSv/h liegt, muss die Bergung der Brennelemente, die im kommenden Herbst beginnen soll, über ferngesteuerte Kräne erfolgen. Eine Aufgabe, die sich aufgrund der Umstände eher schwierig gestalten wird.

Obwohl die Regierung und der Betreiber Tepco genau wissen, was die Reaktorkatastrophe für einen tiefen Einschnitt im Leben der Betroffenen verursacht hat, treiben beide die Wiederinbetriebnahme zweier Reaktoren am AKW Kashiwazaki Kariwa, Präfektur Niigata weiter voran.

Statt sich mit aller Kraft zu bemühen „Fukushima“ vergessen zu machen, und andere AKWs wieder hochzufahren, sollte man lieber die Opfer der Katastrophe unterstützen, ihnen ein normaleres Leben mit Wiedereingliederung in Arbeit und einer zumutbaren Bleibe ermöglichen, und sich auf bestmögliche Schadensbegrenzung und Rückbau der Reaktorruine fokussieren. Denn dort ist nämlich noch einiges im Argen. Seit 2011 läuft kontinuierlich radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer. Das hochradioaktive, vor allem das tritumhaltige Wasser, das in Tanks auf dem Gelände lagert, kann nicht „gereinigt“ werden. Die Atomaufsichtsbehörde NRA empfiehlt die Verklappung ins Meer. Dagegen wehren sich jedoch die Fischer und Umweltverbände. Was also mit dem besagten Wasser passieren soll, steht momentan noch nicht fest. Fest steht, das es verschwinden soll . . . „aus den Augen, aus dem Sinn“.

Laut Schätzungen wird der Rückbau der havarierten Reaktoren mindestens noch 40 Jahre andauern.

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Januar 2018

AKWs zwischen Vulkanen und Erdbeben

In Japan sind Vulkane nach Erdbeben und Tsunami die dritte große Gefahr durch Naturereignisse. Alleine in Japan ereignen sich 20% aller Erdbeben weltweit. Dazu ist Japan übersät mit Vulkanen, wovon 265 zurzeit vermehrte Aktivität zeigen1,2,3. Hier und dort kommt es dann auch mal zum Ausbruch, der je nach Stärke erhebliche Gefahren, vor allem für die AKWs mit sich bringen kann. Nach einem Gerichtsurteil,

dass Mitte Dezember 2017 am OLG Hiroshima gefällt worden ist, darf der Reaktor 3 am AKW Ikata, Präfektur Ehime, nach Beendigung der Revision (von Oktober 2017 bis Mitte Januar 2018), vorerst nicht mehr angefahren werden. Begründet wurde das Urteil damit, dass aktive Vulkane in der Umgebung, insbesondere der Berg Aso, Nordkyushu eine zu große Gefahr für das AKW Ikata darstellen würden.

Der o.g. Reaktor wurde zwar 2016 durch die Atomaufsichtsbehörde NRA für „sicher“ befunden und zur Wiederinbetriebnahme freigegeben, allerdings wurden, wie unabhängige Experten belegten, mögliche Gefahren durch Erdbeben und Vulkane von der NRA völlig unterbewertet. Bei der Bewertung wurden sogar Daten der betreibenden Shikoku Elektrizitätswerke herangezogen! (Kein Einzelfall). Da ist es doch ganz klar, dass die vom Betreiber erhobenen Daten zu Gunsten des AKWs ausgelegt sind. Denn kein Atomkonzern würde sich selber schaden wollen. Also kann doch von Objektivität der Daten keine Rede mehr sein.

Ein Zustand, der nicht gerade vertrauenserweckend ist! Zumal die NRA den o.g. Reaktor freigab, obwohl er technische Mängel aufwies. Denn im Juni 2016, kurz vor der geplanten Wiederinbetriebnahme, fiel eine defekte Kühlpumpe auf, die erst einmal ausgetauscht werden musste. Auf die Vulkangefahr reagierte die NRA nun mit  

einem Notfallplan, der vorgibt, wie im Falle eines drohenden Vulkanausbruchs mit dem AKW umgegangen werden soll. Er ist in 4 Stufen gegliedert und sieht vor, dass bei Stufe 1 und 2 erhöhte Aufmerksamkeit, bzw. Alarmbereitschaft geboten ist. Bei Stufe 3, also der erhöhten Alarmbereitschaft, ist eine eventuelle Reaktorabschaltung vorzubereiten. Und wenn der Vulkan dann droht auszubrechen, also bei Stufe 4, soll der Reaktor sofort heruntergefahren und die Brenn-elemente entnommen werden. Die „heißen“ Brennelemente auf die Schnelle entnehmen? Und das auch noch gefahrlos? Und was ist mit dem Abklingbecken? Sind da keine „heißen“ Brennelemente drin, die noch aktiv gekühlt werden müssen? Denn das Abklingbecken wäre nämlich auch nicht sicher vor dem Vulkan.

In Japan gelten etwa 265 Vulkane als aktiv. Die meisten davon befinden sich auf der Hauptinsel Honshu. Davon waren in letzter Zeit die meisten im Süden (Kyushu), wie z.B. der Berg Aso oder Sakurajima aktiv.

Im 150 km-Umkreis des AKWs Sendai, Präfektur Kagoshima (Kyushu) liegen 14 aktive Vulkane, darunter auch der 50 km entfernte Sakurajima, der 2016 zum letzten Male ausbrach. 2013 spie der Vulkan Asche und Gesteinsbrocken bis in 5 km Höhe. Das AKW Sendai ist zurzeit mit 2 Reaktoren am Netz. 

Zu beachten sind vor allem auch die pyroklastischen Ströme, die den Vulkanausbruch noch gefährlicher machen. Die aus Gesteinsbrocken, Magma und heiße Asche bestehende Masse, die in einer hohen Geschwindigkeit den Berg hinunterdonnert, walzt alles nieder, was sich ihr in den Weg stellt, und stellt somit auch eine Gefahr für die AKWs dar. Die über viele Kilometer umherfliegende heiße Asche mit all ihren Partikeln legt sich überall nieder und richtet Schaden an. 

Und das sind auch keine Ausnahmefälle. Das betrifft nämlich alle AKWs, die für die Wiederinbetriebnahme vorgesehen werden, bzw. schon wieder in Betrieb sind.

So muss man sich doch wieder aufs Neue fragen: „Reicht eine Reaktorkatastrophe, die durch ein Naturereignis verursacht worden ist noch nicht?“ Zahlreiche Vulkanologen warnen jedenfalls, auch wenn 4 Reaktoren an zwei AKWs schon wieder in Betrieb sind5.

Weiterführende Hintergrundinformationen:

1) Vulkane in Japan

2) Welche Vulkane sind zurzeit aktiv? - Interaktive Weltkarte

3) Erdbeben im Überblick und weitere Hintergrundinformationen speziell für Japan (japanisch)

4) Vulkanaktivitäten in der Nähe von AKWs (Welt, Archiv 2015)

5) AKW-Status

 

Dezember 2017

Japan und der Einfluss der Politik

Während man sich am havarierten AKW Fukushima Daiichi weiterhin um eine Schadensbegrenzung bemüht, wird das Thema „Fukushima“ durch die Politik aktiv verdrängt. Und je weiter man vom Ort des Geschehens entfernt ist, desto mehr gerät „es“, wie die nachfolgende Umfrage zeigt, in Vergessenheit.  

Einerseits weist Japan weiterhin eine starke Anti-AKW-Bewegung auf, die schon einige Wiederinbetriebnahmen von Reaktoren verhindert, bzw. hinausgezögert hat. Auch gegen die Änderung der seit etwa 70 Jahren bestehenden Pazifischen Verfassung (Artikel 9), die nur einem aktiven Militäreinsatz zu Gute käme, wehren sich viele Japaner. Aber dennoch schafft es Ministerpräsident Abe immer wieder die Bevölkerung für sich zu gewinnen, wodurch er in der Politik weiterhin eine sehr stabile Position hat.  

 

Umfrage zu den Gefahren durch das AKW Fukushima Daiichi und Lebensmittelimporten aus Japan

Während einige Leute das „radioaktive Problem“ schon komplett verdrängt haben, ist bei anderen Leuten, vor allem im Ausland die Sorge vor weiteren Folgen durch das havarierte AKW Fukushima Daiichi und radioaktiv belasteten Lebensmitteln aus der Präfektur Fukushima, bzw. aus Nordostjapan zum Teil noch recht groß. Dies ergab eine aktuelle Umfrage der Fukushima und Tokyo Universität. 

Demnach befürchten 84% der Südkoreaner weiterhin gesundheitliche und umweltbelastende Folgen durch die radioaktive Belastung. 14% der Befragten halten weitere Folgen aufgrund der Reaktorkatastrophe für sehr gering, und 2% sagen sogar, dass man sich keine Sorgen mehr machen braucht. In China liegen die Zahlen bei 73% (weiterhin besorgt), 21,3% (weniger besorgt) und 5,7% (Thema „Fukushima“ abgehakt).

Während es in Deutschland noch 60% sind, sind es in England nur noch etwa 38%, die weiterhin besorgt sind. 20% in Deutschland und 40% in England meinen hingegen, dass gar keine Folgen mehr zu befürchten sein, und man auch die Lebensmittel wieder bedenkenlos verzehren könne.  

Im Allgemeinen kann man aber schon feststellen, je weiter die Länder von Japan entfernt sind, desto geringer ist auch die Sorge bezüglich der Folgen, die in Verbindung mit der Reaktorkatastrophe von Fukushima stehen.

Bezüglich der Lebensmittel, die aus Japan importiert werden, wissen vor allem in Europa und Amerika nur die wenigsten, dass die Radioaktivitätsmessungen der Lebensmittel aus Japan größtenteils sogar komplett eingestellt worden sind. Viele Leute, auch in Europa haben zwar mal davon gehört, dass die Kontrollmessungen von Lebensmitteln, die Japan exportiert eingestellt worden sind, interessieren sich aber nicht weiter dafür, weil sie davon ausgehen, dass das schon „in Ordnung“ sei.

Auch innerhalb von Japan wurden die Einschränkungen immer mehr zurückgenommen und immer mehr Lebensmittel aus der Präfektur Fukushima gelangen in den Handel. Dies wird sogar von den Behörden vorangetrieben. Dafür gibt es sogar eine offizielle Behörde, nämlich das „Zentrum für Revitalisierung“, mit Sitz in Fukushima City, die für „so etwas“ zuständig ist. (Siehe dazu auch den Artikel „Fukushima-Reportage – Die Umweltjournalistin Yoko Kawasaki berichtet“ (s.u.). 

Und obwohl Japan am meisten betroffen ist, wissen 40% der dort lebenden Leute noch nicht einmal, dass die Kontrollmessungen für Lebensmittel überhaupt aufgehoben worden sind. Etwa 38% wissen darüber Bescheid, und die restlichen 22% haben zumindest mal davon gehört, sich aber nicht weiter dafür interessiert.

 

Maßnahmen zur „Verbesserung“ der AKW-Akzeptanz

Um in Zeiten einer starken Anti-AKW-Bewegung eine bessere Akzeptanz für die Kernenergie zu gewinnen, hat die Regierung bereits im vergangenen April einen finanziellen Zuschuss für alle Städte und Gemeinden, die sich im 30-km-Umkreis eines AKWs befinden, eingeführt. Zuvor erhielten nur die Städte und Gemeinden mit direktem AKW-Standort diesen Zuschuss.

Um in der lokalen Bevölkerung die Akzeptanz eines AKWs zu „verbessern“, bzw. um die Leute besser weichklopfen und abhängiger machen zu können, hat die Regierung diesen Radius nun auf satte 30 km erweitert. Das alles geschah auch ganz still und leise, und auch ganz ohne einer offiziellen Ankündigung!  

 

Mögliche Änderung der Pazifischen Verfassung bis 2020

Ebenfalls still und leise treibt die Regierung, zu Gunsten der Möglichkeit einer aktiven Kriegsführung schon seit einiger Zeit eine Änderung der Pazifischen Verfassung (Änderung des Artikels 9 im Militärgesetz) an. Durch die Änderung erhält

Ministerpräsident Shinzo Abe mehr Macht und kann sich somit im ostasiatischen Raum, vor allem gegenüber Nordkorea „besser behaupten“.

Und um mehr militärische „Stärke“ zeigen zu können, hält Japan, trotz fehlender Notwendigkeit, neben der angestrebten Verfassungsänderung, weiterhin an der Atomkraft fest. – Denn diese werden schließlich für den Bau einer Atombombe benötigt!

Ministerpräsident Abe, der es immer wieder schafft, die Bevölkerung zu beeinflussen, hat zurzeit einen sehr guten Stand in der Politik. Unter diesen Voraussetzungen könnte er es tatsächlich schaffen, die Pazifische Verfassung zu Gunsten einer aktiven Kriegsführung, bis 2020 abzuändern.

 

AKW-Status 12/2017

Zurzeit laufen in Japan 4 Reaktoren, jeweils 2 am AKW Takahama, Präfektur Fukui und am AKW Sendai, Präfektur Kagoshima. Der Reaktor 3 am AKW Ikata, Präfektur Ehime befindet sich in der Routinewartung und soll ab Januar wieder angefahren werden.

Die Reaktoren 3 und 4 am AKW Genkai, Präfektur Saga und Reaktor 3 und 4 am AKW Ōi, Präfektur Fukui sollten ja bereits im vergangenen Herbst wieder ans Netz genommen werden, stehen aber wegen technischer Nachbesserungen und erneuten Materialprüfungen weiterhin still.  

 

Der Kobe Stahl-Skandal

Nach dem bereits Mitte Oktober Ungereimtheiten in den Daten der Materialprüfung der zu verarbeitenden Metalle aufgefallen sind, hat der Großkonzern Kobe Stahl nun zugegeben, Produkte mit gefälschten Inspektionsdaten an Kunden weltweit ausgeliefert zu haben. Die Metallprodukte wurden in einer schlechteren Qualität hergestellt, als in den Zertifikaten angegeben worden ist. Diese Metallprodukte

werden nämlich nicht nur in Autos, Zügen und Flugzeugen verbaut, sondern auch in Atomkraftwerken!

Davon betroffen sind gleich mehrere AKWs, wovon einige auch schon von der Atomaufsichtsbehörde NRA für „sicher“ befunden und zur Wiederinbetriebnahme freigegeben worden sind. 

Vier der betroffenen Reaktoren (AKW Genkai und AKW Ōi, alles DWR, ursprünglicher Termin war September) sollten sogar Anfang des kommenden Jahres wieder in Betrieb genommen werden. Die Wiederinbetriebnahme verschiebt sich jetzt jedoch noch einmal um 2 weitere Monate, da nun eine Materialprüfung des Reaktorstahls durch die NRA erfolgen soll.

Denn die Reaktoren bestehen, wie nun stark vermutet wird, anders als im Gütezertifikat angegeben, aus einem minderwertigeren Stahl. Somit stellt sich vor allem für SWR berechtigterweise die Frage, ob der Reaktordruckbehälter den laufend hohen Temperaturen, den Innendruck und den Neutronenbeschuss auf Dauer überhaupt Stand hält.

 

Fazit

Bleibt nun abzuwarten, wie sich die Lage 2018 entwickelt. Spannend ist daher auch die Frage, ob die vier besagten Reaktoren tatsächlich wieder angefahren werden dürfen. Es muss jedoch, auch wenn es entgegen aller Vernunft ist, damit gerechnet werden. . .    

 

Weitere Infos:

„Das Zentrum für Revitalisierung verstrahlter Gebiete" Im Vortrag von Yoko Kawasaki

Zum Kobe Stahl-Skandal ein Bericht der DW.

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August 2017

Hiroshima-Jahrestag – Atomwaffen heute

Der 06. August, der Abwurf der Atombombe „Little Boy“ (Sprengkraft1: 13kt TNT) auf Hiroshima jährt sich nun zum 72. Male. Nur 3 Tage später wird eine weitere Atombombe „Fat man“ (Sprengkraft: 21kt TNT) auf Nagasaki abgeworfen.

Die damals schon enorme Zerstörungskraft der „frühzeitlichen“ Atombomben, ist im Vergleich zu den heutigen Kernwaffen sogar noch „relativ gering“ gewesen. Demnach ist nicht auszudenken, wie viel Leben eine „neuzeitliche“ Atombombe flächendeckend auslöschen würde. 1kt = 1000 Tonnen.                 

Die Atombombe, die 1954 auf dem Bikini-Atoll abgeworfen worden ist, hatte eine Sprengkraft von 11000kt (11Megatonnen)! Hierbei wurde auch das japanische Fischerboot „dai go fukuryū-maru“ (Glücklicher Drachen Nr. 5) vom radioaktiven Niederschlag getroffen. Die Besatzungsmitglieder starben in den nächsten Monaten an den Folgen der Verstrahlung. 

In Nordkorea provoziert Machthaber Kim Jong Un weiterhin mit Raketentests und erprobte erst kürzlich wieder eine Interkontinentalrakete, die mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden kann und eine Reichweite bis Amerika hat.

Ebenfalls besorgniserregend sind Wärmebildaufnahmen, die im Zeitraum von September 2016 bis Juni 2017 per Satellit aufgenommen worden sind und laut den US-Behörden auf Aktivitäten in der Atomanlage Yongbyon hinweisen. In der Atomanlage Yongbyon2wird waffenfähiges Plutonium bereitgestellt. 

Auch die übrigen Atommächte wie z.B. Russland, USA und Iran lassen sich nicht unbedingt in die Karten schauen. Und dann sind da noch die Atombomben vom US Militär, die am Fliegerhorst Büchel in der Eifel stationiert sind, also mitten in Deutschland. 

Die verheerenden Folgen von Hiroshima und Nagasaki hielten die Welt nicht davon ab weiterhin, bzw. immer „bessere“ Atombomben zu bauen. Ab den 70ern boomte die Atomkraft so richtig, und die AKWs schossen wie Pilze aus dem Boden. Unter dem Vorwand der Energiegewinnung bei steigendem Stromverbrauch, wurde die Atomkraft, die ursprünglich nur einen militärischen Nutzen hatte, als unerschöpfliche und kostengünstige Energiequelle gepriesen.

Selbst das am stärksten getroffene Japan betrieb zu Spitzenzeiten 54 Reaktoren plus 22 Forschungsreaktoren und verfügt mittlerweile über 48 Tonnen Plutonium, wovon ein Teil in La Hague und Sellafield lagert.

Als Amerika nur ein paar Jahren nach den Atombombenabwürfen die „zivile Nutzung“ der Atomkraft nach Japan brachte3, unterschied man, um die Gehirnwäsche zu perfektionieren, feinsäuberlich zwischen dem „guten“ und dem „bösen“ Atom, also zwischen der zivilen und der militärischen Nutzung der Kernenergie.                                 

Parallel dazu forschten US-Wissenschaftler der ABCC, unter dem Vorwand medizinische Hilfe leisten zu wollen, an den Atombombenopfern von Hiroshima und Nagasaki, um Erkenntnisse über die gesundheitlichen Folgen der Radioaktivität zu erlangen. Die erhobenen Daten wurden strengstens geheim gehalten.

Auch jetzt nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima halten die Lobbyisten der Atomstaaten wieder einmal ihre Hand schützend über die Atomkraft. So auch in Japan, wo mittlerweile die ersten AKWs wieder am Netz sind.   

 

Februar 2017

AKW Fukushima Daiichi – „every think is under control“ – wirklich?

Immer wieder kommt es zu neuen Schwierigkeiten am havarierten AKW Fukushima Daiichi. Nicht nur die etwa 1000 großen Tanks mit dem hochradioaktiven Wasser (ca. 960 000 m³, Stand: 02/2017), das kontaminierte Grundwasser und die sogenannte „Eismauer“, die nicht hält, was sie verspricht, sondern auch der Rückbau der Reaktoren bereitet extreme Schwierigkeiten.

Während das volle Abklingbecken von Reaktor 4 unter großem Aufwand Stück für Stück 2014 erfolgreich entleert werden konnte, wüten in den Reaktoren 1 bis 3 immer noch die drei Kernschmelzen, dessen Ausmaß man bis heute noch nicht kennt. Um für die Bergung wichtige Daten zu gewinnen, sollte nun der Reaktor 2 mittels Erkundungsroboter untersucht werden.

Erste Bilder des Vorbereitungsroboters zeigen lauter dunkle Ablagerungen und Klumpen im unteren Drittel des Sicherheitsbehälters, die dort überall an den Wänden haften. In der Mitte, also 1,5 Meter unterhalb des Druckbehälters klafft ein 1 Meter großes Loch in der Arbeitsplattform („Laufgitter"). Hier ist die Kernschmelze „durchgegangen". Wie tief sie genau gedrungen ist, weiß man noch nicht. Genau das sollte nämlich der eigentliche Erkundungsroboter, der am 16.02.2017 eingesetzt worden ist herausfinden. Dieser versagte jedoch, bevor er überhaupt die Mitte erreichte. Wahrscheinlich hielt er der hohen Strahlung nicht stand. Denn der zuvor eingesetzte Vorbereitungsroboter hatte schon eine extrem hohen Strahlenwert von 650 Sv/h !!! gemessen. Hierbei handelt es sich um eine Strahlendosis, die den sofortigen Tod eines Menschen herbeiführen würde!

Die Bevölkerung, die zu Beginn der Reaktorkatastrophe evakuiert worden ist, soll nach Wünschen der Regierung wieder zurück in ihre verstrahlte Heimat. Angeblich sei es dort seit der Flächendekontamination wieder sicher. Einige Ortschaften wurden schon, bzw. werden bis April noch „freigegeben“. Allerdings hält sich die Rückkehrbereitschaft aus gutem Grunde stark in Grenzen. Vor allem sorgt man sich um die Gesundheit der Kinder, denn die Zahl der kindlichen Schilddrüsenkrebsfälle steigt nämlich immer weiter. 

Für die Orte Iitate und Kawamata, die sehr stark kontaminiert worden sind, will die Regierung den Evakuierungsbefehl ebenfalls aufheben. Es wurde zwar eine Flächendekontamination durchgeführt, die jedoch nicht lange vorhalten wird, da immer wieder neue Partikel, vor allem aus den Wäldern mit dem Wind wieder herangetragen werden. Denn Iitate besteht zu 75% aus Wäldern, die man nämlich nicht so einfach dekontaminieren kann. Und selbst die gesetzlich festgelegte Obergrenze für dekontaminierte Gebiete ist mit 0,23 µSv/h immer noch viel zu hoch und mit einem dauerhaften Aufenthalt nicht vereinbar.

81000 Leute leben noch in Containerhäuser der Übergangssiedlungen (Quelle: Greenpeace von 02/2017), die die Regierung nun nach und nach auflösen will. 

Die Entschädigungszahlungen und Unterstützung für Wohnraum soll bis Ende März 2017 komplett eingestellt werden. Mit diesen Maßnahmen will man die Leute dazu drängen in ihre radioaktiv verseuchte und pseudodekontaminierte Heimat zurückzukehren. Denn wer zurück in sein Haus kann (muss), hat nämlich kein Anspruch mehr auf Entschädigung.

Von „Kontrolle“, wie es Ministerpräsident Shinzo Abe (LDP) einst mit den Worten „everthing is under control“ ausdrückte, kann absolut keine Rede sein. „Nothing is under control“ wäre da wohl die korrektere Aussage gewesen, als Abe die kommende Olympiade 2020 für Tokyo ankündigte.

Teile der olympischen Spiele sollen sogar in der Präfektur Fukushima ausgetragen werden. Auch das Stadion in Fukushima-City soll wahrscheinlich genutzt werden.  

Das zeigt, dass die Regierung weiterhin versucht „Gras drüber wachsen zu lassen“ (Bild: Es ist nur noch einer der Schornsteine des AKWs zu sehen). Tepco spielt den jüngsten Misserfolg bei der Erkundung des Reaktors 2 herunter und versucht Optimismus zu verbreiten.

Was die dunklen Klumpen und Ablagerungen im Sicherheitsbehälter von Reaktor 2 betreffen, handelt es sich vermutlich um „Spritzer“ der geschmolzenen Brennelemente, die nun überall an den Wänden des Sicherheitsbehälters und dem „Laufgitter“ kleben. Der Rest der Brennelemente ist wahrscheinlich im Betonfundament, bzw. im Erdreich und steht in Kontakt mit dem Grundwasser. Das sind alles Probleme, die den Rückbau der Reaktoren nicht gerade erleichtern und aufs Neue wieder verdeutlichen, das die Atomenergie einfach unbeherrschbar ist und nur immensen Schaden für die Ewigkeit anrichtet.    

   

November 2016

Kosten für den Super-GAU

Umverteilung der Verantwortung für den Super-GAU – Der Verbraucher zahlt die Zeche

Nach Meinung der Regierung LDP/Komeito liegt die Verantwortung für die Reaktorkatastrophe von Fukushima nicht nur beim Staat und den Atomkonzernen, insbesondere Tepco, sondern auch bei der Allgemeinheit. „Man müsse nun zusammenhalten und die Verantwortung gemeinsam tragen“, so die Einstellung der Regierung. Die Verantwortung oder die Kosten?? Denn mit solchen Argumenten verteidigt die Regierung nämlich nur die Umverteilung der Folgekosten für den Super-GAU auf die Steuerzahler. Und das wirkt sich nicht nur auf die Steuern, sondern auch auf die weiter steigenden Strompreise aus. Der Atomkonzern Tepco, der das havarierte AKW Fukushima dai ichi zu verantworten hat, wird weiterhin kräftig vom Staat, also vom Steuerzahler unterstützt und die noch laufenden Entschädigungszahlungen sollen auch bald eingestellt werden – alles zum Zwecke der Kostenbegrenzung für den Super-GAU; für die Atomlobby versteht sich. Seit April 2016 wurde der Strommarkt liberalisiert, so dass der Verbraucher seinen Stromanbieter selber auswählen kann. Damit aber die großen Stromkonzerne, die Atomkraft betreiben, keine Nachteile „erleiden“, falls zu viele Verbraucher wechseln, werden die neuen Stromanbieter ebenfalls kräftig zur Kasse gebeten. Das heißt die neuen Stromanbieter, die auf erneuerbare Energien setzen und keinen Atomstrom produzieren, sollen den Atomkonzernen mit einer Art Ausgleichszahlung unter die Arme greifen. Sie sollen also, obwohl sie selber keine AKWs betreiben, für den Schaden, den die Atomkonzerne angerichtet haben, mit geradestehen. Die Atomkonzerne erhalten also neben den staatlichen Subventionen jetzt auch noch Ausgleichszahlungen von den Stromfirmen, die auf umweltfreundliche Energiegewinnung setzen. Ja, auch mit solchen Maßnahmen bremst die atomfreundliche Regierung die erneuerbaren Energien weiter aus. 

Seit der Reaktorkatastrophe von 2011 sind mittlerweile mehr als 5½ Jahre vergangen und das AKW Fukushima dai ichi verursacht Tag für Tag nur noch hohe Kosten und Probleme, ohne eine einzige KW/h Strom zu produzieren! Neben den massiven Umweltschäden und den gesundheitlichen Folgen für viele Generationen, hat das AKW Fukushima dai ichi dazu noch einen wirtschaftlichen Totalschaden für die Präfektur Fukushima verursacht, wobei neben den laufenden Kosten das finanzielle Gesamtausmaß noch nicht einmal eingeschätzt werden kann. Und dennoch behaupten die Lobbyisten immer noch, dass die Herstellung von Atomstrom kostengünstiger sei als die erneuerbaren Energien. 

Der personelle Aufwand an einem AKW ist wegen dem Umgang mit nuklearem Brennmaterial und den damit verbundenen Sicherheitsvorschriften viel höher als an anderen Kraftwerken. Es ist dem entsprechend mit höheren Kosten verbunden. Außerdem muss die Anlage sehr gut bewacht werden (kein Zutritt für Unbefugte). Das gebrauchte Brennmaterial, das hochradioaktiv ist, muss über viele Jahre aktiv gekühlt und ständig beaufsichtigt werden. Die anschließende Trockenlagerung ist ebenfalls sehr aufwändig. Hinzu kommen noch alle Bemühungen für ein Endlager, die auch nicht ohne Kosten sind. Das sind alles Kosten, die in den Preis für Atomstrom eigentlich mit einberechnet werden müssten. Die Kosten für den Super-GAU kommen noch dazu. Von daher ist der Atomstrom, entgegen den Behauptungen der Regierung und den Atomkonzernen alles andere als billig! 

Die Präfektur Fukushima, die nun am meisten unter den Folgen der Reaktorkatastrophe zu leiden hat, hat daraus gelernt, sich von der Kernenergie losgesagt und setzt nun voll auf erneuerbare Energien. Da „helfen“ auch keine finanziellen Lockangebote der Atomlobby.

Der Bürgermeister von Fukushima-City, Kaoru Kobayashi und der Präfekturgouverneur von Fukushima, Masao Uchibori, drängen auf eine endgültige Stilllegung der beiden AKWs Fukushima Daiichi und Daini. Denn noch kann der Betreiber Tepco sich noch nicht so richtig von den Reaktoren 5 und 6 am AKW Fukushima dai ichi und den vier Reaktoren am AKW Fukushima Daini trennen. Die Regierung ist diesbezüglich auch nicht konsequent.

Statt aber aus den Folgen zu lernen hält die Regierung weiterhin an der Kernenergie fest, setzt sogar auf den Export der Atomtechnologie und schloss bereits Verträge mit Indien für den Bau neuer Reaktoren. Verhandlungen mit Vietnam hingegen wurden als „ergebnislos“ beendet. Aber nicht etwa aus Vernunft der Vietnamesen, sondern weil sich Vietnam den Bau der Reaktoren nicht leisten kann.

 

Weiterführende Artikel zum Bürgermeister und Präfekturgouverneur der Präfektur Fukushima

Erneuerbare Energien – Deutsche Technologie als Vorbild

2015: Bürgermeister Kaoru Kobayashi zu Besuch in Deutschland - Ein Bericht der Agentur für erneuerbare Energien

Der Präfekturgouverneur Masao Uchibori wurde im Oktober 2014 gewählt und will die Präfektur Fukushima nicht nur in puncto Energiewende vorantreiben, sondern auch wirtschaftlich mit all seinen Produkten wieder nach vorne bringen; ein Ziel, das jedoch äußerst optimistisch ist, wenn man die Strahlenbelastung der landwirtschaftlichen Flächen und der Küstengewässer bedenkt.  

 

April  

30 Jahre Tschernobyl – Die Situation heute

Auch in Tschernobyl, obwohl das schon 30 Jahre her ist, hält die Katastrophe immer noch an. Vor allem die Bevölkerung in der Ukraine und Weißrussland, wo der meiste Fallout niederging, hat darunter zu leiden. 

Am 26.04.1986 explodierte mitten in der Nacht Reaktor 4 am AKW Tschernobyl. Das misslungene Experiment, was eigentlich die „Sicherheit“ des AKWs „bestätigen“ sollte, ging mit verheerenden Folgen in die Hose und forderte mindestens 120 000 Todesopfer. Etwa 50 Einsatzkräfte, die in den ersten Tagen vor Ort waren, starben ziemlich zügig an den Folgen der Verstrahlung. Etwa 1 Mio. Menschen in der Umgebung leiden unter den Folgen der Radioaktivität.

Etwa 200 000 Menschen wurden evakuiert und die 30-km-Zone ist bis heute unbewohnbar.

Wer sich „gesund“ fühlt, also (noch) nicht unter den Folgen der erhöhten Radioaktivität zu leiden hat, hat die Reaktorkatastrophe bereits verdrängt und interessiert sich auch nicht mehr dafür. Vor allem die jüngere Generation in der Ukraine hat andere Interessen und befasst sich nicht mehr mit dem Thema „Tschernobyl“. Es bestehen sogar zum Teil erhebliche Wissenslücken.

Ab und zu, zum Jahrestag finden vereinzelnd Gedenkgottesdienste statt, aber ansonsten ist da schon reichlich Gras drüber gewachsen.

Nur bei den Betroffenen, die sehr wohl unter den Folgen der Reaktorkatastrophe zu leiden haben, ist das Thema weiterhin präsent.  Und es ist unklar, wie viele der nachfolgenden Generationen immer noch unter den Folgen der Reaktorkatastrophe, die nun schon 30 Jahre her ist zu leiden haben. Viele erkranken an Krebs, vor allem Schilddrüsenkrebs bei Kindern, sowie an weiteren nichtkanzerogenen Erkrankungen. Es kamen viele Kinder mit Missbildungen zur Welt. Die Lebenserwartung der Ukrainer, sowie in anderen stärker kontaminierten Gebieten ist niedriger als in anderen Ländern.

Die medizinische Behandlung, z.B. in einer Spezialklinik in Minsk muss zum Teil selbst bezahlt werden. Somit sind viele Betroffene und deren Angehörige auf Spenden angewiesen. Für die betroffenen Kinder werden weiterhin Erholungsaufenthalte u.a. in der Schweiz und in Deutschland angeboten, welche ebenfalls aus Spenden finanziert werden. 

Der Fallout ging auch über Europa nieder. In Deutschland ist vor allem der Süden und Teile des Ostens betroffen. Bestimmte Pilze und Wild in Bayern weisen weiterhin eine hohe Strahlenbelastung auf. Selbst die eh schon sehr hoch angesetzte gesetzlich festgelegte Obergrenze von 600 Bq/kg wird da locker überschritten.  In der Ukraine liegt die Obergrenze bei 560 und in Japan sogar „nur“ bei 100 Bq/kg. Und selbst das ist noch viel zu hoch! 

Laut einer Studie der Wissenschaftlerin Prof. Dr. Elisabeth Cardis wird die Anzahl der bösartigen Schilddrüsenerkrankungen in Europa bis 2065 bei etwa 16000 und für weitere Krebserkrankungen bei 25 000 Fällen liegen.

Wie viele Menschen letztendlich im Laufe der Zeit an den Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gestorben sind, ist unklar. Über 600 000 Liquidatoren gingen in das AKW und schmissen den herausgeschleuderten Schutt zurück in den brennenden Reaktor. In Windeseile wurde ein Sarkophag über Reaktor 4 gebaut, der mittlerweile selber strahlt und dazu noch einsturzgefährdet ist. Darunter befinden sich über 200 t hochradioaktives Material. Die neue Schutzhülle ist bereits im Bau und soll dann 100 Jahre halten. Der Bau liegt jedoch hinter dem Zeitplan, soll aber Ende 2017 fertig sein.  

Am AKW Tschernobyl arbeiten 1000 Leute im Schichtdienst, die neben der Beaufsichtigung mit der Kühlung der immer noch heißen Brennelemente aus den anderen Reaktoren beschäftigt sind. Denn das AKW blieb trotz der Reaktorkatastrophe weiterhin in Betrieb. Der letzte Reaktor ging erst 2001 vom Netz!

Die Strahlung im Tschernobyl-Gebiet ist im Durchschnitt 50 – 100 Mal höher als „normal“.

 

Die Ukraine und Japan

Im Strommix der Ukraine liegt der Anteil an Kernenergie bei 47%. 13 Reaktoren sind in Betrieb, 2 in Bau und 6 stillgelegt. Zumindest herrscht aber Baustopp an der AKW-Baustelle. Ein Ausstieg aus der Kernenergie wurde in der Ukraine nie angestrebt – trotz Reaktorkatastrophe im eigenen Lande.  Die noch laufenden Reaktoren sind auch schon sehr marode. Die jüngsten Störfälle, z.B. am AKW Saporischschja sind nicht gerade beruhigend.

Auch in Japan hält die Regierung trotz fehlender Notwendigkeit weiter an der Atomkraft fest. Und wie wir aktuell wieder einmal sehen (Erdbebenserien von Kumamoto, Kyushu), ist Japan ja auch kein besonders sicheres Pflaster für AKWs.

Fazit: Beide Länder haben versucht „ihre“ Reaktorkatastrophe und die Folgen zu verheimlichen. Beide schieben die Verantwortung hin und her und es ist auch keiner zuständig.

Einen Unterschied gibt es jedoch: Wehrend Japan den ganzen Strahlenmüll (Erdreich, Laub usw.) im ganzen Land „homogen“ verteilt, hat die Ukraine, um eine flächendeckende Kontamination zu vermeiden, den ganzen Dreck in der 30-km-Sperrzone belassen. Allerdings wurde in der Tschernobyl-Zone fleißig geplündert und die Beute nach außen verkauft. Das sind z.B. Metalle, Steine, weitere Baumaterialien, eben alles, was noch „zu gebrauchen ist“.  

In Japan hingegen wird das Zeug „offiziell“ wiederverwertet. So wird kontaminiertes Erdreich im Straßenbau oder für Dämme verwendet. Die oberste Erdschicht des Dammes besteht jedoch aus nicht kontaminiertem Erdreich – wie beruhigend! Somit soll die Menge der radioaktiv verseuchten Erde reduziert werden.

Beide AKWs Tschernobyl und Fukushima werden weiterhin Unsummen an Geld verschlingen, viel Kraft und die Gesundheit vieler Leute kosten, ohne auch nur eine einzige KW/h Strom zu produzieren.

Paul Koch aus Braunschweig (Asse-Region) angergiert sich seit vielen Jahren für die Opfer der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl und sammelt Berichte in seinem Blog

Tschernobyl Erinnerungen

Nachfolgend ein sehr interessanter Beitrag eines Zeitzeugen

Zeitzeugen – Bericht eines Liquidators

30 Jahre nach Tschernobyl

Überblick über die gesundheitlichen Folgen der Atomkatastrophe

Eine sehr informative Zusammenfassung von Frau Dr. A. Claußen (IPPNW)

 

Demo zum Fukushima Jahrestag 2015 in Düsseldorf. Bild: AF
Regenschirm ,,Fukushima mahnt". Bild: aaa-West
Demo Fukushima Jahrestag 2015 in Düsseldorf. Bild: AF